Probleme der Privaten Krankenversicherung (PKV) vor dem Hintergrund des demographischen Wandels


Hausarbeit, 2013
20 Seiten, Note: 1,7
Emil Berger (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretischer Hintergrund

2.1 Der demographische Wandel

2.2 Das System der privaten Krankenversicherung

3 Analyse: Probleme der PKV vor dem Hintergrund des demographischen Wandels

3.1 Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Gesundheitsausgaben

3.2 Herausforderungen für systemspezifische Elemente der PKV

4 Lösungsansätze

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Entwicklung der Bevölkerung nach Altersgruppen…

Abbildung 2: Kopfschadenprofile der Männer und Frauen in der PKV im Jahr 2004.

Abbildung 3: Mögliche Veränderung der Kopfschadensprofile bei steigender Lebenserwartung

Abbildung 4: Absoluter Anstieg der Ausgaben pro Kopf von 1995 bis 2004

Abbildung 5: Alters- und Geschlechtsstruktur in der privaten Pflegeversicherung 2008...

1 Einleitung

Der demographische Wandel ist in Deutschland und in anderen Industriestaaten in vollem Gange und wird die Altersstruktur der Bevölkerung auch in Zukunft nachhaltig verändern. Vor diesem Hintergrund soll in der Seminararbeit untersucht werden, inwiefern sich der demographische Wandel insbesondere auf die Ausgabensituation der Privaten Krankenversicherung auswirkt und ob diese zukünftig noch ihrem Anspruch gerecht werden kann, den Versicherten einen langfristigen Krankenversicherungsschutz sowie einen Schutz vor größeren Beitragserhöhungen und -schwankungen zu bieten. In der aktuellen Literatur-Diskussion wird befürchtet, dass die kontinuierlich steigende Lebenserwartung die Ausgabendynamik der PKV erhöht und somit eine ernsthafte Herausforderung für die finanzielle Stabilität der PKV darstellt.

Nach einer anfänglichen Vorstellung aktueller Forschungsergebnisse zum Prozess des demographischen Wandels und einer Darstellung der Eigenschaften des PKV-Systems soll daher untersucht werden, welche konkreten Effekte die steigende Lebenserwartung auf die Gesundheitsausgaben hat. Dazu sollen zwei in der Literatur konkurrierende Thesen analysiert werden, die Medikalisierungs- und Kompressionsthese.

Darauf soll analysiert werden, ob die risikoäquivalente Prämienkalkulation und der Aufbau von Altersrückstellungen als wesentliche Elemente der Versicherungstechnik der PKV geeignet sind, die Versicherten trotz steigender Lebenserwartung vor dem Risiko stark ansteigender Versicherungsbeiträge zu schützen. Zusätzlich werden weitere spezielle Eigenschaften der PKV untersucht, die sich vor dem Hintergrund des demographischen Wandels als problematisch erweisen könnten, wie etwa die Altersstruktur des Versichertenbestands der PKV.

Zum Abschluss werden Lösungsansätze präsentiert, die die in der vorangegangenen Analyse ausgemachten, durch den demographischen Wandel hervorgerufenen Probleme der PKV beantworten sollen.

2 Theoretischer Hintergrund

2.1 Der demographische Wandel

Der demographische Wandel (wissenschaftlich korrekter Ausdruck: demographische Alterung) lässt sich angelehnt an die Definition im Gabler Wirtschaftslexikon (Stichwort: demographische Alterung, online im Internet: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/demografische-alterung.html, Seitenaufruf am 22.05.2013) wie folgt beschrieben: Er ist als Vorgang aufzufassen, der das Durchschnittsalter einer Bevölkerung ansteigen lässt (…) und wird durch zwei Komponenten verursacht. Durch (a) einen Jugendrückgang wegen geburtenschwacher Jahrgänge und (b) eine steigende Lebenserwartung in den hohen Altersklassen.

In Deutschland wie auch in den meisten anderen OECD-Staaten befindet sich der demokratische Wandel in vollem Gange. Bereits seit fast vier Jahrzehnten sterben jährlich mehr Menschen als Kinder geboren werden. Ohne Zuwanderung aus dem Ausland würde die Bevölkerung Deutschlands daher bereits seit langer Zeit zurückgehen. Tatsächlich geht die Bevölkerung hierzulande seit 2003 zurück, da in den letzten Jahren das positive Saldo aus den Einwanderungen zurückgegangen ist. Prognosen sagen voraus, dass die Differenz zwischen Gestorbenen und Geborenen in Zukunft noch größer werden wird (vgl. Statistisches Bundesamt 2009, S. 5). Die Untersuchung des Statistischen Bundesamtes sagt voraus, dass sich die Relation zwischen alten und jungen Bevölkerungsschichten bis zum Jahr 2060 enorm verändern wird: Im Jahr 2060 werde jeder dritte Einwohner (34%) mindestens 65 Jahre alt sein, was einem Anstieg von 14% im Vergleich zum Ausgangsjahr 2008 entspricht (20%). Der Anteil der Hochbetagten (80-jährig und älter) werde sich demnach sogar beinahe verdreifachen (von 5% in 2008 auf 14% in 2060). Diese Entwicklung wird in Abbildung 1 erkennbar:

Abbildung 1: Entwicklung der Bevölkerung nach Altersgruppen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistisches Bundesamt (2009), S. 16.

Insgesamt sinke die Bevölkerung von heute circa 82 Millionen auf etwa 65 Millionen (Untergrenze der „mittleren“ Bevölkerung) bis 70 Millionen (Obergrenze der „mittleren“ Bevölkerung) Menschen in 2060, wobei auch die Bevölkerung im Erwerbsalter deutlich altern und schließlich schrumpfen würde. Diese Gruppe soll von heute knapp 50 Millionen bis 2060 auf 36 – 33 Millionen Menschen sinken, in Abhängigkeit von der zukünftigen Nettozuwanderung. Bei der Geburtenhäufigkeit geht die Hauptannahme der Untersuchung von einer Fortsetzung der wichtigsten langfristigen Trends aus, d.h., die Geburtenziffer bleibe mit 1,4 Kindern je Frau bis zum Jahr 2060 auf einem (konstant) niedrigen Niveau. Bezüglich der Lebenserwartung geht die Basisannahme davon aus, dass Männer im Jahr 2060 bei der Geburt eine durchschnittliche Lebenserwartung von 85,0 Jahren und Frauen eine durchschnittliche Lebenserwartung von 89,2 Jahren besitzen werden. Verglichen mit der Lebenserwartung in Deutschland im Zeitraum 2006/ 2008 würde dies einen Anstieg von 7,8 bzw. 6,8 Jahren darstellen.

2.2 Das System der privaten Krankenversicherung

Grabka (2006, S. 654) beschreibt das System der Privaten Krankenversicherung wie folgt: In der PKV richtet sich die Prämienkalkulation nach dem Äquivalenzprinzip. Dabei soll die Versicherungsprämie der Summe der von der Versicherung gewährten Leistungen inklusive der Verwaltungskosten entsprechen. Basis für die Prämienbestimmung ist die sogenannte risikogerechte Kalkulation, d. h. die Prämienhöhe ist abhängig von Faktoren wie Geschlecht, dem Alter, vom Gesundheitszustand zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses und von eventuellen Vorerkrankungen. Der PKV steht frei, bei Vertragsabschluss Risikozuschläge oder Leistungsausschlüsse aufgrund von Vorerkrankungen vorzunehmen. Außerdem besteht für die PKV kein Kontrahierungszwang, d. h., dass Hochrisikogruppen wie Aidspatienten, aber auch Personen in hohem Alter, abgelehnt werden können. Eine Familienversicherung wird nicht gewährt, stattdessen schließt jeder Versicherte einen eigenen Vertrag ab. Der Versicherungsumfang ist frei wählbar, daher bietet die PKV neben der Krankheitsvollversicherung diverse Zusatzversicherungen (z. B. Krankentagegeld- oder Krankenhauswahlleistungsversicherung) an.

Im Grundsatz wird im System der PKV das Kapitaldeckungs- bzw. Anwartschaftsdeckungsverfahren angewendet, welches zum Ziel hat, konstante Beiträge über den gesamten Versicherungszeitraum zu gewährleisten. Die Beitragseinnahmen werden einerseits zur Deckung der aktuellen Leistungsausgaben verwendet, andererseits werden sie zur Bildung einer Rückstellung für künftige Versicherungsleistungen genutzt. Zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses wird die Nettoprämie unter der Annahme sich nicht verändernder Rechnungsgrundlagen bzw. Leistungsausgaben so bestimmt, dass jeder Versicherte ein Leben lang mit konstanten Prämien rechnen kann. Jüngere Versicherte entrichten dabei höhere Prämien, als zur Ausgabendeckung nötig wäre. Der sich ergebende Überschuss wird angespart und gleichzeitig verzinst. Die im Verlauf des Lebens angesammelten Sparanteile und die Verzinsung summieren sich zu der Alterungsrückstellung. Ziel ist es, durch eine allmähliche Auflösung der Alterungsrückstellung die steigenden Ausgaben bei höherem Lebensalter auszugleichen.

Wegen der systemspezifischen Prämienkalkulation in der PKV, die konstante Leistungsausgaben über den gesamten Versicherungsverlauf annimmt, kommt es zu regelmäßigen Anpassungen der Beitragszahlungen. Ursache hierfür sind Kostensteigerungen, Veränderungen der Leistungsinanspruchnahme, der medizinischen Fortschritts und eine steigende Lebenserwartung, also allesamt Faktoren, die zu einer Erhöhung der Leistungsausgaben führen.

Für die Versicherten der PKV bestehen nur geringe Möglichkeiten, einer Prämienerhöhung ihrer Versicherung zu begegnen. Die wenigen Möglichkeiten dazu bestehen in einem Wechsel in einen anderen Tarif der gleichen Versicherung, der Absenkung des Versicherungsschutzes oder der Erhöhung der Selbstbeteiligung. Ein Übertritt in die GKV kann nur ausnahmsweise geschehen, beispielsweise im Falle von Arbeitslosigkeit. Ein Wechsel der Krankenversicherung geschieht bei bereits lange bestehenden Verträgen in der PKV in der Realität kaum, weil angesparte Alterungsrückstellungen nicht übertragbar sind, sie können also nicht zu einer anderen Krankenversicherung mitgenommen werden. Daher besitzen die Versicherten der PKV insgesamt kaum Ausweichstrategien zur Minderung ihrer Krankenversicherungsprämien bei gleichem Leistungsumfang.

3 Analyse: Probleme der PKV vor dem Hintergrund des demographischen Wandels

3.1 Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Gesundheitsausgaben

Wie in Kapitel 2.1 beschrieben wird der demographische Wandel, verursacht durch eine steigende Lebenserwartung und gleichzeitig niedrige Geburtenrate, die Altersstruktur der Bevölkerung in Deutschland nachhaltig verändern: Der Anteil der über 65-Jährigen steigt nach Prognosen des Statistischen Bundesamtes bis zum Jahr 2060 von 20% auf 34%, der Anteil von über 80-Jährigen von 5% auf 14%.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob bzw. inwiefern diese Alterung der Gesellschaft Auswirkungen auf die Höhe der Gesundheitsausgaben haben wird. Bei der Untersuchung der Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Gesundheitsausgaben sind zwei verschiedene Effekte zu festzuhalten:

Zunächst ist der „direkte demographische Ausgabeneffekt“ (Fetzer 2005, S. 5) zu beachten, der zukünftig steigende Gesundheitsausgaben allein deswegen prognostiziert, da es zu einer Mehrbesetzung der älteren Bevölkerungsschichten kommen werde. Die durchschnittlichen Gesundheitsausgaben einer Person sind stark altersabhängig (Niehaus 2006, S.12), wobei die Entwicklung der sogenannten Kopfschadenprofile (Pro-Kopf Gesundheitsausgaben) nach Niehaus grob wie folgt beschrieben werden kann: Während im Durchschnitt im ersten Lebensjahr relativ hohe Ausgaben anfallen, entstehen im Kinder-, Jugend- und jungen Erwachsenenalter dagegen nur geringe Kosten. Ab Mitte 30 steigen die Ausgaben mit dem Alter dann stark an und flachen erst im hohen Alter wieder ab. Das altersspezifische

Ausgabenprofil der Frauen unterscheidet sich vom dem der Männer durch die höheren Ausgaben im gebärfähigen Alter (vgl. Abbildung 2). Damit führe eine alternde Bevölkerung zwangsläufig zu einer Zunahme der gesamten Gesundheitsausgaben. Die Menschen würden also in ein Alter hineinwachsen, in dem sie höhere Ausgaben verursachen.

Abbildung 2: Kopfschadenprofile der Männer und Frauen in der PKV im Jahr 2004

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Niehaus (2006), S. 13.

Zum anderen stellt sich aber die Frage, ob die altersabhängigen Ausgaben- bzw. Kopfschadenprofile bei steigender Lebenserwartung im Zeitablauf konstant bleiben. Zusätzlich zu einer reinen, zumindest relativen "Mehrbesetzung" der älteren Altersklassen muss daher untersucht werden, ob bzw. wie sich die altersspezifischen Ausgabenprofile im Zeitablauf bei steigender Lebenserwartung verändern. In der Literatur werden zu dieser Frage zwei konkurrierende Theorien diskutiert, die Medikalisierungsthese und die Kompressionsthese.

Die auf Verbrugge (1984) zurückgehende Medikalisierungsthese basiert auf der Annahme, dass die durch die höhere Lebenserwartung gewonnen Jahre in immer größerem Maße in Krankheit und Behinderung verbracht werden. Neue Therapieformen ermöglichten eine Heilung bestimmter Krankheiten und damit eine Verlängerung des Lebens, damit steige aber auch die Wahrscheinlichkeit, dass im Laufe des verlängerten Lebens zusätzliche Krankheiten auftreten (IGES Institut 2010, S.12). Der medizinisch-technische Fortschritt führe so durchschnittlich zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustands der Bevölkerung. Die steigende Lebenserwartung werde folglich um den Preis insgesamt höherer Gesundheitsausgaben erzielt (vgl. Niehaus 2006, S.14).

Im Kontrast dazu steht die im Jahr 1980 durch Fries begründetet Kompressionsthese. Sie geht davon aus, dass die Menschen mit steigender Lebenserwartung bis ins hohe Alter weitgehend gesund bleiben und schwere Krankheiten, die mit hohen Kosten verbunden sind, sich erst im letzten Lebensabschnitt, also kurz vor dem Tod, einstellen (Niehaus 2006, S. 14). Die steigende Lebenserwartung führe demnach also dazu, dass die krankheitsintensive Phase kurz vor dem Tod lediglich nach hinten verschoben werde (IGES Institut 2010, S. 13) und somit eine gestiegene Lebenserwartung auch nicht zu höheren individuellen Gesundheitsausgaben führe. Wie die unterschiedlichen Thesen den Verlauf der Kopfschadensprofile verändern könnten verdeutlicht Abbildung 3:

Abbildung 3: Mögliche Veränderung d. Kopfschadensprofile bei steigender Lebenserwartung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Fetzer (2005), S. 10; zitiert in IGES Institut (2010), S. 16.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Probleme der Privaten Krankenversicherung (PKV) vor dem Hintergrund des demographischen Wandels
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik)
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
20
Katalognummer
V366056
ISBN (eBook)
9783668450912
ISBN (Buch)
9783668452022
Dateigröße
1059 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gesundheitsökonomie, Health Economics, PKV, Private Krankenversicherung, GKV, Gesetzliche Krankenversicherung, Krankenversicherung, Versicherung, Demographischer Wandel, Alterung, Gesundheitsausgaben, Gesundheit, Ökonomische Bewertung, Versorgungslücke
Arbeit zitieren
Emil Berger (Autor), 2013, Probleme der Privaten Krankenversicherung (PKV) vor dem Hintergrund des demographischen Wandels, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/366056

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