In der folgenden Hausarbeit soll der Gottesbegriff bei Johann Gottlieb Fichte herausgearbeitet werden, da er vor 1799 des Öfteren des Atheismus beschuldigt worden ist. Es soll also dargelegt werden, ob Fichte einen Gott in seinem Weltmodell annimmt und wenn ja, welche Eigenschaften dieser hat. Sollte er Eigenschaften haben, dann müssten darunter, gemäß eines christlichen Gottes, von dem in Deutschland zu dieser Zeit wahrscheinlich ausgegangen worden ist, die Eigenschaften der Allmacht, des Allwissen und der Allgüte fallen.
Um die Frage, ob Fichte einen Gott in seinem Weltmodell annimmt, zu beantworten, wird „Die Bestimmung des Menschen“ von Fichte und ein ausgewählter Teil der „Grundlage der gesammelten Wissenschaftslehre“ herangezogen. Dabei soll zuerst eine Erörterung des Weltmodells Fichtes stattfinden. Im Anschluss wird dieses durch einen möglichen Gottesbegriff Fichtes erweitert und die Frage geklärt, ob es gerechtfertigt ist, Fichte einen Atheismus zuzuschreiben. Abschließend soll auf mögliche Kritikpunkte über das Weltmodell Fichtes eingegangen werden.
Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung
2.) Das Weltmodell Fichtes
3.) Der Gottesbegriff bei Fichte im Vergleich der Eigenschaften der Allgüte, des Allwissen und der Allmacht
4.) Kurze kritische Auseinandersetzung mit Fichtes Weltmodell
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Gottesbegriff im Werk von Johann Gottlieb Fichte, insbesondere vor dem Hintergrund der ihm entgegengebrachten Atheismusvorwürfe, und analysiert, inwiefern Fichtes Weltmodell einen Gottesbegriff integriert, der den klassischen Attributen Allmacht, Allwissenheit und Allgüte gerecht wird.
- Analyse des Weltmodells von Fichte
- Untersuchung der Gottesvorstellung bei Fichte im Kontext der klassischen Attribute
- Reflexion der Vorwürfe des Atheismus gegenüber Fichte
- Kritische Würdigung von Fichtes Modell bezüglich Moralität und Erkenntnisfähigkeit
Auszug aus dem Buch
2.) Das Weltmodell Fichtes
Fichte stellt die Wahrheit seines bisherigen Wissens über das eigene Sein in Frage, da, bevor überhaupt ein Hinterfragen des eigenen Seins stattgefunden hat, das Wesen des Seins bereits von anderen Menschen dargelegt wird. Er ist der Meinung, dass er genau aus diesem Grund eigene Überlegungen über das eigene Sein anstellen sollte, da es keinen Grund gäbe, dass er dieses Hinterfragen nicht besser hinbekommen könnte. Während seiner Überlegungen findet er heraus, dass ein Zustand eines Gegenstands bloßes Leiden ist. Um zu leiden, benötigt es aber etwas, das sich nicht in einem festen Zustand befindet, folglich leidet, sondern etwas, das tätig ist und somit den Grund des Leidens festlegt. Dabei ist alles so, wie es ist, weil diesem ein bestimmter Moment vorhergegangen ist, der wiederum nur auf diese Weise ist, weil ihm ein bestimmter Moment vorhergegangen ist, der wiederum auf eine bestimmte Weise war. Hier findet folglich ein „regressus ad infinitum“, also ein Rückschritt ins Unendliche, statt. Auch in der Zukunft wird etwas nur so sein, wie es ist, weil ihm ein bestimmter Moment vorhergegangen ist, der wiederum durch einen vorherigen Moment bestimmt wurde. Man selbst ist dabei sowohl schaffend, als auch denkend „Glied in dieser Kette der strengen Naturnotwendigkeiten“. Diese sind eine Art bildende Kraft, die für einen selbst nur durch ihre Wirkungen begreifbar sind und die dieses Etwas sind, das den leidenden Gegenstand zu diesen macht.
Freiheit ist nach diesem Modell nur sehr eingeschränkt möglich, um genau zu sein nur als eine Art Gefühl, wenn man nach seiner Natur handelt. Nach seiner Natur zu handeln, ist hier das, was man wollen kann. Ein Wollen kennzeichnet Fichte als: „[...] das unmittelbare Bewußtsein der Wirksamkeit einer unserer innern Naturkräfte.“ Ein Streben dieser Kraft ist ein sittliches Gesetz, eine daraus folgende Handlung eine Tugend. Handelt jemand nicht sittengemäß, so ist das zwar verwerflich, aber es muss zudem gesehen werden, dass diese Person nicht anders handeln kann, da es in ihrer Natur liegt, so zu handeln.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein, ob Fichte in seinem Weltmodell einen Gott annimmt und entkräftet die historischen Atheismusvorwürfe gegenüber dem Philosophen.
2.) Das Weltmodell Fichtes: Dieses Kapitel erörtert die Grundzüge des Fichteschen Weltmodells, insbesondere die Begriffe von Freiheit, Leiden und das Verhältnis von Ich und Nicht-Ich.
3.) Der Gottesbegriff bei Fichte im Vergleich der Eigenschaften der Allgüte, des Allwissen und der Allmacht: Hier wird geprüft, ob Fichtes Gottkonzept die klassischen christlichen Attribute Allmacht, Allwissenheit und Allgüte erfüllen kann und inwiefern der Glaube als notwendiges Erkenntnisorgan dient.
4.) Kurze kritische Auseinandersetzung mit Fichtes Weltmodell: Das Kapitel hinterfragt die Konsistenz des Modells, insbesondere die Gefahr der Subjektivität in der Moral, wenn Gott nicht als objektive Instanz fungiert.
Schlüsselwörter
Johann Gottlieb Fichte, Gottesbegriff, Weltmodell, Atheismus, Allmacht, Allwissenheit, Allgüte, Freiheit, Moral, praktisches Handeln, Wissenschaftslehre, Ich, Nicht-Ich, Glaube, Sittenwelt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Philosophie Fichtes und untersucht, ob sein Weltmodell einen Gottesbegriff beinhaltet, der dem christlichen Verständnis entspricht.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Natur des menschlichen Bewusstseins, das Verhältnis von Freiheit und Notwendigkeit, das Postulat der Moralität und die Definition eines Gottes im System der Wissenschaftslehre.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob Fichte aufgrund seiner Definition von Gott und dem Selbstverständnis des Menschen zu Unrecht als Atheist bezeichnet wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine textanalytische Methode, wobei sie primär auf Fichtes "Die Bestimmung des Menschen" und die "Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre" zurückgreift.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Erörterung des Weltmodells, eine detaillierte Analyse der Gottesattribute und eine kritische Auseinandersetzung mit der subjektiven Begründung von Moral.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Fichtes Gottesbegriff, Freiheit, das absolute Ich, die Moralität und der Atheismusstreit.
Kann Gott nach Fichte objektiv bewiesen werden?
Nein, Fichte geht davon aus, dass Gott nicht objektiv beweisbar ist, sondern für das Individuum durch den Glauben zugänglich wird, der aus einer subjektiven Notwendigkeit heraus entsteht.
Wie bewertet die Autorin die Moralität in Fichtes System?
Die Autorin weist kritisch darauf hin, dass die Moralität bei Fichte in reine Subjektivität umschwenken könnte, wenn die Instanz eines objektiven Gottes fehlt, was zu Problemen bei der Definition allgemein gültiger Werte führen kann.
- Arbeit zitieren
- Saskia Janina Neumann (Autor:in), 2013, Weltmodell und Gottesbegriff bei Fichte. Allgüte, Allwissen und Allmacht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/365479