Im ersten Schritt dieser Arbeit sollen einige relevante Kriterien für den erfolgreichen Einsatz von Quellen im Schulbuch aufgestellt und diskutiert werden. Die aufgestellten Kriterien sollen dann als Richtlinie zum Vergleich zweier Schulbücher im Hinblick auf den Einsatz von Textquellen dienen. Durchgeführt wird eine hermeneutisch didaktische Schulbuchanalyse, die aber auch quantitative und qualitative Merkmale berücksichtigt, wie es von Schönemann und Thünemann empfohlen wird.
Um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen, beschränkt sich der Vergleich auf das Thema "Die neue Welt". Es sollen theoretische Überlegungen genauso mit einbezogen werden wie praktische Erfahrungen im Umgang mit Quellen. Hier sind zwei Werke der Geschichtsdidaktiker Bodo von Borries und Helmut Beilner wichtig. Borries hat mit seinem Team eine Befragung bei Schülern und Lehrern zu Textquellen im Schulbuch durchgeführt und Beilner hat seine theoretischen Überlegungen an einer kleinen Stichprobe von Schülern erprobt. Wichtig scheint dem Verfasser dieser Arbeit, nicht "im luftleeren Raum" nach eigenem Ermessen über Kriterien für einen gewinnbringenden Einsatz von Quellen zu spekulieren. Daher sollen verschiedene Positionen gesammelt werden, um ein vielschichtiges und detailliertes Bild zu gewinnen, wie der Einsatz von Quellen im Schulbuch gestaltet sein sollte, um Schüler zu interessieren, angemessen zu fordern und bestmöglich historisches Lernen zu ermöglichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Textquellen im Geschichtsbuch
2.1 Gütekriterien von Quellenarbeit
2.1.1 Klare Kennzeichnung von Quellen
2.1.2 Multiperspektivische Quellen: Das Potential von Konflikten
2.1.3 Alterität: Zwischen Faszination und Überforderung
2.1.4 Kontextinformationen: Ohne Fundament geht es nicht
2.2. Vergleich des Quelleneinsatzes zum Thema Eroberung Amerikas in „Horizonte 7“ und „Das waren Zeiten 2 Mittelalter –Renaissance - Absolutismus“
2.2.1 Unzureichende Differenzierung bei der Benennung von Bildern, Textquellen und Darstellungen
2.2.2 Die Quellen beleuchten die Ereignisse aus verschiedenen Perspektiven
2.2.3 Die Quellen zur Neuen Welt bieten eine angemessene Alteritätserfahrung
2.2.4 Kontextinformationen zu den neuen Quellen
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die didaktische Qualität des Einsatzes von Textquellen in Geschichtsbüchern für die siebte Jahrgangsstufe. Ziel ist es, auf Basis fachdidaktischer Kriterien zu bewerten, wie Schulbücher den Umgang mit historischen Quellen gestalten und ob sie die Anforderungen an multiperspektivische Darstellung und Alteritätserfahrung erfüllen.
- Kriterien für den gewinnbringenden Einsatz von Textquellen
- Multiperspektivität und Konfliktdarstellung in Schulbüchern
- Balance zwischen Alteritätserfahrung und Verständlichkeit
- Vergleich der Schulbuchreihen „Horizonte 7“ und „Das waren Zeiten“
- Bedeutung von Kontextinformationen für das historische Verständnis
Auszug aus dem Buch
2.1.3 Alterität: Zwischen Faszination und Überforderung
Alterität von Geschichtsquellen ist wohl deren kontroversestes Merkmal. So diskutiert die Geschichtsdidaktik anhand von praktischen Erfahrungen und theoretischen Überlegungen, ob die Fremdheit der Quellen Schüler nicht zumeist überfordere, oder ob sie ein wesentlicher Faktor für Motivation und historisches Lernen ist.
So zeigt sich, dass sie eine hohe kognitive Kapazität voraussetzt um zur Bildung eines reflektieren Geschichtsbewusstseins beizutragen. Oft scheint für Schüler die zeitliche und intellektuelle Belastung, sich mit der Fremdheit einer Quelle auseinanderzusetzen, schlicht nicht der Mühe wert.
Ein wesentliches Ergebnis von Borries Studie ist daher, dass Schulbücher mehr Rücksicht auf Verständlichkeit für Lernende nehmen müssten, deren Lesekompetenz leider oft zu wünschen übrig lasse. Auch von Reeken hat auf große Probleme beim Verständnis von Text- und sogar Bildquellen auf Schülerseite hingewiesen. Beilner resümiert häufig motivationale Probleme und Schwierigkeiten bei der kritischen Auseinandersetzung mit sprachlich und formal fremd erscheinenden Quellen bis in höhere Klassen. Eben weil Schüler sich nicht selten von Arbeit mit Textquellen gelangweilt zeigen, empfiehlt Sauer eine interessante Präsentation. Bezeichnend ist, dass er damit im Grunde meint, den Grad der Herausforderung zu erhöhen. Er führt an, man könne mehr Anachronismen im Text belassen, Wörter schwärzen oder gezielt falsche Informationen einstreuen, die die Schüler irritieren und als Fälschung erkannt werden sollen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet die Relevanz der Untersuchung des Geschichtsbuchs als Leitmedium und erläutert die methodische Herangehensweise an die Quellenanalyse.
2. Textquellen im Geschichtsbuch: Das Hauptkapitel erarbeitet zunächst theoretische Qualitätskriterien für Quellen und vergleicht diese anschließend praktisch anhand von zwei ausgewählten Lehrwerken zum Thema Entdeckung und Eroberung Amerikas.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Analyse zusammen und betont, dass die untersuchten Schulbücher zwar wesentliche didaktische Standards erfüllen, aber punktuell noch Verbesserungspotenzial bei der Differenzierung und Kontextualisierung von Quellen besteht.
Schlüsselwörter
Geschichtsbuch, Textquellen, Geschichtsdidaktik, Multiperspektivität, Alterität, Schulbuchanalyse, historische Kompetenz, Quellenarbeit, Entdeckung Amerikas, Kontextinformationen, Geschichtsbewusstsein, Quellenkritik, Schülerorientierung, Lernmedien, Geschichtsunterricht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Qualität und den didaktischen Nutzen von Textquellen in aktuellen Schulgeschichtsbüchern für die siebte Jahrgangsstufe.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Kennzeichnung von Quellen, das Angebot verschiedener Perspektiven, der Umgang mit Alterität (Fremdheit) der Texte sowie die Bereitstellung von Kontextinformationen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu beurteilen, ob die untersuchten Schulbücher Textquellen so präsentieren, dass historisches Lernen und ein reflektiertes Geschichtsbewusstsein bei Schülern gefördert werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin führt eine hermeneutisch orientierte Didaktische Schulbuchanalyse durch, die sowohl qualitative als auch quantitative Merkmale der Quellenarbeit einbezieht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil zur Definition von Gütekriterien und einen vergleichenden Analyseteil zweier konkreter Schulbuchreihen am Beispiel der Eroberung Amerikas.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wesentlichen Begriffe sind Schulbuchanalyse, Multiperspektivität, Quellenkritik, Alterität und didaktische Reduktion im Geschichtsunterricht.
Wie bewertet die Arbeit die Kennzeichnung von Quellen in den untersuchten Büchern?
Die Arbeit kritisiert, dass beide untersuchten Bücher Quellen, Darstellungen und Statistiken oft unter einem Sammelbegriff („Material“) führen, was die wissenschaftliche Unterscheidung für Schüler erschwert.
Welche Schlussfolgerung zieht der Verfasser bezüglich der Alteritätserfahrung?
Der Verfasser stellt fest, dass die Quellen sprachlich zwar meist angemessen aufbereitet sind, aber oft den „Zeitkolorit“ vermissen lassen, da sie zu stark gekürzt oder modernisiert wurden.
- Citar trabajo
- Christian Maier (Autor), 2015, Gütekriterien für den Einsatz von Textquellen im Schulgeschichtsbuch. Ein Vergleich anhand der Darstellung der Entdeckung der neuen Welt, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/366724