Rezeption der Antike in Zeiten der "Great Depression" in den USA anhand des Films "The Last days of Pompeii" (1935)


Hausarbeit, 2016
23 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Historischer Kontext - Great Depression

3. Der Mythos Pompeii - Strahlkraft antiker Stoffe

4. Der Film in Zeiten der Krise

5. The Last Days of Pompeii (1935)
5.1. Die Handlung des Films
5.2. „The Last days of Pompeii“ - Konstruktion von Werten durch den „every day man“ in der Krise

6. Fazit

7. Literatur- und Quellenverzeichnis

1.Einleitung

Filme sind ein Spiegelbild der Zeit, in der sie entstehen. Sie bilden Denkweisen und Moralvorstellungen der Entstehungszeit ab und bieten einen guten Einblick in den Zeitgeist. Wenn man diesen Gedanken zu Grunde legt, ist es ein interessanter Prozess, Filme zu betrachten, die während Zeiten einer Krise produziert wurden. Ein Film, der in eine solche Phase der Krise einzuordnen ist, ist der Film „The Last days of Pompeii“ aus dem Jahr 1935, welcher von den RKO Studios in den USA produziert wurde. Der Produktionszeitraum des Films fällt in die Phase, die allgemein als Great Depression in Folge des Börsencrashs von 1929 bezeichnet wird. Diese Rezession erstreckte sich über die 1930er Jahre in den USA und war von großen wirtschaftlichen und sozialen Problemen geprägt. Der in diesem Zeitraum entstandene Film handelt, zwar abweichend von der berühmten Romanvorlage der englischen Schriftstellers Edward Bulwer-Lytton, von der Zerstörung der antiken Stadt Pompeii. Noch einmal bezugnehmend auf den Gedanken hinsichtlich des Zeitgeistes den Filme abbilden, stellt sich die Frage warum sich die Produzenten entschlossen diesen Film, in dieser Form, in genau diesem Zeitraum, zu produzieren. Die Faszination von der Antike und antiker Stoffe ist den Menschen seit Jahrhunderten gegeben. Der Roman beispielsweise um die Geschehnisse in Pompeii im Jahr 79 vor Chr. erfuhr in Folge seines Erscheinens einen regelrechten „Hype“ und avancierte zu einem der beliebtesten Stoffe mit einem antiken Handlungsrahmen. In den folgenden Jahrhunderten und Jahrzehnten wurde das Werk so immer wieder als Theaterstück, Pyrodrama oder auch Kinofilm umgesetzt. Seit jeher galt der Stoff und Ort als eine Paradekulisse um Konflikte und Spannungen abzubilden. Dazu gehören die Gegensätze und arm und reich, Pagane gegen Christen oder auch zivilisierte Weiße gegen unzivilisierte Schwarze1. Aufgrund dieser optimalen Bühne, eine dem Tode geweihte Stadt und Gesellschaft, war es auch leicht für Regisseure und Filmemacher, andere, neue und zeitlich besser passende Stoffe und Intentionen, in diese Kulisse zu übertragen. Doch was waren diese anderen Moralvorstellungen die sich im Film, der ja nahezu komplett von der Romanvorlage abweicht, von 1935 widerspiegeln und warum entschied man sich für diesen historischen Hintergrund? Wurde eine Handlung um die Zerstörung der Stadt Pompeii für die Vermittlung bestimmter Werte instrumentalisiert? Wie wollten die Regisseure dies vermitteln?

All diese Fragestellungen sollen im Folgenden geklärt werden. Beginnend mit einer kurzen Darstellung der Zeit der Great Depression und dem Zeitgeist, wird zudem noch die Faszination antiker Stoffe und dem Pompeii Mythos genauer beschrieben.

Der Film als ein Mittel, das die Moral des Volkes stabilisieren soll, wird ebenfalls thematisiert.

Darauffolgend ist es wichtig zu analysieren worin der Reiz der antiken Stoffe besteht und warum diese, auch in Bezug auf dieses spezielle Thema, immer wieder aufgegriffen werden. Als letzter Schritt folgt eine Betrachtung des RKO Productions Films, an dem sich erkennen lässt wie die Produzenten des Films das Pompeii Setting für damalige Moralvorstellungen instrumentalisiert haben könnten. In diesem Kontext wird dargestellt, dass der Hauptcharakter des Films stellvertretend für den einfachen Bürger der Krise steht.

2. Historischer Kontext - Great Depression

Der Produktionszeitraum in den der untersuchte Film fällt, ist die der sogenannten Great Depression. Die Great Depression ist die Bezeichnung für die schwere weltweite Wirtschaftskrise 1930er- Jahre. Diese Bezeichnung wird aber hauptsächlich im Kontext der US- amerikanischen Krise verwendet.

Die Wirtschaftskrise nahm eine bis dahin und auch bis zum heutigen Tage unbekannte Dimension an, die kaum mit anderen dagewesenen Konjunktureinbrüchen, vergleichbar war. Mit dem Beginn der Wirtschaftskrise waren die goldenen 20er Jahre in den USA schlagartig und abrupt beendet.2 Die ersten Merkmale der Krise zogen dann auch weitere Konsequenzen nach sich. Diese Konsequenzen waren ein starker Anstieg der Arbeitslosigkeit und damit verbundene wachsende Armut. Weitere Probleme in verschiedenen Bereichen, wie dem Agrarsektor sorgten dafür, dass die Bevölkerung, mit dem Hintergrund der angesprochenen Konsequenzen, die Krise immer stärker zu spüren bekam. 3 Durch die Weltwirtschaftskrise schwand das Vertrauen der Bürger in den Staat und der liberale Optimismus, der die unmittelbaren Nachkriegsjahre noch auszeichnete, ging verloren. Eine gewisse Unbeschwertheit der Bevölkerung war somit nicht mehr vorhanden.4

Diese Zeit verlangte ein Eingreifen der Politik in die wirtschaftlichen Prozesse, in einem Umfang wie es bisher in der Wirtschaftsgeschichte nicht notwendig gewesen war. Die Laissez- Faire Attitüde der 1920er Jahre in den „roaring Twenties“ konnte dem Ausmaß der Krise nicht mehr gerecht werden. Eine staatliche Intervention musste getätigt werden5.

Die Folgen der massiven Rezession, die durch ein staatliches Einschreiten verhindert oder eingedämmt werden sollten, waren die Verhinderung einer immer weiter ansteigenden Massenarbeitslosigkeit und die damit verbundenen Notstände. Da Präsident Hoover aber der Ansicht war, dass das Eingreifen der Politik, in die Sphäre der Wirtschaft nur in einem moderaten Rahmen geschehen sollte, lud er führende Größen aus der Wirtschaft ein, um sie so von freiwilligen Konjunkturprogrammen und innerbetrieblichen Lösungen zu überzeugen. Regelungen, wie die Weiterbeschäftigung eines Großteils der Arbeiter, wurden zwar, im Zuge der Gespräche, eingehalten, dennoch fanden die Arbeitergeber durch Maßnahmen, wie die Senkung der Wochenarbeitszeiten, Möglichkeiten den Verlust für den eigenen Betrieb möglichst gering zu halten6.

Die Verantwortung der Arbeitgeber, welche vom Arbeitnehmer erwartet werden konnten, ist also anzuzweifeln. Trotz der freiwilligen Beschlüsse waren viele Arbeitgeber nur auf das Überleben des eigenen Business bedacht und nicht auf das des einzelnen Arbeiters. So konnte ein Vertrauensbruch entstehen. Das große Unternehmertum und die damit verbundenen Eigenschaften und dem Materiellen Besitz konnte so mit einer Skrupellosigkeit und fehlenden Empathie, aufgrund deren Position, gleichgesetzt werden. Wie die Geschichte gezeigt hat, waren die Folgen des Konjunktureinbruchs nicht mehr zu verhindern. Die Probleme der Massenarbeitslosigkeit breiteten sich dann weitläufig in weitere Teilaspekte des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft aus. Der Börsencrash in den USA sorgte für eine globale Krise, aber „ ( … ) stärker zudem als in vielen anderen Industrieländern hat sich die Erfahrung der Krise in das kollektive Gedächtnis der USA eingebrannt. “ 7 Dies war auch bedingt durch die Zeitspanne, den die Depression einnahm. Es entstand eine gemeinsame Erfahrung der Armut, welche vor allem die Mittelschicht und die Unterschicht der Bevölkerung betraf und ein Novum, in diesem Ausmaß, darstellte.8

Die Krise war eine Erschütterung des nationalen Selbstverständnisses und des „pursuit of happiness“. Wie bei allen gesellschaftlichen Einschnitten half es die Ereignisse, in Text oder Bild, zu verarbeiten. Filme konnten nun demonstrieren, wie Personen auf der Suche nach dem Glück und Wohlstand waren, aber der Weg den sie wählten, der falsche war.9 Viele dieser Filme waren auch zur Zeit der Antike angesiedelt. Die Gründe warum man sich für eine Handlung in diesem Rahmen entschied waren vielschichtig.

3. Der Mythos Pompeii - Strahlkraft antiker Stoffe

Dadurch dass die Gesellschaft Geschichte und historische Stoffe immer als ein Mittel der Legitimation und der Rechtfertigung, im Hinblick auf soziale Werte, Normen und Systeme benutzt hat, ist auch der Bezug auf die Antike kein verwunderlicher. In der Betrachtung der westlichen Welt mit der Antike fällt damit besonders die europäische Geschichte und Antike ins Gewicht.

„ In the western world, Greece and Rome have long functioned as marks of origin guarranteeing the quality of any product to which they are attached. “ 10

Die Antike als eine geschichtliche Epoche, die im Gegensatz zu anderen Phasen der Menschheitsgeschichte als weitestgehend positiv betrachtet wird, dient dazu, durch die Darstellung in den Medien, egal ob Print, Theater oder bewegtem Bild, als ein Vorbild dargestellt zu werden. Inhalte und Werte, die in diesem Kontext behandelt werden, erscheinen somit auch positiv. Die schiere zeitliche Spanne der Antike kann als ein Beweis dafür gelten, dass Werte, die in diese Zeit hineinprojiziert werden, als gut aufgefasst werden können, da sie solang bestand hatten. Aussagen in Bezug auf die frühe Filmproduktion zeigen, dass „ On a very basic level, early cinema turned to classica antiquiety as a source for ethical, political or sexual models to be emulated, but also antitypest to be confronted. “ 11 .

Es wird also davon ausgegangen, dass die Werte der Antike ein gewisses Gewicht besaßen und diese übernommen oder kopiert werden könnten. Neben diesen Faktoren ist aber auch eine allgemeine Faszination von der Antike zu erkennen.

„ Fascianation with the worlds of the ancient Mediterran and the middle East as a „ classical “ und „ singular “ antiquity (a priviledged site of power and contestation) has been a destinctive feature of cinema right from ist emerge in 1896. “ . 12

Dieses Zitat zeigt, dass die Antike schon immer, nicht nur im Bereich der Kinos eine ungeheure Stahlkraft in der Unterhaltung und der Wertevermittlung besaß. Dennoch stellt sich die Frage warum ein Medium, wie das des Films, welches wie kein anderes für technischen Fortschritt und im Zeichen der technischen Neuerungen steht, ein solches Interesse an der Antike aufwies, dass bis zum heutigen Tage, mit einigen Hoch- und Tiefphasen, konstant Filme im Antiken Setting produziert wurden.13

Wichtiges Element ist dabei die Möglichkeit der Visualisierung. Wenn ein Film oder zu Beginn der Massenunterhaltung, ein Theaterstück, in einem historischen Setting gedreht oder ausgeführt wird, ist es notwendig eine Authentizität, nicht nur durch Inhalte, zu schaffen, die den Zuseher in die Zeit hinein versetzt. Die optische Präsentation spielt in diesem Falle eine gewichtige Rolle. „ Claims are made regarding the archelogical exactness of costumes and settings. “ 14 bedeutet im Grundsätzlichen, dass, wenn deine bestimmte Stadt, wie beispielsweise Pompeii dargestellt wird, eine gewisse Authentizität nur entstehen kann, wenn Orte, Gegebenheiten und andere Elemente, wie Kleidungsstil der Personen, beruhend auf schriftlichen Quellen, Zeichnungen oder gar Ausgrabungsstücken, korrekt wiedergegeben sind. Doch ist in diesem Zusammenhang auch eine Wechselwirkung zwischen dem Film und den Antiken Stoffen zu sehen. Der Film half nicht nur dabei ein möglichst authentisches Bild von der Antike zu zeichnen, sondern es ist auch festzuhalten, dass „ Antiquity helped legitimised Cinema as an autonomus and competitive form of mass culture artisticall, asthetically and culturally. “ . 15

[...]


1 Vgl.: David MAYER: Playing out the Empire, Ben-Hur and other Toga Plays and Films - a critical Anthology, Oxford, 1994, S.90.

2 Vgl.: Jan-Ottmar HESSE/ R o m a n KÖSTER/ W e r n e r PLUMPE: Die große Depression, Die Weltwirtschaftskrise 1929-1939, Frankfurt/ New York, 2014, S.11.

3 Vgl.: Jan-Ottmar HESSE/Roman KÖSTER/Werner PLUMPE: Die große Depression, S.11.

4 Vgl.: Ebd., S.7.

5 Vgl.:Florian PRESSLER: Die erste Weltwirtschaftskrise, Eine kleine Geschichte der großen Depression, München, 2013, S.58.

6 Vgl.: ebd., S.69.

7 Zit.: Jan-Ottmar HESSE et al.: Die große Depression, S.103.

8 Vgl.: Ebd., S.104.

9 Vgl.: Ebd., S.105.

10 Zit.: Arthur J. POMEROY: Then it was destroyed by the Volcano, the ancient world in film and on televison, London, 2012, S.2.

11 Zit.: Pantelis MICHAELAKIS/ Mar i a WYKE: Introduction: silent cinema antiquaty and the exhaustless urn of time, in: Michaelakis, Pantelis/ Wyke, Maria: The ancient world in silent cinema, Cambridge, 2013,S.7.

12 Zit.: Ebd., S.1.

13 Dieser Gedankengang findet sich wieder in: Pantelis MICHAELAKIS/ Maria WYKE: Introduction: silent cinema antiquaty and the exhaustless urn of time, S.2.

14 Zit.: David MAYER: Playing out the Empire, S.17.

15 Zit.: Pantelis MICHAELAKIS/ Maria WYKE: Introduction: silent cinema antiquaty and the exhaustless urn of time, S.6.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Rezeption der Antike in Zeiten der "Great Depression" in den USA anhand des Films "The Last days of Pompeii" (1935)
Hochschule
Universität Kassel
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
23
Katalognummer
V366563
ISBN (eBook)
9783668453937
ISBN (Buch)
9783668453944
Dateigröße
561 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte, Pompeii, Pompej, Film, Rezeption, Kino, Great Depression, Filmanalyse
Arbeit zitieren
Daniel Hartmann (Autor), 2016, Rezeption der Antike in Zeiten der "Great Depression" in den USA anhand des Films "The Last days of Pompeii" (1935), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/366563

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