Widersprüchliche Aspekte des göttlichen Wesens im Bezug auf Gottlieb Baumgartens


Essay, 2015
8 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung

2.) Der von der Verehrung des Menschen abhängige Gott I

3.) Der in der Bibel von der Verehrung des Menschen abhängige Gott

4.) Die Vollkommenheit Gottes

5.) Das Ziel der Schöpfung der Welt

6.) Der in der Bibel von der Verehrung des Menschen abhängige Gott II

Literaturverzeichnis

1.) Einleitung

In der folgenden Hausarbeit soll ein Argument Alexander Gottlieb Baumgartens herausgear- beitet werden, das das Bild eines von der Verehrung des Menschen abhängigen Gottes wider- legt.

Dafür sollen zunächst die einschlägigen Paragraphen Baumgartens vorgestellt werden, die dieses Bild stützen. Zudem soll auch auf einige Stellen aus der Bibel verwiesen werden, da Baumgarten von einem christlichen Gott ausgeht. Gelingt es, das Argument hinreichend zu spezifizieren, lassen sich unter Umständen auch die strittigen Bibelstellen, hinsichtlich ihres Widerspruchs, aufklären. Aufgrund der eingeschränkten Länge der Hausarbeit soll jedoch nur auf zwei Widersprüche innerhalb der Bibel verwiesen werden.

Im Weiteren soll das von Baumgarten dargestellte Wesen und dessen inhärierende Vollkommenheit Gottes erörtert und der Begriff des Wesens bei Baumgarten analysiert werden. Im Zusammenhang mit dieser Erörterung ist es unumgänglich auch die Begriffe des Modus und des Attributs zu definieren.

Anschließend soll der offensichtliche Widerspruch zwischen der Vollkommenheit Gottes und der Abhängigkeit Gottes vom Menschen, bzw. der Verehrung des Menschen, aufgezeigt und folgend aufgelöst werden.

Außerdem soll kurz darauf eingegangen werden, in wie weit sich die dargestellte Auflösung des Widerspruchs auf die vorher aufgezeigten Bibelstellen auswirkt.

2.) Der von der Verehrung des Menschen abhängige Gott I

Baumgarten behauptet: „[...] Also läßt Gott einige Sünden in dieser Welt physisch1 zu, weil eine Welt, in der sie physisch zugelassen werden, das beste Mittel der Religion ist.“2 Der Gottesdienst ist laut Baumgarten die Verherrlichung des Ruhmes Gottes. Dieser und die Verherrlichung Gottes machen die Religion aus.3 Alle Geschöpfe Gottes, die diesem in der Schöpfung untergeordnet sind, sind der Verherrlichung und dem Ruhm Gottes dienlich4, so- dass die Ziele der Schöpfung Gottesdienst und Religion sind.5 Die Religion ist laut Baumgar- ten sogar der „letzte Zweck der Schöpfung“6.

Warum Gott des Ruhms bedarf, erläutert Baumgarten wie folgt: „Die Anerkennung größerer Vollkommenheiten ist jemandem EHRE. Größere EHRE ist RUHM. Der Ruhm Gottes ist also größere Erkenntnis seiner höchsten Vollkommenheiten. [...] Der Ruhm Gottes ist ein Gut.“7 Je mehr Wesen, je klarer, wahrer, gewisser und feuriger ergo die Erkenntnis der Vollkommen- heiten nachvollziehen, desto mehr Ruhm kommt Gott zu.8 Gott hatte bei der Schöpfung das Ziel, die beste Möglichkeit zur Anerkennung seiner Vollkommenheit zu erschaffen. Dabei war das Universum, das derzeit existiert, für diese Erkenntnis am besten geeignet.9

Diese Beschreibung klingt sehr stark nach einem Gott, der sich die Menschen nur erschaffen hat, damit sie seinem Ruhm dienen. Eine allgütige Erschaffung des Menschen um der Liebe zum Menschen willen, scheint an diesem Punkt der Betrachtung ausgeschlossen. Das widerspricht aber, wie in Kapitel 4 bewiesen werden soll, dem Wesen Gottes. Auch scheint dieses Bild eines Gottes dem christlichen Ideal eines Gottes zu widersprechen. Jedoch geht Baumgarten von einem christlichen Gott aus. Doch auch in der Bibel10 kann ein von der Verehrung des Menschen abhängiger Gott nachgewiesen werden.

3.) Der in der Bibel von der Verehrung des Menschen abhängige Gott

So spricht Gott im alten Testament zu Mose über den Pharao, der das israelische Volk ziehen lassen soll: „Ich aber will sein Herz verstocken, daß er das Volk nicht ziehen lassen will.“11 Nachdem Gott den Israeliten auf diese Art bereits eine Art Feind geschaffen hat, errettet er dieselben auf der Flucht vor dem Pharao, mehrere Male und löscht sogar andere Völker für das eine Volk aus.12

Dass Gott diese Taten rein altruistisch begeht, ist doch eher unwahrscheinlich. Viel mehr schafft er sich auf diese Weise Wesen, die ihn verehren können.

Im neuen Testament opfert Gott sogar seinen eigenen Sohn auf, damit er die Sünden der Men- schen vergeben kann. 13

[...]


1 Gott kann Sünden entweder physisch oder moralisch zulassen. (Baumgarten, § 969) Allerdings lässt er diese nie moralisch sondern ausschließlich physisch zu. (Baumgarten, § 970) Dieser Unterschied ist bedeutend für das Lösen des Theodizeeproblems bei Baumgarten. Es soll hier aber nicht weiter behandelt werden.

2 Baumgarten, Alexander Gottlieb: Metaphysica/Metaphysik. In: Hinske, Norbert; Kreimendahl, Lothar; Schwaiger, Clemens (Hrsg.), Forschungen und Materialien zur deutschen Aufklärung FMDA. Historisch - kritische Ausgabe, Band 2, frommann-holzboog, S. 501, § 970.

3 Ebd., S. 503, § 947.

4 Ebd., § 949.

5 Ebd., § 947.

6 Ebd., § 949.

7 Ebd., S. 501, § 942.

8 Ebd..

9 Ebd., § 943.

10 Sicherlich kann debattiert werden, ob die Bibel eine verlässliche Quelle dafür ist, was den christlichen Glauben ausmacht. Da die meisten Christen sich aber auf die Bibel beziehen, soll hier nicht weiter auf diese mögliche Diskussion eingegangen werden.

11 2. Mose 4, 21. In: Die Bibel nach der deutschen Ü bersetzung Martin Luthers. Altenburg: Evangelische Haupt-Bibelgesellschaft, 1965.

12 Vgl., Ebd., 4. Mose 33, 50-56, Ebd., 5. Mose 1, 8. usw.

13 Vgl., z.B. ebd., Markus 10,45.

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Widersprüchliche Aspekte des göttlichen Wesens im Bezug auf Gottlieb Baumgartens
Hochschule
Universität Erfurt
Autor
Jahr
2015
Seiten
8
Katalognummer
V365476
ISBN (eBook)
9783668451292
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Baumgarten, Metaphysik, Metaphysica, Gott, Allmacht, Allgüte, Allwissen
Arbeit zitieren
Saskia Janina Neumann (Autor), 2015, Widersprüchliche Aspekte des göttlichen Wesens im Bezug auf Gottlieb Baumgartens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/365476

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