Diese Arbeit soll sich mit einem Argument Weyma Lübbes auseinandersetzen, welches sie in dem Text "Das Problem der Behindertenselektion bei der pränatalen Diagnostik und der Präimplantationsdiagnostik" vorstellt. Lübbe sieht demnach keinen Unterschied darin, ob man einen Menschen oder das eigene Kind in seinen Nahbereich wählt. Sie setzt bei beiden potentiellen Anwärtern auf einen Platz im Nahbereich eine Analogie. In dieser Arbeit soll dargestellt werden, dass es gewisse Unterschiede zwischen dem Verhältnis zwischen dem eigenen Kind und dem zu anderen Personen gibt.
Zunächst soll aufgrund dieser Betrachtung darauf verwiesen werden, dass es der Mutter im Gegensatz zu anderen Personen zukommt, die Gene und die Umwelt, bzw. die Erziehung des Kindes auszuwählen. Im Weiteren soll erklärt werden, dass es in der Erziehung des eigenen Kindes gewisse Grenzen gibt, die vorerst nur durch eine Art Unbehagen begründet sind. Auch soll dargestellt werden, dass der Ausschluss des Kindes aus dem eigenen Nahbereich ebenfalls eine Art Unbehagen hervorruft.
Aufgrund dieser Erörterungen soll bewiesen werden, aus welchem Grund dieses Unbehagen gerechtfertigt ist.
Im Weiteren soll dargelegt werden, dass es einer Person aber ohnehin nicht vollständig frei steht, zu wählen, mit welchen Personen sie soziale Bindungen eingeht. Es soll dafür argumentiert werden, dass dies die Qualität einer sozialen Bindung nicht zwingend vermindern muss.
Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung
2.) Lübbes Gegenargument gegen den Diskriminierungsvorwurf von geschädigten Embryonen oder Föten
3.) Wahlfreiheit in Bezug auf die genetischen Eigenschaften des eigenen Kindes
4.) Die Erziehung
5.) Grenzen der Erziehung
6.) Das Erhalten des Rechts auf freie Entscheidungen
7.) Grenzen der Freiheit der Mutter zugunsten der Freiheit des Kindes
7.1) Erziehung zur Selbstständigkeit
7.2) Der Begriff der Lebensqualität bei Kitcher
7.3) Gewichtung der Lebensqualität
8.) Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit setzt sich kritisch mit Weyma Lübbes Argumentation zur pränatalen Diagnostik und Präimplantationsdiagnostik auseinander. Ziel ist es zu belegen, dass die Analogie zwischen der freien Wahl von Personen im persönlichen Nahbereich und der Auswahl genetischer Eigenschaften bei Embryonen disanalog ist, da dem werdenden Leben ein Recht auf Lebensqualität sowie eine eigene zukünftige Freiheit zugesprochen werden muss.
- Kritische Analyse der liberalen Auffassung zur genetischen Selektion.
- Unterscheidung zwischen sozialer Bindung zu existierenden Personen und der Erziehung eines Kindes.
- Die Rolle der Lebensqualität als ethisches Korrektiv bei Reproduktionsentscheidungen.
- Grenzen der elterlichen Freiheit bei der Gestaltung des kindlichen Wesens.
Auszug aus dem Buch
3.) Wahlfreiheit in Bezug auf die genetischen Eigenschaften des eigenen Kindes
Lübbe hat dargelegt, dass man nicht dazu verpflichtet werden kann, für bereits existierende Personen seine eigene Freiheit aufzugeben.
Im Folgenden soll aber nachgewiesen werden, dass es in diesem Punkt von Lübbes Analogie zu einer gewissen Disanalogie kommt, die ihr Argument aber mehr stützt, als untergräbt. Dazu soll folgender Fall betrachtet werden: Person A liegt bedauerlicherweise im Sterben. Es handelt sich um eine Krankheit, die sich über mehrere Wochen bis Monate erstrecken kann. Die sterbende Person zu begleiten, ist unter allen Umständen psychisch sehr belastend.
Dennoch fühlt sich Person B, die die Tochter von Person A ist, auf eine gewisse Art verpflichtet, sich um Person A täglich zu kümmern und ihr in der verbliebenen Zeit ihres Lebens möglichst viel Gesellschaft zu leisten.
Person C, die in keiner Weise mit Person A verwandt oder überhaupt bekannt ist, trifft Person A und Person B durch Zufall im Park des Person A betreuenden Krankenhauses. Auch für Person C ist aufgrund des Äußeren von Person A ersichtlich, dass diese sehr krank ist und mit hoher Wahrscheinlichkeit bald sterben wird. Jedoch fühlt Person C sich im Gegensatz zu Person B überhaupt nicht verpflichtet, sich um Person A zu kümmern. Selbst wenn ihr die Lage von Person A deutlich bewusst ist.
Weder Person B noch Person C sind rechtlich dazu verpflichtet, sich um Person A zu kümmern. Fraglich ist also, was genau Person B dazu bewegt, sich um Person A zu kümmern und Person C nicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Einleitung: Einführung in die Auseinandersetzung mit Weyma Lübbes Argumenten zur Behindertenselektion und Darlegung der zentralen Forschungsfrage.
2.) Lübbes Gegenargument gegen den Diskriminierungsvorwurf von geschädigten Embryonen oder Föten: Darstellung von Lübbes These, dass vorgeburtliche Selektion im privaten Nahbereich keine verfassungswidrige Diskriminierung darstellt.
3.) Wahlfreiheit in Bezug auf die genetischen Eigenschaften des eigenen Kindes: Untersuchung der Disanalogie zwischen der freien Wahl sozialer Beziehungen und der genetischen Manipulation von Embryonen.
4.) Die Erziehung: Diskussion des Rechts der Eltern, das Wesen des Kindes durch Erziehung zu prägen, und die Verknüpfung zur genetischen Auswahl.
5.) Grenzen der Erziehung: Analyse möglicher Grenzen elterlicher Gestaltungsmacht anhand des Vergleichs mit der Pflege von Haustieren.
6.) Das Erhalten des Rechts auf freie Entscheidungen: Erörterung der Frage, ab wann ein Wesen Grundrechte besitzt und wie dies die Freiheit der Mutter einschränkt.
7.) Grenzen der Freiheit der Mutter zugunsten der Freiheit des Kindes: Zusammenfassende Betrachtung der ethischen Schranken für Mütter, unter Einbeziehung des Lebensqualitätsbegriffs nach Kitcher.
8.) Schlussbetrachtungen: Resümee über die Notwendigkeit, die Freiheit der Eltern zugunsten der zukünftigen Freiheit und Lebensqualität des Kindes zu begrenzen.
Schlüsselwörter
Präimplantationsdiagnostik, Pränataldiagnostik, Behindertenselektion, Nahbereich, Weyma Lübbe, Lebensqualität, Grundrechte, Libertarismus, soziale Bindung, Erziehung, Genetik, Fortpflanzungsgemeinschaft, Ethik, Diskriminierung, Autonomie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Argument von Weyma Lübbe, dass die Selektion von Embryonen eine legitime Ausübung der Freiheit im privaten Nahbereich sei, und hinterfragt diese Analogie.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten zählen die medizinische Ethik bei der Fortpflanzung, die philosophische Einordnung von Grundrechten und die elterliche Freiheit in Bezug auf Erziehung und Genetik.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Es wird der Frage nachgegangen, inwiefern die Freiheit der Mutter bei der Wahl genetischer Eigenschaften ihres Kindes durch die spätere Freiheit und Lebensqualität des Kindes eingeschränkt werden muss.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philosophisch-argumentative Analyse, indem sie die Thesen von Weyma Lübbe mittels Fallbeispielen und Bezugnahmen auf Autoren wie Philip Kitcher und Nicholas Agar prüft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Disanalogie zwischen der sozialen Bindung zu existierenden Personen und der Entscheidung über zukünftige Kinder, sowie die Rolle der Lebensqualität als ethisches Kriterium.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Behindertenselektion, Nahbereich, Lebensqualität und Autonomie beschreiben.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen der Freiheit der Mutter und dem Schutz des Embryos?
Sie argumentiert, dass der Embryo zwar noch kein Grundrechtsträger ist, ihm aber ein Recht auf Lebensqualität zusteht, welches die absolute Freiheit der Mutter zur genetischen Selektion einschränkt.
Warum spielt der Begriff der „sozialen Bindung“ eine so große Rolle?
Die soziale Bindung dient als Unterscheidungsmerkmal, um aufzuzeigen, dass die freie Wahl im Nahbereich bei bestehenden sozialen Beziehungen anders gelagert ist als die einseitige genetische Determination eines ungeborenen Kindes.
- Citation du texte
- Saskia Janina Neumann (Auteur), 2015, Die Freiheit des eigenen Nahbereichs im Kontext zu Lübbe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/365486