Aufgrund der besonderen Stellung der Automobilbranche in Deutschland werden in dieser Arbeit insbesondere die Auswirkungen der Finanzkrise auf diese herausgestellt. Dieser Aspekt ist von besonderer Relevanz, da der Sektor nicht nur für die deutsche Konjunktur existentiell, sondern auch für den nationalen Arbeitsmarkt ist. Ein wirtschaftlicher Einbruch in dieser Branche hätte dementsprechend weitreichende multidimensionale Folgen, die spür- und messbar wären. Vor diesem Hintergrund befasst sich die vorliegende Arbeit mit der Frage: „Inwieweit sind die initiierten politischen Maßnahmen der Bundesregierung zur Abwendung eines nachhaltigen wirtschaftlichen Schadens durch die Einführung der Umweltprämie im Jahr 2009 erreicht worden?“. Hierbei werden explizit die Auswirkungen der sogenannten Umweltprämie betrachtet, die im zweiten Maßnahmenpaket der Bundesregierung verabschiedet wurde. Um einen ganzheitlichen Vergleich in dieser Arbeit zu ermöglichen, werden bei der Auswertung das Vorjahr (2008), das Umsetzungsjahr (2009) und das Folgejahr (2010) berücksichtigt.
Als Ausgangspunkt für die Auswertung wird zunächst die Entstehung und Entwicklung der Finanzkrise sowie deren Auswirkungen auf die deutsche Automobilbranche beschrieben. Anschließend werden die Maßnahmen, mit der Intention in den folgenden Jahren die gesamtwirtschaftliche Nachfrage und Konjunktur wieder zu stärken, vorgestellt. Die Konjunkturpakete I und II der Bundesregierung spielen in diesem Zusammenhang eine besondere Rolle, weshalb diese ausführlicher dargestellt werden. Dabei wird der Förderschwerpunkt der Automobilbranche im Sinne der Umweltprämie akzentuiert und näher erläutert. Hierbei werden nicht nur die technischen Voraussetzungen, sondern auch die administrative Abwicklung seitens der Bundesregierung beschrieben. Des Weiteren werden die von der Bundesregierung angestrebten Ziele dargestellt, die mit der Umweltprämie verfolgt wurden. Dabei wird die vorliegende Arbeit auf die ökonomischen und ökologischen Ziele der Umweltprämie eingehen und aufzeigen, dass diese mit unterschiedlichem Erfolg erreicht wurden. Die vorgestellten Kapitel 2 bis 4 bilden die theoretische Grundlage dieser Arbeit. Aufbauend auf dem literaturgestützten theoretischen Hintergrund, werden im Kapitel 5 die Auswirkungen der Umweltprämie vorgestellt und ausgewertet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Finanzkrise ab 2007
2.1 Die Entstehung und Entwicklung der Finanzkrise
2.2 Die Auswirkungen der Finanzkrise auf die deutsche Automobilindustrie
3. Die Maßnahmen der Bundesregierung während der Finanzkrise
3.1 Das Konjunkturpaket I
3.2 Das Konjunkturpaket II
4. Die Umweltprämie
4.1 Die Voraussetzungen und die Abwicklung der Umweltprämie
4.2 Die Ziele der Umweltprämie
4.2.1 Die ökonomischen Ziele
4.2.2 Die ökologischen Ziele
5. Die Auswirkungen der Umweltprämie
5.1 Die Auswertung der Neuzulassungsstatistiken
5.1.1 Die Veränderung der Nachfrage aufgrund der Umweltprämie unter besonderer Berücksichtigung des Fahrzeugsegments
5.1.2 Die Auswirkungen der Umweltprämie auf die Hersteller
5.1.3 Die Auswirkungen der Umweltprämie auf die Haltergruppen
5.2 Die ökonomischen Auswirkungen der Umweltprämie
5.2.1 Die Auswirkungen der Umweltprämie auf das Bruttoinlandsprodukt
5.2.2 Die Auswirkungen der Umweltprämie auf den Ifo-Geschäftsklimaindex
5.3 Die ökologischen Auswirkungen der Umweltprämie
5.3.1 Die Auswirkungen der Umweltprämie auf das Durchschnittsalter der Pkw
5.3.2 Die Auswirkungen der Umweltprämie auf die Luftschadstoffemissionen
5.3.3 Die Auswirkungen der Umweltprämie auf den Kraftstoffverbrauch und die Kohlenstoffdioxidemission
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wirksamkeit der von der Bundesregierung im Jahr 2009 eingeführten Umweltprämie als politische Maßnahme zur Bewältigung der durch die Finanzkrise ausgelösten wirtschaftlichen Probleme in der deutschen Automobilbranche. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit die gesetzten ökonomischen und ökologischen Ziele durch die Einführung der Prämie erreicht wurden.
- Analyse der Entstehung und globalen Auswirkungen der Finanzkrise ab 2007.
- Untersuchung der staatlichen Interventionsmaßnahmen (Konjunkturpakete I und II).
- Bewertung der ökologischen und ökonomischen Effekte der Umweltprämie anhand von Zulassungsstatistiken und volkswirtschaftlichen Indikatoren.
- Diskussion des Downsizing-Effekts und der Auswirkung auf die Automobilhersteller.
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Entstehung und Entwicklung der Finanzkrise
Im Jahr 2000 platzte die sogenannte ‚Dotcom-Blase‘ aufgrund von massenhaft überbewerteter Unternehmen und nicht realisierbaren Gewinnerwartungen. Dotcom bezeichnet Unternehmen, die Online-Dienstleistungen anbieten und in dem letzten Jahrzehnt erhebliche Gewinne verzeichnen konnten. Mit dem Ende des wirtschaftlichen Wachstums von Technologie und Internet, brachen weltweit die Aktienkurse ein und lösten eine Rezession aus. Mit dem Begriff ‚Blase‘ wird die ungerechtfertigt hohe und teilweise auch spekulative Einschätzung eines Marktsegments bezeichnet. Nach den Terroranschlägen in den USA am 11. September 2001 und der weiterhin anhaltenden schwachen Konjunktur, sah die amerikanische Notenbank Federal Reserve System (Fed) dringenden Handlungsbedarf. Mit dem Ziel die Konjunktur nach diesen Einbrüchen zu stimulieren, verfolgte die Fed eine expansive Geldpolitik. Beispielsweise senkte die Fed den Leitzins drastisch. Innerhalb von 2 Jahren entwickelte sich der Leitzins auf etwa 1 % im Jahr 2003. Dieser Wert stellte damit ein historisches Rekordtief dar.
Die Dimensionen des Abfalls werden in der Abbildung (Abb.) 1 (s. Anhang, S. XV) deutlich. Das Diagramm zeigt den Verlauf der Zinssätze der Fed und der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2000 bis 2015. Eine vergleichbare Zinssenkung war zuletzt während der Weltwirtschaftskrise von 1929 bis 1931 zu beobachten. Hier senkte die Notenbank die Zinsen um 6 % auf 1,5 % in einem Zeitraum von 3 Jahren. Die Maßnahme der Fed schien erfolgreich zu sein, da die Banken die Möglichkeit des von Guse betitelten ‚billigen Geldes‘, als günstige Refinanzierungsmöglichkeit nutzten. Daraus folgte, dass ‚billige Kredite‘ Unternehmen und privaten Haushalten angeboten werden konnten. Besondere Resonanz erfuhren die verhältnismäßig günstigen Kredite bei US-Bürgern, die somit vermehrt Kredite zum Konsum aufnehmen konnten. Als direkte Konsequenz verringerte sich die private Sparquote der Amerikaner von 1985 bis ins Jahr 2009 von 10 % auf 0 % des verfügbaren Einkommens. Zeitweise bewegte sich diese sogar im negativen Bereich. Im Vergleich dazu sparten die deutschen Haushalte in den Jahren 2005 bis 2008 durchschnittlich 11 % ihres verfügbaren Einkommens.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Situation der Finanzkrise ab 2007 ein und erläutert die Relevanz der Automobilbranche für die deutsche Wirtschaft sowie die Zielsetzung der Arbeit.
2. Die Finanzkrise ab 2007: Dieses Kapitel beschreibt die Ursachen der Finanzkrise, insbesondere das Platzen der Dotcom-Blase und die Entwicklung des Subprime-Marktes in den USA.
3. Die Maßnahmen der Bundesregierung während der Finanzkrise: Hier werden die politischen Interventionen der Bundesregierung, insbesondere die Konjunkturpakete I und II, detailliert vorgestellt.
4. Die Umweltprämie: Dieses Kapitel erläutert die technischen und administrativen Voraussetzungen sowie die ökonomischen und ökologischen Zielsetzungen der Umweltprämie.
5. Die Auswirkungen der Umweltprämie: Der Hauptteil analysiert umfassend die statistischen Daten zu Neuzulassungen, ökonomische Indikatoren wie das BIP und den Ifo-Geschäftsklimaindex sowie ökologische Aspekte.
6. Schlussbetrachtung: Dieses Kapitel fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und bewertet den Erfolg der Umweltprämie als wirtschafts- und umweltpolitisches Instrument.
Schlüsselwörter
Finanzkrise, Umweltprämie, Automobilindustrie, Bundesregierung, Konjunkturpaket, Neuzulassungen, Downsizing-Effekt, Bruttoinlandsprodukt, Ifo-Geschäftsklimaindex, ökologische Nachhaltigkeit, Subprime-Krise, Wirtschaftsrezession, Konsumverhalten, Export, Arbeitssicherung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor-Thesis grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die politischen Maßnahmen der deutschen Bundesregierung zur Bewältigung der Finanzkrise ab 2007, wobei der Fokus gezielt auf der Einführung der Umweltprämie und deren Auswirkungen auf die Automobilbranche liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Entstehung der weltweiten Finanzkrise, staatliche Konjunkturprogramme, die spezifische Ausgestaltung der Umweltprämie sowie deren ökonomische und ökologische Folgen für den deutschen Markt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Forschungsfrage untersucht, inwieweit die initiierten politischen Maßnahmen der Bundesregierung zur Abwendung eines nachhaltigen wirtschaftlichen Schadens durch die Einführung der Umweltprämie im Jahr 2009 erreicht wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine literaturgestützte theoretische Analyse sowie eine quantitative Auswertung von Zulassungsstatistiken des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) und volkswirtschaftlichen Kennzahlen wie dem BIP und dem Ifo-Geschäftsklimaindex.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse des Krisenverlaufs, die Vorstellung der Konjunkturpakete, die detaillierte Auswertung der Umweltprämie hinsichtlich Neuzulassungen nach Segmenten und Herstellern sowie die Bewertung der ökologischen Einspareffekte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Finanzkrise, Umweltprämie, Automobilindustrie, Konjunkturpakete, Downsizing-Effekt, Bruttoinlandsprodukt und ökologische Nachhaltigkeit.
Welche Rolle spielte der sogenannte Downsizing-Effekt in der Analyse?
Der Downsizing-Effekt beschreibt die statistisch belegte Verschiebung der Kaufneigung hin zu kleineren und verbrauchsärmeren Pkw, was als ein wesentliches Ergebnis der Umweltprämie identifiziert wurde.
Warum wird die Umweltprämie in der Schlussbetrachtung als probates Mittel bezeichnet?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die Prämie erfolgreich dazu beitrug, den Einbruch der Automobilbranche abzufedern, die Binnennachfrage zu stärken und den Umstieg auf umweltfreundlichere Fahrzeuge zu fördern, auch wenn sie die Finanzkrise nicht allein lösen konnte.
- Quote paper
- Tobias Rink (Author), 2016, Die Umweltprämie als politische Maßnahme zur Bewältigung der Finanzkrise, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/366711