Diese Arbeit erforscht die Rolle der Klöster in der Verwaltung und Politik des Vizekönigreichs Neuspanien und findet anhand dieser heraus, ob die Klöster in der Neuen Welt geschlossene Häuser waren oder nicht.
Die Geschichte Neuspaniens, eines der vier spanischen Vizekönigreiche in der Neuen Welt, ist ein sehr interessantes Thema: So stellt sich die Frage, wie die Spanier unter Aufwendung so minimaler Mittel es schaffen konnten, ein so großes Reich zu unterwerfen und dann auch noch zu kontrollieren. Eine weitere Frage ist, wer welche Rolle spielte und welche Bedeutung die katholische Kirche dabei hatte. Religion hatte in der neuspanischen Geschichte und Gesellschaft einen enorm hohen Stellenwert, so wie sie im heutigen Lateinamerika immer noch eine sehr wichtige Rolle spielt. Trotzdem hat sich gerade im wichtigsten Teil des ehemaligen Vizekönigreichs, in Mexiko, ein staatlicher Antiklerikalismus herausgebildet, der beinahe schon extremistische Züge trug und welcher in der jüngeren mexikanischen Geschichte mehrmals zu Auseinandersetzungen und Bürgerkriegen führte, man denke nur an den Guerra Cristero von 1926 bis 1929. Überdies spielte die katholische Kirche eine enorme Rolle in der Geschichte der Mexikaner, sowohl vor der Unabhängigkeit, als auch danach. Vielleicht waren es die Erfahrungen des Vizekönigreichs, welche die Urheber der mexikanischen Verfassungen dazu bewogen, entsprechende Paragraphen einzufügen, allerdings ist dies reine, müßige Spekulation. Wichtiger ist die Frage, wie die katholische Kirche in Neuspanien zu ihrem Ruf kam, wie sie in den Anfangszeiten des Vizekönigreichs agierte und handelte und welchen Einfluss ihre Handlungsweise auf ihre Wirkungsstätten, die Klöster und Konvente Neuspaniens hatte und ob wir sie in der Konsequenz als geschlossene Häuser definieren können.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Methodik und Eingrenzung des Themas
Weiße und Schwarze Legenden
Wie man eine Religion verbreitet.
1. Die militärische Eroberung des Vizekönigreichs
2. Die politische und wirtschaftliche Eroberung des Vizekönigreichs
2.1. Expansion
3. Geistige Eroberung
3.1. Cortés und die Missionierung
a) Jungfräuliche Hilfe
3.2. Funktion der Klöster
a) Architektonischer Aufbau
b) „Nobody expects the Spanish Inquisition!“
3.3. Erfolg der Missionierung
Fazit: Waren Klöster in Neuspanien geschlossene Häuser?
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob katholische Klöster im Vizekönigreich Neuspanien als „geschlossene Häuser“ definiert werden können. Dabei wird analysiert, inwiefern die politische, wirtschaftliche und religiöse Rolle der Klöster eine funktionale Abgrenzung von der Außenwelt überhaupt zuließ oder ob sie zwangsläufig in das soziale und politische Gefüge des Kolonialreichs integriert waren.
- Die Rolle der katholischen Kirche im Kontext der Conquista
- Militärische und politische Eroberungsstrategien in Neuspanien
- Die Funktion und der Einfluss von Klöstern in der Kolonialstruktur
- Das Spannungsfeld zwischen Missionierung, Indigenenschutz und politischer Macht
- Diskussion über die Definition „geschlossener Häuser“ in einem kolonialen Umfeld
Auszug aus dem Buch
3. Geistige Eroberung
Dieser Exkurs in die Geschichte der Eroberung impliziert eine wichtige Frage: Warum, wenn das Thema doch Klöster in Neuspanien (unter den gegebenen zeitlichen und räumlichen Eingrenzungen) als Geschlossene Häuser ist?
Die Antworten auf diese Frage sind recht einfach. Zuallererst bildet die politische, militärische und ökonomische Eroberung Neuspaniens eine wichtige, wenn nicht gar die wichtigste Grundlage für die spätere Rolle der Klöster. Des weiteren bildet diese Eroberung, die in den verschiedensten Facetten erfolgte, eine wichtige Grundlage dafür, inwieweit diese Klöster akzeptiert wurden.
Im übrigen dürfen wir nicht vergessen, dass für die Azteken die Eroberung Mexikos eine Urkatastrophe, der Untergang ihrer Welt und eine psychologische Katastrophe war. Barbara Beck drückte den Gedanken etwas widersprüchlich aus: Ausgehend von Malinche als Sinnbild für das gesamte Land, als Kollaborateurin von Cortés, hasse der Mexikaner seine spanischen Vorfahren, bringe aber ihrer Manneskraft, mit der sie Malinche/Mexiko vergewaltigten, Bewunderung entgegen, während sie Malinche hassen, da sie sich nehmen ließ, aber trotzdem ihre Ehre bis aufs Blut verteidigte.
Und genau in dieses Vakuum der nun fehlenden Identifikation und Identität stießen die Klöster im ehemaligen Reich der Azteken vor – nicht jedoch auf Yucatan, bei den Zapoteken, in Jalisco und weiter im Norden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Geschichte Neuspaniens und die Rolle der katholischen Kirche als zentraler Akteur der Kolonialzeit.
Methodik und Eingrenzung des Themas: Methodische Beschreibung der Arbeit als Literaturarbeit mit klarer zeitlicher und geographischer Begrenzung auf das spanische Vizekönigreich.
Weiße und Schwarze Legenden: Erläuterung der quellenkritischen Begriffe „Leyenda Blanca“ und „Leyenda Negra“ im Kontext der mexikanischen Historiographie.
Wie man eine Religion verbreitet.: Übergeordnetes Kapitel, das die Eroberungsphasen und die religiöse Indoktrination einleitet.
1. Die militärische Eroberung des Vizekönigreichs: Darstellung des politischen und militärischen Falls des Aztekenreichs und der Etablierung spanischer Herrschaft.
2. Die politische und wirtschaftliche Eroberung des Vizekönigreichs: Analyse der administrativen Durchdringung durch das Encomienda-System und die Gründung von Verwaltungsstrukturen.
2.1. Expansion: Überblick über die weitere Ausdehnung des Vizekönigreichs nach Norden und Süden.
3. Geistige Eroberung: Untersuchung der religiösen Dimension als Fundament der spanischen Herrschaft.
3.1. Cortés und die Missionierung: Betrachtung der engen Allianz zwischen politischer Macht und katholischer Kirche bei der Missionierung der indigenen Bevölkerung.
a) Jungfräuliche Hilfe: Analyse der Bedeutung der Marienverehrung, insbesondere der Jungfrau von Guadalupe, für die Identitätsbildung.
3.2. Funktion der Klöster: Untersuchung der sozio-politischen Aufgaben der Klöster in der Kolonialgesellschaft.
a) Architektonischer Aufbau: Beschreibung der Bauweise der Missionsstationen und deren militärischer Charakteristik.
b) „Nobody expects the Spanish Inquisition!“: Darstellung der Rolle und des begrenzten Wirkungsbereichs der Spanischen Inquisition in Neuspanien.
3.3. Erfolg der Missionierung: Reflexion über die langfristigen Auswirkungen der Missionierung auf die mexikanische Gesellschaft.
Fazit: Waren Klöster in Neuspanien geschlossene Häuser?: Zusammenfassende Verneinung der Ausgangsfrage aufgrund der integrativen politischen und sozialen Funktionen der Klöster.
Schlüsselwörter
Neuspanien, Conquista, Katholische Kirche, Klöster, Missionierung, Encomienda, Azteken, Kolonialzeit, Mexiko, Glaubensverbreitung, Indigene Bevölkerung, Identitätsbildung, Spanische Inquisition, Marienverehrung, Kulturtransfer.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle katholischer Klöster im Vizekönigreich Neuspanien während der Frühen Neuzeit und hinterfragt, ob diese Einrichtungen als „geschlossene Häuser“ fungierten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die koloniale Eroberungsgeschichte, die Instrumentalisierung der Religion zur Herrschaftssicherung, die soziale Rolle der Klöster und die quellenkritische Auseinandersetzung mit der historiographischen Darstellung Mexikos.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu analysieren, ob Klöster in der neuspanischen Kolonialgesellschaft von ihrer Umwelt abgeschottet waren oder ob ihre administrative, wirtschaftliche und soziale Einbindung in das koloniale System eine solche Abgrenzung unmöglich machte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit ist als reine Literaturarbeit angelegt, die existierende Forschungsergebnisse und Quellen zur Geschichte Neuspaniens synthesiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die militärische, politische und geistige Eroberung, wobei insbesondere die Rolle von Cortés, die Funktion der Klöster, die Architektur der Missionsstationen und die Bedeutung der Inquisition beleuchtet werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Neuspanien, Encomienda, Conquista, Missionierung, Indigenenschutz, Identitätsbildung und die quellenkritische Debatte um die Weiße und Schwarze Legende.
Warum spielt die Jungfrau von Guadalupe eine besondere Rolle in der Argumentation?
Sie dient als exemplarisches Beispiel für die Vermischung von europäischem katholischem Gedankengut und indigener Symbolik, was die tiefgreifende Identitätsbildung und den Erfolg der Missionierung in Mexiko verdeutlicht.
Inwiefern beeinflusste die Architektur der Klöster deren Funktion?
Die Autorin hebt hervor, dass die Bauweise – mit weiten Atrien und befestigungsähnlichen Mauern – darauf hindeutet, dass die Klöster als öffentliche Zentren und Verteidigungsposten fungierten, was ihrer Eigenschaft als „geschlossene Häuser“ widerspricht.
Wie unterscheidet der Autor die Rolle der Franziskaner von der der Dominikaner?
Die Franziskaner werden mit einer aggressiveren, mitunter gewaltvolleren Form der Missionierung in Verbindung gebracht, während die Dominikaner in der Analyse als sachlicher und weniger konfrontativ beschrieben werden.
Was ist die Schlussfolgerung des Autors zu der Ausgangsfrage?
Die Autorin kommt zu dem eindeutigen Fazit, dass Klöster in Neuspanien keine geschlossenen Häuser waren, da eine Isolierung dem Zweck der geistigen Eroberung und der politischen Kontrolle des Vizekönigreichs entgegengestanden hätte.
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- Sebastian Eccius (Autor), 2016, Wie man eine Religion verbreitet. Katholische Klöster in Neuspanien der Frühen Neuzeit, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/367109