Identitätsentwicklung im Jugendalter. Welchen Einfluss hat das Konzept von James E. Marcia auf die Arbeit mit Jugendlichen?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015
27 Seiten, Note: 1,4

Leseprobe

Inhalt

Thema: Identitätsentwicklung im Jugendalter
1͘ Einleitung
2͘ Identität : Das zentrale Thema des Jugendalters
2.1. Biografien
2.1.1. Robert J. Havighurst
2.1.2. Eric H. Erikson
2.1.3. James E. Marcia
2.2. Die Suche nach der eigenen Identität - Wer bin ich?
2.3. Der Identitätsbegriff nach E. H. Erikson
2.4. Das Selbst und der Selbstwert in der Jugend
2.5. Die einzig wahre Identität gibt es nicht
3͘ Identitätsentwicklung nach J͘E͘ Marcia
3.1. Die Komplexität der Identität
3.2. Die drei Dimensionen - Krise, Erkundung und Verpflichtung
3.2.1. Formales Modell der Identitätsentwicklung
3.3. Die vier Formen des Identitätsstatus nach Marcia
3.3.1. Tabelle: Kennzeichen der vier Identitätszustände nach Marcia
3.3.2. Die diffuse Identität
3.3.3. Das Moratorium
3.3.4. Die übernommene Identität
3.3.5. Die erarbeitete Identität
3.4. Progression, Regression und Stagnation
3.5. Interviews zum Identitätsstatus
3.6. Erweiterung des Identitätsspektrums - Die vier Formen der diffusen Identität
3.6.1. Die Entwicklungsdiffusion
3.6.2. Die sorgenfreie Diffusion
3.6.3. Die Störungsdiffusion
3.6.4. Die kulturell adaptive Diffusion
3.6.4.1. Die Identitätssurfer
3.6.4.2. lles-total-normal-und-egal-Gruppe
3.6.4.3. Patchworkidentität
3.7. uswirkungen von Diffusität
4͘ Entwicklungsaufgaben früher und heute
4.1. Unterteilung in vier aktuelle Entwicklungsaufgaben
4.1.1. Qualifizieren
4.1.2. ufbau sozialer Bindungen
4.1.3. Regenerieren
4.1.4. Partizipieren
5.2. Welcher Identitätstyp macht glücklich?
5͘ Die Bedeutung des Konzepts nach J͘E͘ Marcia in der Sozialarbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen
6͘ Was versteht man unter Bewältigungsproblemen?
6.1. Tabelle: Bewältigungsprobleme von Jugendlichen nach Dauer und Intensität
7͘ Fazit
7.1. Unterstützung der Jugendlichen

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Thema: Identitätsentwicklung im Jugendalter

1. Einleitung

Zu Beginn der Beschreibung der Identitätsentwicklung im Jugendalter wird die Entwicklung der Persönlichkeit heranwachsender Jugendlicher und die Frage ͣWer bin ich?“ in den Fokus genommen. Die Fragestellung der Seminararbeit lautet: Welchen Einfluss hat das Konzept von James E. Marcia auf die rbeit mit Jugendlichen.

Die Psychologen Robert J. Havighurst, Eric H. Erikson und James E. Marcia setzen sich intensiv mit den Entwicklungsaufgaben auseinander, die junge Menschen bewältigen müssen. Es folgt eine kurze Biografie der Entwicklungspsychologen. Im Folgenden wird der Identitätsbegriff nach Erikson erläutert und führt über die Erörterung des Selbst und des Selbstwertes der Jugend zur Vorstellung der Identitätsentwicklung von Marcia. Grundlegend sind die drei Dimensionen Krise, Erkundung und Verpflichtung. Die vier Formen des Identitätsstatus nach Marcia - die diffuse Identität, das Moratorium, die übernommene Identität und die erarbeitete Identität, sind die Grundlage der rbeit Marcias. us weiteren Untersuchungen resultierten vier Formen diffuser Identität, wobei die kulturell adaptive Identität weitere Spezifikationen hervorbrachte. Es wird folglich erörtert, dass Marcia einen starken nstieg diffuser Identitäten feststellte und welche uswirkungen diese Entwicklung auf unsere Gesellschaft hat. Jugendliche befinden sich in unterschiedlichen Identitätsstadien und haben dadurch verschiedenste nsprüche an ihre Umwelt. uch benötigen sie je nach Entwicklungsgrad differenzierte Hilfe seitens der Eltern, Lehrer oder sonstiger Bezugspersonen. Es wird aufgezeigt, wie man junge Menschen in ihrer Identitätsentwicklung positiv unterstützen kann, es folgt eine useinandersetzung mit Marcias Konzept der vier Identitätsformen. Es wird Klaus Hurrelmanns Sichtweise, ein deutscher Sozial-, Bildungs- und Gesundheitswissenschaftler, auf die Entwicklungsaufgaben früher und heute dargestellt. Er fasst die von Havighurst 1940 postulierten Entwicklungsaufgaben in vier aktuelle Entwicklungsaufgaben zusammen. Beschrieben werden vier Typen von Bewältigungsproblemen, die nach Intensität und Dauer eingeteilt werden. Was getan werden muss um das Risiko von Bewältigungsproblemen in den anschließenden Lebensphasen zu senken, wird am Schluss erörtert.

2. Identität : Das zentrale Thema des Jugendalters

2.1. Biografien

2.1.1. Robert J. Havighurst

Dr. Robert J. Havighurst, 5. Juni 1900 - 31.1.1991, war Erzieher, Forscher und Professor für Pädagogik und Psychologie. Er lehrte vierzig Jahre an der Universität von Chicago. Er beschäftigte sich mit verschiedenen Lebensphasen und Übergängen. Sowohl die frühe Kindheit als auch das lter machte er zum Thema. Es setzte sich mit der Bedeutung von rbeit und Ruhestand auseinander und der Rollenfindung auch von älteren Menschen. 1954 veröffentlichte er sein Buch Die Bedeutung von rbeit und Ruhestand. Havighurst schrieb auch Bücher über den Übergang von der Jugend ins Erwachsenenalter. Die npassung der Veteranen in das zivile Leben war für ihn auch ein wichtiges Thema. Er war ein früher Verfechter der integrierten öffentlichen Schulen. Es sollten von öffentlicher Seite Chancen für arme Kinder geschaffen werden. Er war der Meinung, dass die Qualität der Leistung der Kinder in der Schule von dem sozio-ökonomischen Charakter der Schule abhinge, unabhängig von dem sozioökonomischen Status des Kindes.1

2.1.2. Eric H. Erikson

Erik H. Erikson wurde am 15. Juni 1902 bei Frankfurt geboren und starb am 12. Mai 1994 in Massachusetts. Erikson wurde als der Pionier der Identitätskrise bezeichnet. Nicht nur sein wissenschaftliches Interesse war ausschlaggebend für das Interesse an dem Thema, sondern eine starke ffinität, also Berührungspunkte, zu seinem eigenen Leben. Er wuchs in behüteten Verhältnissen auf und obwohl ihm scheinbar nichts in der Kindheit mangelte, war sein Leben von Erfahrungen der Randständigkeit geprägt. ls Heranwachsender war er unausgeglichen und bewegte sich an der Grenze zwischen Neurose und Jugendpsychose. Die Begegnung mit dem Wiener Kreis um Sigmund Freud und das Kennenlernen der Psychoanalyse wurden für ihn Beruf und Berufung. Dies brachte eine größere Stabilität in sein Leben. Erikson emigrierte in die US und erlebte dort einen großen ufstieg. Er schloss nie ein Hochschulstudium ab, wurde dennoch Professor an amerikanischen Elite-Universitäten. Ihm wurde der Ehrendoktortitel und auch der Pulitzer-Preis verliehen. In späteren Biografien wird er jedoch als ein mit geheimen Ängsten, Konflikten und Selbstzweifeln geplagter Mensch beschrieben. Selbst ein Opfer des Wiederholungszwangs, gab er Themen aus seiner eigenen Biografie an Frau und Kinder weiter. Er lebte in Zwiespältigkeiten. Das wird daran deutlich, dass er sein behindertes Kind in ein Heim gab, obwohl er die Fürsorglichkeit und Verantwortung in den Mittelpunkt seiner Werke stellte.2

2.1.3. James E. Marcia

James E. Marcia ist Entwicklungspsychologe und Jugendforscher. Sein nsatz gründet auf den Entwicklungstheorien von Erikson. Er war der Erste, der die nsätze wissenschaftlichen Prüfungen unterzog und Befragungen empirisch auswertete und daraus Schlussfolgerungen zog. Seine Erhebungen von Identitätszuständen führten zur wissenschaftlichen Theoriebildung.

2.2. Die Suche nach der eigenen Identität - Wer bin ich?

Identität kann in einem allgemeineren Sinn oder einem engeren psychologischen Sinn verstanden werden. Ersteres bezieht sich auf die persönlichen, unverwechselbaren Daten einer Person. Das betrifft den Namen, das lter, das Geschlecht und den ausgeübten Beruf. Die Psychologie beschreibt Identität als die unverwechselbare Persönlichkeit eines Menschen und das Bild, das andere Menschen von dieser Person haben. Um die Identitätsentwicklung im Jugendalter verstehen zu können, muss eine weitere Perspektive berücksichtigt werden. Ein Verständnis für die eigene Identität zu haben bzw. zu entwickeln, d.h. sich selbst und das, was man ist oder sein will, zu erkennen.

Identität kann auch als Synonym für das Selbst verwendet werden. Das Selbst hat vier spekte, es bezieht sich auf das Wesentliche eines Individuums, sozusagen den Kern einer Persönlichkeit. Das Selbst ist das Handelnde bzw. das ktive, welches Handlungen ausführt. Das Selbst bedeutet auch die Wahrnehmung des Selbst und das sich selbst erkennen. Man kann es auch als Selbstkonzept beschreiben. Die affektive Seite, d.h. die Gefühlsebene umfasst das Selbstwertgefühl und das Selbstvertrauen. Die kognitive Seite, d.h. die Verstandesebene beinhaltet die Selbstwahrnehmung und das Wissen, das eine Person von sich selbst hat. Die Selbsteinschätzung bezüglich der Fähigkeiten einer Person ist ein weiterer wichtiger spekt. Es geht darum, sich selbst zu beschreiben, seine eigene Entwicklung reflektieren zu können und die eigene Position in der Welt zu finden (Oerter/Montada 2002, S. 290/291).

2.3. Der Identitätsbegriff nach E. H. Erikson

1968 wurde der Begriff der Identität von Erikson eingeführt. Der Begriff der Identität von Erikson wird wie folgt zusammengefasst. Die ntwort auf die Frage, wer ich bin, verbindet das lte, das Bekannte und Gewohnte, das sichere Terrain auf dem man sich bisher bewegt hat, mit den an die Zukunft geknüpften Erwartungen. Es entwickelt sich ein Gesamtbild, ein sich ganz und komplett fühlen. Das bedeutet eine grundlegende Erfahrung von Beständigkeit und Selbstsein. Wichtig ist die realistische Einschätzung der eigenen Person und der eigenen Vergangenheit. Zur Beantwortung der Frage nach der eigenen Identität muss die eigene Kultur reflektiert werden, d.h. wo komme ich her und welche Erwartung werden an mich gestellt. Demgegenüber steht immer ein kritisches Hinterfragen dieser kulturellen Erwartungen und inwieweit sind soziale Erwartungen berechtigt. Das Hinterfragen und das Filtern von Standpunkten, die zu einer Person passen oder nicht, sind ein Prozess, den Jugendliche und junge Erwachsene durchlaufen. Die eigene Meinung, die sich herauskristallisiert und verinnerlicht wird im Laufe der Zeit, dreht sich um die Problembereiche der beruflichen Zukunft und der Partnerbeziehungen. Sich in religiösen und politischen Fragen zu positionieren ist auch eine Herausforderung im Identitätsprozess.

Sich in diesen Bereichen zu verpflichten, d.h. sich für einen usbildungsberuf zu entscheiden oder eine feste Beziehung einzugehen, sich mit Religion und der Sinnfrage des Lebens auseinanderzusetzen und die herausgebildete Meinung zu äußern und diese zu leben und politische Standpunkte zu beziehen, gibt dem Jugendlichen die Möglichkeit sich in die Gesellschaft zu integrieren, sich zu sozialisieren. Objektiv gesehen, bringt sich die Person produktiv in die Gesellschaft ein. Die Sozialisation, das sich Einbringen in die Gesellschaft, gibt den Heranwachsenden subjektiv ein Gefühl von Loyalität und Treue. Sind die Jugendlichen integriert, kann sich ein Gefühl von verwurzelt sein, sich wohl fühlen, sich selbst achten und sich einem Ziel annähern einstellen. Die doleszenz wird als die sensible Phase der Identitätsentwicklung genannt. Zusammenfassend kann man feststellen, dass es zwei ntriebsfaktoren gibt, die die Entwicklung der Identität nach vorne treiben. Zum einen die Selbsterkenntnis und zum anderen die Selbstgestaltung (Oerter/Montada 2002, S.292).

2.4. Das Selbst und der Selbstwert in der Jugend

Die zentrale Entwicklungsaufgabe in der Jugendphase ist die Selbst- und Identitätsfindung.

Diese Phase ist geprägt durch ein hohes Maß an ufmerksamkeit, die auf sich selbst gerichtet ist und eine vermehrte Selbstreflexion erfordert. Jugendliche beginnen sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen um daraus gewonnene Erkenntnisse auf aktuelle Erfahrungen anzuwenden und reichern dadurch neues Wissen an. Ein zusammenhängendes Selbstbild entsteht auf der Grundlage von vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Erfahrungen. Es entsteht ein Konzept der eigenen Persönlichkeit mit bestimmten Eigenschaften. Handlungen, die die frühe Jugend betreffen, werden auf der Basis dieser Persönlichkeitseigenschaften erklärt. Je älter die Jugendlichen werden, desto mehr rückt der soziale Kontext, in dem sich Dinge abspielen, in den Fokus. Die bisher eher abstrakte Beschreibung der Persönlichkeitsmerkmale wird mit zunehmendem lter klarer durch die Realisierung der verschiedenen sozialen Rollen, mit denen Jugendliche ihr Selbstkonzept nun beschreiben. Die Heranwachsenden nehmen sich in unterschiedlichen Gruppen anders wahr. Es kommt darauf an, ob es z.B. enge Freunde sind, die den Nährboden für Toleranz und angenommen sein bieten und man seine nette Seite zeigen kann. Oder es sich um eine Gruppe handelt, wo Rowdytum und Intoleranz ausgelebt werden und damit ein solches Verhalten unterstützt wird. Das usprobieren unterschiedlicher Rollen verstärkt den Wunsch der Jugendlichen das wahre Ich zu finden.

Das useinandersetzen während der Pubertät mit seinem eigenen Körper, den äußeren Erscheinungsmerkmalen, spielt eine bedeutenden Rolle. Mädchen und Jungen stellen sich Fragen wie: Wie sportlich bin ich? Wie attraktiv bin ich? Wie fit bin ich? Wie stark bin ich? Es zeigt sich, dass Jungen ein positiveres Selbstbild haben als Mädchen. Mädchen mit einem negativen Selbstbild, was ihre Körperlichkeit betrifft, neigen zu Essstörungen und Depressionen. Dies lässt sich durch die Übernahme einer Geschlechterrollenidentität begründen, die sich an Schönheitsidealen orientieren, die die Gesellschaft, durch z.B. Werbung, vorgibt.

Ein weiterer prägender Faktor in der Identitätsbildung ist die blösung vom Elternhaus und die Erfahrung, eigene Entscheidungen treffen und damit, von den Eltern unabhängige Erfahrungen machen zu können. Jedoch spielt für die zukünftige psychische Gesundheit und Stabilität die Verbundenheit mit den Eltern eine entscheidende Rolle. Den Heranwachsenden sollte ermöglicht werden, ein Gleichgewicht herzustellen einerseits zwischen der sich entwickelnden Selbstständigkeit, Selbstverantwortung, dem Herausbilden der eigenen Persönlichkeit und andererseits dem sich verbunden fühlen und der Identifikation mit den Eltern bzw. dem familiären Umfeld.

Die Entwicklung in den letzten Jahren der sozialen Netzwerke bzw. der internetunterstützten Medien und ihre Nutzung durch Jugendliche bieten eine weitere Möglichkeit zur usbildung der Identität. Das Internet nimmt einen großen Raum bei Heranwachsenden ein und ist aus ihrer Lebenswelt nicht mehr wegzudenken. In einer virtuellen Lebenswelt präsentieren sich die Jugendlichen mit einem eigenen Profil, einer sogenannten Online-Identität. Die Plattform wird genutzt um mit vielen anderen Nutzern bzw. usern, die räumlich weit voneinander entfernt sein können, gemeinsame Interessen auszutauschen und zu teilen. Facebook, um nur eine Community zu nennen, eroberte in den letzten Jahren die virtuelle Welt und somit die Chance mit anderen in Kontakt zu treten und sich selbst zu präsentieren, ohne einen Fuß vor die eigene Haustür setzen zu müssen. Ob die Online-Identität förderlich ist für soziale Kompetenzen im realen Leben wird kontrovers diskutiert. Positiv beurteilt wird, dass vor allem ängstliche und zurückgezogene Jugendliche von der niederschwelligen Möglichkeit Kontakt zu anderen Gleichaltrigen zu pflegen, Vorteile genießen. Es bestünde ein Zusammenhang zwischen der positiven Nutzung des Internets und den sozialen Kompetenzen im wirklichen Leben.

Möchte man einen Zusammenhang zwischen dem Selbstkonzept und dem Selbstwert herstellen, muss man die Entwicklung von der Kindheit bis zur Jugend beobachten. Kinder im Grundschulalter haben ein noch positives Selbstbild. Sie stellen sich selbst noch nicht in Frage. Erst mit zunehmender Beachtung, was Lehrer oder Mitschüler über einen sagen, verändert sich das Selbstkonzept und der Selbstwert. Dieser nimmt ab, weil das sich Vergleichen mit anderen auch negative Rückmeldungen nach sich zieht und die Heranwachsenden diese Meinungen in ihr Selbstbild mit einbauen. Dieser Trend setzt sich in der Jugendphase fort und erreicht in der späteren Jugend seinen Tiefpunkt. Untersuchungen zeigen, dass Jugendliche mit einem stabil hohen Selbstwert, weniger anfälliger für lkoholkonsum und -missbrauch sind. Bei Jugendlichen deren Selbstwert von einem hohen Niveau auf ein niedriges abfällt, nimmt die nfälligkeit für Drogenkonsum zu. Daraus abzuleiten ist, dass der geeignete Zeitpunkt für Interventionsmaßnahmen in der späten Kindheit und der frühen Jugend ist. Das Ziel ist die Verbesserung des Selbstwertes, d.h. unter anderem die Zunahme des Selbstvertrauens damit sich das negative Selbstbild nicht dauerhaft einnistet (Entwicklungspsychologie 2013, S. 178-181).

2.5. Die einzig wahre Identität gibt es nicht

Jugendliche sind in der Lage ihre Situation im Kontext der Vergangenheit und der Zukunft zu sehen und Möglichkeiten abzuwägen, d.h. kritisch zu hinterfragen was wäre gewesen, wenn die Bedingungen anders gewesen wären. Eine mögliche ussage Jugendlicher könnte sein: Wenn ich in der Stadt leben würde und nicht auf dem Land, hätte ich die Möglichkeit zu studieren. Heranwachsende nehmen Widersprüche in sich wahr wie zum Beispiel, dass sie sich in verschiedenen Lebensbereichen unterschiedlich verhalten. uf der einen Seite sind sie der faule und unzuverlässige Sohn und andererseits der tolle Kumpel in der Clique. Sie stellen fest, dass sie widersprüchliche Persönlichkeitsmerkmale haben. Mir ist der Schulabschluss zwar wichtig, aber ich mache nichts dafür, ist die ussage vieler Jugendlicher. Die vielen Identitäten die Individuen in sich tragen, können den Lebensbereichen, wie Familie, Freundschaften, Freizeit, Geschlechterrolle, Religion, Weltanschauung, Beruf und Politik zugeordnet werden. Jugendliche erkennen, dass es die eine wahre Identität nicht gibt (Total Diffus 2008, S. 74).

3. Identitätsentwicklung nach J͘E͘ Marcia

3.1. Die Komplexität der Identität

Der Psychologe Rolf Oerter und die Psychologin Eva Dreher (Oerter/Montada 2002, S. 293-295) sind in der Monographie Entwicklungspsychologie der Meinung, dass die Frage, ob die Identitätsentwicklung im Jugendalter voller Tumulte ist oder in einem ruhigen kontinuierlichen Wachstum verläuft, in Quer- und Längsschnittuntersuchungen erforscht werden muss. Da die neuere Forschung der nnahme, dass sich Jugendliche in einem uf und b der Gefühle befinden und um ihre wahre Identität ringen, skeptisch gegenüber steht, haben D. Offer (Oerter/Montada 2002, S. 295 , zit. nach: Offer 1975) und seine Mitarbeiter Erhebungen in zehn Ländern mittels eines Fragebogens zum Selbstbild der Jugendlichen gemacht und dies in dem Werk ‚The teenage world͚ 1988 veröffentlicht . Bei den Untersuchungen ergab sich eine relative Stabilität des Selbstkonzeptes, gemessen als Selbsteinschätzung. Diese veränderte sich laut den Untersuchungen zu keinem Zeitpunkt dramatisch. Diese Ergebnisse widerlegten die uffassung, dass sich die Identitätsentwicklung in Tumulten abspielt oder es sich um einen Zusammenbruch aller bisherigen Werteeinstellungen handelt. Diese Untersuchungen werden jedoch der zunehmenden Komplexität der Entwicklung der Identität nicht gerecht. Die Selbstbeschreibung Jugendlicher wird über längere Zeit differenzierter und zunehmend organisierter. Untersuchungen und die damit verbundenen zu erfassenden Parameter müssen diesem Umstand Rechnung tragen. Laut Günther Mey (Oerter/Montada 2002, S. 295 , zit. nach: Mey 1999) stellt sich die Identität als sehr komplexes Gebilde dar. Selbstbeschreibungen orientieren sich an der jeweiligen Bedürfnislage und den Erfahrungen Jugendlicher. Dies hat jedoch mit den Ergebnissen von Fragebögen nur wenig zu tun. Es werden andere Momente des Lebens in den Vordergrund gerückt, wie zum Beispiel kritische Ereignisse. Das Fazit ist, dass Identität nicht mit stabilen Merkmalen beschrieben werden kann. Sie muss sich als umfassende Konstruktion des Selbst in seiner jeweiligen Erfahrungswelt zeigen.

Der nsatz der Erfassung des aktuellen Identitätsstatus von Marcia (Oerter/Montada 2002, S. 295 zit. nach: Marcia 1966, S. 551-558) versucht allgemeinere Gesetzmäßigkeiten und Kennzeichen für Jugendliche zu finden ohne die Komplexität des Phänomens Identität aufzugeben (Oerter/Montada 2002, S. 294-295).

[...]


1 Todesanzeigen in The New York Times, verfügbar unter: http://www.nytimes.com/1991/02/02/obituaries/robert-havighurst-90-educator-and-expert-on-youth-and-old- age.html, veröffentlicht am: 2.Februar 1991, 25.05.2015

2 Conzen Peter: Erik H. Erikson, Grundpoitionen seines Werkes. Verfügbar unter: http://www.amazon.de/gp/product/3170210750/ref=pd_lpo_sbs_dp_ss_1?pf_rd_p=556245207&pf_rd_s=lpo- top- stripe&pf_rd_t=201&pf_rd_i=3170128280&pf_rd_m=A3JWKAKR8XB7XF&pf_rd_r=1X89EEYP1218NX 6Q5Z2A#reader_B00QAI59SE 25.05.2015

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Identitätsentwicklung im Jugendalter. Welchen Einfluss hat das Konzept von James E. Marcia auf die Arbeit mit Jugendlichen?
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Villingen-Schwenningen, früher: Berufsakademie Villingen-Schwenningen
Veranstaltung
Entwicklungspsychologie
Note
1,4
Autor
Jahr
2015
Seiten
27
Katalognummer
V365366
ISBN (eBook)
9783668448070
ISBN (Buch)
9783668448087
Dateigröße
1022 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
identitätsentwicklung, jugendalter, welchen, einfluss, konzept, james, marcia, arbeit, jugendlichen
Arbeit zitieren
Katja Zimmermann-Schneider (Autor), 2015, Identitätsentwicklung im Jugendalter. Welchen Einfluss hat das Konzept von James E. Marcia auf die Arbeit mit Jugendlichen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/365366

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