Wie man eine Religion verbreitet. Katholische Klöster in Neuspanien der Frühen Neuzeit


Seminararbeit, 2016
26 Seiten, Note: 3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung
Methodik und Eingrenzung des Themas
Weiße und Schwarze Legenden

Wie man eine Religion verbreitet.

1. Die militärische Eroberung des Vizekönigreichs

2. Die politische und wirtschaftliche Eroberung des Vizekönigreichs
2.1. Expansion

3. Geistige Eroberung
3.1. Cortés und die Missionierung
a) Jungfräuliche Hilfe
3.2. Funktion der Klöster
a) Architektonischer Aufbau
b) „Nobody expects the Spanish Inquisition!“
3.3. Erfolg der Missionierung

Fazit: Waren Klöster in Neuspanien geschlossene Häuser?

Bilder

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Geschichte Neuspaniens, eines der vier spanischen Vizekönigreiche in der Neuen Welt, ist ein sehr interessantes Thema: So stellt sich die Frage, wie die Spanier unter Aufwendung so minimaler Mittel es schaffen konnten, ein so großes Reich zu unterwerfen und dann auch noch zu kontrollieren. Eine weitere Frage ist, wer welche Rolle spielte und welche Bedeutung die katholische Kirche dabei hatte.

Religion hatte in der neuspanischen Geschichte und Gesellschaft einen enorm hohen Stellenwert, so wie sie im heutigen Lateinamerika immer noch eine sehr wichtige Rolle spielt. Trotzdem hat sich gerade im wichtigsten Teil des ehemaligen Vizekönigreichs, in Mexiko, ein staatlicher Antiklerikalismus herausgebildet, der beinahe schon extremistische Züge trug und welcher in der jüngeren mexikanischen Geschichte mehrmals zu Auseinandersetzungen und Bürgerkriegen führte, man denke nur an den Guerra Cristero von 1926 bis 1929.

Überdies spielte die katholische Kirche eine enorme Rolle in der Geschichte der Mexikaner, sowohl vor der Unabhängigkeit, als auch danach. Vielleicht waren es die Erfahrungen des Vizekönigreichs, welche die Urheber der mexikanischen Verfassungen dazu bewogen, entsprechende Paragraphen einzufügen, allerdings ist dies reine, müßige Spekulation.

Wichtiger ist die Frage, wie die katholische Kirche in Neuspanien zu ihrem Ruf kam, wie sie in den Anfangszeiten des Vizekönigreichs agierte und handelte und welchen Einfluss ihre Handlungsweise auf ihre Wirkungsstätten, die Klöster und Konvente Neuspaniens hatte und ob wir sie in der Konsequenz als geschlossene Häuser definieren können.

Man könnte schon fast sagen, dass wir die ausgetretenen Pfade der mexikanischen Geschichte verlassen und neues Land erschließen, Terra Incognita entdecken und kultivieren. Dazu sei eines meiner persönlichen Lieblingszitate des Historikers Luis Gonzáles über mexikanische Geschichtsschreibung zum Besten gegeben: „Wenige Länder kultivieren Geschichte mit so viel Enthusiasmus wie Mexiko.“[1]

Methodik und Eingrenzung des Themas

Methodisch ist diese Arbeit eine reine Literaturarbeit, die sich mit Hilfe vorhandener Literatur mit der Frage auseinandersetzt, inwieweit katholische Klöster im Vizekönigreich Neuspanien geschlossene Häuser im Sinne der Definition waren.

Im Vordergrund der Argumentation stehen dabei ihre Funktion und Aufgaben in der Herrschaftsstruktur des Vizekönigreichs und weniger die Quellen. Der Grund liegt in der hohen Anzahl der Klöster in Neuspanien, mit dem Begriff ging man recht lose um[2], und in der starken geographischen Untergliederung Neuspaniens, so dass die Betrachtung sehr allgemein und vereinfachend ist.

Auch muss dieses Thema geographisch stark eingegrenzt werden: Zwar heißt es im Titel Neuspanien, doch das Vizekönigreich erstreckte sich in der Zeit seiner maximalen Ausdehnung von Florida bis nach Kalifornien, von etwa der heutigen US-amerikanisch-kanadischen Grenze bis ins heutige Nicaragua und Costa Rica, umfasste Besitzungen im heutigen Venezuela, große Teile der Karibik, einige pazifische Atolle wie die Marianen, sowie die Philippinen und einige Inseln auf jener Seite des Pazifiks. Dabei sind noch nicht einmal die Gebietsansprüche berücksichtigt, die bis ins heutige Kanada und Alaska reichten. Nicht ohne Grund sprach ich von einer starken geographischen Untergliederung. Aus diesem Grund beschränkt sich dieses Thema auf das Gebiet, welches wir heute als das Zentrum der Vereinigten Staaten von Mexiko bezeichnen, mein persönliches Steckenpferd. Auch so schon werden wir geographisch genügend Komponenten für eine Betrachtung haben.

Auch zeitlich wird das Thema eingeengt: Zwar ist das Vizekönigreich faktisch 1821 mit der Anerkennung der Unabhängigkeit der Kolonien untergegangen (die entsprechenden Kriege tobten seit 1810), doch blieben die letzten Besitzungen, hauptsächlich Kuba und die Philippinen, bis 1898, dem Verlust an die Amerikaner, spanisch. Wir werden uns in dieser Arbeit hauptsächlich auf die Zeit der Habsburgischen Herrschaft in Spanien konzentrieren, also bis 1700, beziehungsweise 1701, dem Tod Karls II., oder dem Beginn des Spanischen Erbfolgekrieges.

Danach herrschten die Bourbonen unter Philipp V., dessen Nachfahren bis heute in Spanien regieren (zumindest auf dem Papier, schließlich ist Spanien heutzutage eine konstitutionelle Monarchie).

Die frühen relevanten Anfängen werden mit einem kurzen Überblick über die Eroberung des Aztekenreiches, der lokalen Großmacht, durch Cortés und seine Konquistadoren dargestellt.

Weiße und Schwarze Legenden

Leyenda Blanca und Leyenda Negra, weiße und schwarze Legende, sind zwei 'Kampfbegriffe' der mexikanischen Historiographie, ganz besonders im Zusammenhang mit der Conquista. Benjamin Keen[3] nennt sie sogar die Zusammenfassung der Diskussion über die Conquista, die Gesamtheit der spanischen Eroberung Mexikos. Dabei geht es vor allem um Quellenkritik.

Die Leyenda Negra besagt, dass die Kritiker der Kolonialherrschaft ihre Aufzeichnungen und Berichte über Gräueltaten der Konquistadoren dramatisierten und, vielleicht sogar um Kritik auszuüben, verfälschten um eventuell den ein oder anderen politischen Gegner damit auszuschalten.

Die Leyenda Blanca ist das genaue Gegenteil, die Theorie, dass die Vorgänge und Vorfälle eher verharmlost wurden, da die verantwortlichen Behörden und Beamten an einem positiven Image der kolonialen Herrschaft interessiert waren. Wie bereits erwähnt sind beide Begriffe eher quellenkritischer Natur, doch haben sie als solches natürlich auch Einfluss auf die geschriebenen Werke, auf das, was in den Geschichtsbüchern steht und wie es in den Schulen gelehrt und gelernt wird. Selbstverständlich wird sich keiner der entsprechenden Verfasser zu seiner Form und Legende bekennen, zumindest nicht offen, doch wird es sicherlich einen gewissen Einfluss auf jene Verfasser haben, die sich mit der mexikanischen Geschichte beschäftigen.

Wie so oft wird die Wahrheit wahrscheinlich genau in der Mitte liegen.

Wie man eine Religion verbreitet.

1. Die militärische Eroberung des Vizekönigreichs

Man kann mit der Geschichte der Eroberung Mexikos durch die Spanier ganze Bibliotheken füllen und sieht man sich private Bibliographien wie jene von Felix Hinz und Xavier López Medellín[4] an, so hat man es auch schon getan. Es ist eine lange und faszinierende Geschichte.

Auch ich habe bereits an diesem Thema gearbeitet und bin dabei zu einer Erkenntnis gelangt: Die Eroberung Mexikos hat zwei wichtige Hauptphasen, die sich nochmals in mehrere Unterphasen und Kriegsschauplätze untergliedern. Einerseits die politische Eroberung, Cortés, der die Azteken niederwarf und seine Nachfolger, welche erwähnte Landstriche unterwarfen. Andererseits die weitaus kompliziertere Phase, die der Eroberung der Hearts and Minds, wie es heutzutage heißt , der lokalen Bevölkerung.

Der erste Abschnitt soll einen Überblick über die politische Phase der Eroberung liefern.

In diesem Überblick können wir an mehreren Stellen beginnen, etwa im 6. Jahrhundert, als die ersten Nahua-Völker, entfernte Verwandte der Azteken, begannen ins heutige Mexiko einzuwandern, oder im 12. Jahrhundert, als die Mexica, so ihre Eigenbezeichnung, Aztecatl nannten sie sich nur im religiösen und kultischen Kontext[5], geleitet von einer Prophezeiung ihrer neuen Heimstätte, einwanderten. Spätestens 1427 sollten die bereits ansässigen Völker ihre Willkommenskultur bedauern, als sich die Mexica in ihrer großen Stadt Tenochtitlan mit den Städten Texcoco und Tlacopan gegen die Stadt Azcapotzalco der Tepaneken verbündeten und so einen Machtblock bildeten.

Wir können aber auch am 12. Oktober 1492 beginnen, als der genuesische Seefahrer Christoph Kolumbus unter spanischer Fahne und mit königlicher Finanzierung San Salvador erreichte. Sein eigentliches Ziel war die Suche nach einem Seeweg nach Asien und bis zu seinem Tod 1506 soll er geglaubt haben, Asien erreicht zu haben.

Kolumbus war nicht der erste europäische Reisende, der das Land jenseits des Atlantiks erreichte: Wikinger, baskische Fischer auf der Suche nach Kabeljau, Karthager mit keltischer Crew[6] und nicht zuletzt die Vorfahren der Ureinwohner selbst waren schon Jahrhunderte und Jahrtausende vor Kolumbus in Amerika gewesen[7]. Er war es aber, der einen dauerhaften Kontakt zwischen Alter und Neuer Welt etablierte.

Allerdings hatten sich die Spanier auch schon früher als Seefahrer hervorgetan, die Kanaren und ein paar weitere Inseln im Atlantik waren bereits unter spanischer Kontrolle. Die Begründung lag darin, dass die Spanische Krone bis 1492 mit der Rückeroberung Spaniens von den Mauren, der Reconquista, beschäftigt war. Weiter verbreitet waren die Portugiesen, welche seit dem Ende ihrer Reconquista 1251 nach neuen Wegen der Geldbeschaffung gesucht hatten, schließlich konnten sie reiche maurische Städte nicht mehr plündern. Unter der Fahne der portugiesischen Krone fuhren Schiffe entlang der afrikanischen Küste, entdeckten 1498 einen Seeweg nach Indien und vereinfachten die Route, welche Gewürze nach Europa brachte, beträchtlich.

Diese Konkurrenz führte schon sehr früh zu Konflikten zwischen den beiden Mächten, welche nur durch die Vermittlung einer dritten Macht gelöst werden konnten: Papst Alexander VI. vermittelte und teilte 1493 die Welt unter Spaniern und Portugiesen auf, vergaß dabei den Rest der Welt (ein Paradebeispiel eines Rechtsgeschäftes zu Lasten Dritter) und schuf damit auch die rechtliche Grundlage für die nachfolgenden historischen Ereignisse in der Karibik und in Lateinamerika.

Damit waren die Spanier auch als Apostolische Vikare anerkannt.

Derweil schritt die Erforschung Westindiens weiter voran: 1497 erreichte John Cabott das Festland, 1508 wurde die Halbinsel Yucatan gesichtet, fünf Jahre später sichtete Balboa den Pazifik, 1517 traf Córdoba auf die Maya, die Lokalherrscher auf der Halbinsel Yucatan. Von dort brachte er die Kunde von einem reichen Land weiter im Norden, wo es viel Gold geben sollte.

Auch auf Kuba, wo sich die Spanier festgesetzt hatten, hörte man diese Erzählungen. Unter jenen, die ganz genau hinhörten, war auch ein gewisser Hernándo Cortés, der seit 1511 als Sekretär des Statthalters von Kuba arbeitete. Er war ein ehrgeiziger Mann aus der Extremadura, einem der kargsten Landstriche Spaniens, der 1519 mit einer kleinen Armee aufbrach um Mexiko zu erobern.

Das Reich der Azteken, niemals ein wirkliches Großreich im europäischen Sinne, befand sich zu diesem Zeitpunkt in einem Prozess des Wandels und der inneren Unruhe. 1502 hatte Moctezuma II. den Thron bestiegen und einen Wandel des Dreibunds in Gang gesetzt: Tenochtitlan, seine Hauptstadt, sollte alleinige Führungsmacht werden, der Dreibund de facto aufgelöst werden. Die einstmaligen Verbündeten wurden zu Vasallen.[8]

Man könnte es fast als eine Art Reichseinigungsprozess sehen, doch einem, der 1519 noch nicht abgeschlossen war und einem, der nicht allen gefiel.

Die Azteken, durchaus eine kriegerische Kultur, wie Barbara Beck behauptet[9], betrieben die Eroberungszüge nicht nur zum Selbstzweck: Mit ihnen wurden neue Märkte erschlossen. Gefangene, die zu Opfern ihrer blutigen Rituale wurden, sind bei diesen Gelegenheiten ebenfalls gemacht worden.

Der wichtigste Grund dürfte allerdings gewesen sein, dass die Machtbasis Moctezumas, der Adel, aufbegehrte: Die aztekische Gesellschaft war im Grundprinzip zweiteilig, einerseits der Adel, andererseits der Rest, einer besaß das Land und verpachtete es an den anderen, jedoch hatte der Adel noch weitere Ansprüche. Er hatte das Reich gegen die Tepaneken verteidigt und erhob Anspruch auf eine gewisse Vormachtstellung, eine weitere Machtverankerung, die allerdings weitere Kämpfe und Eroberungen erforderte und da man sich nun den Reichtum von anderen holen konnte, musste man nicht mehr mühsam im Inneren produzieren.[10]

Zusammengefasst, Moctezuma und sein Reich befanden sich in einer ziemlichen Zwangslage.

In diese Unruhe stieß Cortés.

Omen und Legenden kündeten bereits davon, dass bärtige Männer auf schwimmenden Häusern über das östliche Meer, den Atlantik, kommen würden, Boten der Götter sollten sie sein. Als sie 1519 am Strand von San Juan de Ulúa standen und dort Villa Rica de Vera Cruz, eine Vorgängersiedlung des heutigen Veracruz gründeten, mussten die wenigen hundert Spanier in ihren schimmernden Stahlpanzern, schwere Kriegswaffen tragend, mit Hunden und zu Pferde, tatsächlich wie aus einer anderen Welt gewirkt haben.

Und so wurden sie empfangen. Eine Gesandtschaft Moctezumas traf mit reichlichen Geschenken ein, lokale Stämme wechselten die Seite – die Machtbalance wendete sich nun gegen die Azteken, denn ein Bündnis mit den Spaniern erschien vielversprechender als eine Unterwerfung durch die Azteken, denn niemand mochte sie. Die Geschenke des Königs von Tenochtitlan[11] sollten den Gott besänftigen und ihn zum Abzug bewegen, doch im August zog dieser los um weitere Verbündete zu gewinnen. Allen voran verbündeten sich die Tlaxcalteken mit Cortés, ein Volk, welches sich schon lange mit den Azteken im Krieg befand.

Im November erreichte Cortés die Tore der großen Stadt des Tenoch, wo er von Moctezuma fürstlich empfangen und hofiert wurde.

Der weitere Fortgang ist schnell erzählt: Die Spanier hielten sich etwa acht Monate lang in Tenochtitlan auf. Moctezumas Unentschlossenheit im Umgang mit den Spaniern führte zum Machtverlust des Königs, zu Unruhen in der Stadt, die wiederum Cortés und seine Mannschaft einkesselten. Moctezuma starb während dieser Unruhen.

In der Nacht zum 1. Juli 1520, der Noche Triste, flohen Cortés, seine Männer und Frauen[12] unter schweren Verlusten.

Cortés zog sich zurück, stellte neue Truppen zusammen und schlug im April 1521 erneut zu.

Eine Pockenepidemie wütete in Tenochtitlan, Cortés belagerte die mächtige Stadt im See und marschierte am 13. August ein. Tausende von Menschen fielen als Cortés die Stadt vier Tage lang plündern lies[13].

Mit der Gefangennahme von Cuauhtémoc, dem letzten aztekischen Herrscher, endete die Geschichte des Reichs der Azteken – die des Vizekönigreichs hatte noch nicht begonnen.

Es sollte noch etwa anderthalb Jahrhunderte dauern bis Yucatan unterworfen war, der Norden wurde nie anhaltend unter Kontrolle gebracht, allerdings wurde Zentralmexiko sehr schnell befriedet, wo sich der Großteil unseres Themenbereiches abspielte.

2. Die politische und wirtschaftliche Eroberung des Vizekönigreichs

Das Vizekönigreich entstand in einem langwierigen Prozess, der mit der Gründung von Veracruz begann: Mit diesem Rechtsakt hatte sich Cortés der Gerichtsbarkeit des Gouverneurs von Kuba entzogen und sich der des Königs unterstellt.[14]

Die Krone war jedoch in Spanien, sehr weit weg und entsprechend lange dauerte es, bis Befehle nach Neuspanien gelangten. Dementsprechend hatte Cortés erst einmal freie Hand, die er nutzte.

Jedoch war Cortés auch ein erfahrener Eroberer, er hatte die Einnahme der Antillen beobachtet und seine Schlussfolgerungen gezogen: Die Antillen waren hemmungslos ausgebeutet und besiedelt worden und Cortés wusste, dass man Mexiko nicht auf die gleiche Weise erobern und kontrollieren konnte. Ähnlich wie Wilhelm der Eroberer Jahrhunderte zuvor in England Burgen angelegt hatte um das eroberte Land unter Kontrolle zu halten[15], etablierte Cortés geordnete Siedlungsbedingungen und Städte, die der Eroberung und Verwaltung des Landes dienen sollten.

Auch führte Cortés das System der encomienda ein, in dem die Krone, der Eroberer und der Indio in einem System gegenseitiger Abhängigkeit und Nutzen leben sollten, in dem keiner ohne den anderen fortbestehen konnte[16]. Der encomendero sollte dass von der Krone zugewiesene Land bewirtschaften, sich um die lokalen Bewohner kümmern, sie schützen und ihre Tribute und Arbeitskraft als Vasallen, nicht als Sklaven, einfordern[17]. Dies wurde jedoch stellenweise sehr fließend interpretiert oder schlicht ignoriert – und somit die Gesetze von 1521 gebrochen.

Die encomenderos führten sich auf ihren fernab von Spanien liegenden Ländereien eher wie Feudalherren auf, so dass auf Befehl Spaniens die Audiencia gegründet wurde, ein höchstes Gericht für die Kolonien Neuspaniens. Nachdem der erste Chef der Audiencia, Nuno de Guzmán, eher ein Fehlgriff war[18], wurde Bischof Juan de Zumárraga vom Indienrat ernannt[19]. Dieser schränkte die Macht der encomenderos ein, kürzte ihre Tribute und verteilte das unrechtmäßig vergebene Land an Städte und etablierte unter Aufsicht von Priestern und Beamten der Krone eine beschränkte Selbstverwaltung in den Indiodörfern.

Kurz danach gewann Antonio de Mendoza an Bedeutung, er wurde 1535 erster Vizekönig und schuf sich sogleich einen Namen: Als Reaktion auf die Reden des Bischofs Bartolomé de las Casas, der sich für die Rechte der Indions einsetzte, wollte Karl I./V. 1542 neue Gesetze in Neuspanien einführen. Auf königliche Anordnung sollte die encomienda abgeschafft werden[20].

Dies stieß aber auf den Widerstand der encomenderos, sie klagten, bekamen Recht und eine neue Version der Gesetze von 1542.

Mendoza durfte neue encomiendas verteilen, die auch vererbt werden durften – allerdings wurde der Tribut, der das System so profitabel machte, 1549 abgeschafft. Der Vizekönig, entsprechend auch der König, bekamen mehr Macht.[21]

[...]


[1] Nach Thomas Benjamin, Historiography., in: Michael Werner, Hg., Encyclopedia of Mexico. History, Society & Culture., London Chicago 1997, Seite 646, Übersetzung durch Sebastian Eccius.

[2] Vgl. Stafford Poole, Catholic Church: New Spain., in: Michael Werner, Hg., Encyclopedia of Mexico. History, Society & Culture., London Chicago 1997, Seite 217.

[3] Vgl. Benjamin Keen, Conquistadors., in: Michael Werner, Hg., Encyclopedia of Mexico. History, Society & Culture., London Chicago 1997, Seite 321.

[4] Vgl. Felix Hinz, Xavier López Medellín, Berichte über Hernán Cortés., http://www.motecuhzoma.de/start-deu.html, abgerufen am 2. Februar 2016.

Diese bibliographische Sammlung war von großem Nutzen für mich, da sie mir Zugang zu einigen Aufsätzen verschaffte, die ich zuvor nicht kannte.

[5] Aztecatl, Nahuatl, jemand der aus Aztlan kommt. Dieses Aztlan, die mythische Heimstatt der Azteken, wird bis heute gesucht und Theorien gibt es eine Menge. Der Namen bedeutet nach Longhena (Vgl. Longhena, Versunkenes Mexiko., Seite 67) „Weißes Land inmitten des Wassers“, aber das schränkt es nicht unbedingt ein.

Dazu kommt, dass es viele Theorien gibt, die sich sehr weit von dieser Bedeutung entfernen: Nordmexiko beispielsweise, andere behaupten, dass Aztlan in den USA (unter ihnen auch die im Vertrag von Guadalupe-Hidalgo verlorenen Gebiete) liegt und eine kleine Gruppe geht sogar noch weiter nach Norden, nach Kanada (vgl. Edward John Payne, Chapter II: The New World., in: Cabridge Univerity Press, Hg., The Cambridge Modern History. Volume I: The Renaissance., Cambridge 1902, Seite 38 – es ist eine Theorie, die in diesem Falle so gut ist wie jede andere).

[6] Vgl. Hans Giffhorn, Wurde Amerika in der Antike entdeckt? Karthager, Kelten und das Rätsel der Chachapoya., München 2013.

[7] An dieser Stelle sei auch unser geschätzter Kollege Recep Tayyib Erdogan, im Nebenberuf Präsident der Republik Türkei, erwähnt, nach dem die Osmanen 1178 Amerika entdeckten.

Vgl. Der Spiegel Online, Geschichtsunterricht bei Erdogan: „Muslime entdeckten Amerika, nicht Kolumbus“, abgerufen am 5. Februar 2016, http://www.spiegel.de/politik/ausland/erdogan-muslime-entdeckten-amerika-nicht-kolumbus-a-1003209.html.

[8] Es sei hier erwähnt, dass die Azteken über ein sehr fortschrittliches Gesellschaftssystem verfügten, ihre Hauptstadt eine der größten Städte der Welt war und vieles in den Schatten stellte, was es zu jener Zeit in Europa gab.

Für weitere Informationen einmal mehr Longhena, Versunkenes Mexiko., Vercelli 2011.

[9] Vgl. Barbara Beck, Mais und Zucker. Zur Geschichte eines mexikanischen Konflikts., Berlin 1986, Seite 29.

[10] Ebenda, Seite 31.

[11] In diesem Zusammenhang ist der Begriff 'König' etwas kompliziert und nicht ganz korrekt, wird aber trotzdem verwendet, ähnlich wie der Begriff Tenno als Kaiser genutzt wird.

[12] Neben Gerüchten über die Anwesenheit von bis zu drei Spanierinnen, unter ihnen eine gewisse María de Estrada, hatte Cortez ein Gefolge an aztekischen und anderen Frauen dabei, unter ihnen Malinche, eine Sklavin/Prinzessin (die Interpretationen variieren) von Yucatan, die ihm als Übersetzerin diente und später seine Frau wurde.

[13] Vgl. Fernando Cervantes, Conquest., in: Michael Werner, Hg., Encyclopedia of Mexico. History, Society & Culture., London Chicago 1997, Seite 305.

[14] Ebenda, Seite 302.

[15] Vgl. Arnulf Krause, Die Welt der Wikinger., Hamburg 2012, Seiten 247 und 248.

Inwieweit Cortez über die Vorgänge in England im 11. Jahrhundert im Bilde war ist mir nicht bekannt.

[16] Vgl. Cervantes, Conquest., in: Werner, Hg., Encyclopedia of Mexico., London Chicago 1997, Seite 306.

[17] Vgl. Francisca R. Sorensen, Encomienda., in: Michael Werner, Hg., Encyclopedia of Mexico. History, Society & Culture., London Chicago 1997, Seite 455.

[18] Ebenda, Seite 456.

[19] Ebenda, Seite 456.

[20] Dazu kommen noch ein paar andere Kleinigkeiten, dazu: Ron Morgan, New Laws of 1542., in: Michael Werner, Hg., Encyclopedia of Mexico. History, Society & Culture., London Chicago 1997, Seiten 1020 und 1021.

[21] Vgl. Morgan, New Laws of 1542., in: Werner, Hg., Encyclopedia of Mexico., London Chicago 1997, Seiten 1020 und 1021.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Wie man eine Religion verbreitet. Katholische Klöster in Neuspanien der Frühen Neuzeit
Hochschule
Universität Salzburg
Note
3
Autor
Jahr
2016
Seiten
26
Katalognummer
V367109
ISBN (eBook)
9783668460591
ISBN (Buch)
9783668460607
Dateigröße
1511 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Katholische Klöster, Neuspanien, Mexiko, Religion, Kloster, Lateinamerika, Katholizismus
Arbeit zitieren
Sebastian Eccius (Autor), 2016, Wie man eine Religion verbreitet. Katholische Klöster in Neuspanien der Frühen Neuzeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/367109

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