Anfänge und Kontinuität des Antisemitismus

Antisemitismus – Ausbeutung – Unterdrückung. Band 1


Diskussionsbeitrag / Streitschrift, 2017
42 Seiten

Leseprobe

Inhaltsangabe

Vorbemerkung

1. Definition: Antisemitismus

2. Schuldbekenntnisse von Kirchen und Staat
2.1. Katholische Kirche
2.2. Evangelische Kirche
2.3. Staat

3. Historische Entwicklung des Antisemitismus
3.1. Judentum bis zur Zerstörung des Tempels im Jahre 70 n. Chr.
Exkurs: Christentum und Judentum gründen auf unterschiedlichem Denken.
3.2. Allmähliche Entwicklung zum Christentum
3.2. Christentum: Vom Staatsfeind zur Staatsreligion am 28. 02. 380
3.4. Kirchenväter verschärfen das Auseinandergehen
3.5. Konzile
3.6. Wirkung des Judenhasses

4. Staatlicher Politik
4.1. Kammerknechtschaft
4.1.1. Kommerzialisierung durch Regionalisierung
4.1.2. Judenschuldentilgung
4.1.3. Weitere antisemitische Maßnahmen
4.2. Protestantismus

5. Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

Vorbemerkung

Ausschlaggebend für die Auseinandersetzung mit einem Thema sind i.d.R. mehrere Gründe. Für mich war ein entscheidender Grund der, dass ich weder als Schüler, Student, Lehrer oder auch als Staatsbürger eine für mich plausible Erklärung für den Hass auf Juden hatte. Ein Zitat von Erasmus von Rotterdam (1466/69- 1536), einem weltweit angesehenen Humanisten, wies mich darauf hin, dass der Antisemitismus zu seiner Zeit auf eine lange Tradition zurückblicken konnte, als er erklärte „Wenn es zu einem guten Christen gehört, die Juden zu verabscheuen, dann sind wir alle gute Christen.“[1]

Mein Interesse wurde durch ein Zitat des führenden Lutherforschers und Göttinger Kirchenhistorikers Thomas Kaufmann gesteigert, der Luthers Wirken nicht nur auf das Theologische Gebiet begrenzt, wenn er ausführt:

„Judenpolitik war in der früheren Neuzeit immer auch Finanz-, Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik und unterlag Regulierungs­mechanismen, die zwar von theologischen Argumentationsmustern begleitet, aber auch von politischen und wirtschaftlichen Interessen bestimmt, oder von Ressentiments geprägt wurden.“[2]

Eine sachgerechte Grundlage ist bei wissenschaftlichen Arbeiten die Definition. Hier die Definition des Antisemitismus

1. Definition: Antisemitismus

Dieser Vortrag stützt sich auf die Definition des von der Bundesregierung berufenen unabhängigen Expertenkreises im Jahre 2011. Diese Definition hebt auf die menschenfeindliche Diskriminierung der jüdischen Opfer ab und nicht wie bisherige Definitionen auf die jeweils individuelle Motivation der Täter:

„Der Expertenkreis hat seiner Arbeit eine Definition des Begriffs Antisemitismus vorangestellt, der zufolge es sich um eine Sammelbezeichnung für alle Einstellungen und Verhaltensweisen handelt, die Juden … negative Eigenschaften unterstellen. Der einzelne Jude wird nicht als Individuum, sondern als Angehöriger einer Gemeinschaft mit zugeschriebenen Eigenschaften wahrgenommen.“[3]

Diese Definition ist unter Historikern und Kirchen nicht unumstritten. Bei diesem Streit geht es nach Christian Wiese, Inhaber der Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie in Frankfurt darum, sich zur Mitverantwortung am Holocaust zu bekennen oder aber Mitverantwortung zu leugnen: „Die These, nicht für den Antisemitismus und für die Shoa verantwortlich gemacht werden, war und ist bis in die Gegenwart [-] eine der Strategien, sich der Schuldgeschichte von Theologie und Kirche nicht in ihrem ganzen Ausmaß stellen zu müssen.“[4]

Verantwortlich für geschichtliche Ereignisse sind insbesondere die jeweiligen Machthaber, die bis 1918 zumindest autoritär regierten und unbotmäßige Meinungen verfolgten. Machthaber waren Staat und Kirche.

Seit dem Jahr 2000 bekennen sich beide Kirchen für mitverantwortlich an den Verbrechen an Juden. Dies war für beide ein langer und schmerzvoller Weg, der im Jahr 2000 sein offizielles Ende finden sollte, als sich beiden Kirchen zu ihrer Mitschuld am Holocaust bekannten.

2. Schuldbekenntnisse von Kirchen und Staat

2.1. Katholische Kirche

Für die katholische Kirche teilte am 16. März 1998 der Leiter der Vatikankommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum die Ergebnisse einer 11-jährigen Untersuchung mit, zu der ihn Papst Johannes Paul II. beauftragt hatte. In der Untersuchung sollte die Frage geklärt werden, ob und wenn ja, in welchem Umfang die katholische Kirche mitverantwortlich sei für die Ermordung von Millionen Juden im 2. Weltkrieg. In dem Bericht wird eine Mitverantwortung der katholischen Kirche am Holocaust jedoch bestritten. Zwei Jahre später, am 12. März 2000 verkündete überraschend Papst Johannes PaulII. für die katholische Kirche vor aller Welt das „Schuldbekenntnis im Verhältnis zu Israel“:

„Laß die Christen der Leiden gedenken, die dem Volk Israel in der Geschichte auferlegt wurden. Laß sie ihre Sünden anerkennen, die nicht wenige von ihnen gegen das Volk … begangen haben. […] Wir bitten um Verzeihung und wollen uns dafür einsetzen, daß echte Brüderlichkeit herrsche. Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn. R. Amen.[5]

Die deutschen Bischöfe folgten im September 2000 mit dem Schuldbekenntnis: „Gerechter Frieden“, dass sich mit dem Verhalten von Christen zur Zeit des NS-Staates auseinandersetzt.

2.2. Evangelische Kirche

Die Evangelische Kirche (EKD)in Braunschweig verabschiedete im gleichen Jahr nach langwierigen und kontroversen Auseinandersetzungen ihre Kundgebung zu „Christen und Juden / 50 Jahre Weißensee“. Sie erklärte sich für mitverantwortlich für den Mord an Juden. Zur Frage der Mitschuld führt die Erklärung aus: "Wir sprechen es aus, daß wir durch Unterlassen und Schweigen vor dem Gott der Barmherzigkeit mitschuldig geworden sind an dem Frevel, der durch Menschen unseres Volkes an den Juden begangen worden ist."

Die Erklärung der Synode von Weißensee 1950 wurde 2000 in Braunschweig mit den Worten ergänzt:

„Nicht nur durch "Unterlassen und Schweigen" ist die Kirche schuldig geworden, sondern auch durch die unheilvolle Tradition der Entfremdung und Feindschaft gegenüber den Juden hineinverflochten in die systematische Vernichtung des europäischen Judentums.

Bis zu diesem Zeitpunkt gibt es eine Vielzahl von kirchlichen Erklärungen zum Holocaust. Diese Erklärungen machen jedoch nicht die Kirchen als Ganzes, als Akteur verantwortlich, sondern beklagen und bedauern, dass sich einzelne Christen schuldig gemacht hätten. Sie folgten der auch staatlicherseits vertretenen Auffassung von Jaspers entwickelten Theorie der Individualschuld.

2.3. Staat

Seitens des Staates und seiner Repräsentanten wurde bisher stets die These von der Alleinschuld der Täter vertreten, obwohl staatlicherseits verschiedentlich Schadensersatzansprüchen Rechnung getragen wurde. Ein erstmaliges Bekenntnis zur Schuld und Verantwortung findet sich überraschend in der am 31. Mai 2016 vom Deutschen Bundestag verabschiedete Armenien-Resolution. Im Zusammenhang mit der beispielhaften Ermordung von über einer Million Armenier und dem Hinweis, dass das 20. Jahrhundert in schrecklicher Weise von Vertreibungen und Völkermord gekennzeichnet sei, folgt das Schuldanerkenntnis zum Holocaust in einem Satz, ohne vorher oder anschließend sich auf den Nationalsozialismus bzw. Antisemitismus zu beziehen: „Dabei wissen wir um die Einzigartigkeit des Holocaust, für den Deutschland die Schuld und Verantwortung trägt.“

3. Historische Entwicklung des Antisemitismus

Zur historische Entwicklung des Antisemitismus vertreten Klaus Kühlwein, Dozent am Bildungswerk der Erzdiözese Freiburg wie auch der protestantische Theologieprofessor Hartwig Weber die Auffassung, dass spätestens im vierten Jahrhundert n. Chr. der Antisemitismus in der Theologie der alten Kirche Gemeingut war, dass Juden allesamt Gottesmörder seien und einem verworfenen, verfluchten Volk angehörten.[6] Ab dem 4. Jahrhundert n. Chr. habe sich der christliche Hass in der kirchlichen und staatlichen Gesetzgebung in zahlreichen Gewalttätigkeiten gegen die Juden und ihre Synagogen Bahn gebrochen.

Deswegen zeichne ich zunächst die Entwicklung des Antisemitismus in der Zeitspanne vom 4. Jh. vor Chr. bis zum 4. Jh. nach

3.1. Judentum bis zur Zerstörung des Tempels im Jahre 70 n. Chr.

In vorchristlicher Zeit siedelten Juden in einem schmalen Landstreifen, der heute in etwa die Gebiete von Syrien und Israel umfasst. Das Land war mehrfach nach kriegerischer Auseinandersetzung zwischen Griechenland, Ägypten oder Babylonien wechselweiser Fremdherrschaft unterworfen. Wegen des Kriegsgeschehens flüchteten viele Juden in die umliegenden Länder, insbesondere auch nach Griechenland. Juden glaubten im Gegensatz zu der Bevölkerung der angrenzenden Länder an nur einen Gott. Das Bekenntnis zum strengen jüdischen Monotheismus war im babylonischen Exil von 586- 538 v. Chr. als Religion des Judentums entwickelt worden. In öffentlichen Erklärungen wurde das Judentum als bedrohlicher Atheismus gebrandmarkt[7] und als Verächter des Menschengeschlechts diffamiert.

Angesichts des Vormarsches der griechischen Sprache und Kultur und der damit verbundenen Zurückdrängung der hebräischen Sprache und Kultur wurde schon im [3. Jahrhundert v. Chr.] von in Griechenland lebenden Juden die Übersetzung der heiligen Schriften der Juden ins Griechische für erforderlich gehalten. Die Übersetzung der Bücher Moses, die als Septuaginta in die Geschichte einging, trug Gedankengut des biblischen Judentums in die hellenistisch-römische Welt hinein. Dies hatte um 200 v. Chr. eine Spaltung der jüdischen Gemeinde in eine toratreue und eine hellenistische Gruppierung zur Folge.

Exkurs: Christentum und Judentum gründen auf unterschiedlichem Denken.

Das Christentum wird neben dem Judentum und dem Islam als eine der drei monotheistischen Religionen bezeichnet. Als weitere Gemeinsamkeit zwischen diesen monotheistischen Religionen wird das Alte Testament als gemeinsame Wurzel benannt. Formal trifft diese Behauptung auch zu. Inhaltlich lässt sich diese Behauptung jedoch nicht aufrechterhalten, da Juden und Christen das Alte Testament unterschiedlich interpretieren.

Die unterschiedliche Interpretation des „Alten Testaments“ durch Juden und Christen ist in der Tatsache begründet, dass jüdisches, d. h. auch hebräisches Denken, als existentialistisch und christliches Denken, d. h. griechisches Denken, als idealistisch bezeichnet werden kann.

In der Philosophie bilden Existentialismus, häufig auch als Materialismus bezeichnet, und Idealismus „zwei entgegengesetzte Ansichten über die Natur menschlichen Denkens, d. h. über die letzten Gründe der geistigen Erkenntnis, über die Entstehung der Ideen.“[8]

Für Juden, deren Denken existentialistisch ist, gilt allein das „Alte Testament“ in hebräischer Sprache, Thora genannt. Die für griechische Juden im 3. Jahrhundert vor Chr. angefertigte Übertragung ins Griechische, die sog. Septuaginta, wird von Juden lediglich als ein eigenständiges literarisches Werk anerkannt. Als Bibelübersetzung wird sie jedoch abgelehnt, da sie nicht den Sinn der Urfassung, der auf hebräischem, d. h. auf existentialistischem Denken basiert, widergibt.

Für Christen ist das Alte Testament im Neuen Testament aufgegangen: Christen betrachten Jesus als den im Alten Testament angekündigten Messias und das Neue Testament enthält für sie neben der Lebensgeschichte Jesu Christi Antworten auf Fragen zu Glaubenstheorie und -praxis in christlichen Gemeinschaften bereit. Das Neue Testament hatte damit das Alte Testament für die Christen abgelöst und bedeutungslos gemacht. Erst seit dem Ende des 2. Weltkrieges, als die Kirchen ihre Einschätzung gegenüber dem Judentum einer völligen Neubestimmung unterzogen, hat auch das Alte Testament in den christlichen Kirchen wieder an Anerkennung gewonnen.

Augustinus und die anderen christlichen Kirchenväter waren durch die griechische Philosophie in ihrem Denken geprägt. In diesem Zusammenhang wird auch von der Hellenisierung des Christentums gesprochen. Juden lebten zunächst außerhalb des Wirkungsbereichs griechischer Philosophie. Juden waren durch hebräische Denkungsart geprägt. Ein Beispiel: „Gottes Sohn“. Für Juden ist die Bezeichnung „Gottes Sohn“ ein Ausdruck für eine besonders enge Beziehung des Bezeichneten zu Gott, wie in 2. Sam. 7,14 ausgeführt: „Ich will für ihn Vater sein, und er wird für mich Sohn sein.“ Oder als Ausdruck einer derartigen Verbindung nach 2. Mose 4, 22-23: „So spricht Jahwe: „Israel ist mein erstgeborener Sohn“. Dass das Wort Sohn nicht biologisch gemeint war, ergibt sich auch aus Ps. 2,7: „Den Beschluss des Herrn will ich kundtun. Er sprach zu mir: „Mein Sohn bist du. Heute habe ich dich gezeugt.“ Griechen sahen in „Gottes Sohn“ eine Person, der man besondere Kräfte zuschrieb oder die besondere Macht besaß. Von solchen Personen glaubte man, dass sie keinen irdischen Vater hatten; die Schwangerschaft war durch die Macht Gottes bewirkt worden.

Obwohl in einer Vielzahl von Abhandlungen (Max Mueller, Humboldt, Ernst Cassirer, W.M. Urban, Rudolf Carnap, Hans Hermes) auf die Andersartigkeit des hebräischen Denkens hingewiesen wurde, hat dies nicht zu entsprechenden Untersuchungen über Völkerpsychologie, Sprachpsychologie, Sprachlogik, Semantik und vergleichende Sprachwissenschaft und dgl. geführt. Vielleicht ist diese Tatsache auch ein Ergebnis der allgemeinen Geringschätzung des Judentums durch die christliche Mehrheitsgesellschaft.[9]

Das unterschiedliche Denken schlägt sich auch inhaltlich nieder. Jüdisches Denken ist geschichtlich geprägt. Geschichte und historische Erfahrungen haben für Juden einen nicht zu überschätzenden Stellenwert. Das Denken ist personen- und existenzbezogen. Während Hellenen die Welt monokausal als Natur erkannten, erlebte sie der jüdische Mensch multikausal als Geschichte menschlicher Gemeinschaft. Jüdische Philosophie ist die Philosophie der „existentia“. Der Mensch steht demnach im lebendigen Strom der sich entwickelnden Geschichte. Jüdisches Denken ist nicht statisch, sondern dynamisch und an geschichtlicher Erfahrung orientiert

Während sich Griechen in der Hoffnung auf göttliche Offenbarung mit unveränderlichen Idealen befassen, versuchen Juden durch den Blick in die Geschichte die Stimme Gottes zu vernehmen. Für Griechen, die der Vernunft Vorrang vor dem Willen des Menschen einräumen, war die geistige „Erkenntnis“ zentral. Griechisches Denken stellt sich so als statisch, ruhig, maßvoll, harmonisch und auch geschichtslos dar.[10]

Für Juden ist die Verantwortung für ihre „Tat“ von zentraler Bedeutung und wichtige Grundlage, sich an den ethischen Normen der Bibel zu orientieren. Hebräisches Denken kann daher als dynamisch, kraftvoll, leidenschaftlich und geschichtlich bezeichnet werden.

Der griechischen Königs Antiochus IV., verbot 167 v. Chr. die hebräische Bibel der Juden, die Tora. --- Nach Auffassung des katholischen Theologen und Neutestamentler Frankemöller hatten sich griechisch-orientalisches und römisch-abendländisches Denken mehr und mehr auseinanderentwickelt.[11] Die Sprachen Griechisch und Latein waren durch unterschiedliche philosophische und religiöse Vorstellungen geprägt wie auch durch unterschiedliche dogmatische Entwicklungen und eigenständige Frömmigkeitsformen in der Liturgie.

Unter Kaiser Claudius wurde jedoch 38 n.Chr. die jüdische Religion als antisemitische Maßnahme in Italien verboten. Juden hatten in der Befolgung des 1. Gebots gegen die bildhafte Darstellung Gottes protestiert, es abgelehnt, dem Kaiser zu huldigen. Als Strafe durfte der im Jahre 70 n. Chr. der zerstörten Tempel nicht wieder neu errichtet werden. Dieses Verbot traf die Juden in besonderer Weise, da damit die Existenzgrundlage ihrer Religion zerstört und im damaligen Verständnis die jüdische Religion erloschen wäre. Durch die Gründung einer Vielzahl von Splittergruppen erfolgte eine Neuorientierung innerhalb des Judentums. Eine dieser Gruppen, die Pharisäer, hatte sich in Judäa zwischenzeitlich konsolidiert und mit der von ihnen initiierten Weiterentwicklung des Judentums von einer Opferreligion zu einer Buchreligion für das Judentum insgesamt durchgesetzt.

3.2. Allmähliche Entwicklung zum Christentum

Da sich die verschiedenen Gruppen nicht geschlossen der Lehre der Pharisäer anschließen wollten, war eine erste Grundlage für die allmähliche Abspaltung des Christentums vom Judentum gelegt. Einer Gruppe sagten die Arbeiten der Apostel Johannes oder auch Origines wie auch anderer Kirchenväter zu, deren Arbeiten als Kirchenväter später in die Konzils beschlüsse einflossen.

Einer der einflussreichsten Kirchenväter seiner Zeit war der Missionar Paulus (10 n.Chr.- 63/66 n. Chr.) Paulus war ein griechisch gebildeter Jude, gesetzestreuer Pharisäer mit römischem Bürgerrecht. Das von Paulus vertretene Christentum war antisemitisch geprägt und durch platonisierende Metaphysik beherrscht.[12] Paulus diffamiert im Philipperbrief Juden als Hunde und das bezeichnete das Judentum als Müll. (Phil 3,5ff.) Nach Röm 2,9 beschuldigt Paulus pauschal die Juden, „Böses zu tun“, „stolz, unbelehrbar, ehebrecherisch zu sein“. Juden seien Diebe und schreckten weder vor der Ausraubung von Tempeln noch vor Gesetzesbrüchen zurück. Sie seien auch verantwortlich für die Gotteslästerung unter den Heiden. Der Beschluss des Apostelkonzils im Jahr 48 n. Chr., die paulinische Lehre von der Verkündigung der Gnade Gottes als Basis des noch zu entwickelnden Christentums zu erklären, bei gleichzeitiger Aufhebung der Verbindlichkeit des jüdischen Gesetzes vertiefte den Gegensatz zum Judentum.

[...]


[1] [1] Poliakow, Léon: Geschichte des Antisemitismus, Worms 1977-1987, Bd. 2. 28.

[2] Kaufmann, Thomas: Luthers „Judenschriften“, Tübingen 2011, 140.

[3] Deutscher Bundestag Drucksache 17/7700.17. Wahlperiode 10. 11. 2011.Unterrichtung durch die Bundesregierung. Bericht des unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus in Deutschland – Erscheinungsformen, Bedingungen, Präventionsansätze, 172.

[4] Wiese, Christian: „Unheilsspuren“: Zur politischen Dimension des theologischen Denkens Luthers im Kontext des modernen Antisemitismus. IN: Reformator, Ketzer, Judenfeind. Jüdische Perspektiven auf Martin Luther. epd-Dokumentation Nr. 39, 2015, 4.

[5] Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hg.): Lange Wege. Dokumente zur Versöhnungsarbeit der Deutschen Katholischen Kirche in Deutschland. Bonn 2009.

[6] Kühlwein, Klaus: Warum der Papst … A.a.O. 125

[7] Czermak, Gerhard: Christen gegen Juden . Ffm 1991, 9.

[8] Heine, Heinrich: Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland. Stuttgart, 1997, 52.

[9] Bomann, Thorleif: Das hebräische Denken im Vergleich mit dem griechischen. Göttingen, 4. Auflage,1952, 12.

[10] Bomann, Thorleif: Das hebräische Denken …, a.a.O., 18.

[11] Frankemölle, Hubert: Frühjudentum und Urchristentum. A.a.O. 24.S.a. Andresen/Denzler: dtv-Wörterbuch der Kirchengeschichte, München 1982,414 .

[12] Schneider, Carl: Das Christentum. In: Propyläen Weltgeschichte Bd. 4 Rom. Die römische Welt. Frankfurt-Berlin 1963, 446.

Ende der Leseprobe aus 42 Seiten

Details

Titel
Anfänge und Kontinuität des Antisemitismus
Untertitel
Antisemitismus – Ausbeutung – Unterdrückung. Band 1
Autor
Jahr
2017
Seiten
42
Katalognummer
V367025
ISBN (eBook)
9783668548763
ISBN (Buch)
9783668548770
Dateigröße
1565 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
anfänge, kontinuität, antisemitismus, ausbeutung, unterdrückung, juden
Arbeit zitieren
Heiner Ehrbeck (Autor), 2017, Anfänge und Kontinuität des Antisemitismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/367025

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