Im Folgenden soll ein Argument Alexander Gottlieb Baumgartens herausgearbeitet werden, dass das Bild eines von der Verehrung des Menschen abhängigen Gottes widerlegt. Dafür sollen zunächst die einschlägigen Paragraphen Baumgartens vorgestellt werden, die dieses Bild stützen. Zudem soll auch auf einige Stellen aus der Bibel verwiesen werden, da Baumgarten von einem christlichen Gott ausgeht. Gelingt es, das Argument hinreichend zu spezifizieren, lassen sich unter Umständen auch die strittigen Bibelstellen, hinsichtlich ihres Widerspruchs, aufklären. Aufgrund der eingeschränkten Länge der Hausarbeit soll jedoch nur auf zwei Widersprüche innerhalb der Bibel verwiesen werden.
Im Weiteren soll das von Baumgarten dargestellte Wesen und dessen inhärierende Vollkommenheit Gottes erörtert und der Begriff des Wesens bei Baumgarten analysiert werden. Im Zusammenhang mit dieser Erörterung ist es unumgänglich auch die Begriffe des Modus und des Attributs zu definieren.
Anschließend soll der offensichtliche Widerspruch zwischen der Vollkommenheit Gottes und der Abhängigkeit Gottes vom Menschen, bzw. der Verehrung des Menschen, aufgezeigt und folgend aufgelöst werden. Außerdem soll kurz darauf eingegangen werden, in wie weit sich die dargestellte Auflösung des Widerspruchs auf die vorher aufgezeigten Bibelstellen auswirkt.
Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung
2.) Der von der Verehrung des Menschen abhängige Gott I
3.) Der in der Bibel von der Verehrung des Menschen abhängige Gott
4.) Die Vollkommenheit Gottes
5.) Das Ziel der Schöpfung der Welt
6.) Der in der Bibel von der Verehrung des Menschen abhängige Gott II
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der Annahme, dass Gott von der menschlichen Verehrung abhängig sei, und seiner metaphysisch begründeten, inhärenten Vollkommenheit, wie sie bei Alexander Gottlieb Baumgarten dargelegt wird. Ziel ist es, das Argument zu widerlegen, wonach Gott den Menschen als Mittel zum Zweck für seinen eigenen Ruhm erschaffen hat, indem die metaphysische Notwendigkeit von Gottes Wesen gegen biblische Narrative abgeglichen wird.
- Analyse des Gottesbegriffs bei Alexander Gottlieb Baumgarten
- Unterscheidung zwischen Attributen und Modi in Bezug auf das göttliche Wesen
- Kritische Auseinandersetzung mit der These eines vom Menschen abhängigen Gottes
- Metaphysische Herleitung des Ziels der Schöpfung
- Konfrontation theoretischer Überlegungen mit biblischen Textstellen
Auszug aus dem Buch
4.) Die Vollkommenheit Gottes
Das Wesen Gottes scheint laut Baumgarten nicht bestimmt zu sein und davon abzuhängen was „auch immer man annehmen mag.“
Dass Gott in der Tat ein definierbares Wesen hat, geht aber aus der von Baumgarten vollzogenen Unterscheidung von Modi und Attributen hervor. Während die Attribute eines Wesens durch die Setzung des Wesens gesetzt werden, werden die Modi eines Dinges dadurch nicht hinreichend bestimmt. Modi sind im Gegensatz zu Attributen in sich kontingente und damit absolut nicht notwendige Bestimmungen. In Gott befinden sich keine Modi. Lediglich eine Abart der Modi ist in ihm denkbar:
„Wenn wir in dem notwendigen Ding etwas bemerken, dessen hypothetische Notwendigkeit absolut notwendig ist, insofern es hinsichtlich der hypothetischen Notwendigkeit einem Modus ähnlich ist, heißt es ANALOGON EINES MODUS; insofern seine hypothetische Existenz in Gott aufgrund seines Wesens absolut notwendig ist, ist es ein Attribut.“
Da Gott nur notwendige Eigenschaften zukommen, verspürt er keinerlei sinnliche Art der Lust und Unlust. Ihm kommt nur unveränderliches Gefallen und Missfallen zu, das in höchstem Maße wahr, deutlich und vernünftig ist. Die Lust schöpft er ergo nur aus sich selbst.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Einleitung: Die Einleitung steckt den Rahmen ab, Baumgartens Argumentation gegen einen von Menschen abhängigen Gott zu untersuchen und mit biblischen Beispielen zu konfrontieren.
2.) Der von der Verehrung des Menschen abhängige Gott I: Dieses Kapitel stellt Baumgartens Position vor, wonach Gottes Ruhm und die menschliche Verehrung untrennbar mit dem Zweck der Schöpfung verbunden scheinen.
3.) Der in der Bibel von der Verehrung des Menschen abhängige Gott: Hier werden biblische Passagen analysiert, die den Eindruck erwecken, Gott handele eigennützig, um sich die Verehrung durch den Menschen zu sichern.
4.) Die Vollkommenheit Gottes: Das Kapitel definiert durch die Unterscheidung von Modi und Attributen Gottes Wesen als notwendig und vollkommen, was die These der Abhängigkeit in Frage stellt.
5.) Das Ziel der Schöpfung der Welt: Hier wird argumentiert, dass Gottes Ziel nicht die eigene Vermehrung seiner Vollkommenheit, sondern die Erschaffung einer bestmöglichen Welt für die Geschöpfe ist.
6.) Der in der Bibel von der Verehrung des Menschen abhängige Gott II: Im zweiten Teil der biblischen Analyse wird versucht, die Widersprüche zwischen den biblischen Berichten und der metaphysischen Vollkommenheit Gottes durch eine neue Perspektive auf die "beste Welt" zu lösen.
Schlüsselwörter
Alexander Gottlieb Baumgarten, Gottesbild, Metaphysik, Vollkommenheit Gottes, Theodizee, Schöpfung, Religion, Gottesdienst, Attribute, Modi, Christentum, biblische Exegese, notwendige Substanz, Ruhm Gottes, Selbstzweck.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der metaphysischen Analyse des Gottesbildes bei Alexander Gottlieb Baumgarten und hinterfragt die Annahme, Gott sei auf die Verehrung durch den Menschen angewiesen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Wesen Gottes, die Vollkommenheit als notwendiges Attribut, die Teleologie der Schöpfung und die Vereinbarkeit dieser metaphysischen Konzepte mit spezifischen biblischen Erzählungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, das Argument zu widerlegen, dass Gott den Menschen lediglich als Mittel zu seinem eigenen Ruhm erschaffen hat, indem auf seine absolute metaphysische Vollkommenheit verwiesen wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine philosophisch-theologische Textanalyse angewandt, die primär auf Baumgartens "Metaphysica" basiert und diese mit ausgewählten biblischen Textstellen abgleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Abhängigkeitsthese, die metaphysische Definition von Gottes Wesen und die kritische Auseinandersetzung mit der biblischen Sichtweise in Bezug auf Gottes Handeln.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Metaphysik, Vollkommenheit Gottes, Baumgartens Gottesbegriff, Schöpfungsziel und die Unterscheidung zwischen Attributen und Modi.
Wie definiert Baumgarten das Verhältnis von Attributen und Modi bei Gott?
Baumgarten unterscheidet Attribute als notwendige Bestimmungen Gottes von Modi, die als kontingent gelten. Da Gott eine notwendige Substanz ist, besitzt er keine Modi.
Wie löst die Autorin den scheinbaren Widerspruch der biblischen Sündenvergebung?
Die Autorin deutet an, dass selbst die bestmögliche Welt Unvollkommenheiten enthalten kann, die paradoxerweise zur Vollkommenheit des Ganzen beitragen.
- Citation du texte
- Saskia Janina Neumann (Auteur), 2015, Widersprüchliche Aspekte des göttlichen Wesens im Bezug auf Gottlieb Baumgartens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/365476