„Emma schweigt“ von Susanne Scholl. Interpretation mit dem Schwerpunkt „Heimatlosigkeit“


Hausarbeit, 2016

27 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Hauptteil
2.1 Allgemeines zur Autorin Susanne Scholl
2.2 Die Struktur der modernen Literatur

3 Interpretation mit der Schwerpunktsetzung „Heimatlosigkeit“ am Werk „Emma schweigt“

4 Schluss/Zusammenfassung

5 Literaturverzeichnis:

1 Einleitung

Zum Thema Gegenwartsliteratur habe ich mir den Roman „Emma schweigt“, der im Jahre 2014 im Residenz Verlag erschienen ist, ausgewählt. Der knappe, aus 179 Seiten bestehende Roman wurde von der österreichischen Schriftstellerin und langjährigen ORF-Korrespondentin Susanne Scholl verfasst. Es wurden zahlreiche Bücher von der gebürtigen Wiener Autorin veröffentlicht, darunter unter anderem die literarischen Werke „Elsas Großväter“, „Die Reise nach Karaganda“, „Nataschas Winter“, „Töchter des Krieges. Überleben in Tschetschenien“ und ihr neuestes im Jahre 2016 erschienene Werk „Warten auf Gianni“. Viele ihrer Werke handeln von Emigration und von Menschen, die einzeln oder in Gruppen ihre bisherigen Wohnorte dauerhaft verlassen. Sie erhielt wichtige Preise für ihre journalistische Arbeit und für ihr menschenrechtliches Engagement. Zum Beispiel wurden ihr im Jahre 2006 der Concordia-Preis für Pressefreiheit, das Goldene Ehrenzeichen der Stadt Wien und das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst verliehen. Ich entschied mich für die Bearbeitung und Auseinandersetzung mit diesem Werk innerhalb der vorliegenden Seminararbeit aus verschiedenen Gründen heraus. Zum einen las ich dieses Buch zum ersten Mal während meines Urlaubs auf Fuerteventura und war sehr begeistert. Dieses Werk zog mich trotz eines sehr tief berührenden Themas komplett in den Bann, obwohl das Werk ja nicht unbedingt die ideale leichte Kost darstellt, die ich mir üblich als Urlaubslektüre vorstelle. Ich war fasziniert von dem tollen Schreibstil, den das Buch aufweist und mein Interesse am Buch war so groß, dass ich es beinahe in Einem durchgelesen habe. Des Weiteren kam ich während den Vorbereitungen für den Volkshochschulkurs für Flüchtlinge, A1 Deutsch als Fremdsprache, in Bludenz, mit Flüchtlingen in Kontakt. Einer unter ihnen, Ahmad Shamoun aus Syrien, wurde ein sehr guter Freund von mir. Seine Lebensgeschichte und die Erzählungen über seine Flucht sind sehr bewegend. Da ich Flüchtlinge persönlich kenne, ist für mich die Figur der Sarema aus dem Buch „Emma schweigt“ und ihre Situation nicht mehr nur irgendeine Fiktion aus irgendeinem Buch, sondern nehmen für mich durch die intensive freundschaftliche Begegnung mit Ahmad und mit dem Vorarlberger Kontaktchor, ein wöchentlich stattfindendes Singen mit Flüchtlingen, unter der musikalischen Leitung des österreichischen Mag. Ulrich Gabriel alias Gaul, der in der Vergangenheit bereits einige berühmte Kinderlieder auf den Markt gebracht hat, realistische Züge an. Den ersten Punkt meiner Arbeit werde ich der Produktionspoetik widmen. Ich werde über die sehr interessante Persönlichkeit der Autorin Susanne Scholl informieren, die immer wieder auf einen würdigen Umgang mit Menschen in Not plädiert. Danach werde ich den Inhalt und ein paar kurze Erläuterungen zum Aufbau der Erzählung darlegen. Anschließend folgen ein paar Bemerkungen über die Struktur und die Themen der modernen Literatur. Dadurch kann sich der Leser bzw. die Leserin dieser Seminararbeit schon etwas darunter vorstellen, wenn ich Beispiele aus dem Inhalt des Werkes zur Veranschaulichung heranziehe. Den Schwerpunkt meiner Arbeit lege ich auf das Thema der Heimatlosigkeit. Während der Lektüre des schmalen Bands „Emma schweigt“, der einen hohen realistischen Einblick in das Flüchtlingsdasein gewährt, kam mir immer wieder der Begriff der Heimatlosigkeit in den Sinn. Die Situation der literarischen Figur der Sarema berührte mich stark. Ich konnte durch das Hineinversetzen in die Figur der Sarema, die von Grosny, der Hauptstadt derrussischen TeilrepublikTschetschenien, aufgrund des Krieges nach Wien flieht, das Gefühl innerer und äußerer Heimatlosigkeit wahrnehmen und nachempfinden. In meinem eigenen Leben fühlte ich mich auch schon des Öfteren ohne Heimat. Gerade durch die Erfahrungen als sogenanntes Scheidungskind empfand ich innere Zerrissenheit so lange sehr stark, bis ich mich auf den Weg zu mir selbst machte und versuchte zu meinen persönlichen Wurzeln zurückzukehren. Menschen fliehen vor politischer Verfolgung, aus Angst und aus ihrer großen Not heraus. Oft verlieren sie bei ihren Fluchtversuchen ihr Leben. Auf alle Fälle teilen sich alle Migranten, denen ihre Flucht nach Europa gelungen ist, dieselbe Gemeinsamkeit. Sie alle haben ihr Zuhause verloren und oftmals breitet sich ein Gefühl der Heimatlosigkeit aus, auf welches ich innerhalb meiner vorliegenden Ausführungen, Bezug nehmen werde.

2 Hauptteil

2.1 Allgemeines zur Autorin Susanne Scholl

Die österreichische Gegenwartsautorin Susanne Scholl wurde am 9. September 1949 als Tochter einer assimilierten österreichisch-jüdischen Medizinerfamilie geboren. Ihre Eltern stammen beide aus Wien, aber kennengelernt hatten sie sich im „Austrian Center“ in der Emigration in London. (Vgl. Wikipedia 2016, Internet) Das sogenannte „Austrian Center“ gilt neben der „Free Austria Movement“ als die größte österreichische Exilbewegung, die von jüdischen Flüchtlingen, sowie von politisch verfolgten Österreichern, ins Leben gerufen wurde, welche nach dem Februar 1934 verstärkt, im Zuge der politischen Verfolgungen im österreichischen Ständestaat, nach Großbritannien flohen. (Vgl. Müller 2002, S. 1) Nach dem Erlass der Nürnberger Gesetze, einer von den Nationalsozialisten definierten juristischen Grundlage, umihreantisemitischeIdeologie gegen das jüdische Volk zu verankern, flohen 27.293 österreichische Flüchtlinge und fanden Aufnahme in Großbritannien. Ihre Eltern kehrten 1947 nach Wien zurück. Dort wollten sie am Aufbau des Kommunismus in Österreich mitwirken. (Ebd., S. 1) Nachdem Susanne Scholl in Rom Slawistik studiert hatte, erlernte sie in der Auslandsredaktion der Austria Presse Agentur das journalistische Handwerk. Sie wurde vom berühmten Kenner Ost-undSüdosteuropas, Paul Lendvai, dem aus Ungarn stammenden österreichischen Moderator und Publizist des ORF, heute Leiter der DiskussionssendungEuropastudioim ORF, in das Pionierteam der neuen ORF- Osteuroparedaktion geholt. Damit begann Susanne Scholl im Jahre 1985 für den ORF zu arbeiten. Die Autorin, Mutter von Zwillingen, gilt als eine weitreisende Person, die auch gerne aus beruflichen Gründen heraus, ihren Wohnort wechselt. Im Jahre 1989 übersiedelte sie als Korrespondentin nach Bonn, erlebte und kommentierte direkt das Ende der DDR mit. (Vgl. Scholl 2009, S. 186) Anschließend, im Jahre 1991, zog sie nach Moskau um. Ab 1994 leitete sie von Moskau aus das ORF-Büro. Danach verschlug es Susanne Scholl wieder nach Wien zurück und sie leitete das Europajournal, eine Sendung des ORF-Radios, die sich mit geographischen, politischen, wirtschaftlichen, historischen und kulturellen Aspekten Europas beschäftigt. (Ebd., S. 186) Im Jahre 2006 wurde die Russland-Korrespondentin des ORF, Susanne Scholl, sowie ihr Kameramann und ihr Tontechniker, während genehmigten Dreharbeiten in Tschetschenien, durch die russischen Behörden vorübergehend festgenommen. Dieses Ereignis füllte die Schlagzeilen einiger europäischer Medien, die am 24.11. 2006 davon berichteten. Susanne Scholl wurde schnell wieder frei gelassen, ein Teil ihres Bildmaterials allerdings beschlagnahmt. (Vgl. News 2006, Internet) Nachdem es Susanne Scholl erneut nach Moskau zurück verschlug, wohnt sie aktuell wieder in Wien. Wie bereits eingangs in der Einleitung erwähnt, hat sie zahlreiche Bücher veröffentlicht. Darunter drei Sachbücher, einen Gedichtband und einige Romane. (Vgl. Scholl 2009, S. 186) Bei ihrem neuesten Roman „Warten auf Gianni“, welches in diesem Jahr 2016 im Residenz Verlag erschienen ist, handelt es sich um ein Werk mit dem Untertitel eine Liebesgeschichte in sieben Jahren. Darin beschreibt sie den Aufenthalt einer Frau in Italien, die dort sieben Jahre lebt und sich in einen Italiener verliebt hat, bevor sie wieder nach Wien in ihren unerfreulichen Alltag zurückkehren muss und sich einer schweren Entscheidung gegenübersieht. (Vgl. Literaturhaus Wien 2016, Internet) Sobald man sich näher mit den Inhalten der Bücher dieser Autorin auseinandersetzt, kann festgestellt werden, dass Scholl gerne von menschlichen Schicksalen berichtet. Auffallend ist, dass sich Susanne Scholl in ihren literarischen Werken immer wieder mit fremden Ländern und Kulturen auseinandersetzt, teilweise ihre persönlichen Erfahrungen im Ausland miteinfließen lässt und dadurch sehr stark einprägsame realitätsgetreue Bilder für den Leser bzw. die Leserin erzeugt. Insbesondere scheint es ihr ein großes Anliegen zu sein, menschenrechtliche Missstände aufzuzeigen und ihre Leserschaft einzuladen, eine tiefberührende Begegnung mit den von ihr beschriebenen Charakteren zu machen. (Vgl. Literaturhaus Wien 2014, Internet) In manchen ihrer Bücher beschäftigt sie sich auch mit ihrer eigenen Lebensgeschichte. In ihrem ersten Roman „Elsas Großväter“, welches im Jahre 2003 erschien, setzt sie sich mit dem tragischen Schicksal der jüdischen Flüchtlinge auseinander, die nach London emigrierten und verarbeitet darin die Lebensgeschichte ihrer eigenen Eltern, die sich im englischen Exil in London kennenlernten. Im Roman ist von Elsas Eltern die Rede, die sich im Exil trafen. (Vgl. Literaturhaus Wien 2003, Internet) In dem von der Verfasserin zu analysierenden Roman „Emma schweigt“ begegnet der Leser bzw. die Leserin der Figur der Sarema, die vor dem Tschetschenien-Krieg mit ihrem jüngsten Sohn Schamil flieht und durch die Hilfeleistung von Schleppern in die österreichische Hauptstadt Wien gelangt. (Vgl. Scholl 2014, S. 2) Wie aus der dargestellten Biographie der Autorin Susanne Scholl als bekannte Russland-Korrespondentin des ORFs entnommen werden kann, hat sie einiges an professionellem Wissen und einen eigenen großen Erfahrungsschatz - gerade in Bezug auf die Situation im Tschetschenien-Krieg – erworben. Ihr diesbezügliches Wissen findet im Roman „Emma schweigt“ Niederschlag und wirkt sich auch sehr authentisch auf die Figuren der Sarema und ihres Sohns Schamil aus. Sie skizziert dabei ihre schwere Situation als Flüchtlinge und den niederen Flüchtlingsstatus in der Gesellschaft höchst präzise. Sarema hat ihr Leben ihrem verzweifelten Mut zu verdanken und sie braucht Asyl in Österreich. Dies gestaltet sich alles andere als einfach. (Vgl. Literaturhaus Wien 2014, Internet) Der Leser bzw. die Leserin erhält der Leseerfahrung der Verfasserin nach die Chance, sich am Beispiel der Figur der Sarema in die mögliche Gefühls- und Gedankenwelt der Flüchtlinge einzufühlen, um diese folglich auch besser nachvollziehen und verstehen zu können.

2. 2 Die Struktur der modernen Literatur

Moderne Autoren schreiben anders, haben neue Formen und Techniken entwickelt als traditionelle Autoren der Vergangenheit. Seit Beginn des letzten Jahrhunderts war ein gewaltiger geistes- und literaturgeschichtlicher Wandel zu verzeichnen. Die Erscheinungsformen der Literatur haben sich dabei immer mehr gewandelt.

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Details

Titel
„Emma schweigt“ von Susanne Scholl. Interpretation mit dem Schwerpunkt „Heimatlosigkeit“
Hochschule
Pädagogische Hochschule Vorarlberg
Veranstaltung
Deutsch
Note
1
Autor
Jahr
2016
Seiten
27
Katalognummer
V365740
ISBN (eBook)
9783668449404
ISBN (Buch)
9783668449411
Dateigröße
607 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Trends der Gegenwartsliteratur Susanne Scholl Emma schweigt Flüchtlinge Literaturrezeption
Arbeit zitieren
Eva Schuler (Autor), 2016, „Emma schweigt“ von Susanne Scholl. Interpretation mit dem Schwerpunkt „Heimatlosigkeit“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/365740

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