„Die Besonderheit diese Exodus besteht darin, dass die Landnahme Abrahams nicht aus ökonomischen Gründen […], sondern aus Gehorsam gegenüber einem göttlichen Ruf erfolgte.“
Die Berufung des Abrahams und Wanderung nach Kanaan gehört wohl mit zu den wichtigsten Texten des Alten Testaments. Bei der Betrachtung des Textes fällt mir im ersten Abschnitt Gen 11,27-12 auf, dass dem Leser genau erklärt wird, aus welchem Geschlecht Abraham stammt und es wird hier die wichtige Information, dass Sara unfruchtbar ist, genannt, die für den weiteren Verlauf der Abrahams Geschichte noch eine Rolle spielen wird.
Erstaunlich hierbei ist, dass Terach, Abrahams Vater, zweihundertfünf Jahre alt geworden ist, was unvorstellbar ist.
Der nächste Abschnitt Gen 12,1-9 erinnert mich an das Wegziehen von meiner Familie, daher kann ich gut nachvollziehen, was Gott von Abraham verlangt, denn wie bei mir führt Abrahams Weg nun ins Ungewisse. Abraham mangelt es an nichts in seiner Heimat, trotzdem vertraut er sofort auf Gott und zieht los. Dieses Vertrauen in Gott und seinen Mut bewundere ich und würde mich selbst in dieser Situation als nicht so mutig bezeichnen.
Ein weiterer Punkt, der mir beim Lesen des Textes aufgefallen ist, dass Gott immer für Abraham da ist und sehr großzügig zu ihm ist. Abraham wird sozusagen mit Segen überschüttet und er verheißt ihm nur Gutes.
Durch diese verschiedenen Themen, die der Text anspricht ergeben sich viele Interpretationsmöglichkeiten und interessante Anknüpfungspunkte. In der vorliegenden Arbeit wird daher versucht den Text auszulegen und seine Bedeutung darzustellen. Es wird zunächst der Inhalt der Bibelstelle wiedergegeben und diese hinsichtlich ihres Kontextes abgegrenzt, um diese in den Gesamtzusammenhang einzuordnen. Anschließend erfolgt ein Übersetzungsvergleich um mögliche Differenzen herausarbeiten zu können und sich auf eine Übersetzung festzulegen, die für diese Arbeit verwendet werden soll.
Im nächsten Schritt wird eine sprachliche Analyse durchgeführt, der Text gegliedert und eine Gattungsbestimmung vorgenommen. Es wird dann ein Blick auf die Traditions- und mündliche Überlieferungsgeschichte geworfen, um vorgeprägte Inhalte zu untersuchen und somit weitere Bedeutungen zu erschließen. Darauf folgt eine Quellenbestimmung und ein kurzer Einblick in die Zeit der Redaktoren, um den Textabschnitt noch besser im Zusammenhang darstellen zu können.
Abschließend erfolgt eine Gesamtinterpretation und ein Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Inhaltsangabe von Genesis 11,27-12,9
3. Übersetzungsvergleich
4. Abgrenzung und Kontext des Textes
5. Aufbau und Gliederung
6. Sprachliche Analyse der Form und Bestimmung der Gattung
7. Traditionsgeschichte
8. Mündliche Überlieferungsgeschichte
9. Literarkritik
10. Redaktionskritik
11. Gesamtinterpretation
12. Fazit: Bedeutung für die Gegenwart
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, den alttestamentlichen Textabschnitt Genesis 11,27-12,9 exegetisch zu erschließen und seine Bedeutung für die Heilsgeschichte sowie die Gegenwart zu analysieren. Dabei steht die Untersuchung der Berufung Abrahams und seiner Wanderung nach Kanaan im Fokus, wobei insbesondere die literarkritische Differenzierung zwischen Jahwist und Priesterschrift sowie die theologische Dimension der Segensverheißung beleuchtet werden.
- Exegese der Berufungsgeschichte Abrahams (Gen 11,27-12,9)
- Literarkritische Quellenanalyse (Jahwist vs. Priesterschrift)
- Traditionsgeschichtliche Bedeutung des Begriffs "Segen"
- Analyse der Überleitungsfunktion des Textes von der Ur- zur Vätergeschichte
- Heutige Relevanz von Gehorsam und Vertrauen im Kontext des Glaubens
Auszug aus dem Buch
Literarkritik
Um die Quellen zu bestimmen, die den Text letztendlich verschriftlichten, betrachten wir den Text ab Genesis 11, wo in V. 27 ein Bruch im Text deutlich wird. Mit der Familie Terachs beginnt ein neuer Textabschnitt und zum ersten Mal wird von Abraham, Terachs Sohn berichtet. In V. 29-30 wird dann noch detaillierter auf Abraham eingegangen, was eher wie ein Einschub wirkt, da das zuvor dargestellte eher nüchtern berichtet wurde. Somit scheint V. 29-30 von einem anderen Verfasser zu stammen. Ab V. 31-32 berichtet wieder der vorherige Erzähler. Diese Textabschnitte zeigen, dass hier zwei Quellen zu unterscheiden sind, um den Bibeltext zeitlich einordnen zu können: Die Priesterschrift und der Jahwist. Die Priesterschrift ist im 5./6. Jahrhundert v. Chr. einzuordnen. Dem priesterlichen Erzähler sind 11,27-28; 11,31-32 und 12,4b-5 zuzuordnen, da diese in sich einen Zusammenhang ergeben und vom gleichen Sprachstil geprägt sind. Abrahams Wanderung wird hier nur knapp angerissen und der darauf folgende veränderte Sprachstil und das nochmalige Aufgreifen der Wanderung zeigen einen dann erfolgenden Wechsel der Quellen an. Die übrigen Verse, 11,29-30; 12,1-4a. und 12,6-9, sind demnach vom Jahwisten geschrieben worden. Dieser wird dem 10. Jahrhundert nach Christus zugeordnet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet das Interesse an der Perikope, erläutert die methodische Vorgehensweise der Exegese und verweist auf die persönliche Relevanz der Thematik für die Autorin.
2. Inhaltsangabe von Genesis 11,27-12,9: Dieses Kapitel fasst das erzählte Geschehen zusammen, beginnend bei der Genealogie Terachs über den Gottesbefehl bis hin zur Wanderung Abrahams und dem Altarbau in Kanaan.
3. Übersetzungsvergleich: Hier werden verschiedene Bibelübersetzungen hinsichtlich ihrer Sprachwahl und theologischen Nuancen untersucht, um eine fundierte Entscheidung für den Grundtext der Exegese zu treffen.
4. Abgrenzung und Kontext des Textes: Das Kapitel verortet den Abschnitt innerhalb des Alten Testaments und beschreibt seine Funktion als Übergang von der Urgeschichte zur Vätergeschichte.
5. Aufbau und Gliederung: Es wird die strukturelle Zweiteilung des Textes analysiert und eine Untergliederung der erzählerischen Einheiten vorgenommen.
6. Sprachliche Analyse der Form und Bestimmung der Gattung: Das Kapitel untersucht den Übergangscharakter des Textes und identifiziert diesen als eine Kombination aus Genealogie und Erzählung.
7. Traditionsgeschichte: Hier liegt der Fokus auf der Bedeutung zentraler Begriffe wie "Segen" und "Fluch" sowie deren theologischer Interpretation im Kontext der Patriarchengeschichte.
8. Mündliche Überlieferungsgeschichte: Es wird diskutiert, inwiefern der Text als Sage einzuordnen ist und welche Intentionen bei der mündlichen Weitergabe verfolgt wurden.
9. Literarkritik: Dieses Kapitel analysiert die verschiedenen Quellenschichten (Jahwist und Priesterschrift), um den Text zeitlich und verfasserspezifisch einzuordnen.
10. Redaktionskritik: Es wird untersucht, wie spätere Bearbeiter die unterschiedlichen Quelltexte miteinander verknüpft haben, um theologische Akzente zu setzen.
11. Gesamtinterpretation: Dieses Kapitel führt die Analyseergebnisse zusammen und interpretiert den Textabschnitt als Dokumentation eines heilsgeschichtlichen Neuanfangs.
12. Fazit: Bedeutung für die Gegenwart: Abschließend wird die bleibende Relevanz der Abrahamserzählung für den Glauben und das Handeln heutiger Menschen reflektiert.
Schlüsselwörter
Exegese, Genesis, Abraham, Berufung, Kanaan, Segen, Verheißung, Jahwist, Priesterschrift, Vätergeschichte, Heilsgeschichte, Urgeschichte, Gehorsam, Glaubenszeugnis, Gottvertrauen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einer exegetischen Untersuchung der Bibelstelle Genesis 11,27-12,9, die das Leben Abrahams, seine Berufung durch Gott und seinen Aufbruch nach Kanaan thematisiert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Rolle Gottes bei der Berufung des Menschen, die Bedeutung des Segens als Deutewort für die Geschichte Israels sowie die literarische Gestaltung des Textes durch verschiedene Verfasser.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Text sowohl in seinem ursprünglichen historischen und theologischen Kontext zu verstehen als auch seine Bedeutung für die heutige Lebenswelt aufzuzeigen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Es werden methodische Schritte der biblischen Exegese genutzt, darunter Übersetzungsvergleich, literarkritische Quellenanalyse, traditionsgeschichtliche Forschung und redaktionskritische Untersuchungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte textimmanente Analyse, die Aufarbeitung der literarkritischen Quellen (Jahwist und Priesterschrift) und eine abschließende Gesamtinterpretation des Übergangs von der Ur- zur Vätergeschichte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Exegese, Abrahamsberufung, Heilsgeschichte, Segen und Literarkritik beschreiben.
Welche Rolle spielt die Unterscheidung zwischen dem Jahwisten und der Priesterschrift?
Die Unterscheidung ist zentral, um zu verstehen, dass der Text aus zwei verschiedenen Perspektiven erzählt wird, die unterschiedliche theologische Schwerpunkte setzen und durch eine spätere Redaktion zu einem Ganzen zusammengefügt wurden.
Warum ist das Motiv des Segens so wichtig für den Text?
Das Motiv des Segens markiert einen entscheidenden Wendepunkt im biblischen Erzählbogen; er wird als Zusage Gottes verstanden, die Abraham befähigt, sein altes Leben zu verlassen und zum Segensträger für alle Völker zu werden.
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- Johanna Lauer (Autor:in), 2015, Exegese von Gen 11,27-12,9. Abrahams Berufung und Wanderung nach Kanaan, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/366078