Bewältigung des Klimawandels im Zusammenhang mit der Menschenrechtsprofession Soziale Arbeit


Bachelorarbeit, 2017
84 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Klimawandel
2.1 Emissionskonzentrationen
2.2 Globale Durchschnittstemperatur
2.3 Globale Meereisbedeckung

3. Auswirkungen des Klimawandels
3.1 Extremwetterereignisse
3.2 Klimawandelbedingte Ressourcenknappheit
3.3 Klimawandel und Gesundheit
3.3.1 Hitzestress
3.3.2 Infektionskrankheiten
3.3.3 Psychische Erkrankungen
3.4 Klimawandel und Demografie

4. Prognosen

5. Bedeutung für die Soziale Arbeit
5.1 Entwicklung von Mitigationsstrategien
5.2 Entwicklung von Adaptionsstrategien
5.3 Analyse und Bewältigung
5.4 Unterstützung betroffener Drittstaaten

6. Fazit

1. Einleitung

Im modernen Zeitalter werden die Menschen vor einer Vielzahl von Aufgaben gestellt. Eine der größten Herausforderungen ist wohl die Bewältigung des Klimawandels mit all den zusammenhängenden Problematiken. Bis heute ist das komplexe Zusammenspiel des Systems Erde nicht vollständig erforscht. Geklärt ist jedoch, dass hohe Konzentrationen von Kohlenstoffdioxid und anderen Emissionen einen entscheidenden Einfluss auf die Temperatur der Erdoberfläche und damit weitreichende Konsequenzen (ökologisch) für klimatische und meteorologische Parameter haben. Im Rahmen der zunehmenden Bevölkerung, der Industrialisierung und dem immer höheren Bedarf an Ressourcen wird immer mehr Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre abgegeben. Die Konzentrationen von Kohlenstoffdioxid in unserer Atmosphäre steigen derzeit schneller als die letzten Jahrhunderte (vgl. Stein 2016).

Es ist davon auszugehen, dass diese Messwerte maßgeblich im Zusammenhang mit der menschlichen Entwicklung, im Rahmen der Industrialisierung stehen. Somit kann der Mensch als Hauptauslöser für aktuelle klimatische Veränderungen gesehen werden.

Durch einen fortschreitenden Anstieg der mittleren Temperaturen auf der Erdoberfläche und dem damit verbundenen Klimawandel kommt es zu einer Verschiebung der Wetterlagen und einer Häufung sowie Intensivierung von wetterbedingten Naturkatastrophen. Dürren sorgen für Wasserknappheit, Stürme und Überschwemmungen. Weiterhin kommt es immer häufiger zu extremen Hitze- und Kältewellen.

Klimabedingte Problematiken treten unter Verzögerung auf. So erleben wir heute die Auswirkungen von Einflüssen, die Jahrzehnte zurückliegen. Somit sind keine dramatischen Konsequenzen damit verbunden, wenn Entscheidungen und Positionierungen um einen Tag verschoben werden. Dennoch müssen zunehmende Auswirkungen des Klimawandels bedacht und tiefer gehende Erkenntnisse weiter erforscht werden, da klimabedingte Veränderungen zunehmend auftreten werden. Diese hochkomplexe Thematik ist nur durch enge Zusammenarbeit von verschiedenen Wissenschaften zu begegnen, die heute noch nicht gelingt.

Da ein Auslöser der klimatischen Veränderungen der Mensch und die Gesellschaft ist, muss das Problem auch durch den Menschen gelöst werden.

„Es sind zunehmend sozialwissenschaftliche Erklärungsansätze zu thematisieren, die für das Verständnis von Risikowahrnehmung und Einschätzung des persönlichen Bedrohungspotentials innerhalb der Bevölkerung zentral sind. Hierzu zählt auch die Bedeutung der persönlichen Wahrnehmung von Klimawandel-induzierten gesundheitlichen Risiken für individuelle Adaptions- und Schutzstrategien speziell im höheren Lebensalter“ (Jahn, Krämer, Wörmann 2013).

Eine zentrale Aufgabe für die Sozialwissenschaften ist der Bildungs- und Präventionsauftrag. Es bedarf tertiäre Strategien, sodass individuelle Konsumgewohnheiten kritisch reflektiert werden und eine Darstellung von gesundheitsrelevanten Auswirkungen des Klimawandels zulässt. So ist die Thematik Klimawandel und Gesundheit altersentsprechend in den Unterricht zu integrieren (vgl. ebd.).

Ziel sollte es sein, durch nachhaltiges, menschliches Verhalten der Veränderung des Klimas zu begegnen und weiterhin den Menschen für klimatische, meteorologische Einflüsse und gesundheitliche Risiken zu sensibilisieren.

In dieser Thesis möchte ich auf die Bedeutung des Klimawandels für die Menschenrechtsprofession Soziale Arbeit eingehen. Es muss berücksichtigt werden, dass der Klimawandel sämtliche Systeme bedroht. Dazu zählen naturwissenschaftliche Phänomene ebenso wie gesellschaftliche Aspekte. Ich werde die gesellschaftlichen Auswirkungen beleuchten, die aus veränderten Umweltbedingungen resultieren. Dazu zählen insbesondere Veränderungen in der Demografie sowie dem gesundheitlichen Zustand von Gesellschaften. Besonders stark betroffen sind dabei landwirtschaftlich geprägte, mittellose Staaten, da Ressourcen klimawandelbedingt zerstört werden.

Durch eine Verkettung von Zuständen können soziale Angebote letztendlich nicht mehr gewährleistet werden. Individuelle Ressourcen werden durch den Klimawandel beeinflusst, sodass verschiedenste Stressoren die Menschen zunehmend belasten. Soziale Ungleichheit ist häufig eine Folge mit drastischen (gesundheitlichen) Konsequenzen für die betroffenen Menschen.

Die Stärke der Menschenrechtsprofession Soziale Arbeit ist den Fokus auf benachteiligte Menschengruppen zu setzen und bei der Bewältigung individueller, sozialer Problemlagen zu unterstützen.

Die Soziale Arbeit ist demnach in der Bewältigung des Klimawandels zu beteiligen.

Insgesamt ergeben sich weitreichende Anforderungen für verschiedenste Wissenschaften, inklusive den Sozialwissenschaften, damit die verschiedensten Folgen für Individuum, Gesellschaft und Umwelt möglichst gering bleiben.

Für die Soziale Arbeit ist dies eine Herausforderung die nur mithilfe anderer Disziplinen gelöst werden kann. Als multiprofessionell agierende Disziplin ist die Soziale Arbeit dafür gut aufgestellt.

Dabei geht es im Wesentlichen um die Entwicklung und Umsetzung von Mitigations- und Adaptionsstrategien sowie die individuelle Bewältigung von klimawandelbedingten Herausforderungen. Dahingehend stellt sich die Frage, wie sich die Soziale Arbeit einbringen kann, damit diese Ziele erreicht werden können.

2. Der Klimawandel

Die Bundesbehörde für Umweltschutz, der Deutsche Wetterdienst, der Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change), die National Ozeanic and Athmospheric Administration der U.S. Regierung und die NASA berichten unter anderen in regelmäßigen Abständen über die aktuellen Klimabedingungen.

Das globale Klima unterliegt seit Millionen von Jahren natürlichen Schwankungen. So sind mehrere Warm- und Kaltzeiten anhand von Bohrproben im ewigen Eis Grönlands nachweisbar. Die natürlichen Schwankungen sind bedingt durch viele natürliche Einflüsse wie Sonnenstrahlung in schwankender Intensität, Veränderungen in der Erdumlaufbahn, Vulkanausbrüchen, die Beschaffenheit der Land- und Wasseroberfläche, sowie einer sensiblen Wechselwirkung zwischen Atmosphäre und Ozean (vgl. Jahn, Krämer Wörmann 2013).

Der Wandel des Klimas in der heutigen Zeit unterliegt dagegen zusätzlichen anthropogenen Einflüssen.

Die Wissenschaft hat dabei besonders die Zunahme von Spurengasen und Aerosolen in immer höheren Konzentrationen in der Atmosphäre im Blick (vgl. Roth 2004). Diese werden durch die wirtschaftlichen Aktivitäten der Menschen zunehmend freigesetzt und gelten als Hauptauslöser für derzeitige Klimaveränderungen.

Veränderungen im Klima sind nachweisbar. Die Zunahme von Extremwetterereignissen ist eindeutig, Ressourcen wie Wasser und Nahrung sind klimabedingt in Teilen der Erde bedroht, die globale Temperatur steigt und Gletscher schmelzen ab. Außerdem ist das Ökosystem der Ozeane bedroht und Strömungen, wie die nordatlantische und pazifische Oszillation, verändern sich. Zusätzlich steigt der Meeresspiegel und bedroht zunehmend küstennahe Gebiete. Aufgrund der Komplexität sind die exakten Gründe für klimatische Anomalien noch nicht vollständig geklärt und müssen weiter erforscht werden.

Der Mensch unterliegt den klimatischen und meteorologischen Einflüssen. Schon kleine Abweichungen in diesem komplexen und sensiblen System sorgen dafür, dass regional erhebliche Veränderungen der Umweltsituation auftreten können. Diese Anomalien können dramatische Ausmaße annehmen, sodass Existenzen und die Gesundheit bedroht sind. Das öffentliche Leben kann aufgrund von Ressourcenmangel behindert werden und ein staatliches Fürsorgesystem zusammenbrechen.

Daher ist es auch für die Sozialwissenschaften erforderlich, unsere Umwelt weiterhin zu erforschen und die vielen Einflüsse auf eben diese zu verstehen. Nur so können wir versuchen auf den Wandel des Klimas positiven Einfluss zu nehmen und weitreichende Folgen abzumildern oder zu verhindern.

2.1 Emissionskonzentrationen

Der natürliche Treibhauseffekt macht das Leben auf der Erde erst möglich. In der Troposphäre lassen die Spurengase Kohlenstoffdioxid, Wasserdampf, Methan, Distickstoffmonoxid und Ozon die kurzwellige Sonnenstrahlung ungehindert auf den Erdboden, während die langwellige Wärmestrahlung zum Teil absorbiert wird. Dies führt zu einer Erwärmung der Luftschichten. Ohne diesen Effekt läge die Durchschnittstemperatur auf der Erde etwa 30°C niedriger bei -18°C (vgl. Roth 2004).

Besonders auffällig sind aktuell die immer höheren Konzentrationen von Treibhausgasen wie Kohlenstoffdioxid, Methan und Lachgas. Kohlenstoffdioxid weist dabei den höchsten Treibhauseffekt auf und wird hauptsächlich durch Verbrennung von fossilen Brennstoffen und biologischen Zersetzungsprozessen freigesetzt. Dies hat zur Folge, dass der Treibhauseffekt stärker in Erscheinung tritt.

Im Kyoto Protokoll von 1998 wurde das Ziel gefestigt, eine Trendwende in der Konzentration der Emissionen zu erreichen. Damit das Protokoll in Kraft treten konnte, mussten mindestens 55 Nationen, die zusammen für mindestens 55% der Emissionsproduktion verantwortlich zu machen sind, unterzeichnen. Durch den Beitritt Russlands konnte das Kyoto-Protokoll im Jahre 2005 in Kraft treten (vgl. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit 2015).

Darin vereinbarten die Nationen den Ausstoß der Treibhausgase zu reduzieren. Auf nachfolgender Grafik ist zu erkennen, wie die Konzentration von Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre dennoch stetig zunimmt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eigene Grafik zur Darstellung der globalen CO² Konzentration (ppm) in der Luft (vgl. Dlugokencky 2016).

Neben den natürlichen Ursachen der Freisetzung ist die industrialisierte Gesellschaft maßgeblich an den hohen Werten verantwortlich zu machen. Neben der Industrie, dem Verkehr und der Energiegewinnung ist die moderne Landwirtschaft ein großer Produzent von Treibhausgasen. Besonders der Einsatz von chemischen Düngungsmittel setzt viele Emissionen frei.

China ist mit etwa 27% am globalen Ausstoß von Emissionen beteiligt und ist damit der Staat, der am meisten Emissionen freisetzt. Gründe hierfür sind hohe wirtschaftliche und industrielle Leistungen, sowie eine hohe Population mit einem hohen Energiebedarf.

Die Vereinigten Staaten sind mit einem Anteil von 15% auf Platz zwei der Co² Erzeuger. Der Großteil des Ausstoßes entsteht bei der Energiegewinnung und dem Transportwesen (vgl. US Environmental Protection Agency 2016).

Deutschland befindet sich global gesehen an sechster Stelle mit etwa 2%. Im europäischen Vergleich ist die Bundesrepublik Deutschland der größte Produzent von Co². Hinzuzufügen ist, dass die Europäische Union 2014 im Vergleich zu 1990 den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid, trotz steigender Gesamtbevölkerung, um 24% senken konnte (vgl. Europäische Umweltagentur 2016).

Neben der immer weiter wachsenden Population sind das immer höhere Verkehrsaufkommen, der weiter wachsende Energiebedarf und die Abholzung von Wäldern im Bezug zum Emissionsgehalt der Atmosphäre höchst problematisch und verstärkt den Treibhauseffekt.

Damit die Emissionswerte gesenkt werden können bedarf es einer grundlegenden Änderung der menschlichen Verhaltensweisen. Dieser Auftrag obliegt hauptsächlich den Sozialwissenschaften. Dazu möchte ich im Kapitel 5.1 näher drauf eingehen.

2.2 Globale Durchschnittstemperatur

Nach unterschiedlichen Quellen (NOAA, NASA, DWD) war das Jahr 2015 weltweit das wärmste Jahr seit Beginn der Messungen. Verantwortlich hierfür sei unter anderem das ausgeprägte El-Niño-Ereignis (El Niño- Southern Oscillation). Durch Ausbleiben der warmen Südostpassatwinde verbleibt das warme Oberflächenwasser vor den küstennahen Gebieten Südamerikas und erwärmt sich bis 5°C über den langjährigen Durchschnitt. Beim Auftreten dieser „Klima-Anomalie“ wird neben einer veränderten Niederschlagsverteilung in Südamerika, Australien und Südostasien eine Wechselwirkung zwischen Ozean und Atmosphäre verzeichnet, wobei die Wärme des Wassers an die Luft abgegeben wird.

In nachfolgender Grafik ist die Entwicklung der globalen Temperatur gut zu erkennen. Angegeben sind hier die Abweichungen in Celsius vom gemittelten Referenzwert der globalen Durchschnittstemperatur von 14°C im Zeitraum von 1951-1980 durch die National Ozeanic and Athmospheric Administration.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eigene Grafik zur Darstellung der globalen Temperaturabweichung zum langjährigen Mittel. Als Datengrundlage wurden die gemessenen Werte von NASA und NOAA verwendet.

Die Grafik verdeutlicht, dass es seit mindestens 26 Jahren kein Jahr gab, in dem die Temperaturen unterdurchschnittlich ausfielen. Weiterhin ist ein besonders starker Anstieg der Temperaturen seit 2011 zu verzeichnen. So waren neben dem Jahr 2015 die Jahre 2014 und 2016 die wärmsten Jahre seit Beginn der Messungen im Jahre 1880.

In Deutschland war 2015 nach den Ergebnissen des Deutschen Wetterdienstes mit einer Durchschnittstemperatur von 9,9°C eines der wärmsten Jahre seit Beginn der flächendeckenden Messungen. Mit einer Durchschnittstemperatur von 10,3°C war bisher nur das Jahr 2014 wärmer. Auffällig waren im Jahr 2015 die häufigen Hitzeperioden und eine anhaltende Trockenheit besonders im Süden der Republik. Am 05.07.2015 und am 07.08.2015 wurde sogar ein neuer bundesweiter Temperaturrekord von 40,3°C in Kitzingen verzeichnet.

In der Mitte des Jahres fielen besonders in der Mitte des Landes nur 30% der mittleren Niederschlagsmenge. Durch anhaltend hohe Temperaturen und die damit verbundene Verdunstung gab es erhebliche Einschränkungen in der Landwirtschaft und der Schifffahrt. Im Juni erfüllte diese Wetterlage die Kriterien einer mäßigen bis extremen Dürre (vgl. DWD 2016).

Die Temperatur auf der Erde steigt nicht überall gleichmäßig, sondern regional stark unterschiedlich. Gut zu erkennen ist dieses Phänomen auf nachfolgender Grafik des Deutschen Wetterdienstes vom Januar 2017. Abgebildet sind hier die gemessenen Temperaturabweichungen des gesamten Jahres 2016.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellung der globalen Abweichung der Lufttemperatur im Jahr 2016 vom Deutschen Wetterdienst.

Global gesehen hat der Temperaturanstieg der Atmosphäre weitreichende Folgen für sämtliche ökologische Systeme.

Die positiven Abweichungen der Temperatur innerhalb der kontinentalen Gebiete sind besonders problematisch. Besonders im nahen Osten und in Nordafrika leiden die Menschen bereits heute durch langanhaltende Hitzewellen und Dürreperioden. Auch in den Vereinigten Staaten war das vergangene Jahr sehr warm. Hitzewellen beeinflussen dort besonders viele Menschen und große landwirtschaftlich genutzte Flächen.

In den Polarregionen der Nordhalbkugel sind die Auswirkungen des Klimawandels schon jetzt besonders signifikant. In diesen Zeiten werden immer häufiger Temperaturrekorde in der Arktis verzeichnet. Grund hierfür könnten Kettenreaktionen in diesen Gebieten sein. Das Polarmeer kann durch fehlendes Meereis zunehmend Sonnenergie aufnehmen, da die reflektorische Eigenschaft des Eises fehlt. Somit erwärmt sich das Wasser über weite Teile der Polarregion.

Dieses Phänomen zeigt sich besonders gut in folgender Grafik zur Darstellung der Abweichungen der Oberflächenwassertemperatur. So wurden im Jahr 2016 in den Polarregionen positive Abweichungen von bis zu 2°C gemessen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grafik vom National Center for Environmental Information der National Ozeanic and Atmospheric Administration. Dargestellt ist hier die Abweichung der Oberflächenwassertemperatur im Jahr 2016. Als Referenzwert dient der Durchschnittswert der Jahre 1955 - 1959.

Dies hat zur Folge, dass die Meereisbedeckung immer schneller abnimmt und die Temperatur an den Polen immer weiter steigen kann. Auffällig ist, dass nahezu die gesamte Wasseroberfläche eine positive Temperaturabweichung zum Durchschnittswert aus der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts aufweist. Ausgenommen hiervon sind lediglich die antarktischen Regionen, die weniger stark von einer Erwärmung betroffen sind.

Eine Erwärmung des Meerwassers hat weitreichende Folgen für verschiedene Systeme. Da die Ozeane in Wechselwirkung mit der Atmosphäre stehen beeinflussen sich diese Systeme gegenseitig.

Durch zunehmende Erwärmung versändert sich die Zusammensetzung des Wassers. Neben veränderten Strömungen wandern Fischschwärme ab oder sterben. Dadurch werden insbesondere Menschen in den äquatorialen Regionen beeinflusst, da sich viele Menschen dort von Fischprodukten ernähren (siehe Abschnitt 3.2).

2.3 Globale Meereisbedeckung

Eine Folge der Erwärmung ist, dass die Meereisbedeckung derzeit auf einem historischen Minimum zu verzeichnen ist.

Die jährliche maximale Ausdehnung des Meereises wird normalerweise im November erreicht. Im Jahr 2016 war das nicht der Fall. Das alljährliche Maximum wurde bereits im Juni erreicht und sorgt für Aufregungen in verschiedenen Forschungskreisen und Überwachungszentren. Auf nachfolgender Grafik vom National Snow & Ice Data Center ist die jährliche Ausdehnung des Meereises seit 1978 dargestellt. Die Kurve beschreibt die gesamte Meereisfläche der Erde. Also die Meereisfläche der Arktis und der Antarktis zusammen. Gut zu erkennen ist der außergewöhnliche Verlauf der Meereisbedeckung im Herbst 2016.

Grund für diese extremen Abweichungen sind hauptsächlich die hohen Temperaturabweichungen von über 20°C in der Arktis im Herbst und Frühwinter 2016 (vgl. Climate Change Institut 2016).

Diese führten dazu, dass das Meereis viel später und weniger gefror als in den Jahren zuvor.

Die Auswirkungen dieser Anomalie auf klimatische, ozeanografische und meteorologische Faktoren sind bisher, aufgrund der hohen Komplexität, mit Unsicherheiten behaftet und können im Folgenden aufgrund des Umfanges nur stark vereinfacht dargestellt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grafik zur Darstellung der jährlichen Ausdehnung des globalen Meereises von 1978-2017 des National Snow & Ice Data Center.

Aufgrund der veränderten Bedingungen in der Arktis waren veränderte Druckmuster auf der gesamten Nordhalbkugel zu verzeichnen. Grund hierfür könnten Veränderungen des Polarwirbels sein. Der „gesunde“ Polarwirbel treibt aus großer Höhe die Druckgebilde der Nordhemisphäre von West nach Ost. In den vergangenen Jahren waren häufiger Anomalien beim Polarwirbel zu verzeichnen. So splittet sich der Wirbel, versagt beinahe oder verbleibt im Frühjahr länger als üblich.

Das anormal warme Wasser der Arktis im Frühwinter 2016 sorgte dafür, dass der Polarwirbel der Nordhemisphäre an Kraft verlor, der Antrieb von West nach Ost abgeschwächt wurde und sich auf diese Weise große Hochdruckgebiete über Sibirien legen konnten.

Der Kältepol verschob sich aufgrund dieser anhaltenden Wetterlage im November, Dezember 2016 nach Russland, wodurch es dort zu ungewöhnlichen Temperaturabweichungen um -20°C kam und die Temperaturen unter -30°C sanken.

Verschiedene Klimamodelle korrigierten daraufhin die Prognosen der Temperaturen für den Winter 2016/2017 für Europa und Asien nach unten. Die veränderten Druckmuster sowie der veränderte Salzgehalt des Nordatlantiks, könnten weiterhin Einfluss auf die nordatlantische Oszillation nehmen, da Luftdruckwechsel über dem Nordatlantik die Temperatur des Oberflächenwassers beeinflusst (vgl. Roth 2006).

Möglicherweise wurde aufgrund dieser und weiterer Phänomene das Winterwetter in Mitteleuropa beeinflusst. So war der Januar hierzulande der kälteste seit 2010 und könnte in Süddeutschland sogar der kälteste Januar seit 1987 werden (vgl. WetterOnline 2017).

In Südeuropa war der Januar 2017 ebenfalls ungewöhnlich kalt und führte zu Schneefällen bis Nordafrika.

Dies ist zunächst paradox, zeigt allerdings wie komplex und weitreichend die Konsequenzen von Anomalitäten im Umweltsystem sind. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass veränderte Bedingungen in einem so großen Teil der Erde, wie der Arktis, weitere Abweichungen auslösen könnten, die die Bevölkerung dann erheblich beeinflussen würden.

Daher ist es von elementarer Bedeutung die unterschiedlichen Systeme weiterhin zu erforschen und die Zusammenhänge zu verstehen. Nur auf diese Weise kann auf Umwelteinflüsse angemessen reagiert werden. Der Arbeitsauftrag der Sozialwissenschaften unterliegt zum einen den naturwissenschaftlichen Untersuchungen und Prognosen und zum anderen den Zustand der Gesellschaften und Individuen.

Es bedarf für die Soziale Arbeit ein Umfassendes Verständnis, wie sämtliche Systeme ineinandergreifen.

3. Auswirkungen des Klimawandels

Forscher gehen aufgrund der globalen Geschehnisse bereits davon aus, dass der Klimawandel aufgrund einer Reproduktion von Anomalien schon jetzt nicht mehr aufzuhalten sei. 16 Klimawandel und Soziale Arbeit und sind bereits heute beobachtbar. Auf Grundlage der verfügbaren wissenschaftlichen Literatur seit dem vierten Sachstandbericht der Intergovernmental Panel on Climate Change wurde in der Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger aus dem Jahr 2014 weitverbreitete Folgen, die dem Klimawandel zugeordnet werden, dargestellt. Dabei werden in den letzten Jahrzehnten immer mehr Phänomene dem Klimawandel zugeordnet.

Viele Gletscher der Erde schmelzen derzeit in rekordverdächtiger Geschwindigkeit, Schneebedeckungen bleiben aus und Permafrostböden tauen zunehmend auf. Besonders in den Polarregionen, Kanada, Südamerika und Afrika ist das Vertrauen in die Zuordnung dieser Phänomene als Auswirkung zur Klimaveränderung nach dem IPCC sehr hoch.

Durch die Ausdehnung des Wassers sowie dem zusätzlichen Schmelzwasser, steigt der globale Meeresspiegel an und bedroht zunehmend küstennahe Gebiete aufgrund von Küstenerosionen oder (Sturm)Fluten.

Die hochsensiblen Meeresökosysteme sind bereits weltweit durch den Klimawandel beeinflusst. Auf allen Kontinenten ist eine Veränderung der Strömungen, dem Wanderverhalten von Fischschwärmen oder Korallensterben zu beobachten.

Die Niederschläge verteilen sich zunehmend unterschiedlich, sodass Katastrophen in Form von Dürren und Überflutungen zunehmen und intensiver ausfallen. Die Auswirkungen auf terrestrische Ökosysteme sind regional enorm. Wald und Flächenbrände nehmen vor allem in Europa und Nordamerika klimabedingt zu.

Die Nahrungsmittelproduktion hängt unmittelbar mit der Landwirtschaft zusammen. Der Ertragsreichtum und die Produktionsrate unterliegen den regionalen meteorologischen Bedingungen und klimatischen Veränderungen. Der Klimawandel trägt derzeit wesentlich zu einer verschlechterten Nahrungsmittelproduktion in Australien, Afrika und Südamerika bei, was Hungersnöte und wesentliche wirtschaftliche Einbußen zur Folge haben kann.

Der Klimawandel beeinflusst neben den naturwissenschaftlichen Aspekten direkt und indirekt die Gesundheit von Menschen.

„Neben allgemeinen Befindlichkeitsstörungen wetterfühliger Personen werden Wettereinflüsse mit kardiovaskulären Erkrankungen, Atemwegskrankheiten, rheumatischen Beschwerden, Kopfschmerzen und Migräne sowie psychischen Krankheiten in Verbindung gebracht“ (Zacharias 2012).

Durch verunreinigtes Wasser und höheren Temperaturen verbreiten sich Seuchen und Infektionskrankheiten schneller und verursachen eine Reduzierung der individuellen Ressourcen. So müssen Menschen in durch Wasserknappheit bedrohten Teilen der Erde verunreinigtes Wasser trinken um nicht zu verdursten. Lebensbedrohliche Durchfallerkrankungen sind dann meist einer der Folgen.

Knappheit von Ressourcen lösen weiterhin soziale Spannungen aus, die zu erheblicher sozialer Ungleichheit führt.

Besonders für die sensiblen Staatshaushalte der Drittstaaten können wetterbedingte Naturkatastrophen weitreichende Konsequenzen haben. Dies betrifft vor allem die Wirtschaftsleistung, sowie die Versorgungs- und Gesundheitssysteme. Dabei ist anzunehmen, dass dies zu einer Verschlechterung der individuellen Situationen beiträgt, da Ernährung, der Zugang zu Wasser, ein funktionierendes Gesundheitssystem und soziale Angebote regional nicht mehr sichergestellt werden können.

Aufgrund einer räumlichen Verdrängung von Menschen werden klimabedingte Völkerwanderungen aller Voraussicht nach zunehmen. Es ist davon auszugehen, dass Europa indirekt durch den Klimawandel beeinflusst wird, da demografische Entwicklungen und Veränderung durch Migration auftreten werden.

Die verschiedenen Systeme der Erde sind zu komplex um alle Phänomene und Anomalien vollständig erklären zu können. Von Bedeutung sind daher weitere Forschungen und neue Ansätze durch sämtliche Wissenschaften, um weiterhin verlässliche Daten zu sammeln und auszuwerten. Im folgenden Abschnitt möchte ich dennoch vertieft auf klimabedingten Auswirkungen eingehen, die die Menschen und ihre Gesundheit direkt betreffen.

3.1 Extremwetterereignisse

Mittlerweile ist unumstritten, dass Naturkatastrophen immer häufiger auftreten und intensiver ausfallen. So haben das Schadensausmaß und die volkswirtschaftlichen Kosten durch Naturkatastrophen dramatisch zugenommen (vgl. Roth 2004).

„Naturkatastrophen sind Ereignisse, die die Gesellschaft, Wirtschaft, und/ oder Infrastruktur einer Region ernsthaft gefährden. Je nach Bevölkerung, Vulnerabilität, und lokalen Kapazitäten haben Naturkatastrophen humanitäre Herausforderungen und Probleme zur Folge. Der Begriff „Naturkatastrophe“ wird zur Vereinfachung gebraucht, denn das Ausmaß und die Konsequenzen einer plötzlich entstehenden Katastrophe hängen immer von der Reaktionsfähigkeit der Individuen und der Gesellschaft als Ganzes auf dieses Ereignis ab. Das Ausmaß der Konsequenzen eines Naturereignisses ist wiederum durch menschliches handeln oder das Ausbleiben des Handelns bestimmt“ (Lieser, Dijkzeul 2013).

Neben einem Rückgang kalter Temperaturextreme wurde die Zunahme warmer Temperaturextreme und einer vermehrten Häufigkeit von Starkniederschlagsereignissen in etlichen Regionen seit ca. 1950 beobachtet. Weiterhin ist ein Anstieg des Meeresspiegels zu verzeichnen (vgl. Intergovernmental Panel on Climate Change 2014).

Aufgrund der zunehmenden Erwärmung unseres Planeten ist es physikalisch möglich, dass die Ozeane mehr Wasserdampf an die Atmosphäre abgeben und die wärmere Luft mehr Wasserdampf aufnehmen kann. Klimaforscher sind zunehmend darin bestärkt, dass ein Zusammenhang zwischen dem Wasserdampfgehalt in der Atmosphäre, der gesteigerten Verdunstung der Ozeane und Windgeschwindigkeiten gibt (vgl. Roth 2006).

Höhere Temperaturen und ein höherer Wasserdampfgehalt in der Luft bieten mehr Energie und damit eine höhere, potentielle Gefahr für starke Gewitter und Stürme.

Über den warmen Gewässern wird daher die Entstehung von tropischen Wirbelstürmen begünstigt. Diese kommen häufiger vor, fallen zunehmend stärker aus und richten hauptsächlich in Asien und Amerika große Schäden an.

So verursachte Hurrikane Katrina 2005 in den Vereinigten Staaten einen Volkswirtschaftlichen Schaden von 200 Bill. USD und war damit einer der teuersten Hurrikans der die vereinigten Staaten getroffen und Millionen von Menschen beeinflusst hat. So stieg die Arbeitslosenquote in den betroffenen Gebieten unmittelbar nach der Naturkatastrophe erheblich an (vgl. Dolfman, Bergman 2007).

Weiterhin kommt es aufgrund der geänderten Niederschlagsverteilung und unter Zunahme von punktuellen, starken Niederschlägen in weiten Teilen der Erde zu langanhaltenden Dürreperioden, während in anderen Gebieten Überflutungen auftreten. So hat die derzeit veränderte pazifische Oszillation (La Niño) Dürren in Südamerika und Australien ausgelöst, während es zu vermehrten Niederschlägen in Mittelamerika kam. Somit ist eine verlässliche Wasserversorgung in immer größeren Teilen der Erde keine Selbstverständlichkeit mehr.

Auch in Europa ist die Zunahme von Extremwettersituationen zu verzeichnen. Vielen Menschen ist die Hitzewelle aus dem Jahr 2003 in Erinnerung geblieben. Über Wochen hinweg hielt eine sogenannte Omega-Wetterlage an, dabei dominiert ein großes Hochdruckgebiet über Mitteleuropa, sodass die Temperaturen in Frankreich, der Schweiz und Deutschland zum Teil bis 40°C steigen konnten. Auch nachts kühlte es vielerorts nicht unter 20°C ab. In Freiburg wurde eine durchschnittliche Temperatur für den August 2003 von 25,5°C gemessen.

Dies ist eine wärmere Durchschnittstemperatur als die der nordafrikanischen Stadt Algier (vgl. Wetteronline 2013).

Tausende Tote wurden der Hitzewelle zugeordnet. Der Deutsche Wetterdienst erweiterte daraufhin das Frühwarnsystem um auf ähnliche Wetterbedingungen frühzeitig warnen zu können.

Weiterhin kam es in den betroffenen Staaten zu Waldbränden und Einschränkungen in der Landwirtschaft und Binnenschifffahrt. Schon im Frühjahr blieben Niederschläge aus, sodass Flüsse und Stauseen zum Teil austrockneten und die Problemlagen verschärften.

In der Bundesrepublik ist eine Zunahme von Starkniederschlagsereignissen in Form von schweren Gewittern, auch Superzellen genannt, zu erkennen. Solche Gebilde wurden erst im Juni 2014 in Nordrhein-Westfalen beobachtet. Auffällig sind dabei die immer höheren Windgeschwindigkeiten. In diesem Unwetter richteten Orkanböen über 140km/h erhebliche Schäden an. Es handelte sich hierbei um einen der schwersten und intensivsten Gewitterkomplexe, die bisher in Nordrhein- Westfalen beobachtet wurden. Die Gemeinden in Nordrhein-Westfalen meldeten einen Schaden von 302 Millionen Euro. Zusätzlich forderte das Unwetter 6 Menschenleben und verletzte 67 Menschen zum Teil schwer (vgl. DWD 2015).

Ein vergleichbares Unwetter zog im Juli 2002 über den Osten Deutschlands (vgl. Sävert, Laps 2014).

Die Menschen und Gesellschaften sind zunehmend der Gefahr von Extremwetterereignissen ausgesetzt. Dabei werden immer häufiger die individuellen Ressourcen der Menschen bedroht, da die Wetterereignisse immer intensiver ausfallen. Dies kann weitreichende soziale Konsequenzen haben. Im Kapitel 5.3 möchte ich darauf eingehen, wie die Soziale Arbeit die Menschen dahingehend unterstützen kann individuelle soziale Problemlagen, die sich klimawandelbedingt ergeben können, zu bewältigen.

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Ende der Leseprobe aus 84 Seiten

Details

Titel
Bewältigung des Klimawandels im Zusammenhang mit der Menschenrechtsprofession Soziale Arbeit
Hochschule
Fachhochschule Kiel
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
84
Katalognummer
V366622
ISBN (eBook)
9783668455467
ISBN (Buch)
9783668455474
Dateigröße
1418 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Klimawandel, Soziale Arbeit, Menschrechte, Umwelt, Klima, Gesellschaft
Arbeit zitieren
Dennis Semmler (Autor), 2017, Bewältigung des Klimawandels im Zusammenhang mit der Menschenrechtsprofession Soziale Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/366622

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