Nach aktueller Rechtslage zahlt zunächst der Arbeitgeber 6 Wochen eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall des Arbeitnehmers. Besteht die gleiche Erkrankung weiter fort, so tritt die Krankenkasse mit Krankengeld in Höhe von 70% des letzten Bruttogehalts ein.
Da sich die Ausgaben für Krankengeld seit dem Jahr 2006 von 5,7 Mrd. Euro auf 10,6 Mrd. Euro fast verdoppelt haben, hat Gesundheitsminister Gröhe beim Sachverständigenrat Gesundheit ein Sondergutachten in Auftrag gegeben. Dieses wurde im Dezember 2015 veröffentlicht. Ein Vorschlag des Gremiums lautete, dass die Krankengeldzahlung nicht mehr eine „Alles-oder-Nichts“-Entscheidung sein solle, sondern auch Teilkrankschreibungen möglich sein sollen. Im Rahmen dieser Publikation werden die bisherigen Regelungen zum Krankengeld dargestellt und der Reformvorschlag kritisch diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
0 Aufgabenbeschreibung
1 Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall
2 Ursprung und Kerngedanke des Krankengeldes
3 Aktuelle Regelungen zum Krankengeld
3.1 Anspruch auf Krankengeld
3.2 Entstehung des Anspruch auf Krankengeld
3.3 Höhe und Berechnung des Krankengeldes
3.4 Dauer des Krankengeldes
3.5 Ruhen des Krankengeldes
3.6 Ausschluss und Kürzung des Krankengeldes
4 Krankengeld als GKV-Leistung
5 Empfehlung des Sondergutachtens
6 Kritische Diskussion
6.1 Vorteile einer Teilkrankschreibung
6.2 Nachteile einer Teilkrankschreibung
7 Zusammenfassung und Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen des Krankengeldes in Deutschland, um den Reformvorschlag einer möglichen „Teilkrankschreibung“ vor dem Hintergrund steigender Leistungsausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung kritisch zu beleuchten.
- Historische Genese der Entgeltfortzahlung und des Krankengeldes seit 1883.
- Analyse der geltenden SGB-V-Regelungen zur Krankengeldgewährung.
- Untersuchung der Ausgabenentwicklung in der Gesetzlichen Krankenversicherung.
- Diskussion des Sondergutachtens zur Einführung einer Teilkrankschreibung.
- Abwägung der Vor- und Nachteile von Teilkrankschreibungen für Arbeitnehmer und Krankenkassen.
Auszug aus dem Buch
6.1 Vorteile einer Teilkrankschreibung
Als erster möglicher Vorteil einer sogenannten Teilkrankschreibung ist zu nennen, dass es für betroffene Arbeitnehmer mitunter schwierig ist, vor allem nach langer Krankheitsphase wieder berufstätig zu werden, was die Gefahr in sich birgt, dass dieser sich unter Umständen erneut krankschreiben lässt. Zwar wird dieser Gefahr bereits durch die Wiedereingliederung am Arbeitsplatz reduziert, jedoch ist nicht von der Hand zu weisen, dass ein Betroffener, der immer wieder stundenweise Kontakt mit seiner Arbeit und seinen Arbeitskollegen hat, inhaltlich und strukturell besser eingebunden bleibt. (Spiegel Online 2015:1) „In Skandinavien hat sich gezeigt, dass Teilkrankschreibungen den Wiedereinstieg erleichtern.“ (Spiegel Online 2015:1) Kausto (2013) kommt innerhalb einer Analyse über Teilkrank-schreibungen in Finnland zum Ergebnis, dass diese Maßnahme effizient sei und die Teilhabe am Arbeitsleben steigere. Dies habe positive Auswirkungen auf den Betroffenen. Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch der folgende Beitrag in dem die Integrierung des Patienten in das alltägliche (Arbeits)-Leben als eine gesundheitsfördernde Maßnahme betrachtet wird.
„Die Arbeit lenkt von der Krankheit ab, der Kontakt mit Mitmenschen wirkt sich positiv auf das Wohlbefinden aus und er kommt an die frische Luft. Ein Leben als Einsiedler ist zwar bei vielen ansteckenden Krankheiten sinnvoll, sollte allerdings auch nur in solchen Fällen gelebt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
0 Aufgabenbeschreibung: Einleitung in das Thema des Krankengeldes als Reaktion auf steigende Ausgaben im Gesundheitswesen.
1 Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall: Historischer Rückblick auf die Entwicklung der Lohnfortzahlung durch Arbeitgeber seit dem 19. Jahrhundert.
2 Ursprung und Kerngedanke des Krankengeldes: Darstellung der Einführung der gesetzlichen Krankenversicherung 1883 als Schutzmaßnahme für Arbeiter.
3 Aktuelle Regelungen zum Krankengeld: Detaillierte Erläuterung der rechtlichen Grundlagen nach SGB V, von Anspruchsvoraussetzungen bis zum Ruhen der Leistung.
4 Krankengeld als GKV-Leistung: Analyse der finanziellen Bedeutung von Krankengeldzahlungen innerhalb der GKV unter Einbeziehung statistischer Daten.
5 Empfehlung des Sondergutachtens: Vorstellung des Reformvorschlags zur Einführung eines stufenweisen Begutachtungsprozesses nach schwedischem Vorbild.
6 Kritische Diskussion: Abwägung der Pro- und Contra-Argumente einer differenzierten Teilkrankschreibung.
7 Zusammenfassung und Schlussbetrachtung: Kritische Reflexion der Reformbestrebungen vor dem Hintergrund demografischer Entwicklungen und Kompetenzgrenzen.
Schlüsselwörter
Krankengeld, Gesetzliche Krankenversicherung, GKV, Entgeltfortzahlung, Teilkrankschreibung, SGB V, Arbeitsunfähigkeit, Sondergutachten, Sachverständigenrat, Sozialversicherung, Gesundheitswesen, Wiedereingliederung, Leistungsarten, Präsentismus, Krankheitsdauer.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und den aktuellen Regelungen des Krankengeldes in Deutschland im Kontext der Diskussion über eine mögliche "Teilkrankschreibung".
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die historische Entstehung des Krankengeldes, die gesetzlichen Bestimmungen des SGB V sowie die Analyse der Kostenentwicklung in der GKV.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Reformvorschlag einer Teilkrankschreibung objektiv zu bewerten und die bisherigen Regelungen zum Krankengeld kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Auswertung statistischer Daten des GKV-Spitzenverbandes basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung der Lohnfortzahlung, die Darstellung der aktuellen SGB-V-Regelungen und eine kritische Auseinandersetzung mit dem Sondergutachten 2015.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Krankengeld, Entgeltfortzahlung, SGB V, Teilkrankschreibung und Gesetzliche Krankenversicherung.
Welche Rolle spielt das schwedische Modell in der Diskussion?
Das schwedische Vorbild dient als Argumentationsgrundlage für den Vorschlag, die Arbeitsunfähigkeit prozentual zu differenzieren, um das Restleistungsvermögen der Patienten besser zu nutzen.
Warum wird das Thema "Präsentismus" kritisch betrachtet?
Präsentismus, also das Arbeiten trotz Krankheit, birgt Risiken für die Produktivität, kann Heilungsprozesse stören und führt zur Gefahr von Rückfällen oder Chronifizierung.
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- Horst Siegfried Kolb (Author), 2017, Krankengeld - quo vadis? Geschichte, aktuelle Regelung und kritische Diskussion der Teilkrankschreibung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/365446