Im Folgenden möchte ich eine eingehende Untersuchung der Protestbewegung, die durch den Wahlerfolg der FPÖ ausgelöst wurde, durchführen. Dabei soll die Aufmerksamkeit den Gruppierungen im Internet zugewendet werden- den virtuellen Communities. Aufgrund des eher unerwarteten Wahlergebnisses kann von einer langfristig geplanten Protestbewegung keine Rede sein. Natürlich gibt es schon seit der Gründung der „ Freiheitlichen Partei Österreichs“ 1956 eine große Gegnerschaft, die den umstrittenen Aktionismus und vor allem jede neue provokante Äußerung des Vorsitzenden Jörg Haiders mit dem größten Interesse wie auch mit einem gewissen Unbehagen verfolgt.
Das rasante Wachstum des Internets in den letzten Jahren im Bereich der alternativen Öffentlichkeit hat eine neue Dynamik entwickelt, die sich auf die Proteste und die Potestierenden sehr stark auswirkt. War früher die alternative Öffentlichkeit auf den Bereich der Printmedien beschränkt, entstand nach dem Regierungswechsel einen Boom regierungskritischer Internetseiten. So wurde zum Beispiel von Globalisierungskritikern austria.indymedia.org entwickelt, das wohl stellvertretend für eine große Anzahl von Seiten, Plattformen und Initiativen im Internet steht.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Communities
1.2 Identitäten
1.3 Konstruktion von Gegenöffentlichkeit
2. Reaktionen auf die Machtergreifung der FPÖ
2.2 Die Protest- Communities im Internet
2.2.1 Radikale Gruppen marxistisch- leninistischer Prägung
2.2.2 Anarchistisch- autonomer Block
2.2.3 Anti- Globalisierungsszene
2.2.4 Die politische Opposition
2.2.5 Bürgerliches Spektrum
3. Transformation von der Online- zur Offline- Community
4. Campaigning
4.1 Fallbeispiel: Ehrengrab Walter Nowotny
4.2 Stereotypisierung / Diffamierung
Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die durch den Wahlerfolg der FPÖ in Österreich im Jahr 1999 ausgelöste Protestbewegung und deren Organisation im Internet. Im Fokus steht die Frage, wie virtuelle Gemeinschaften als Gegenöffentlichkeit agieren, welche Strukturen sie aufweisen und inwiefern der digitale Protest zu einer Transformation in reale, offline stattfindende Aktionen führt.
- Entstehung und Charakteristik virtueller Communities in der politischen Kommunikation.
- Konstruktion von Gegenöffentlichkeit gegenüber der Regierung Schüssel.
- Analyse unterschiedlicher protestierender Gruppierungen von radikal-links bis bürgerlich.
- Mechanismen des Online-Campaigning und die Nutzung von Stereotypisierung zur Mobilisierung.
- Übergang vom digitalen Raum zur physischen Protestpräsenz (Transformation).
Auszug aus dem Buch
1.Communities
Virtuelle Communities stellen in ihrem Auftreten im Internet eine neue Dimension der Gemeinschaft im herkömmlichen Sinn dar. Nach Anderson, der sich mit den Ursachen für Gemeinschaftsbildungen- die teilweise nur imaginär sind- beschäftigt hat, sieht „ kommunale Strukturen“ wie einen gemeinsamen Raum, kulturelle und sprachliche Bereiche, die notwendig sind, um Mitglieder der Gemeinschaft zusammenzuhalten. Da es im Internet keine klaren räumlichen Dimensionen gibt, sieht er eine Abweichung von der traditionellen Auffassung von einer Gemeinschaft. Eine traditionelle Gemeinschaft bietet so die Möglichkeit zur Face- to –face- Kommunikation und zur körperlichen Interaktion.
Zickmund spricht in diesem Kontext von „cyberculture“. Dieser „ Mikrokosmos“ einer Community spielt sich jedoch selten abgeschottet von der wirklichen Realität ab- dem Entstehen eines „ kommunikativen Vakuums“ wird durch immer „ effizientere Wege, neue Rekruten“ über das Internet zu erreichen, vorgebeugt. So suchen die von Zickmund untersuchten rechten „ radical communities“ ständig den Dialog mit „ non- racist individuals“. Es entsteht eine regelrechte Interaktion zwischen den „ Subversiven“ und der Gesellschaft; Zickmund fasst dies in die Metapher eines „ language game“.
Nancy K. Baym, die sich ebenfalls mit On- Line Communities befasst, bezeichnet die „ computer- mediated communication“ ( CMC) als „ webs of personal relationships“ und spricht den Communities so eine wichtige non- mediale Komponente, „ emotions“, zu. Sie äußert jedoch genauso Kritik an virtuellen Gemeinschaften, wie zum Beispiel die Homogenität der Mitglieder als auch die- vor allem in den USA herrschende, mythologisierte Vorstellung von einer Gemeinschaft „ mit weißer Dominanz“.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der Protestbewegung gegen die FPÖ und die Rolle des Internets als neue Dynamik für alternative Öffentlichkeit.
1. Communities: Theoretische Herleitung virtueller Gemeinschaften und deren Bedeutung für Identitätsbildung und kollektives Handeln.
2. Reaktionen auf die Machtergreifung der FPÖ: Detaillierte Betrachtung der vielfältigen Protest-Communities, unterteilt in unterschiedliche politische Spektren.
3. Transformation von der Online- zur Offline- Community: Analyse des Übergangs virtueller Proteste in reale, physische Kundgebungen und Demonstrationen.
4. Campaigning: Darstellung der Methoden, mit denen Gegenöffentlichkeit durch Kampagnen erzeugt wird, inklusive Fallbeispielen und Mechanismen der Diffamierung.
Resümee: Zusammenfassung der Ergebnisse hinsichtlich der Etablierung der Protestbewegung als feste Institution in der österreichischen Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Politische Kommunikation, FPÖ, Internet, virtuelle Communities, Gegenöffentlichkeit, Protestbewegung, Online-Campaigning, Identität, Cyberculture, politische Opposition, Österreich, Mobilisierung, Transformation, Medienkritik, Diskursöffentlichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Protestbewegung in Österreich nach dem Regierungsantritt der FPÖ/ÖVP-Koalition und untersucht, wie diese Proteste durch Internet-Communities organisiert wurden.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Struktur virtueller Gemeinschaften, der Aufbau von Gegenöffentlichkeit im Internet sowie die Mechanismen politischer Kampagnenführung im digitalen Zeitalter.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie sich die Protestbewegung im Netz formiert hat und wie aus einer rein virtuellen Präsenz eine reale, außerparlamentarische Protestbewegung erwachsen konnte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine medienwissenschaftliche Untersuchung, die auf theoretischen Konzepten (z. B. Anderson, Wimmer) basiert und diese auf empirische Beobachtungen von Webseiten und Protestaktionen anwendet.
Was wird im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung verschiedener Online-Protestgruppen (von radikalen bis bürgerlichen Spektren), die Transformation in den Offline-Protest sowie die Analyse von Kampagnenmethoden wie Stereotypisierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Politische Kommunikation, Gegenöffentlichkeit, Internet, Protestbewegung, Online-Campaigning und die österreichische politische Situation nach 1999.
Wie bewertet der Autor den Einfluss des Internets auf die Proteste?
Der Autor konstatiert, dass das Internet entscheidend dazu beigetragen hat, die Opposition zu vernetzen und Massenkundgebungen zu ermöglichen, wodurch die Protestbewegung zu einer dauerhaften Institution wurde.
Welche Rolle spielen Diffamierung und Stereotypisierung im Internet-Protest?
Die Arbeit legt dar, dass diese Methoden genutzt werden, um politische Gegner medienwirksam zu markieren, wobei der Autor feststellt, dass diese Strategien sowohl von der Opposition als auch von regierungsnahen Akteuren angewandt werden.
- Quote paper
- B.A. Malte Gaier (Author), 2005, Protest gegen FPÖ und ÖVP - Die Bildung von Campaigning und Gegenöffentlicheit im Internet, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36570