Volatile Unternehmensumwelt, verschärfte Wettbewerbsbedingungen und der daraus resultierende Innovationsdruck für Unternehmen sind ein probates Werkzeug zur Ideengenerierung im Rahmen eines validen Innovationsmanagements und entscheidend für die zukünftige Viabilität. Gerade die Baubranche sieht sich aufgrund ihrer besonderen Beschaffenheit in Form der ortsgebundenen Dienstleistungserbringung, der kundInnenorientierten maßgeschneiderten Einzelfertigung und der daraus resultierenden beinahe unmöglichen Umlegung von Effizienzgewinnen auf andere Anwendungsfälle gleich mit mehreren Herausforderungen konfrontiert. Aus diesen Überlegungen entstand die Fragestellung, wie die Baubranche mit Innovationsaktivitäten umgeht, welche Innovationsarten vorrangige Bedeutung einnehmen und welche treibende, aber auch hemmende Faktoren für Innovationsaktivitäten auszumachen sind.
Dank dem bereitwilligen Engagement von insgesamt vier BranchenexpertInnen wurden die Erkenntnisse aus der theoretischen Aufarbeitung empirisch verprobt. Das Ergebnis zeigt, dass aufgrund des Projektcharakters der Leistungserbringung Prozess- und Produktinnovation an oberster Stelle rangieren. Diese Innovationen werden in erster Linie durch qualifizierte und befähigte MitarbeiterInnen, den organisatorischen Rahmenbedingungen, Forschungs- und Arbeitskooperationen getragen. Den Innovationsaktivitäten abträgliche Faktoren finden sich vor allem in den regulatorischen Rahmenbedingungen, der fehlenden Einbindung in der Planungsphase, historischen Strukturen und der Absenz eines formalisierten Innovationsprozesses.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Zielsetzung und Fragestellungen
1.2 Forschungsschwerpunkt
1.3 Methodische Vorgehensweise
1.4 Aufbau der Arbeit
2 Charakterisierung und Grundlagen von Innovation
2.1 Begriffsdefinitionen und Dimensionen von Innovation
2.1.1 Inhaltliche Dimension
2.1.2 Intensität Dimension
2.1.3 Subjektive Dimension
2.1.4 Verortende Dimension
2.1.5 Normative Dimension
2.2 Merkmale von Innovationen
2.2.1 Neuheitsgrad
2.2.2 Unsicherheit
2.2.3 Komplexität
2.2.4 Konfliktgehalt
2.2.5 Zusammenhang zwischen den Innovationsmerkmalen
2.3 Innovationsarten
2.3.1 Produkt- und Dienstleistungsinnovation
2.3.2 Prozess- und Verfahrensinnovationen
2.3.3 Marktmäßige Innovationen
2.3.4 Strukturelle und organisatorische Innovationen
2.3.5 Kulturelle und soziale Innovation
2.4 Treiber und Quellen von Innovationen
2.4.1 Technology Push-Ansatz
2.4.1.1 Forschung und Entwicklung
2.4.1.2 Externe Forschungseinrichtungen
2.4.1.3 LieferantInnen
2.4.2 Demand-Pull-Ansatz
2.4.2.1 Unternehmensinterne Abteilung
2.4.2.2 KundInnen
2.4.2.3 GeschäftspartnerInnen und DienstleisterInnen
3 Innovationsmanagement als Querschnittsfunktion
3.1 Institutionelle und funktionelle Perspektive
3.2 Ebenen des Innovationsmanagements
3.2.1 Strategisches Innovationsmanagement
3.2.1.1 Elemente einer Innovationsstrategie
3.2.1.2 Entwicklung von strategischen Geschäftsfeldern
3.2.2 Operatives Innovationsmanagement
4 Verortung des Innovationsprozesses in Innovationssystemen
4.1 Innovationsprozesse in der Literatur
4.1.1 Darstellung der Phasenmodelle
4.1.2 Kritische Würdigung der Phasenmodelle
4.2 Grundkonzeption eines Innovationsprozesses
4.3 Steuerung von Innovationsprozessen
4.4 Innovationshemmnisse
4.4.1 Strukturell-organisatorische Hemmnisse
4.4.2 Personelle Hemmnisse
4.4.3 Technische Hemmnisse
4.4.4 Externe Innovationsbarrieren
5 Innovationsumfeld Baubranche
5.1 Bauleistungen als Gegenstand von Austauschbeziehungen
5.2 Bauausführende Unternehmen
5.2.1 Wertschöpfungskette Bau
5.2.2 Betriebswirtschaftliche Strukturen und Wettbewerbsumfeld in Österreich
5.2.3 Produkt- und Dienstleistungsinnovation
5.2.4 Prozess- und Verfahrensinnovationen
5.2.5 Marktmäßige Innovationen
5.2.6 Strukturelle, organisatorische, kulturelle und soziale Innovationen
6 Beschreibung und Zielsetzung der empirischen Untersuchung
6.1 Vorgehensweise und Methode
6.2 Vorbereitung, Durchführung und Auswahl Untersuchungsgruppe
6.2.1 Konstruktion des Interviewleitfadens
6.2.2 Methodik der qualitativen Inhaltsanalyse
7 Ergebnis und Interpretation
7.1 Kategoriensystem und Initialverortung
7.1.1 Allgemeines Verständnis Innovation
7.1.2 Innovationstreiber in der österreichischen Bauwirtschaft
7.1.3 Innovationsmanagement
7.1.4 Innovationsarten
7.1.5 Bedeutung der KundInnen
7.1.6 Innovationshemmnisse
7.1.7 Innovationstreiber in den Unternehmen
7.1.8 Organisationskultur und Innovationsmarketing
7.1.9 Managementansatz und Mitbewerb
7.2 Zusammenfassung der Erkenntnisse entlang der Forschungsfragen
7.2.1 Innovationsdimensionen und-arten
7.2.2 Innovationstreiber und -hemmer
7.2.3 Anforderungen an ein Innovationsmanagement für Spezialunternehmen
7.2.4 Zusammenfassende Hypothesenbildung und -wirkung
7.2.4.1 Hypothesenbildung
7.2.4.2 Hypothesenwirkung
8 Conclusio und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Masterarbeit ist die empirische Analyse des Innovationsverhaltens in der österreichischen Bauindustrie, wobei insbesondere untersucht wird, welche Innovationsarten für die Branche charakteristisch sind und welche treibenden sowie hemmenden Faktoren das Innovationsmanagement beeinflussen. Die Arbeit verfolgt die Forschungsfrage, wie Innovationsprozesse in diesem spezifischen Sektor gestaltet sind, um trotz komplexer Rahmenbedingungen und des Projektcharakters der Leistungserbringung eine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit zu erreichen.
- Charakterisierung und theoretische Grundlagen von Innovationen.
- Analyse des Innovationsumfelds in der Baubranche und der spezifischen Wertschöpfungskette.
- Untersuchung von Innovationshemmnissen und Treibern mittels qualitativer Experteninterviews.
- Bewertung von Anforderungen an ein zielgerichtetes Innovationsmanagement für spezialisierte Bauunternehmen.
- Ableitung von Hypothesen zur Wirkung von Innovationsaktivitäten auf den Unternehmenserfolg.
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Neuheitsgrad
Innovationen sind neuartige Produkte, Dienstleistungen oder Prozesse, welche sich in ihrer qualitativen Beschaffenheit vom vorangehenden Zustand „merklich“ unterscheiden. Hierbei ist herauszustellen, dass diese Neuartigkeit bewusst wird und wahrgenommen wird (vgl. Hauschildt, 2005, S. 25). Die Wahrnehmung dieser Neuartigkeit ist jedoch keine objektiv quantifizierbare Messgröße, sondern beruht auf subjektiven Wahrnehmungen (vgl. Haller, 2003, S. 66). Die Literatur versucht trotz dieser subjektiv bedingten Unschärfe Orientierungspunkte für das Ausprägungsmaß des Neuheitsgrades bereitzustellen. So unterscheidet Meyer (2003) grundsätzlich den unternehmensbezogenen und den kundInnenbezogenen Neuheitsgrad von Produktinnovationen. Je stärker der unmittelbare Einfluss der Innovation auf das Produktions- und Marktpotential des Unternehmens ist, desto höher ist der unternehmensbezogene Neuheitsgrad einzuordnen.
Als extreme Neuartigkeitsausprägungen haben sich die Termini „Inkrementalinnovation“ und „Radikalinnovation“ etabliert (vgl. Meyer, 2003, S. 7). Hierbei wird von einer ausreichend vorhandenen Neuartigkeit bei Inkrementalinnovation gesprochen, wenn schon die reine Adaption des Produktes genügt um Wettbewerbsvorteile zu generieren. Demgegenüber wird bei Radikalinnovationen unterschieden, ob diese durch einen hohen Innovationsgrad hinsichtlich ihrer qualitativen (z.B. Einfluss neuer technischer Verfahren/Erkenntnisse) oder quantitativer (Anzahl modifizierter Produktkomponenten) gekennzeichnet sind (vgl. Wecht, 2005, S. 6). Auf der KundInnenseite ist der empfundene Neuheitsgrad mit der KundInnennutzenerhöhung assoziiert, so ist die Neuartigkeit und ein hoher Innovationsgrad dann geben, wenn im Vergleich zu Vorgänger- oder Konkurrenzprodukte das Kundenbedürfnis eine bessere Befriedigung erfährt (vgl. Meyer, 2003, S. 8).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Innovationsdrucks in einem sich wandelnden Marktumfeld ein und definiert das Forschungsziel sowie die methodische Vorgehensweise.
2 Charakterisierung und Grundlagen von Innovation: In diesem Kapitel werden die theoretischen Fundamente, Dimensionen, Merkmale und Arten von Innovationen sowie deren Treiber und Quellen im wissenschaftlichen Kontext dargelegt.
3 Innovationsmanagement als Querschnittsfunktion: Dieses Kapitel betrachtet das Innovationsmanagement als notwendige Querschnittsfunktion innerhalb von Unternehmen, unterteilt in strategische und operative Ebenen.
4 Verortung des Innovationsprozesses in Innovationssystemen: Hier werden gängige Phasenmodelle von Innovationsprozessen analysiert, kritisch gewürdigt und eine Grundkonzeption für die betriebliche Praxis abgeleitet.
5 Innovationsumfeld Baubranche: Dieses Kapitel fokussiert auf die Besonderheiten der Baubranche, insbesondere auf die Wertschöpfungskette und die spezifischen Herausforderungen bei der Erbringung von Bauleistungen.
6 Beschreibung und Zielsetzung der empirischen Untersuchung: Das Kapitel erläutert das qualitative Forschungsdesign, die Auswahl der Interviewpartner und die Konstruktion des Interviewleitfadens für die empirische Erhebung.
7 Ergebnis und Interpretation: Dieses Kapitel präsentiert die Auswertung der Experteninterviews, das Kategoriensystem und diskutiert die gewonnenen Erkenntnisse sowie die abgeleiteten Hypothesen.
8 Conclusio und Ausblick: Der abschließende Teil fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf die Relevanz der Erkenntnisse für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit der Branche.
Schlüsselwörter
Innovationsmanagement, österreichische Bauindustrie, Prozessinnovation, Produktinnovation, Wertschöpfungskette Bau, Innovationshemmnisse, Innovationstreiber, Qualitative Inhaltsanalyse, Experteninterviews, Innovationsstrategie, Projektorientierung, Wettbewerbsfähigkeit, Lean Management, KundInnenorientierung, Strukturwandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Innovationsmanagement in der österreichischen Bauindustrie, um zu verstehen, wie Bauunternehmen in einem durch Projektcharakter und spezifische Rahmenbedingungen geprägten Umfeld Innovationsaktivitäten erfolgreich umsetzen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die theoretischen Grundlagen von Innovationen, die Besonderheiten der Bauwirtschaft, die Analyse von Innovationsprozessen, die Identifikation von Treibern und Hemmnissen sowie die Rolle von Organisationskultur und Managementstrategien.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Hauptfrage lautet: Wie sind Innovationsprozesse in der österreichischen Baubranche ausgestaltet, welchen branchenspezifischen Anforderungen müssen sie genügen, und wie kann durch den Abbau von Hemmnissen die Wettbewerbsfähigkeit gesteigert werden?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine qualitative empirische Forschungsmethode angewandt, basierend auf leitfadengestützten Experteninterviews mit Branchenvertretern, die anschließend inhaltsanalytisch ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine umfassende Literaturrecherche zur Innovationstheorie, die detaillierte Beschreibung des Innovationsumfelds der Baubranche und die fundierte Präsentation sowie Interpretation der empirischen Studienergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Innovationsmanagement, österreichische Bauwirtschaft, Prozessinnovation, Wertschöpfungskette, Innovationshemmnisse und Wettbewerbsfähigkeit.
Warum ist die Baubranche im Hinblick auf Innovationen so speziell?
Aufgrund der Ortsgebundenheit der Dienstleistung, der maßgeschneiderten Einzelfertigung in Projekten und der oft späten Einbindung in die Planungsphase ist die klassische Innovationslogik der stationären Industrie in der Bauwirtschaft nur schwer direkt anwendbar.
Welche Rolle spielen Innovationshemmnisse laut der Studie?
Regulatorische Rahmenbedingungen, restriktive Vergabemodalitäten, ein starker Zeit- und Kostendruck im Projektgeschäft sowie historisch gewachsene Strukturen werden als maßgebliche Hemmnisse identifiziert, die den Handlungsspielraum für Innovationen einschränken.
Welches Fazit zieht der Autor bezüglich des Innovationsmanagements in der Baubranche?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Prozessinnovationen die höchste Relevanz besitzen, und unterstreicht die Notwendigkeit, Mitarbeiter stärker als Innovationsquelle einzubinden und spezialisierte Innovationsstrategien für unterschiedliche Baudisziplinen zu verfolgen.
- Citar trabajo
- Jürgen Wappel (Autor), 2017, Innovationsmanagement. Innovationsaktivitäten in der österreichischen Bauindustrie, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/366963