Spanglish. Die Verwendung des Code-Switching am Beispiel des Films "Quinceañera"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016
21 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Entwicklung und Bedeutung der spanischen Sprache in den USA

3. Die Entwicklung und Bedeutung der spanischen Sprache in den USA

4. Spachkontakt
4.1Bilingualismus
4.2 Codeswitching
4.2.1Grammatikalische Aspekte des Codeswitching
4.2.2 Soziolinguistische Aspekte des Codeswitching

5. Analyse
5.1Daten zu dem Film
5.2 Verwendete Sprachen
5.2.1 Die Sprache der ersten Generation
5.2.2 Die Sprache der zweiten Generation
5.2.3 Die Sprache in Konversationen zwischen den beiden Generationen
5.3 Die Sprache von Carlos
5.4 Die Sprache von Magdalena

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Sprachlandschaft der Vereinigten Staaten von Amerika ist gekennzeichnet durch verschiedene Bevölkerungsgruppen. Die spanischsprachigen Migranten stellen die größte Gruppe dar. Folglich stehen Spanisch und die Amtssprache Englisch in einem ständigen Kontakt und beeinflussen sich wechselseitig.

Den Immigranten des Landes ist die Weitergabe und Pflege ihrer Sprache und Kultur von großer Bedeutung. So bemühen sie sich mit ihren Kindern die Muttersprache zu sprechen, während die Kinder in der Schule oder Arbeit Englisch sprechen. Oft kommt es bei vielen Migranten zu dem Verlust der Minderheitensprache, was als ein Ergebnis des Sprachkontakts zu verstehen ist. Jedoch kann es auch zu einer Annäherung bis hin zur Vermischung von beiden Sprachen kommen, wie zum Beispiel in dem Fall der „Latinos“ in den USA, aus deren Zweisprachigkeit das Phänomen Spanglish entstanden ist. Spanglish entstammt dem ständigen Wechsel zwischen dem spanischen und dem englischen, was in der Linguistik auch als „Codeswitching“ benannt ist.

Gegenstand dieser Arbeit ist die Frage danach in welchem Kontext ein Sprachträger die eine oder die andere Sprache spricht, bzw. unter welchen Umständen oder aus welchen Motiven es zu einem „Codeswitching“ kommt. Als Grundlage für die Korpusanalyse dient der US-amerikanischen Film „Quinceañera“ aus dem Jahre 2006 von Richard Glatzer und Wash Westmoreland. Der Film berichtet aus dem Leben von mexikanischen Migranten aus Los Angeles.

Zu Beginn der Arbeit werden wichtige geschichtliche Daten über die Motive der Migration und die Verbreitung der Mexikaner in den Vereinigten Staaten genannt. Anschließend werden kurz einige Begrifflichkeiten, wie Sprachkontakt, Bilingualismus und Codeswitching, die für das Verständnis der Analyse notwendig sind, erläutert. Der Fokus der Arbeit liegt auf der Analyse der verwendeten Sprachen in dem Film. So wird die gesprochene Sprache zunächst generationsspezifisch betrachtet. Und abschließend der intergenerationale Sprachkontakt an den beiden Protagonisten aufgezeigt und mit Hilfe von verschiedenen linguistischen Modellen analysiert.

2. Die Entwicklung und Bedeutung der spanischen Sprache in den USA

Mit der Entdeckung Floridas im Jahre 1513 begann die Geschichte des Spanischen auf dem Gebiet der Vereinigten Staaten von Amerika. Durch die Besetzung von Teilen des Landes durch hispanohablantes entwickelte sich die Sprache immer mehr zu einer Prestigesprache.

Im Zuge des mexikanisch-amerikanischen Krieges Ende des 19. Jahrhunderts verlor Mexiko viele Teile ihres Herrschaftsgebietes an die Nordamerikaner, wodurch es zu spanischsprachigen Bevölkerungsgruppen im heutigen Gebiet der USA kam. Die Zahl der Hispanos, also jener Bevölkerungsgruppe mit lateinamerikanischen Wurzeln, wuchs nicht nur auf Grund von territorialen Veränderungen, sondern auch auf Grund von Migrationswellen im 20. Jahrhundert.1 Aktuell bilden sie die größte Migrantengruppe in den USA. Im Gegenteil zu anderen Migrantengruppen, kann man die lateinamerikanischen Immigranten in den USA nicht als eine homogene Gruppe bezeichnen, da sie aus verschiedenen Ländern zugewandert sind. Außer der Religion und der Sprache verbindet sie nicht viel miteinander. Selbst die Hintergründe ihrer Migration bzw. die Motive der Auswanderung aus dem Heimatland sind unterschiedlich.

3. Die Entwicklung und Bedeutung der spanischen Sprache in den USA

Die spanische Sprache ist in den USA keine offizielle Sprache, jedoch wird sie von einem Großteil der Bevölkerung beherrscht und gesprochen. In den Schulen wird sie als erste Fremdsprache gelehrt. Bei jenen, die die spanische Sprache als Muttersprache erworben haben, fungiert sie als ein Kommunikationsmittel im privaten und häuslichen Bereich, während Englisch in sozialen, öffentlichen und politischen Kontexten vorherrscht.2 Für die Teile der Bevölkerung, die sowohl die spanische, als auch die englische Sprache beherrschen, bedeutet dies, dass der Gebrauch des Englischen sich auf die formellen und der Gebrauch des Spanischen sich auf die informellen Kontexte beschränkt. Die Besonderheit, bei dieser Sprechergruppe ist, dass durch den Kontakt dieser beider Sprachen das Phänomen des „Spanglish“ entstanden ist.3

Das Spanisch in den USA ist als ein Dialekt des kastilischen zu betrachten. Ein Dialekt ist eine Erscheinungsform einer bestimmten Sprache, demnach bestehen alle Sprachen aus „zunächst gleichberechtigten regionalen Varietäten, die wir Dialekte nennen.“4

Das Spanisch, welches von den Bewohnern Lateinamerikas gesprochen wird, ist als Folge von Eroberungen ein Kolonialdialekt des kastilischen Spaniens.5

Das Spanisch, welches in den USA von den verschiedenen Migrantengruppen gesprochen wird, kann nicht unter einem bestimmten Dialekt zusammengefasst werden. Insgesamt existieren drei verschiedene Dialekte des Spanischen auf dem Gebiet der Vereinigten Staaten: das mexikanische, das puertoricanische und das kubanische Spanisch.

Mit ihren unterschiedlichen phonologischen, lexikalischen und morphologischen Besonderheiten haben diese Dialekte einen enormen Einfluss auf das „Spanglish“.6

Die größte Gruppe unter den spanischsprachigen Migranten in den USA bilden mit einem Anteil von 60% die Mexikaner. Die Dunkelziffer der mexikanischen Migranten ist weitaus höher, kann jedoch aufgrund von illegalem Aufenthalt in dem Land nicht erfasst werden. Jene Migranten, die sich illegal in dem Land aufhalten, werden daher auch als die Indocumentados bezeichnet. Eine weitere Bezeichnung für diese Migrantengrupe ist chicanos. Ihre Siedlungsschwerpunkte sind Kalifornien, Colorado, Texas, New Mexico und Arizona. Diese wurden nicht willkürlich von den Migranten als Niederlassungen ausgewählt, sondern haben ihre Gründe in der Geschichte der beiden Nachbarländer. Die Siedlungsstädte der Mexikaner in den USA sind Gebiete, die zum spanischen Vizekönigreich Neuspanien gehörten und im Zuge des amerikanisch-mexikanischen Krieges von den US-Amerikanern erobert worden sind. Daher befinden sich in diesen Gebieten noch dort ansässige Mexikaner, die natürlich ihre Landsleute im weiteren Verlauf der Migrationswellen anziehen.7

Das mexikanische Spanisch beinhaltet syntaktische, phonetische und morphologische Besonderheiten. Im Bereich der Syntax werden Präpositionen die zum Beispiel der Konstruktion des futuro próximo dienen, ausgelassen: vamos a salir -> vamos salir. 8 Besonders auffällig ist die Aufnahme von englischen Verben und ihre Verwendung unter den Regeln der spanischen Morphologie und Phonetik, wie zum Beispiel to park (engl.) -> parquear anstelle von estacionar (span.) oder to trust (engl.) -> trostear anstelle von confiar (span.). 9

4. Spachkontakt

Mit dem Sprachkontakt ist das Aufeinandertreffen von mindestens zwei Sprachen oder aber Varietäten von Sprachen in einem einsprachigen Gebiet gemeint.

Der Sprachkontakt kann sowohl auf individueller, als auch auf kollektiver Ebene stattfinden. Der individuelle Sprachkontakt ist dann gegeben, wenn ein Individuum Gebrauch von mindestens zwei verschiedenen Sprachen macht.10 Der kollektive Sprachkontakt hingegen ist bei verschiedenen sozialen Gruppen gegeben, die über die Kompetenzen von den gleichen mindestens zwei Sprachen verfügen und diese abwechselnd in der Interaktion miteinander verwenden. Dies könnte eine regional- oder sozialbedingte Mehrsprachigkeit sein.11 Als ein Beispiel für kollektiven Sprachkontakt kann man Katalonien aufführen, wo die Bevölkerung sowohl Katalanisch, als auch Kastilisch als offizielle Sprache verwendet. Für den individuellen Sprachkontakt eignen sich natürlich die spanischsprachigen Immigranten in den USA, die sowohl die spanische, als auch die englische Sprache beherrschen. Zwar ist Spanisch unter den Minderheitensprachen die wichtigste, jedoch ist sie nach wie vor dem Englischen untergeordnet. Bei dieser Sprachkontaktsituation beeinflusst die dominante Sprache, also Englisch, die weniger dominante Sprache, also Spanisch.12

Der Begriff Bilingualismus ist ein synonym für die Zweisprachigkeit. Auf ein Individuum bezogen, spricht man von Bilingualismus, wenn es über die gleichen oder ähnlichen Kompetenzen in zwei Sprachen verfügt. Es werden vier verschiedene Arten von Bilingualismus unterschieden: der individuelle, der soziale, der territoriale und der institutionelle Bilingualismus.13

Der individuelle Bilingualismus ist, wie zuvor erwähnt, ein bilingualer Sprecher, der neben seiner Muttersprache eine weitere Sprache mit ähnlichen Kompetenzen besitzt und diese in verschiedenen Kontexten einsetzen kann. Zudem kann man unterscheiden, ob die Sprachen symmetrisch oder asymmetrisch zueinander sind. Zwei Sprachen sind symmetrisch zueinander, wenn der Sprachträger in beiden gleich gute oder ähnlich gute Kompetenzen aufweist. Folglich sind Sprachen asymmetrisch, wenn die Kompetenzen in beiden Sprachen sich stark voneinander unterscheiden.

Der soziale Bilingualismus bezeichnet die Zweisprachigkeit einer sozialen Gruppe. Ähnlich, wie bei dem individuellen Bilingualismus, bezieht sich dies auf die Voraussetzung, dass alle Sprachträger dieser Gruppe die gleichen oder ähnlichen Kompetenzen in beiden Sprachen aufweisen und diese für die Kommunikation miteinander abwechselnd benutzen.14

In den Vereinigten Staaten leben sowohl monolinguale, als auch bilinguale Gruppen, wie auch jene Bewohner des Landes, dessen Muttersprache Spanisch ist.

Der territoriale Bilingualismus ist vorherrschend in Gebieten eines Landes, in denen mindestens zwei Sprachen koexistieren. In diesem Zusammenhang kann man auch wieder von der Symmetrie der Sprachen sprechen, denn die soziale symmetrische Zweisprachigkeit ist dann gegeben, wenn beiden Sprachen das gleiche Prestige zugeschrieben werden kann.

Der institutionelle Bilingualismus ist die letzte Art und bezieht sich auf die Zweisprachigkeit von nationalen und internationalen Verwaltungen.

Bezogen auf die spanischsprachige Bevölkerung der Vereinigten Staaten lässt sich beobachten, dass die Migranten selbst kaum bilingual sind, da sie wenig in Kontakt mit der englischen Sprache haben. Im Gegensatz zu der zweiten Generation, also der der Jugendlichen, die durch die Schule mit der englischen Sprache und im häuslichen Bereich mit der spanischen Sprache aufwachsen.

[...]


1 Noll, Volker: Das amerikanische Spanisch. Ein regionaler und historischer Überblick. Thübingen 2009, S. 109

2 Moreno Fernández, Francisco: Dialectología hispánica de los Estados Unidos. In: En-ciclopedía del español en los Estados Unidos 2008, S. 204

3 Stavans, Ilan: Spanglish: The making of a new American language, 2003, S. 5

4 Dietrich/Geckeler 2004, S. 31 (Bsp.f.CS)

5 ebd. S. 178

6 Ramírez, Arnulfo G.: El español de los Estados Unidos: El lenguaje de los hispanos. Madrid 1992, S. 25

7 Berschin, Helmut/Fernández-Sevilla, Julio/Felixberger, Josef: Die spanische Sprache; 1995 S. 36

8 Ramírez, 1992, S. 23 f.

9 ebd. 1992, S. 23 f.

10 H. Veith, Werner: Soziolinguistik; 2005, S. 204

11 Kabatek Johannes / Claus D. Push: Spanisch Sprachwissenschaft; 2009, S. 184

12 Silva-Corvalán, C.: La situación del español en los Estados Unidos. In: El Español en el Mundo. Anuario del Instituto Cervantes; 2000, S. 71)

13 Winkelmann, Sophia: Spanglish als Sprache. Grundlagen, Diskussionen und Programme; 2007

14 Winkelmann, 2007, S. 12

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Spanglish. Die Verwendung des Code-Switching am Beispiel des Films "Quinceañera"
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Romanistik)
Note
2,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
21
Katalognummer
V367034
ISBN (eBook)
9783668457010
ISBN (Buch)
9783668457027
Dateigröße
898 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Code-Switching, Spanglish, Quinceañera, Bilingualismus
Arbeit zitieren
Nermin Gündüz (Autor), 2016, Spanglish. Die Verwendung des Code-Switching am Beispiel des Films "Quinceañera", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/367034

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