Neugeborenen-Screening zur Früherkennung von Mukoviszidose


Studienarbeit, 2017
29 Seiten

Leseprobe

Inhalt

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

0 Aufgabenbeschreibung

1 Mukoviszidose
1.1 Medizingeschichte der Mukoviszidose
1.2 Epidemiologie
1.3 Pathomechanismus
1.4 Diagnose
1.5 Klinisches Bild und Symptome
1.6 Prognose
1.7 Therapie

2 Diagnosemöglichkeiten zur Früherkennung

3 Nutzen eines (erweiterten) Neugeborenen-Screenings

4 Zusammenfassung und Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Klinische Auswirkungen pathophysiologischer Veränderungen bei Mukoviszoidose (Dockter 2002:31)

Abb. 2: Seltenere Symptome der Mukoviszidose (ÄP Pädiatrie 2003:36)

Abb. 3: Altersentwicklung der Patienten mit Mukoviszidose in Deutschland (Dockter 2002:32)

Abb. 4: Behandlungsprinzipien bei Mukoviszidose (Dockter 2002:33)

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Stationen in der Medizingeschichte der Mukoviszidose (In Anlehnung an Dockter & Lindemann 2004:2)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

0 Aufgabenbeschreibung

Im berufsbegleitenden Fernstudiengang Master in Health an Medical Management (MHMM) der Friedreich-Alexander-Universität Erlangen (FAU) ist es im ersten Semester Aufgabe, eine thematisch zu einem der beiden Studienmodulen passende Einsendearbeit zu erstellen. Hierzu werden seitens der Hochschule jeweils zwei alternative Themen vorgeschlagen. Für die folgende Einsendearbeit wurde das Modul 1, Thema 1 „Neugeborenen-Screening zur Früherkennung von Mukoviszidose“ gewählt. Ausgangspunkt ist die Tatsache, dass seit September 2016 alle Neugeborenen eine Routineuntersuchung auf Mukoviszidose, eine Stoffwechselerkrankung, die mit einer Störung des Salz- und Wasserhaushaltes einhergeht, erhalten. Den Neugeborenen wird Blut aus der Ferse entnommen und labortechnisch untersucht, was eine frühe Diagnose der Krankheit und folglich eine frühere Therapie ermöglicht. Insbesondere die frühzeitige Therapie kann das Leben der Betroffenen verlängern. Allerdings deutet ein auffälliges Untersuchungsergebnis zunächst nicht unbedingt auf Mukoviszidose hin sondern muss differential- diagnostisch mittel Schweißtest bestätigt werden. Die nachfolgende Arbeit vermittelt zunächst einen Überblick über die Krankheit Mukoviszidose und deren bisherigen Medizingeschichte und geht abschließend auf den Nutzen eines erweiterten Neugeborenen-Screenings ein.

1 Mukoviszidose

Die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) verzeichnet unter der Kodierung E84.- eine Erkrankung, bei der es sich laut Richter (2000:466) um die „bei uns am häufigsten letal verlaufende angeborene Stoffwechselerkrankung“ handelt, die Mukoviszidose oder auch zystische Fibrose genannt. Der Begriff „Muskoviszidose“ leitet sich aus dem Lateinischen für „mucus“ (schleim) und „viscidus“ (zäh, klebrig) her. Die andere Bezeichnung, nämlich „Zystische Fibrose“ (ZF), ist unter dem Begriff „cystic fibrosis“ vor allem im angelsächsischen Sprachraum verbreitet. Im Folgenden wird die Erkrankung näher vorgestellt, auf Medizingeschichte, Epidemiologie, Patho- mechanismus, klinisches Bild und Symptome, Erkrankungsverlauf, Komplikationen, Therapie, Prognose und auf die aktuelle Forschung kurz eingegangen. Erst wenn diese Punkte kurz beleuchtet wurden kann die Tragweite eines Neugeborenen- Screenings besser verstanden werden.

1.1 Medizingeschichte

Durch moderne Mess- und Analyseverfahren wie der Mutationsfrequenzanalyse wurde man darauf aufmerksam, dass es sich bei der Mukoviszidose wohl um eine sehr alte Erkrankung des Menschen handelt. Wie später noch dargestellt wird, handelt es sich bei Mukoviszidose um eine Stoffwechsel-erkrankung, die durch Genmutationen hervorgerufen wird. Während der medizingeschichtlichen Untersuchung stießen Forscher darauf, dass die häufigste Mutationsart im CFTR- Gen, wie zum Beispiel dem ΔF508, vor etwa 50.000 Jahren im arabisch- vorderasiatischen Raum entstand. Ursprungspopulation scheint dabei die ethnische Gruppe der Belutschen gewesen zu sein. Saleheen & Frossard (2008) schreiben hierzu im Abstract der unter PubMed verzeichneten Literatur: „We have reviewed findings that give clues about the origin of this mutation from the Baluch ethnicity residing in Pakistan.” Da diese Bevölkerungsgruppe zu jener Zeit das persische Plateau, ein Gebiet, welches in zentraler Lage zu einer darüber hinwegführender Route der steinzeitlichen Völkerwanderung liegt, konnte sich durch Wanderjäger die Mukoviszidose schnell in Richtung Europa ausbreiten. In Europa konnte Mukoviszidose daher bereits in Funden des Jungpaläolithikums - also dem jüngeren Abschnitt der eurasischen Altsteinzeit - vor etwa 30.000 bis 40.000 Jahren nachgewiesen werden. (Dockter & Lindemann 2004:1) In der, im Gegensatz zu Saleheen & Frossard (2008) 4 Jahre älteren Publikation von Dockter & Lindemann (2004:1) vermuten diese darüber hinaus Mutationen in Europa bei „bereits sessilen, genuin europiden Stämmen (Südwest-Frankreich / Baskenland) der Cromagnon-Menschen als auch bei nach Europa immigrierten Wanderjägern aus dem nordostafrikanischen, später arabisch-syrischen Raum […].“ Anekdotische Schilderungen einzelner typischer Symptome der Mukoviszidose finden Dockter & Lindemann (2004:1) ab dem Mittelalter. Tabelle 1 geht auf die nach Dockter & Lindemann (2004:2) wichtigsten Schritte der Medizingeschichte der Mukoviszidose ein, wobei bereits auch Busch (1990) sich die meisten Beschreibungen in einer Reihe von Fallbeispielen ab Mitte des 17. Jahrhunderts in der medizinischen Literatur zu finden sind. Damals konnten zwar Symptome identifiziert werden, aus diesen zum Teil auch Prognosen abgeleitet werden, allerdings fehlte bis dato die Erkenntnis, dass es sich um eine eigenständige Erkrankung handelt. Erst der Leidener Anatomen Peter Pauw untersuchte ein angeblich verhextes 11jähriges Mädchen und beschrieb im Rahmen seines Obduktionsberichtes 1595 die Symptome genauer. Er sprach dabei von einer geschwollenen, verhärteten, weißlich schimmernden Pankreas. (Littlewood 2012)

Tab. 1: Stationen in der Medizingeschichte der Mukoviszidose

(In Anlehnung an Dockter & Lindemann 2004:2)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wie auch die Tabelle 1 darstellt, wurde bereits relativ früh beschrieben, dass ein salziger Geschmack des Säuglings als negatives Zeichen zu deuten ist und auf eine kurze Lebenserwartung hindeutet. Ernst Ludwig Rochholz schrieb diese Erkenntnis auch in seinem Buch „Alemannisches Kinderlied und Kinderspiel aus der Schweiz“ im Jahre 1857 nieder. „Das Kind stirbt bald wieder, dessen Stirne beim Küssen salzig schmeckt.“ (Rochholz 1857) Dass es sich hierbei nicht nur um eine Erkenntnis aus der Schweiz handelt, konnte Busch (1990) ebenfalls bestätigen, wie im Abstract dargestellt wird.

“Resulting from old cleaning ceremonies and preventing or treating uncanny effects in children, it was been usual to lick forehead of newborn and children crosswise. If one perceived a salty taste, the child was called bewitched or fascinated and was feared to die soon. The author [Anm.: Gemeint ist T. Busch] detected describings in 12 states of modern Europe. Medical documents are reviewed from first case report until Carl von Rokitansky in 1838.”

(Busch 1990)

Guido Fanconi, ein schweizerischer Kinderarzt, beschrieb 1936 zusammen mit E. Uehlinger und C. Knauer, C in der Wiener Medizinische Wochenzeitschrift erstmals Mukoviszidose als Krankheitsbild unter dem Titel „Coeliakiesyndrom bei angeborener zystischer Pankreasfibromatose“. (Fanconi, Uehlinger & Knauer 1936) Sie schildern dabei zwei Fälle, der bei den untersuchten Kleinkindern tödlichen Krankheit und vermuteten bereits, dass es sich um ein Syndrom handelt. (Stephan et al. 1980) Die Symptome selbst waren allerdings bereits 1905 von Karl Landsteiner beschrieben. Landsteiner (1905) beschrieb ein Mädchen, welches am 5. Lebenstag mit aufgetriebenem Bauch verstorben war. Seine Obduktion ergab ein graugrünes Mekonium (erster Fäzes eines Neugeborenen) von zäher Konsistenz, der wie eingedickter Glaserkitt gewesen sei, wodurch dieser nicht mehr durch die Darmperistaltik weitertransportiert werden konnte. Landsteiner (1905)

Im Jahre 1938 definierte die US-amerikanische Kinderärztin und Pathologin Dorothy Hansine Andersen das Krankheitsbild unter der Bezeichnung „Zystische Fibrose“ (engl. cystic fibrosis). Dabei orientierte sie sich an den Veränderungen der Gewebe betroffener Organe, die eine Mukosa (Schleimhaut) mit mukösen Drüsen (Schleim- drüsen) aufweisen. (Andersen 1938) Schließlich etablierte der amerkanische Pathologe Sidney Farber im Jahre 1944 die Bezeichnung „Mukoviszidose“ für diese Erkrankung, was die Probuktion des zähen Schleimes in den Vordergrund stellt. (Farber 1944) Dieser Name hat sich letztlich vor allem im deutschen Sprachraum durchgesetzt. Charles Upton Lowe und seine Kollegen erkannten im Jahre 1949, dass es sich bei Mukoviszidose um eine autosom-rezessiv vererbbare Krankheit handelt und postulierten einen Gendefekt. (Lowe, May & Reed 1949) Im Jahre 1953 kam es zur ersten Veröffentlichung durch Paul di Sant’Agnese und dessen Kollegen, die auf den erhöhten Elektrolytgehalt des Schweißes bei CF-Patienten fokussierte. (Dockter & Lindemann 2004:2) Dabei stellten sie bei 9 CF-Kindern eine um den Faktor 3 höhere Chloridionenkonzentration im Schweiß fest als bei Kindern ohne Mukoviszidose. (Darling et al. 1953) Die Erkenntnis daraus führte zum heute etablierten Pilocarpin-Iontophorese-Schweißtest nach Lewis E. Gibson und Robert E. Cooke im Jahr 1959 (Gibson & Cooke 1959) und bestätigte die mittelalterlichen Aussagen über den salzigen Schweißgeschmack der Kinder mit Mukoviszidose. Als ursächlich für die Erhöhung der Salzkonzentration stellte Paul M. Quinton im Jahre 1983 eine, durch abnorm geringe Chloridionen-Permeabilität der Endothelien verursachte, sehr geringe Natriumchlorid-Reabsorption fest, indem er isolierte Schweißdrüsenausführungsgänge (Ductus sudoriferus) von Patienten mit Mukoviszidose untersuchte. (Quinton 1983) Im Abstract seiner Veröffentlichung schreibt Paul M. Quinton hierzu:

„Cystic fibrosis is the most common fatal genetic disease affecting Caucasians and is perhaps best characterized as an exocrinopathy involving a disturbance in fluid and electrolyte transport. A high NaCl concentration in the sweat is characteristic of patients with this disease; the basic physiological reason for this abnormality is unknown. We have microperfused isolated sweat ducts from control subjects and cystic fibrosis patients, and report here results which suggest that abnormally low Cl− permeability in cystic fibrosis leads to poor reabsorption of NaCl in the sweat duct, and hence to a high concentration of NaCl in the sweat.”

(Quinton 1983)

Bereits zwei Jahre später, im Jahre 1985, wurde dann die molekulargenetische Basis gefunden. Den Ort des Gendefekts identifizierte eine internationale Arbeitsgruppe, die um Robert G. Knowlton arbeitete, auf dem Chromosom 7. (Knowlton et al. 1985) Stolz konnten Knowlton et al. (1985:380) verkünden: „We report here that the genetic locus […] is located on chromosome 7.”

Die wachsenden Erkenntnisse über die Pathophysiologie führten in der Folgezeit zu neuen Therapien, die die Lebenserwartung der Mukoviszidose-Patienten deutlich steigerten. Im Jahre 2012 schließlich erfolgte die Zulassung eines ersten Medikaments, welches zumindest einen Teil der Patienten mit Mukoviszidose kurativ behandelt.

1.2 Epidemiologie

Der europaische Interessenverband Cystic Fibrosis Europe (CFE), wie auch andere Quellen, die sich dem Thema Mukuviszidose zuwenden, sprechen davon, dass Mukoviszidose „die am weisteten (sic!) verbreitete, das Leben verkürzende, autosomal-rezessive Krankheit bei Menschen mit europäischem Erbgut“ (WikiCF 2011:1) ist. Die aktuelle Studienlage deutet auf Basis des europäischen CF-Patientenregisters darauf hin, dass in Europa circa 50000 Menschen mit Mukoviszidose leben. „Diese Zahl ist jedoch aufgrund des schlechteren Zugangs zu Diagnose und Versorgung in den neueren EU-Ländern und Osteuropa in Wahrheit womöglich höher.“ (WikiCF 2011:1) Bell, DeBoeck & Amaral (2015) sprechen davon, dass weltweit insgesamt etwa 70 000 Menschen betroffen sind, wovon je 30 000 auf Europa und Nordamerika entfallen. Geringer scheint die Zahl in den USA mit etwa 30000 Personen und in Kanada mit etwa 3000 Menschen zu liegen. Mukoviszidose ist am häufigsten unter den westlichen Völkern der Welt zu finden. Hier sind etwa 1 von 25 Personen europäischer Abstammung und etwa 1 von 30 hellhäutigen US- Amerikanern Überträger der Mukoviszidose. Innerhalb der Gruppe der Hispano- amerikanern ist das Verhältnis in etwa 1:46, bei Afrikanern 1:65 und bei Asiaten 1:90. (Rosenstein & Cutting 1998; Hamosch et al. 1998) Finnland stellt eine Ausnahme in Europa dar. Hier ist das Verhältnis lediglich 1:80. (Hytönen et al. 2001)

„In den Vereinigten Staaten wird 1 von 4.000 Kindern mit CF geboren. Im Jahre 1997 wurde etwa 1 von 3.300 hellhäutigen Kindern in den Vereinigten Staaten mit zystischer Fibrose geboren. Im Kontrast dazu litt nur 1 von 15.000 afroamerikanischen Kindern an zystischer Fibrose, und bei den asiatisch-amerikanischen Kindern war die Verbreitungsrate mit 1 auf 32.000 Einwohner noch geringer.“

(WikiCF 2011:1)

[...]

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Neugeborenen-Screening zur Früherkennung von Mukoviszidose
Autor
Jahr
2017
Seiten
29
Katalognummer
V365494
ISBN (eBook)
9783668448711
ISBN (Buch)
9783668448728
Dateigröße
898 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Neugeborenen-Screening, Mukoviszidose, Cystische Fibrose, Diabetes, Diametes Typ 3
Arbeit zitieren
Horst Siegfried Kolb (Autor), 2017, Neugeborenen-Screening zur Früherkennung von Mukoviszidose, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/365494

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