Die Bedeutung von Märchen und ihre unterstützende Funktion zur Wertevermittlung. Eignen sich Märchen um Kindern Werte zu vermitteln?


Hausarbeit, 2016

22 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Märchen
2.1 Eine Definition
2.2 Der Wert von Märchen für Kinder und die Gesellschaft

3. Werte
3.1 Eine Definition
3.2 Welche Werte sind in den Märchen zu finden? Vergleich zweier Märchen
3.3 Wie lernen Kinder Werte und wie tragen die Märchen dazu bei?

4. Märchenhelden
4.1 Die Vorbildfunktion von Märchenhelden
4.2 Die kindliche Entwicklung als Heldenreise

5. Warum brauchen Kinder Märchen?

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Es war einmal...

Dieser Anfang steht nicht nur für den Beginn meiner Hausarbeit, sondern vor allem ist er einer, wenn nicht sogar der bekannteste Anfang für viele hunderte Märchen. Bei einem solchen Anfang weiß jeder, ob jung oder alt, sofort um welche literarische Form es sich handelt. Die Allermeisten Menschen kamen bereits in ihrer Kindheit in den Genuss Märchen vorgelesen bekommen zu haben. Nun machen sich die Wenigsten jedoch tieferreichende Gedanken darüber, was Märchen eigentlich sind, was sie uns vermitteln und wie sie vor allem Kinder auf dem Weg ihrer Entwicklung begleiten und unterstützen können.

Die vorliegende Arbeit thematisiert die Bedeutung von Märchen für Kinder und geht der Frage nach, inwiefern sie Werte, Mut und Motivation vermitteln können und ob sie dafür geeignet sind.

So möchte ich im Verlauf dieser Arbeit zunächst die Bedeutung von Märchen klären um daraufhin zu überprüfen, welche Werte sich in den Märchen verbergen und wie diese den Kindern vermittelt werden. Die Vorbildfunktion der in Märchen spielenden Helden, spielt hierbei ebenfalls eine große Rolle. Doch vor allem ist mir in meiner Arbeit wichtig zu zeigen, welche Kraft Märchen schon über Jahrhunderte auf die Menschen haben und warum gerade ihr schlechter Ruf in Bezug auf Kinder bei näherer Betrachtung nicht dazu führen sollte, Märchen aus den Kinderzimmern zu verbannen.

2. Märchen

2.1 Eine Definition

Märchen ist ein Begriff, der nahezu jedem Menschen etwas sagt, die genaue Übersetzung jedoch ist aufgrund ihres Alters heute kaum noch präsent. „Der Begriff Märchen ist die Deminutivform (Verniedlichung) zu Mär [...] [und] bedeutet Kunde, Bericht, Erzählung“ (Geister 2016, S. 13). Sie spielen häufig in einer unwirklichen Welt, mit Zauberwesen wie Hexen, Riesen, Zwergen, Feen sowie Helden, die Aufgaben bewältigen müssen. Die Helden bestehen die Aufgaben, besiegen das Böse und erhalten ihre Belohnung in Form von einer Prinzessin, Gold oder Ähnlichem. Märchen wurden vermutlich bereits erzählt, lange bevor die Menschen die Schrift beherrschten (vgl. Geister 2016, S. 13).

„Jedes Märchen enthält sowohl folkloristische wie naturdeutende wie auch tiefenpsychologische Anteile. Märchen sind - wie Träume - Symbolgeschichten, und Symbole sind niemals eindeutig; denn sonst wären sie keine Symbole, sondern Zeichen“ (Szonn 1993, S. 26).

Es gibt verschiedene Merkmale anhand dessen man ein Märchen eindeutig erkennen kann. Vor allem bei den Grimmschen Märchen handelt es sich fast immer um Heldengeschichten, in denen sich der Held auf die Reise macht und ein Abenteuer erlebt. Er kommt häufig aus ärmlichen Verhältnissen und hat eine schwierige und meist auch gefährliche Aufgabe zu bewältigen, die er jedoch meistert, um dann zurückzukehren und für seinen Mut und seine Tapferkeit belohnt zu werden. Wobei schon der zweite Punkt erwähnt wurde, das gute Ende. Auch die nicht auszumachende Zeit und der unbestimmte Ort sind Merkmale eines Märchens. Sie spielen meist an utopischen Orten in einer längst vergangenen unbestimmbaren Zeit. Gleiches gilt für die Märchencharaktere, die ebenfalls oft unbestimmt sind und lediglich im Hinblick auf ihren Status, ihr Äußeres oder die sozialen Umstände in denen sie leben oder aus denen sie kommen festzumachen sind. Das was ein Märchen ausmacht ist zudem das Unmögliches möglich wird. Wünsche werden erfüllt, der Ärmste wird reich und Tiere können sprechen. Eines der eindeutigsten Merkmale für Märchen sind wohl die formelhaften Formulierungen, wie „Es war einmal...“ oder „und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute...“. Auch Zaubersprüche, Symbole mit tieferreichender Bedeutung und die Zahlensymbolik sind weitere Merkmale eines Märchens (vgl. Geister 2016, S. 14 ff.).

Beschäftigt man sich mit Märchen, so muss ebenfalls der Unterschied zwischen Volks- und Kunstmärchen verdeutlicht werden.

Die klassischen Volksmärchen sind sehr alt und wurden über Jahrhunderte und Generationen hinweg mündlich überliefert. Bei Volksmärchen findet sich daher kein eindeutig feststellbarer Autor oder Urheber, da sie über die Zeit hinweg immer wieder neu erzählt, abgewandelt und verändert wurden. Die bekanntesten wurden zwischen 1812 und 1815 von den Gebrüdern Grimm aufgeschrieben und so für die Nachkommen gesichert, bevor diese in Vergessenheit geraten konnten (vgl. Stöcklin-Meier 2013, S. 16 f.).

„In Volksmärchen sind weises Wissen und allgemeingültige menschliche Werte verborgen. Sie laufen wie ein goldener Faden durch alle Kulturen und Zeiten“ (StöcklinMeier 2013, S. 16).

Nicht nur die Werte finden sich in allen Kulturen und Zeiten wieder. Max Lüthi stellte fest, dass sich bei den Volksmärchen dieser Welt in allen Ländern ein gleicher Stil wiederfindet. Dieser ist geradlinig und enthält einen klaren Umriss. Seine formelhafte Struktur ist wohl der Grund dafür, warum Märchen kulturübergreifend gelesen und erzählt werden und für ein leichtes Verständnis sorgen (vgl. Zhang 2011, S. 30 f.).

Kunstmärchen hingegen haben einen Autor, der die Märchen bewusst niederschreibt. Ein berühmtes Beispiel dafür ist der Däne Hans Christian Andersen (vgl. Stöcklin-Meier 2013, S. 19). Kunstmärchen sind bis auf wenige Ausnahmen für Kinder verfasst worden, was sie von den Volksmärchen unterscheidet. In ihnen befindet sich häufig ein, wenn auch nicht zwingend bewusst eingebrachtes, pädagogisches Anliegen, welches durch den Anspruch der Gesellschaft unabdinglich mit in die Kunstmärchen eingeflossen ist (vgl. Szonn 1993, S. 21).

„Ein jedes Märchen berührt uns auf eine ihm - und uns! - höchst eigene Weise. Wir bemerken nur nicht, daß (!) der gleiche Märchentext jedem etwas anderes, nämlich jedem Leser oder Hörer das allein für ihn Zutreffende und Bedeutungsvolle sagt. Die Faszination unserer Märchen beruht zu einem nicht geringen Teil darauf, daß (!) sie wie Spiegel wirken und uns zeigen, wer wir sind. Dabei spiegeln sie aber nicht nur unser äußeres (!), uns aus dem Alltag längst vertrautes Bild wider, sondern zeigen uns die uns selbst sonst verschlossenen Seiten unseres Unbewussten“ (Szonn 1993, S. 14).

2.2 Der Wert von Märchen für Kinder und die Gesellschaft

„Die Entstehung eines Märchens ist niemals auf nur eine einzige Wurzel zurückzuführen. Alte Kultformen und Riten spiegeln sich in ihnen wieder, Naturereignisse sind in manchen verarbeitet worden, geschichtliche Ereignisse, wie sie in den Sagen zu finden sind, lassen sich in manchen von ihnen erkennen, aber vor allem auch soziale und in deren Folge innerseelische Konflikte bilden das Material, aus denen sie gestaltet worden sind“ (Szonn 1993, S. 26).

So sind demnach Märchen also nicht nur Geschichten die über Jahrhunderte weitergegeben wurden und der bloßen Unterhaltung dienten, sondern sie dienten dem Erzähler ebenfalls unbewusst bei der Verarbeitung seiner Erlebnisse und seiner Erfahrungen. Man muss sich dabei vorstellen, wie die Zeit und die Umstände in dieser Zeit waren, in der Märchen erfunden wurden. Ob in Familiengruppen steinzeitlicher Menschen oder auf einem Bauernhof in der Neuzeit, am Lagerfeuer, unter freiem Himmel oder in einer Stube. Überall saßen die Menschen zusammen und hörten einem zu, der sowohl die Begabung und die Freude für das Erzählen von Märchen besaß, als auch den inneren Drang dazu verspürte etwas zu erzählen und somit eventuell auch unbewusst zu verarbeiten (vgl. Szonn 1993, S. 26 f.).

Damit sich ein Märchen dann verbreitete bedurfte es dem Gefallen der Zuhörer, die lediglich die Märchen noch einmal hören wollten, die sie mochten. Darüber haben sich dann Nacherzähler gefunden, die das Märchen weitererzählt und in andere Städte und Gebiete getragen haben. So entstand ein natürliches Selektionsverfahren bei dem nur Märchen weiter verbreitet wurden, die einer großen Anzahl von Menschen gefallen haben (vgl. Szonn 1993, S. 28).

Während Märchen früher dafür gesorgt haben, dass sich Menschen zusammenfinden und zuhören und in ihnen ihre Erlebnisse, Konflikte und Phantasien verarbeiten konnten, stellt sich an dieser Stelle die Frage, welchen Wert Märchen heute noch für uns und unsere Kinder haben. In einer Zeit in der beinahe jedes Kinderzimmer mit einem Fernseher und jeder Teenager mit einem Smartphone ausgestattet ist. Man könnte annehmen, dass zumindest der reine Unterhaltungsfaktor des Märchens bei so viel anderweitiger und moderner Unterhaltungstechnik verloren gegangen sei, jedoch finden sich trotz der medialen Überschwemmung in vielen Kinderzimmern noch klassische Märchenbücher.

Ein Märchenbuch hat gegenüber einem Fernseher den Vorteil, dass es einer Person bedarf, die dieses entweder selber liest oder einer anderen vorliest. Sodass der Faktor der menschlichen Beziehungen und Geselligkeit dabei nicht verloren geht, auch wenn dies wahrscheinlich heute in kleineren Kreisen geschieht, als es damals der Fall war.

Betrachtet man Märchen also nicht mehr als reine Form der Unterhaltung, sondern als eine Bildungsform für Kinder, so stellt man schnell fest, welchen Wert Märchen auch in unserer heutigen Gesellschaft noch haben.

„Kinder bilden sich selbst, und sie tun dies über Impulse von außen. Bei Bildung geht es nicht um die Anhäufung von Wissen oder messbaren Kompetenzen. Wer gebildet ist, findet sich in der Welt zurecht. Bildung betrifft niemals nur abrufbares Wissen, sondern immer auch die Persönlichkeit“ (Peitz 2014, S. 40).

Märchen können hier also für Kinder eine Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit sich selbst, ihrer Umwelt und den Konflikten die sich daraus ergeben können, sein.

„Das Märchen kann also ein in höchstem Maße pädagogisches Medium sein, das am sinnvollsten eingesetzt wird, wenn die Kinder dazu angeregt werden, über seine Inhalte nachzudenken, ohne einem pädagogischen Zeigefinger zu folgen“ (Peitz 2014, S. 40).

Dabei dienen die Märchen jedoch nicht nur der Bildung von Kindern oder einem pädagogisch wertvollen Einfluss, sondern auch einem weiteren ganz wesentlichen Punkt, der in der heutigen Gesellschaft zu kurz kommt und immer früher schon durch das „Erwachsenwerden“ verloren geht. Die Fähigkeit die kleinen Dinge des Lebens bewusst wahrzunehmen und sich wundern zu können, sich verzaubern zu lassen von den kleinen Dingen der Welt und es zuzulassen zu fantasieren. Genau das ist es, was Märchen so besonders macht und sie gleichzeitig für den heutigen Erwachsenen nicht mehr so interessant erscheinen lässt (vgl. Schami 2011, S. 310).

„Wir verlieren beim Gang durch das Tor zum Erwachsensein die Fähigkeit, uns zu wundern. Wir werden immer unfähiger, über Wunder in ihrer alltäglichen Erscheinungen zu staunen. Wir lernen immer mehr zu sehen und weniger zuzuhören, und das betrifft Männer weit mehr als Frauen. Was sind das für glückliche Menschen die bei diesem Durchgang Kinder bleiben“ (Schami 2011, S. 310).

Eine Zeit lang hatten Märchen und vor allem die Grimmschen Kinder- und Hausmärchen den Ruf für die Taten der Nazis mitverantwortlich zu sein. Seit den 1980er Jahren hingegen legte sich der schlechte Ruf der Märchen und änderte sich zu einem wahren Boom, auch in pädagogischen Bereichen (vgl. Pöge- Alder 2016, S. 248).

„Die Botschaft der Märchen kommt offenbar den Wünschen, Bedürfnissen, Hoffnungen oder Ängsten der Menschen entgegen. In Artikeln über die Aktualität der Märchen kehren Stichworte wie geistige Wende, neue Religiosität, Besinnung auf verlorene Werte, Sehnsucht nach einer heilen Kindheit, Abwendung vom Fernsehkonsum und Hinwendung zu archaischen Kommunikationsformen wie Singen und Erzählen wieder“ (Solms 1999, S. 1).

3. Werte

3.1 Eine Definition

Werte dienen in einer unsicheren Zeit als Stabilitätsfaktor und können sowohl den Kindern, als auch den Eltern Unsicherheiten nehmen, Sicherheit verschaffen und einen roten Faden in die Erziehung bringen, bei denen jeder weiß, was er vom anderen zu erwarten hat. Wenn Kinder sich streiten, nicht anständig mit anderen teilen, schimpfen oder hauen, fällt es Eltern oft leicht dies zu unterbinden und ihre Kinder zurechtzuweisen. Was aber, wenn die Kinder nie vorher gelernt haben, was sie eigentlich damit anrichten und wie sie sich alternativ verhalten können? Kindern die richtigen Werte zu vermitteln fällt daher vielen Eltern schwer (vgl. Nitsch 2006, S. 9 ff.).

Bei Werten „[...] handelt [es] sich um oberste Prinzipien bzw. Grundüberzeugungen mit verhaltens-lenkender Wirkung: sie werden in einer Gesellschaft allgemein als wünschenswert betrachtet und verleihen Menschen Orientierung, z.B. in moralischer (Aufrichtigkeit, Gerechtigkeit, Treue), religiöser (Gottesfurcht, Nächstenliebe), politischer (Toleranz, Freiheit, Gleichheit), ästhetischer (Kunstschönheit) oder materieller (Wohlstand) Hinsicht“ (Raithel et. al. 2009, S. 25).

Um Werte im Hinblick auf Märchen zu erläutern, stellt sich jedoch die Frage, welche Werte für einen selbst, ein Kind oder die Gesellschaft von Bedeutung sind und wie man Märchen dazu nutzen kann, diese zu vermitteln (vgl. Stöcklin-Meier 2013, S. 12).

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung von Märchen und ihre unterstützende Funktion zur Wertevermittlung. Eignen sich Märchen um Kindern Werte zu vermitteln?
Hochschule
Fliedner Fachhochschule Düsseldorf
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
22
Katalognummer
V366764
ISBN (eBook)
9783668453296
ISBN (Buch)
9783668453302
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutung, märchen, funktion, wertevermittlung, eignen, kindern, werte
Arbeit zitieren
Janna Matern (Autor), 2016, Die Bedeutung von Märchen und ihre unterstützende Funktion zur Wertevermittlung. Eignen sich Märchen um Kindern Werte zu vermitteln?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/366764

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