Kapitalbedingte Entwicklung - Alles nur Theorie?


Seminararbeit, 2004

18 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

2 BEGRIFFE UNTER DEM GESICHTSPUNKT DES KAPITALMANGELS
2.1 ARMUT
2.2 UNTERENTWICKLUNG

3 KAPITALBEDINGTE URSACHEN DER UNTERENTWICKLUNG
3.1 KAPITALMANGEL
3.2 PRO-KOPF-EINKOMMEN UND BEVÖLKERUNGSWACHSTUM
3.3 UNZUREICHENDE FINANZMÄRKTE

4 ANSÄTZE ZUR URSACHENBEKÄMPFUNG
4.1 IMPORTSUBSTITUTION UND EXPORTFÖRDERUNG
4.2 LIBERALISIERUNG DES WAREN- UND KAPITALVERKEHRS
4.3 EXPORTERLÖSSTABILISIERUNG
4.4 FÖRDERUNG DER INVESTITIONSBEREITSCHAFT
4.5 VERSCHULDUNG

5 SCHLUSSWORT

LITERATURVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

FACHSPEZIFISCHES ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. EINLEITUNG

Aufgrund der ungleichen Verteilung von Kapital und Wohlstand zwischen den Industrie- und Entwicklungsländern befasst sich diese Arbeit mit den wichtigen Determinanten der kapitalbedingten Entwicklung vor dem Hintergrund der Armutsbekämpfung in Entwicklungsländern und untersucht deren Ursachen und Wirkungen.

Da es kein allgemeingültiges, für alle Entwicklungsländer anwendbares Konzept gibt, diese in kürzester Zeit zu den Industrieländern aufschließen zu lassen, werden einige Förderungsmöglichkeiten diskutiert, die allerdings nicht zwangsläufig zur Lösung der Entwicklungsproblematik in „armen“ Ländern führen.

Die vorliegende Arbeit hat demnach weder den Anspruch, eine abschließende Untersuchung aller Einflussfaktoren auf die Entwicklung der Länder aufzuzeigen, noch versucht sie, ein Patentrezept zur Entwicklungsförderung zu entwerfen. Vielmehr soll sie ein Verständnis für die vielfältigen und komplizierten, kapitalbedingten Faktoren vermitteln, die auf die Entwicklung eines Landes positiv oder negativ wirken können sowie zu nachhaltigen Überlegungen und Diskussionen anregen, um ein unvoreingenommenes Interesse für die Probleme von Entwicklungsländern zu wecken.

Zudem möchte ich auf die Problematik eingehen, was unter Entwicklung in Verbindung mit Kapital verstanden wird, und welche Methoden angewandt werden, um den Entwicklungsstand einzelner Länder anhand ihrer monetären Ausstattung zu messen und zu vergleichen.

2 BEGRIFFE UNTER DEM GESICHTSPUNKT DES KAPITALMANGELS

2.1 ARMUT

Der Begriff Armut kann unter subjektiven und objektiven Gesichtspunkten gesehen, sowie in absolute und relative Armut unterteilt werden.

Unter subjektiver Armut wird das Empfinden der Betroffenen verstanden, die sich im Vergleich zu anderen Gruppen stark unterprivilegiert sehen und dies oftmals auch sind. Dies verdeutlicht das nachstehende Zitat: „Armut ist Erniedrigung; das Gefühl von anderen abhängig und gezwungen zu sein, Rohheit, Beleidigungen und Gleichgültigkeit zu ertragen, wenn wir Hilfe suchen.“ (Stimme eines Armen).[1] Objektive Armut ist an bestimmten messbaren oder vergleichbaren Tatsachen erkennbar, wie z.B. ein niedriges Pro-Kopf-Einkommen (PKE), schlechte medizinische Versorgung oder unzureichende Ernährung. Die absolute Armut analysiert das Einkommensniveau verschiedener gesellschaftlicher Gruppen in Verbindung zum physischen Existenzminimum, dem Betrag, welcher zum Überleben notwendig ist.[2] Es wird untersucht, in wieweit Arme in der Lage sind, ihren existentiellen Lebensbedarf z.B. an Lebensmitteln und medi-zinischer Versorgung, d.h. ihr Existenzminimum, aus eigener Kraft zu erwirtschaften.

Da der Versuch, eine bestimmte Armutsgrenze festzulegen, sich als sehr problematisch erweist, weil Armut vor dem jeweiligen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Hintergrund sowie der jeweiligen Zeit gesehen werden muss,[3] gibt es noch den Begriff der relativen Armut. Dieses Konzept untersucht die zeitliche Entwicklung der wirtschaftlichen Armut anhand von bestimmten prozentualen Verhältnissen.[4] So kann ein in Deutschland lebender Bürger im Vergleich zu seinen Mitbürgern als relativ arm gesehen werden, wenn er aufgrund seiner finanziellen Mittel in den Bereichen Wohnen, Bildung, Gesundheit, Freizeit und Sozialprestige benachteiligt ist. Wäre die Person aber mit den gleichen finanziellen Mitteln in einem Entwicklungsland ansässig, würde er nicht als relativ arm gelten, da sie immer noch viel besser gestellt wäre, als die Mehrheit aller anderen Bewohner in dem jeweiligen Land.

2.2 UNTERENTWICKLUNG

Der Begriff Entwicklung wird in der Literatur nicht einheitlich definiert. Entwicklung kann zum einen statisch, d.h. als Zeitpunkt oder Zustand betrachtet, zum anderen dynamisch als Prozess angesehen werden.[5] Der Entwicklungsstand wird als Ausgangspunkt oder als eine Momentaufnahme des Entwicklungsprozesses gesehen, den ein Land durchläuft, um sein Entwicklungsziel zu erreichen.

Als Unterentwicklung wird der Zustand eines Landes bzw. einer Volkswirtschaft bezeichnet, der vor allem im wirtschaftlichen Bereich eine Rückständigkeit gegenüber den Industrieländern aufweist. Wirtschaftliche Auswirkungen einer Unterentwicklung sind unter anderem ein niedriges PKE, eine niedrige Spar- und Investitionsquote, ein niedriger Kapitalstock, geringe Arbeitsproduktivität und eine außergewöhnlich hohe Konsumquote, welche hauptsächlich durch den Konsum von Grundnahrungsmitteln zustande kommt. Darüber hinaus zählen hierzu ein niedriger Industrialisierungs- und Verarbeitungsgrad der im Land produzierten Güter und die damit verbundene, geringe Wertschöpfung.[6]

Die Messung von Entwicklung in Abhängigkeit vom verfügbaren Kapital kann mit verschiedenen Methoden vorgenommen werden. Zum einen kann als Wohlstandsindikator das PKE herangezogen werden. Hierbei ergeben sich jedoch Probleme bei der Datenermittlung. Diese ergeben sich aufgrund der Qualität der Daten und der Verzerrungen bei der Umrechnung in Vergleichswährungen.[7] Eine andere Messung kann anhand von Verteilungsindikatoren wie dem Gini-Koeffizienten, der die Gleichheit der Einkommensverteilung misst, vorgenommen werden. Bei diesem Indikator wird die Gleichheit der Einkommensverteilung gemessen. Hier stellt sich jedoch die Frage, ob ein Land mit annähernd gleicher Einkommensverteilung unbedingt entwickelter ist, als ein Land mit einer weniger gleichen Einkommensverteilung.

Zur Minimierung der Probleme der Messung wurden aufgrund dieser Überlegungen vom United Nations Development Program (UNDP) verschiedene Sozialindikatorsysteme entwickelt. Als wichtige Indikatoren sind der Human Development Index (HDI), der geschlechtsbezogene Gender-Related Development Index (GDI) und der Human Poverty Index (HPI) zu nennen. Der HDI zum Beispiel basiert auf drei Einzelindikatoren, die Bildungsstand, Lebenserwartung bei Geburt und reales PKE berücksichtigen.[8] Auch eine Kombination von Indikatoren kann aufgrund hoher Korrelationen der Einzelindikatoren untereinander nur mit Vorsicht betrachtet werden, da sich so z.B. Fehler bei der Erfassung verstärken können.[9]

3 KAPITALBEDINGTE URSACHEN DER UNTERENTWICKLUNG

3.1 KAPITALMANGEL

Der Kapitalmangel und damit die fehlende Kapitalakkumulation gelten als bremsender Faktor bei der wirtschaftlichen Entwicklung. Nach der postkeynesianischen Theorie ist die Wachstumsrate der Länder umso größer, je höher die Investitionsquote ausfällt. Wenn mehr Kapital akkumuliert wird, können mehr Arbeitsplätze geschaffen werden, wodurch das PKE anwächst.[10] Um die Ursachen des Kapitalmangels zu verstehen, muss man sich bewusst machen, ob es sich in den vorliegenden Fällen um Sachkapitalmangel oder Humankapitalmangel handelt.[11]

Ein Mangel an Sachkapital kann durch eine unzureichende Ersparnisbildung zustande kommen, wenn die privaten Haushalte oder der Staat nicht genügend Ersparnisse aufweisen können, um Investitionen zu tätigen. Die geringe Sparleistung der Bevölkerung wird durch die Sparfähigkeit beeinflusst. Sparen bedeutet Konsumverzicht und setzt damit ein PKE voraus, das über der Armutsschwelle, bzw. dem physischen Existenzminimum, liegt. Die Differenz zwischen Armutsschwelle und PKE wird als „economic surplus“, wirtschaftlicher Überschuss, oder als „investible surplus“, investierbarer Überschuss, bezeichnet und entspricht theoretisch dem Betrag, der investiert werden kann. Dass dieser Betrag nur teilweise oder gar nicht zur Ersparnisbildung verwendet wird, liegt an der fehlenden Sparbereitschaft. Die Sparbereitschaft der Sparer hängt von der Zeitpräferenzrate und dem erzielbaren Zins ab. Denn nur wenn der zukünftige Konsum aufgrund der gewährten Zinsen einen mindestens gleich großen Nutzen wie der heutige Konsum aufweist, sind die Individuen bereit, zu sparen. Damit schließlich investiert wird, muss darüber hinaus die Investitionsbereitschaft gegeben sein. Auch wenn genügend Kapital gespart wird, kann die Investitionsbereitschaft aufgrund von nicht sinnvollen Investitionsmöglichkeiten oder wegen institutioneller Hemmnisse unter dem gewünschten Niveau bleiben.[12]

[...]


[1] vgl. Medienhandbuch (2002), S. 62.

[2] vgl. Lachmann (2004), S. 36.

[3] vgl. Brockhaus (1986), Band 2, Stichwort: Armut S. 131.

[4] vgl. Lachmann (2004), S. 36.

[5] vgl. Lachmann (2004), S. 9.

[6] vgl. Brockhaus Stichwort Entwicklungsland.

[7] vgl. Lachmann (2004), S. 23.

[8] vgl. Lachmann (2004), S.43 f.

[9] vgl. Lachmann (2004), S. 48.

[10] vgl. Hemmer (2002), S. 173.

[11] vgl. Hemmer (2002), S. 174.

[12] vgl. Hemmer (2002), S. 176-195.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Kapitalbedingte Entwicklung - Alles nur Theorie?
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Lehrstuhl für Wirtschafts- und Entwicklungspolitik)
Veranstaltung
Seminar: Entwicklung! Alles nur Theorie? Kapitalbedingte Entwicklung
Note
2,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
18
Katalognummer
V36627
ISBN (eBook)
9783638361989
ISBN (Buch)
9783656068716
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kapitalbedingte, Entwicklung, Alles, Theorie, Seminar
Arbeit zitieren
Christian Krauß (Autor), 2004, Kapitalbedingte Entwicklung - Alles nur Theorie?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/36627

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