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Zur Motivik des Wahnsinns in Georg Büchners "Lenz". Das grandiose Scheitern einer radikalen Auflehnung

Titre: Zur Motivik des Wahnsinns in Georg Büchners "Lenz". Das grandiose Scheitern einer radikalen Auflehnung

Epreuve d'examen , 2016 , 60 Pages , Note: 2,0

Autor:in: Christian Maier (Auteur)

Philologie Allemande - Littérature Allemande Moderne
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Résumé Extrait Résumé des informations

Lenz’ Wahn soll in dieser Arbeit auch gelesen werden als die Geschichte eines totalen Aufbegehrens, nicht nur gegen politische Verhältnisse, sondern auch gegen notwendige Modi menschlichen Lebens wie Tod und Leid überhaupt. Es soll einerseits darauf eingegangen werden, wie Büchner Lenz’ pathologischen Zustand darstellt, um so auch zu erfahren, ob und – wenn ja – welche Ursachen das Werk selbst nennt. Nicht zuletzt soll auch nach Verweisen im Text gefragt werden dafür, dass die Gesellschaft, bei der Lenz sich aufhält, eher kritisch dargestellt wird.

Zuerst sollen aber Grundsteine des Terrains abgesteckt werden, indem sich mit den historischen Umständen der im Text behandelten Figuren und Diskurse befasst und die sprachliche Gestaltung analysiert wird. Dann kann beantwortet werden wie Büchner mit seinem Text den Diskurs zwischen Psychikern und Somatikern um Ursachen und Behandlung psychisch Erkrankter wertet. Zudem lässt sich zeigen an welchen Stellen die Darstellung von Lenz Leiden zu welchen Krankheitsdiagnosen passt. Zum Ende hin soll sich zeigen, wie Büchner nicht nur sprachlich, sondern auch inhaltlich, gerade mit einem radikalen Schluss am Ende des Werkes, Lenz spektakulär an den gesellschaftlichen Verhältnissen scheitern lässt und in Richtung Moderne verweist. Dazu passend wird „Lenz“ als äußerst vielschichtiges Werk zwi¬schen den Epochen Klassik, Romantik, Sturm und Drang skizzierend verortet. Die Arbeit schließt mit einem Fazit.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Wahnsinn in Büchners „Lenz“

2. 1 Historisches zu Büchners „Lenz“

2.2 Form und Stil der Erzählung

2.3 Stilmittel, um Lenz’ abnormes Erleben darzustellen

2.4 Ursachen des Wahnsinns

2.4.1 Verzweiflung unerfüllter Liebe?

2.4.2 Ursachen des Wahnsinns als Sozialkritik

2.5 Büchner, Somatiker und Psychiker

2.6 Das Werk zwischen damaliger und heutiger Psychiatrie

2.6.1 Lenz als frühe Schizophreniestudie

2.6.2 Lenz als zeitgenössische Beschreibung psychisch abnormen Verhaltens

2.7 Lenz und Oberlin: Ein Patientenverhältnis?

2.8 Lenz zwischen zwei Polen: Ruhe vs. Bewegung?

2.9 Klassik, Romantik, Sturm und Drang

3 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Motivik des Wahnsinns in Georg Büchners Erzählung „Lenz“ und analysiert, inwieweit diese als Ausdruck eines radikalen gesellschaftlichen Aufbegehrens sowie als Kritik an den sozialen und psychologischen Diskursen des 19. Jahrhunderts zu lesen ist.

  • Literarische Analyse von Form und Stil des „Lenz“
  • Diskurs der Psychiater und Somatiker des 19. Jahrhunderts
  • Sozialkritische Dimensionen des Wahnsinns bei Büchner
  • Verhältnis von Individuum, Gesellschaft und Religion
  • Verortung des Werks in den literarischen Epochen

Auszug aus dem Buch

2.3 Stilmittel, um Lenz’ abnormes Erleben darzustellen

Das gesamte Werk ist auch in stilistischer Hinsicht tief durchtränkt von der Ambivalenz in Lenz’ Erleben. Dieses drückt sich vielfach im Gebrauch zahlreicher rhetorischer Figuren aus. Die häufigsten sind hierbei Ellipse, Steigerung, Exclamatio, Anapher, Parataxe und Polysyndeton. Meist zeigen sich Auslassungen als Verbellipsen und kommen vornehmlich in zweierlei Anwendungen im Text vor, die von der stilistischen Wirkungsweise her einander diametral entgegenstehen. Die Verwendung und Wirkungsweise sind also sogar in sich selbst ambivalent! Die Verbellipse kann einerseits Statik ausdrücken wie bei „[d]ie Gipfel und hohen Bergflächen im Schnee, die Thäler hinunter graues Gestein, grüne Flächen, Felsen und Tannen“ (S. 31), kann aber auch einen dynamisierenden Bewegungseffekt zeigen: „[d]ann rasch ins praktische Leben, Wege angelegt, Kanäle gegraben, die Schule besucht“ (S. 33 ).

Ähnlich verhält es sich laut Hasubek, wenn es etwa heißt: „Man saß am Tische, er hinein“ (S.32), so wird die gesamte Bewegung mit einer einzigen Richtungspräposition ausgedruckt, ohne Verb oder sonstige nähere Beschreibungen. Die Beschleunigung sei Ausdruck der tiefen Sehnsucht eines zerrissenen Lenz, in einer Situation aufzugehen, die er als Idylle empfinde. Nach Hasubek zeigt sich ein ähnliches Phänomen bei der Predigt. Aber nicht nur das Aufgehen in solchen Sphären werde von Lenz angestrebt, auch die Beschäftigung mit praktischer Tätigkeit wie beim Ausritt mit Oberlin scheine ihm zu helfen. Aber auch Statik und Dynamik sind in sich wieder ambivalent und können abwechselnd negativ oder positiv besetzt sein. Diesem Thema und der Frage, wie dies mit Lenz’ Symptomatik zusammenhängt, widmet sich das Kapitel „Ruhe und Bewegung“ eingehend.

Weiter ziehen sich besonders Antithesen durch den Text. Die häufigsten sind laut Borgards hoch/tief, hell/dunkel, nah/fern, kalt/heiß, auch die Bewegungen des Protagonisten sind oft in einer Abfolge gegensetzlicher Richtungen strukturiert. Eindrücklich zeigt sich dieser Sachverhalt am folgenden Beispiel: „Je höher er sich aufriß, desto tiefer stürzte er hinunter“ (S. 31).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein, skizziert den Forschungsstand zur Wahnsinnsmetaphorik im „Lenz“ und definiert die zentrale Zielsetzung der Arbeit.

2 Wahnsinn in Büchners „Lenz“: Dieses Kapitel bildet den Hauptteil und beleuchtet die historischen Hintergründe, die erzählerische Form sowie die verschiedenen Ansätze zur Deutung von Lenz’ Wahnsinn im Spannungsfeld von Somatik und Psychik.

2. 1 Historisches zu Büchners „Lenz“: Dieser Abschnitt behandelt die Quellenlage sowie die historische Entstehung und Rezeption des Fragments.

2.2 Form und Stil der Erzählung: Hier werden die innovativen narrativen Strukturen und die stilistischen Besonderheiten analysiert, die als Wegbereiter moderner Prosa gelten.

2.3 Stilmittel, um Lenz’ abnormes Erleben darzustellen: Der Fokus liegt auf der Analyse rhetorischer Figuren, insbesondere Ellipsen und Antithesen, und deren Funktion zur Darstellung psychischer Instabilität.

2.4 Ursachen des Wahnsinns: Es wird untersucht, welche inneren und äußeren Faktoren Büchner für den psychischen Verfall anlegt.

2.4.1 Verzweiflung unerfüllter Liebe?: Der Abschnitt prüft die traditionelle Deutung des Leidens als Resultat gescheiterter zwischenmenschlicher Beziehungen.

2.4.2 Ursachen des Wahnsinns als Sozialkritik: Hier wird Lenz’ Wahnsinn als mögliche Reaktion auf gesellschaftliche Zwänge und Modernisierungsprozesse diskutiert.

2.5 Büchner, Somatiker und Psychiker: Dieses Kapitel stellt den zeitgenössischen medizinischen Diskurs um Geisteskrankheiten und deren Ursachen dar.

2.6 Das Werk zwischen damaliger und heutiger Psychiatrie: Es wird die Frage aufgeworfen, ob und wie moderne diagnostische Begriffe auf den Text angewendet werden können.

2.6.1 Lenz als frühe Schizophreniestudie: Dieser Punkt beleuchtet die in der Forschung verbreitete Lesart des Werkes als schizophrene Symptomatik.

2.6.2 Lenz als zeitgenössische Beschreibung psychisch abnormen Verhaltens: Es wird ein alternativer Zugang über eine „close reading“-Analyse ohne moderne diagnostische Vorannahmen vorgeschlagen.

2.7 Lenz und Oberlin: Ein Patientenverhältnis?: Der Abschnitt analysiert die Dynamik der Beziehung zwischen dem Hilfesuchenden Lenz und dem Pfarrer Oberlin.

2.8 Lenz zwischen zwei Polen: Ruhe vs. Bewegung?: Hier wird die antithetische Struktur von Ruhe und Bewegung als zentrales Motiv für den Zustand des Protagonisten untersucht.

2.9 Klassik, Romantik, Sturm und Drang: Den Abschluss des Hauptteils bildet die literaturgeschichtliche Verortung des Werkes im Spannungsfeld der Epochen.

3 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und betont Büchners Darstellung von Lenz als radikale Figur, die an der gesellschaftlichen Ordnung scheitert.

Schlüsselwörter

Georg Büchner, Lenz, Wahnsinn, Literaturgeschichte, Sozialkritik, Psychiatriegeschichte, Schizophrenie, Somatiker, Psychiker, Stilistik, Moderne, Sturm und Drang, Romantik, Identitätskrise, Entfremdung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit befasst sich mit der literarischen Darstellung des Wahnsinns in Georg Büchners Erzählung „Lenz“ und untersucht, in welchem Maße Büchner hierbei zeitgenössische medizinische Diskurse integriert oder kritisiert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die literarische Gestaltung psychischen Verfalls, die Gegenüberstellung von gesellschaftlicher Anpassung und individueller Isolation sowie die Frage nach dem sozialen oder politischen Gehalt des Leidens.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit möchte klären, ob Lenz’ Wahnsinn als rein klinisches Phänomen zu verstehen ist oder ob es sich um eine radikale Auflehnung des Individuums gegen gesellschaftliche, religiöse und politische Verhältnisse handelt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit folgt einem literaturwissenschaftlichen Ansatz, der Textanalyse mit einer historischen Einbettung in psychiatriegeschichtliche Debatten des 19. Jahrhunderts verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die stilistischen Mittel der Darstellung, vergleicht zeitgenössische psychiatrische Theorien (Somatiker vs. Psychiker) mit modernen Diagnosen wie Schizophrenie und untersucht die Dynamik zwischen Lenz und Pfarrer Oberlin.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Büchner, Wahnsinn, Sozialkritik, Schizophrenie, Epochenvergleich (Romantik, Klassik, Sturm und Drang) und die Problematik des Individuums in der Moderne.

Welche Rolle spielt Pfarrer Oberlin für die Deutung des Wahnsinns?

Oberlin fungiert als eine Art Behandler, dessen Versuch, Lenz in die dörfliche Gemeinschaft und eine religiöse Ordnung zu integrieren, jedoch scheitert, da er die Ursachen des Leidens nicht adäquat erfassen kann.

Was ist das Ergebnis der Untersuchung bezüglich der „Schizophrenie-Diagnose“?

Die Arbeit hinterfragt die Anwendung moderner Diagnosen als anachronistisch und weist darauf hin, dass eine Interpretation des Leidens aus dem historischen Kontext heraus und als Ausdruck gesellschaftlicher Ohnmacht ergiebiger ist.

Wie bewertet die Arbeit Lenz’ „Kopfstandsmetapher“?

Sie wird nicht nur als Anzeichen geistiger Verwirrung gewertet, sondern auch als Metapher für den Wunsch des Protagonisten, die bestehende Weltordnung radikal zu hinterfragen und umzukehren.

Warum endet die Erzählung mit einem Scheitern?

Das Scheitern verdeutlicht, dass für einen Menschen, der versucht, die Bedingungen menschlichen Leidens aktiv aufzuheben, in der gegebenen Gesellschaftsstruktur kein Platz ist und er letztlich in die Apathie oder den Ausschluss getrieben wird.

Fin de l'extrait de 60 pages  - haut de page

Résumé des informations

Titre
Zur Motivik des Wahnsinns in Georg Büchners "Lenz". Das grandiose Scheitern einer radikalen Auflehnung
Université
LMU Munich
Note
2,0
Auteur
Christian Maier (Auteur)
Année de publication
2016
Pages
60
N° de catalogue
V366722
ISBN (ebook)
9783668454415
ISBN (Livre)
9783668454422
Langue
allemand
mots-clé
Psychiker Somatiker Fixe Idee Monomanie Melancholie Sozialkritik in Lenz Aufständischer Aussteiger Behandlungsmethoden Schizophrenie Steintal Somnambulismus Romantik Sturm und Drang Wahnsinnsmotiv Patientenverhältnis
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Christian Maier (Auteur), 2016, Zur Motivik des Wahnsinns in Georg Büchners "Lenz". Das grandiose Scheitern einer radikalen Auflehnung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/366722
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