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Integration eines Kindes mit einer Schwerhörigkeit in einer Grundschule - Anspruch und Wirklichkeit

Title: Integration eines Kindes mit einer Schwerhörigkeit in einer Grundschule - Anspruch und Wirklichkeit

Examination Thesis , 2002 , 117 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Donald Grüter (Author)

Pedagogy - School Pedagogics
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Summary Excerpt Details

Einleitung
Seit nun fast dreißig Jahren wird in Deutschland intensiv über die Integration von Kindern mit Behinderung in allgemeinbildende Schulen gesprochen, geforscht und gearbeitet.

Muth, von Sustek als „Vater der Integrationspädagogik“ und „Anwalt behinderter (und benachteiligter) Kinder“ genannt,1 gibt an, dass die Frage nach der Integration von Kindern mit Behinderungen ein politisches Phänomen ist. Er führt an, dass die Demokratisierung einem dauernden Integrationsprozess unterworfen ist, mit dem Ziel, das humane Miteinander der Menschen zu erreichen. Dadurch ergeben sich der Abbau von Vorurteilen, gleiche Rechte für alle und die Respektierung der Menschenwürde. Aus diesem Grund „[...] kann Integration nicht als ein Problem verstanden werden, dessen Für und Wider diskutiert werden sollte, sondern sie ist eine Aufgabe, die den Menschen in einer demokratischen Gesellschaft aufgegeben ist.“2

Entscheidend für den Integrationsprozess war 1973 die Veröffentlichung der Empfehlungen des Deutschen Bildungsrates „Zur pädagogischen Förderung behinderter und von Behinderung bedrohter Kinder und Jugendlicher“. In ihr, von Sander als „historischer Meilenstein“ bezeichnet3, entstand eine neue „[...] Konzeption zur pädagogischen Förderung behinderter und von Behinderung bedrohter Kinder und Jugendlicher [...], die eine weitmögliche gemeinsame Unterrichtung von Behinderten und Nichtbehinderten vorsieht und selbst für behinderte Kinder [...] soziale Kontakte mit Nichtbehinderten ermöglicht.“4 Rosenberger fasst die Aussagen der Empfehlungen inhaltlich so zusammen: „Soviel Integration wie möglich, soviel Separation wie nötig.“5 Mit den Empfehlungen sollte der Weg freigemacht werden für die gemeinsame Unterrichtung von Kindern mit und ohne Behinderungen. Das Dogma einer ausschließlich an Sonderschulen durchgeführten sonderpädagogischen Förderung von Kindern mit Behinderungen wurde somit durchbrochen.6
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1 Vgl.: Sustek, H.: Integration ist unteilbar, S. 41

2 Vgl.: Muth, J.: Zur bildungspolitischen Dimension der Integration, S. 22

3 Vgl.: Sander, A.: Wohnortnahe Integration – Grundzüge, Probleme, Erfahrungen, S. 13

4 Vgl.: Deutscher Bildungsrat: Zur pädagogischen Förderung behinderter und von Behinderung bedrohter Kinder und Jugendlicher, S. 15f.

5 Vgl.: Rosenberger, M.: Schule ohne Aussonderung – Idee, Konzepte, Zukunftschancen, S. 9

6 Vgl.: Sander, A.: Wohnortnahe Integration – Grundzüge, Probleme, Erfahrungen, S. 12

Excerpt


Inhaltsübersicht

Einleitung

1. Nähere Bestimmung des Begriffs „Behinderung“

1.1. Verschiedene wissenschaftliche Sichtweisen zum Begriff „Behinderung“

1.2. Zur Relativität von Behinderung

1.3. Das Menschenbild nach Feuser

1.4 Zur gesellschaftlichen Situation von Menschen mit Behinderungen

2. Integrative Pädagogik

2.1. Der Begriff „Integration“

2.2. Verständnis der Pädagogik

2.3. Charakteristische Merkmale integrativen Unterrichtes

2.4. Die Konzeption einer allgemeinen (integrativen) Pädagogik

2.5. Modelle integrativen Unterrichts nach Feuser

3. Geschichte und derzeitiger Stand der Integrationspädagogik

3.1. Die Idee der Integration von Kindern mit Schwerhörigkeit an allgemeinbildenden Schulen

3.2. Die Empfehlungen des Deutschen Bildungsrates von 1973 und die Entwicklung in Deutschland

3.3. Entwicklung in NRW

3.4. Stand der Integration von Kindern mit Schwerhörigkeit in NRW

4. Funktionen des menschlichen Ohres, Ursachen und mögliche Auswirkungen von Schwerhörigkeit

4.1. Zur Anatomie des Ohres

4.1.1. Das Außenohr

4.1.2. Das Mittelohr

4.1.3. Das Innenohr

4.2. Definition des Begriffs Schwerhörigkeit

4.3. Formen von Hörschäden

4.3.1. Schallleitungsschwerhörigkeit

4.3.2. Schallempfindungsschwerhörigkeit

4.3.3.Kombinierte Schallleitungs- Schallempfindungsschwerhörigkeit

4.3.4. Abgrenzung zur Gehörlosigkeit

4.4. Ursachen und Häufigkeit von Hörschädigungen in Deutschland

4.5. Mögliche Auswirkungen von Schwerhörigkeit

4.6. Apparative Hörversorgung

5. Zum Wirklichkeitsaspekt der Integration von Kindern mit Schwerhörigkeit an einer allgemeinbildenden Schule am Beispiel Simons in einer Schule in S. - B.

5. 1. Die Gemeinschaftsgrundschule in S. - B.

5.2. Unterrichts- und Klassensituation

5.3. Zur Lehrerrolle im integrativen Unterricht

5.3.1. Das Ambulanzlehrersystem

5.3.2. Das Zwei – Lehrer – Modell

5.3.4. Konsequenzen für die Lehrerbildung

5.3.3. Die veränderte Lehrerrolle im integrativen Unterricht

5.4. Innere Differenzierung als unbedingtes Muss integrativen Unterrichts

5.5. Leistungsbeurteilung im integrativen Unterricht

5.6. Eltern im integrativen Unterricht

5.7. Die Identitätsentwicklung von Kindern mit Schwerhörigkeit

6. Simon – ein Junge mit Schwerhörigkeit im Unterricht einer allgemeinbildenden Grundschule mit ambulanter, sonderpädagogischer Förderung

6.1. Die Lebensgeschichte Simons

6.2. Simons Hörschädigung

6.3. Arbeits- und Sozialverhalten

6.4. Lern- und Entwicklungsstand

6.5. Simons Identitätsentwicklung – Sein Leben mit einer Hörbeeinträchtigung

6.6. Mögliche Rahmenbedingungen und Voraussetzungen für die Integration von Kindern mit Schwerhörigkeit

6.7. Zusätzliche Grundbedürfnisse für Kinder mit Schwerhörigkeit im integrativen Unterricht

6.7.1.Hörakustische Voraussetzungen

6.7.2. Die Sonderpädagogin

6.7.3. Besonderes Verhalten des Lehrers unter Berücksichtigung eines Kindes mit Schwerhörigkeit im Unterricht

6.8. Beobachtungen zu ausgewählten Fächern

6.8.1. Sport

6.8.2. Musik

7. Abschließende Bemerkungen – Sind der Integration Grenzen gesetzt?

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht die Integration eines schwerhörigen Kindes in einer allgemeinbildenden Grundschule, um den Anspruch der Integrationspädagogik mit der schulischen Wirklichkeit zu vergleichen und Herausforderungen in der Umsetzung aufzuzeigen.

  • Theoretische Grundlagen zur Definition von Behinderung und integrativer Pädagogik
  • Historische Entwicklung und aktueller Stand der Integrationspädagogik, insbesondere in NRW
  • Anatomische und audiologische Aspekte der Schwerhörigkeit sowie technische Unterstützungsmöglichkeiten
  • Praktische Untersuchung der Lehrerrolle und der Zusammenarbeit (Ambulanzlehrersystem, Zwei-Lehrer-Modell)
  • Analyse der Identitätsentwicklung und spezifischer Förderbedürfnisse von Kindern mit Schwerhörigkeit

Auszug aus dem Buch

4.1.3. Das Innenohr

Getrennt durch die Membran des ovalen Fensters ist das Innenohr, auch als Labyrinth bezeichnet. Es wird anatomisch in drei Abschnitte untergliedert: den Vorhof (Vestibulum) in der Mitte, die drei Bogengänge (Canaliculi semicirculares) hinten und die Schnecke (Cochlea). Die knöchernen Gänge im Felsenbein werden von ihrer membranösen Auskleidung („häutiges und knöchernes Labyrinth“) unterschieden. Das häutige Labyrinth ist mit einer Flüssigkeit, der Endolymphe, gefüllt, zwischen ihm und der knöchernen Wandung liegt der Perilymphraum. Das Gleichgewichtsorgan sowie die Schnecke reagieren beide auf sehr feine Druckänderungen.

Das Hörorgan, die Schnecke, ist ca. 30 – 35 mm lang und hat ca. 2 ½ Windungen. In der Schnecke liegt eine Membran, die Basilarmembran, auf der Tausende kleiner Haarzellen liegen, die mittels Zilien mit einer darüber liegenden Deckmembran verbunden sind. Die auf der Basilarmembran liegenden Haarzellen bilden das Cortische Organ. Durch die wellenartigen Schwingungen, die vom Innenohr von der Gehörknöchelchenkette über das ovale Fenster auf die Lymphflüssigkeit im Innenohr übertragen werden, werden die Haarzellen in der Schnecke bewegt. Durch diese Reizung senden die Haarzellen dann elektrische Impulse über den Hörnerv weiter an das Gehirn, wo die ankommenden Impulse weiterverarbeitet werden. Im Cortischen Organ, das wie die Schnecke selbst ca. 30 – 35 mm lang ist, hat jede einzelne Frequenz eine bestimmte Stelle, wo die Schallwellen branden und den größten Ausschlag und Reiz ergeben. Das heißt, jede einzelne Schwingungszahl wird an einer bestimmten Stelle des Cortischen Organs in Nervenerregung transformiert.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung erörtert die historische und politische Bedeutung der Integration von Kindern mit Behinderungen in Deutschland seit den 1970er Jahren.

1. Nähere Bestimmung des Begriffs „Behinderung“: Dieses Kapitel definiert Behinderung nicht nur als medizinisches Defizit, sondern betont die soziale Relativität und die Bedeutung des Menschenbildes.

2. Integrative Pädagogik: Es werden der Begriff der Integration, das Verständnis einer Schule für alle sowie verschiedene Modelle und Merkmale integrativen Unterrichts erläutert.

3. Geschichte und derzeitiger Stand der Integrationspädagogik: Dieses Kapitel beschreibt die Entwicklung der Integration in Deutschland und speziell in Nordrhein-Westfalen (NRW) von 1973 bis heute.

4. Funktionen des menschlichen Ohres, Ursachen und mögliche Auswirkungen von Schwerhörigkeit: Die anatomischen Grundlagen des Hörens sowie die verschiedenen Formen der Hörschädigung und deren Auswirkungen auf die Kommunikation werden behandelt.

5. Zum Wirklichkeitsaspekt der Integration von Kindern mit Schwerhörigkeit an einer allgemeinbildenden Schule am Beispiel Simons in einer Schule in S. - B.: Praxisnahe Analyse der Umsetzung von Integration, einschließlich der Lehrerrolle, Leistungsbeurteilung und Zusammenarbeit mit Eltern.

6. Simon – ein Junge mit Schwerhörigkeit im Unterricht einer allgemeinbildenden Grundschule mit ambulanter, sonderpädagogischer Förderung: Eine Fallstudie über die Lebensgeschichte, Identitätsentwicklung und spezifische Förderbedingungen eines schwerhörigen Schülers im integrativen Unterricht.

7. Abschließende Bemerkungen – Sind der Integration Grenzen gesetzt?: Eine kritische Reflexion darüber, ob und wo Grenzen der Integration bestehen und wie diese durch gesellschaftliche und schulische Veränderungen überwunden werden können.

Schlüsselwörter

Integration, Schwerhörigkeit, Integrationspädagogik, Gemeinsamer Unterricht, Hörschädigung, Hörgerät, FM-Anlage, Lehrerrolle, Identitätsentwicklung, Innere Differenzierung, Sonderpädagogik, Förderbedarf, Inklusion, Schulalltag, Grundschule

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Integration eines schwerhörigen Kindes in den Alltag einer allgemeinbildenden Grundschule und prüft den "Anspruch" der integrativen Pädagogik gegen die "Wirklichkeit" der Umsetzung vor Ort.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit umfasst theoretische Aspekte (Behinderungsbegriff, Integrationspädagogik, Anatomie des Ohres) und einen praktischen Teil, der die Schulsituation, Lehrerrolle und spezifische Förderbedingungen eines Schülers analysiert.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie theoretische Konzepte der Integration in der Praxis einer Grundschule realisiert werden können und welche Faktoren dabei den Erfolg der Integration maßgeblich beeinflussen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie einer eigenen Hospitation an einer Grundschule, bei der Beobachtungen zur Unterrichtspraxis und Interaktion gewonnen wurden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die Geschichte der Integrationspädagogik, eine medizinisch-audiologische Einführung sowie eine detaillierte Fallstudie über einen schwerhörigen Schüler.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Integration, Schwerhörigkeit, Integrationspädagogik, Gemeinsamer Unterricht, Lehrerrolle, Identitätsentwicklung, Innere Differenzierung und Förderbedarf.

Warum ist die Identitätsentwicklung für den schwerhörigen Schüler so wichtig?

Da die Beeinträchtigung die Kommunikation erschwert, ist die Entwicklung einer stabilen Identität, bei der das Kind seine Behinderung annimmt und aktiv lernt, damit umzugehen, entscheidend für sein Selbstbewusstsein und seinen schulischen Erfolg.

Welche Rolle spielt die FM-Anlage im Unterricht?

Die FM-Anlage dient als technisches Hilfsmittel, um dem schwerhörigen Kind die Stimme des Lehrers direkt zu übertragen und störende Nebengeräusche auszublenden, was für die Aufnahme der Lerninhalte unerlässlich ist.

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Details

Title
Integration eines Kindes mit einer Schwerhörigkeit in einer Grundschule - Anspruch und Wirklichkeit
College
University of Münster  (Fachbereich Pädagogik und Sozialwissenschaften)
Grade
1,3
Author
Donald Grüter (Author)
Publication Year
2002
Pages
117
Catalog Number
V36542
ISBN (eBook)
9783638361385
Language
German
Tags
Integration Kindes Schwerhörigkeit Grundschule Anspruch Wirklichkeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Donald Grüter (Author), 2002, Integration eines Kindes mit einer Schwerhörigkeit in einer Grundschule - Anspruch und Wirklichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36542
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