Feministische Geographien. Eine kritische Auseinandersetzung mit einer androzentrischen Wissenschaft


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017

9 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Entstehung feministischer Perspektiven in Deutschland

3 Konzepte und Ziele feministischer Geographien
3.1 Abgrenzung Frauenforschung und Feministische Forschung
3.2 Gender und Raum
3.3 Ziele feministischer Geographien

4 Judith Butlers Überlegungen zu Gender

5 Kritische Betrachtung des Konzepts

6 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Seit den 1970er Jahren entwickelte sich parallel zu multiplen Nachbardisziplinen innerhalb der Sozial- und Geisteswissenschaften eine sowohl kritische als auch gesellschaftspolitische Forschungsperspektive in der Geographie, die als „Feministische Geographie1 “ bezeichnet wird und eng mit der 1968 beginnenden „Neuen Deutschen Frauenbewegung“ verbunden ist (Ostheider 1989, S. 3). Als Kerngedanke sämtlicher feministischer Entwicklungen wird in der heutigen Fachliteratur immer wieder ein Zitat von Zelinsky, Monk und Hanson aus dem Jahre 1982 angeführt. Darin heißt es: „The human geographer must view reality stereoscopically, so to speak, through the eyes of both men and women, since to do otherwise is to remain more than half-blind“ (Zelinsky et al. 1982, S. 353).

Anspruch einer Geisteswissenschaft sollte es sein, beide Geschlechter in gleichem Umfang zu behandeln und nicht eine Hälfte der Menschheit außer Acht zu lassen (Bock et al. 1989, S.1). Aus diesem Grund ist das Thema auch für die Geographie relevant, da diese mit ihrem Teilbereich der Humangeographie bzw. Anthropogeographie geisteswissenschaftliche Fragestellungen in Bezug auf Raum und Mensch behandelt. Somit ist auch die Analysekategorie „Geschlecht“ in der Geographie von Bedeutung.

Die drei Geograph*innen Zelinsky, Monk und Hanson postulieren in dem vorher angeführten Zitat, was sowohl in der Geographie als auch in anderen Disziplinen wie etwa die der Geschichte oder Linguistik seit den 1970er Jahren zunehmend kritisiert wurde: Die androzentrische2 Ausrichtung sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart der geographischen Wissenschaft (Wucherpfennig und Fleischmann 2008, S. 353).

Ziel der Hausarbeit ist es, einen groben Überblick über die feministische Perspektive in der Geographie zu geben: Angefangen bei der Entstehung feministischer Perspektiven in der deutschen Geographie hin zur Erläuterung des Konzepts feministischer Geographien mit Hilfe einer Begriffsklärung von „Geschlecht“ und „Raum“ sowie dazugehörigen Zielen. Im Anschluss daran finden die Überlegungen zu Gender und Geschlecht von der Philosophin Judith Butler Gehör, welche auch die deutsche feministische Theorie beeinflusst haben. Zuletzt soll eine abschließende Kritik an der feministischen Geographie unter Berücksichtigung Judith Butlers geübt werden. Außerdem soll im Laufe der Hausarbeit die Leitfrage „Wie haben sich feministische Perspektiven im Laufe der Zeit in Deutschland verändert?“ beantwortet werden.

2 Entstehung feministischer Perspektiven in Deutschland

Die Anfänge der feministischen Forschung in Deutschland werden in der Fachliteratur auf die 1970er Jahre datiert. Dies war eine relativ spät aufkommende Entwicklung in der Geographie, da in Nachbardisziplinen wie etwa der Soziologie oder Linguistik als auch in der ausländischen Geographie, insbesondere in Amerika, Jahrzehnte früher Frauenbewegungen entstanden sind (Bäschlin und Meier 1995, S. 248). Angetrieben durch die 1968 startende „Neue Deutsche Frauenbewegung“ entstanden verschiedene feministische Initiativen im öffentlichen Leben, aber auch an Hochschulen und anderen Institutionen. So wurde beispielsweise die Sektion Frauenforschung in der Soziologie gegründet. Die Blüte der Frauenforschung im Hochschulbereich wird auf das Ende der 1980er Jahre datiert (Ostheider 1989, S. 13).

In der Geographie gab es in den 1970er Jahren erstmals Untersuchungen auf soziokultureller Ebene zur Benachteiligung von Frauen in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen (Strüver 2014, S. 139). Laut Karin Oswald bildet diese Zeit die erste Phase der Entstehung einer feministischen Frauenforschung in der Geographie, die von ihr auch als „Bewegung von unten“ bezeichnet wird und hauptsächlich von sozialwissenschaftlichen Nachbardisziplinen angeregt wurde (Gilbert 1993, S. 80f.). Diese erste Phase wurde von aktiven Studentinnen getragen, die sich individuell oder in Form von studentischen Arbeitsgruppen mit dem Thema „Frau und Geographie“ beschäftigten. Ausgangspunkt war hierbei die Forschung in der Stadtgeographie. Das Bewusstsein für eine Benachteiligung von Frauen bei der Raumaneignung und Raumnutzung war der Auslöser für erste feministische Überlegungen. So stellte man beispielsweise fest, dass Frauen seltener einen PKW nutzen oder häufiger als Männer mit Kindern unterwegs sind und Räume darum anders nutzen (Strüver 2007, S. 905).

Erste Diplomarbeiten zur geographischen Geschlechterforschung wurden publiziert. An sämtlichen geographischen Instituten Deutschlands wurden Vorträge oder Kolloquiums-Reihen organisiert. Eine sich allgemein etablierende Debatte im Fach kam allerdings nicht zustande, da es lediglich verstreut feministische Ansätze in der geographischen Wissenschaft gab (Gilbert und Meier 1995, S. 248).

[...]


1 „Feministische Geographien“ auch als Plural-Schreibweise, um der hohen Anzahl an Themenfeldern, Theorien und Zielen gerecht zu werden

2 Androzentrismus: Sichtweise, in welcher der Mann das Zentrum des Denkens bildet (nach duden.de)

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Feministische Geographien. Eine kritische Auseinandersetzung mit einer androzentrischen Wissenschaft
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Geographisches Institut)
Veranstaltung
Seminar Humangeographie I
Note
1,0
Jahr
2017
Seiten
9
Katalognummer
V366997
ISBN (eBook)
9783668456808
ISBN (Buch)
9783668456815
Dateigröße
815 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Feministische Theorie, Judith Butler, Geographie, Feministische Geographie, Gender, Raum
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Feministische Geographien. Eine kritische Auseinandersetzung mit einer androzentrischen Wissenschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/366997

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