Exegese von Gen 11,27-12,9. Abrahams Berufung und Wanderung nach Kanaan


Hausarbeit, 2015

21 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Inhaltsangabe von Genesis 11,27-12,9

3. Übersetzungsvergleich

4. Abgrenzung und Kontext des Textes

5. Aufbau und Gliederung

6. Sprachliche Analyse der Form und Bestimmung der Gattung

7. Traditionsgeschichte

8. Mündliche Überlieferungsgeschichte

9. Literarkritik

10. Redaktionskritik

11. Gesamtinterpretation

12. Fazit: Bedeutung für die Gegenwart

13. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Die Besonderheit diese Exodus besteht darin, dass die Landnahme Abrahams nicht aus ökonomischen Gründen […], sondern aus Gehorsam gegenüber einem göttlichen Ruf erfolgte.“[1]

Die Berufung des Abrahams und Wanderung nach Kanaan gehört wohl mit zu den wichtigsten Texten des Alten Testaments.[2] Bei der Betrachtung des Textes fällt mir im ersten Abschnitt Gen 11,27-12 auf, dass dem Leser genau erklärt wird, aus welchem Geschlecht Abraham stammt und es wird hier die wichtige Information, dass Sara unfruchtbar ist, genannt, die für den weiteren Verlauf der Abrahams Geschichte noch eine Rolle spielen wird.

Erstaunlich hierbei ist, dass Terach, Abrahams Vater, zweihundertfünf Jahre alt geworden ist, was unvorstellbar ist.

Der nächste Abschnitt Gen 12,1-9 erinnert mich an das Wegziehen von meiner Familie, daher kann ich gut nachvollziehen, was Gott von Abraham verlangt, denn wie bei mir führt Abrahams Weg nun ins Ungewisse. Abraham mangelt es an nichts in seiner Heimat, trotzdem vertraut er sofort auf Gott und zieht los. Dieses Vertrauen in Gott und seinen Mut bewundere ich und würde mich selbst in dieser Situation als nicht so mutig bezeichnen.

Ein weiterer Punkt, der mir beim Lesen des Textes aufgefallen ist, dass Gott immer für Abraham da ist und sehr großzügig zu ihm ist. Abraham wird sozusagen mit Segen überschüttet und er verheißt ihm nur Gutes. Durch diese verschiedenen Themen, die der Text anspricht ergeben sich viele Interpretationsmöglichkeiten und interessante Anknüpfungspunkte. In der vorliegenden Arbeit wird daher versucht den Text auszulegen und seine Bedeutung darzustellen. Es wird zunächst der Inhalt der Bibelstelle wiedergegeben und diese hinsichtlich ihres Kontextes abgegrenzt, um diese in den Gesamtzusammenhang einzuordnen. Anschließend erfolgt ein Übersetzungsvergleich um mögliche Differenzen herausarbeiten zu können und sich auf eine Übersetzung festzulegen, die für diese Arbeit verwendet werden soll.

Im nächsten Schritt wird eine sprachliche Analyse durchgeführt, der Text gegliedert und eine Gattungsbestimmung vorgenommen. Es wird dann ein Blick auf die Traditions- und mündliche Überlieferungsgeschichte geworfen, um vorgeprägte Inhalte zu untersuchen und somit weitere Bedeutungen zu erschließen. Darauf folgt eine Quellenbestimmung und ein kurzer Einblick in die Zeit der Redaktoren, um den Textabschnitt noch besser im Zusammenhang darstellen zu können.

Abschließend erfolgt eine Gesamtinterpretation und ein Fazit, welches sich auf die heutige Bedeutung der Perikope bezieht.

2. Inhaltsangabe von Genesis 11,27-12,9

Der Bibeltext handelt von der Berufung und Wanderung Abrahams nach Kanaan. Die Genealogie Terachs wird dargestellt und diese erklärt aus welchem Geschlecht Abraham stammt und wie Terachs Neffe Lot sein Mitreisender wird. Geklärt wird auch, dass Abraham die kinderlose Sara zur Frau nimmt. Terach, Abrahams Vater, wandert mit Abraham, Lot und Sara aus Ur in Chaldäa nach Kanaan. Auf ihrem Weg siedeln sie sich in Haran an. Terach stirbt in Haran. Nachdem Gott eines Tages zu Abraham spricht und ihn auffordert sein Land zu verlassen, folgt Abraham voller Vertrauen auf Gott, denn der Herr will seinen Namen und sein Volk groß machen. Abraham wird von Gott gesegnet und durch ihn soll dieser Segen in die Welt getragen werden. Auf Abrahams Reise erscheint ihm Gott erneut und sagt seinen Nachkommen Land zu. Daraufhin errichtet Abraham einen Altar in der Nähe der Stadt Sichem und zieht anschließend weiter nach Bet-El und Ai. Zwischen den beiden Orten errichtet er einen weiteren Altar und ruft Gott an. Abraham lässt sich hier jedoch nicht nieder und zieht weiter in Richtung Negeb.

3. Übersetzungsvergleich

Für diese Perikope gibt es vielfältige Übersetzungen. Zum Übersetzungsvergleich wird die Einheitsübersetzung von 1980, die Wuppertaler Studienbibel, die Übersetzung „Neues Leben“ und der Kommentar von C. Westermann zu Genesis 12-36 herangezogen.

Bis auf die Übersetzung „Neues Leben“ hat der Text in den weiteren Übersetzungen große Übereinstimmungen. Die Sprachform der Übersetzung „Neues Leben“ gibt den Bibeltext in aktuellerer Sprache wieder und verbindet einzelne Sätze, sodass der Text flüssiger wirkt. Des Weiteren verstärkt sie einzelne Ausdrücke durch bestimmte Abänderungen von zum Beispiel Verben. Dies zeigt das folgende Beispiel: „Dann befahl der Herr Abram“. In den weiteren Übersetzungen wird nur das Verb „sprechen“ verwendet.

Die Wuppertaler Studienbibel verwendet im Gegensatz zu den anderen Übersetzungen den Gottesnamen „Jahwe“. In den übrigen Texten wird nur von „der Herr“ gesprochen.

Im Kommentar von C. Westermann wird der Name „Abraham“ erwähnt. In den übrigen Übersetzungen wird der Name „Abram“ verwendet und erst später zu „Abraham“ abgeändert, nachdem Gott ihm verheißen hat, dass er ihn zu einem großen Volk machen wird. Dies weist auf die Bedeutung der beiden Namen hin. „Abram“ bedeutet „erhabener Vater“ und „Abraham“ bedeutet „Vater der Nation“ und zeigt somit an, dass er ihn ab dem Zeitpunkt der Namensänderung erst zu dem „Vater der Nation“ gemacht hat.[3]

Da die Übersetzung „Neues Leben“ zu viele Änderungen am Urtext vorgenommen hat und die Wuppertaler Studienbibel und der Text von C. Westermann Kommentare sind, wird die Einheitsübersetzung von 1980 als Grundtext für diese Exegese verwendet. Aus ihr werden alle folgenden Bibeltextzitate stammen.

4. Abgrenzung und Kontext des Textes

Der vorliegende Textabschnitt Gen 11,27-12,1-9 steht im Alten Testament. Dieses beginnt mit der Schöpfungsgeschichte. Schon hier lassen sich erste Segensverheißungen wie in Gen 1,22: „[…] Seid fruchtbar und vermehrt euch […]“ finden. Die Geschichte führt von Adam und Eva, über deren Nachkommen Kain, Abel und Set bis hin bis zu Noah und der Sintflut. Auch hier kommt eine Segensverheißung zu tragen, denn in Gen 9,1 heißt es: „Seid fruchtbar, vermehrt euch und bevölkert die Erde.“ Nach dem Bau der Arche wird die Nachkommenschaft Noahs beschrieben. In Genesis 11 folgt der Turmbau zu Babel, der die Menschen aufgrund der nun entstandenen unterschiedlichen Sprachen zerstreut und zeigt, wie die Menschen versuchten sich gegen Gott aufzulehnen, aber scheitern.[4] Bis zu dieser Textstelle kommt oft das Wort „Fluch“ vor (Bsp.

Gen 3,14; 4,11; 5,29; 8,21 etc.). Dann setzt der zu betrachtende Textabschnitt ein, denn der Bibeltext fährt fort mit der Geschlechterfolge Terachs und führt die Person Abraham ein. Ab hier dominiert das Wort „Segen“. Die Gnade steht somit erst am Ende der Urgeschichte.[5] Mit Abraham wird deutlich, dass Gott sich wieder den Menschen zuwendet, um die durch menschliche Sünde entstandenen Kluft zu überwinden.[6] Der Text dient daher der Überleitung von der Urgeschichte zur Vätergeschichte.[7] Nach dem Textabschnitt Gen 11,27-12,9 wird die Vätergeschichte fortgesetzt und über Ismael und Isaak, die Nachkommen Abrahams, berichtet.

Da sich die Segensverheißung in dem Textabschnitt an alle Völker richtet, sind die Auswirkungen dieses Textes zu betrachten.[8] Nach den Verheißungen, findet man erneut das Vertrauen Abrahams in Gott, denn seinen einzigen Sohn will er Gott opfern. Anschließend wird die Heilsgeschichte, die mit Abraham beginnt, beim Auszug aus Ägypten fortgesetzt. Der Kontext, in dem dieser Textabschnitt steht, ist somit die Heilsgeschichte. Dies wird auch deutlich, wenn man einen Blick auf das Neue Testament wirft, denn in Mt 1,1 beginnt die Genealogie mit der Person Abraham, der den Anfangspunkt darstellt.

Somit beginnt die Bibel mit der Schöpfungsgeschichte, in der Gott sprach und alles nach seinem Willen geschah. Dann spricht er Abraham zu und geht mit ihm und seinem Volk und nach Abschluss dessen, finden wir in Joh 1,14 den Satz „das Wort ist Fleisch geworden.“

„Das Gott redet, bindet nach dem Zeugnis der Bibel die Weltgeschichte zu einem Ganzen zusammen.“[9]

[...]


[1] Strübind 2012, 12.

[2] Vgl. Ebd.

[3] Fleishman 2001, 20.

[4] Vgl. Zimmerli 1976, 20.

[5] Vgl. Engelkraut 2012, 131.

[6] Vgl. Westermann 1981, Tausend Jahre und ein Tag, 24.

[7] Vgl. Westermann 1981, Genesis, 152.

[8] Vgl. Ebd., 176.

[9] Westermann 1981, Tausend Jahre und ein Tag, 26.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Exegese von Gen 11,27-12,9. Abrahams Berufung und Wanderung nach Kanaan
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
21
Katalognummer
V366078
ISBN (eBook)
9783668451001
ISBN (Buch)
9783668451018
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
exegese, abrahams, berufung, wanderung, kanaan
Arbeit zitieren
Johanna Lauer (Autor), 2015, Exegese von Gen 11,27-12,9. Abrahams Berufung und Wanderung nach Kanaan, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/366078

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