In der Geschichte der Bundesrepublik führten seit den 50er Jahren das Wirtschaftswunder und die damit verbundenen technischen und ökonomischen Fortschritte zu einem enormen Boom in der Autoindustrie. Ob in der Freizeit oder auf dem Weg zur Arbeit, Mobilität gehört jeher zu den Grundbedürfnissen des Menschen. In Deutschland gilt das Auto seit je als Symbol für Freiheit, Status und Flexibilität.
Mit dem ersten Ölpreisschock, der zunehmenden Verkehrsdichte in Ballungsräumen und der globalen Erwärmung sowie der damit verbundenen Einsicht über die Begrenztheit des Wachstums, lässt sich ein bis heute andauernder Wandel im Verkehrsmarkt erkennen. Aufgrund dieser Herausforderungen sind nachhaltige Lösungskonzepte notwendig, um auch zukünftig maximale Mobilität, nachhaltiges und ökonomisches Wachstum garantieren zu können.
Neben den technischen und infrastrukturellen Veränderungen, kristallisierte sich in den letzten Jahren auch der Trend der Sharing-Economy als Entwicklung im Mobilitätssektor heraus. Wie sich gezeigt hat, ging in den vergangenen Jahren der Anteil der Pkw-Besitzer in Deutschland um ein gutes Drittel zurück. Stattdessen wurden vermehrt öffentliche Verkehrsmittel oder das Angebot von Organisationen wahrgenommen, die ein Teilen der Pkws unter mehreren Personen ermöglichen. Der Begriff des Carsharings ist seit vielen Jahren renommiert und wird stetig zunehmend täglich und auf globaler Ebene als Alternative zum eigenen Pkw genutzt.
Als eine Kombination aus den genannten Mobilitätsinnovationen, etablierte sich weiterhin weltweit das Modell des E-Carsharings. Immer häufiger integrieren Carsharing Organisationen die umweltfreundlichen Fahrzeuge in ihre Flotten, um eine doppelte Nachhaltigkeit zu erzielen. Trotz eindeutiger Vorteile und Potentiale dieses Modells, gibt es dennoch einige Hemmnisse für eine flächendeckende und globale Marktdurchdringung dieses Konzepts.
Ziel dieser Arbeit ist es deshalb, zu untersuchen, welche Kriterien, seien es Potentiale, Hemmnisse oder Parteien, bei der Bewertung von Mobilitätskonzepten im E-Carsharing in unterschiedlichster Weise eine Rolle spielen. Mithilfe von drei Praxisbeispielen, die unterschiedliche Erfolgsfaktoren aufweisen, wird der Kriterienkatalog unter Einbeziehung dieser Faktoren angewendet und die Städte in Bezug auf ihre Umsetzung von E-Carsharing bewertet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung (Kathrin Reiss)
2 E-Mobilität im Kontext zu Green Growth
2.1 Green Growth: Ursprung, Abgrenzung und Definition (Manuel Schmidt)
2.2 E-Mobilität: Abgrenzung, Definition und Marktdurchdringung (Manuel Schmidt)
2.3 Das Prinzip von Carsharing und seine Vor- und Nachteile (Kathrin Reiss)
2.4 Potenziale von E-Carsharing aus globaler Sicht (Kathrin Reiss)
3 Akteure und Einflussfaktoren im E-Carsharing
3.1 Wachstumsfaktor Politik für die E-Mobilität (Bastian Ott)
3.2 Wachstumsfaktor Politik für das E-Carsharing (Bastian Ott)
3.3 Automobilhersteller als E-Carsharing-Anbieter (Christoph Stadler)
3.4 Unternehmen als E-Carsharing-Nutzer (Christoph Stadler)
3.5 Privatkonsumenten als Nutzer von E-Carsharing (Christoph Stadler)
4 Kriterienkatalog zur Bewertung des Potentials von E-Carsharing
4.1 Methodik und Funktionsweise des Kriterienkatalogs (Bastian Ott)
4.2 Case Study 1: Die Stadt Stuttgart (Kathrin Reiss)
4.3 Case Study 2: Die Stadt Freiburg (Manuel Schmidt)
4.4 Case Study 3: Die Stadt Berlin (Christoph Stadler)
5 Handlungsempfehlung und Fazit (Christoph Stadler, Manuel Schmidt)
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der Erfolgsfaktoren für die Integration von Elektrofahrzeugen in Carsharing-Systeme. Anhand eines entwickelten Kriterienkatalogs werden die Potenziale und Hemmnisse für eine nachhaltige Mobilität in deutschen Städten analysiert und bewertet.
- Theoretische Grundlagen zu Green Growth, Elektromobilität und Carsharing
- Analyse der politischen, ökonomischen, strukturellen, technischen und sozialen Einflussfaktoren
- Entwicklung eines Kriterienkatalogs zur Bewertung von E-Carsharing-Projekten
- Vergleichende Fallstudien (Case Studies) der Städte Stuttgart, Freiburg und Berlin
- Handlungsempfehlungen für Politik und Praxis
Auszug aus dem Buch
2.3 Das Prinzip von Carsharing und seine Vor- und Nachteile
„Wie soll der Nachhaltigkeitsgedanke in einer Gesellschaft umgesetzt werden, für die wirtschaftliches Wachstum essentiell erscheint und in der energieintensive Lebensstile sozial hochgradig erwünscht und weit verbreitet sind?“ (Sonnberger 2013, S.10).
Im Mobilitätssektor bieten soziale Innovationen in Form von Konzepten kollektiven Individualverkehrs eine Lösung dieser Problematik, langfristig sowohl nachhaltige Mobilität als auch wirtschaftliches Wachstum zu erreichen. Im Kontext der Automobilität sind hierbei gemeinschaftlicher Konsum und eigentumsersetzende Nutzungsstrategien von zentraler Bedeutung. Der Grundgedanke dieser Sharing-Economy „Nutzen statt Besitzen“ findet sich vor allem im Mobilitätskonzept des Carsharings wieder (vgl. Witzke 2016, S. 2 f.).
Carsharing ist die gemeinschaftliche Nutzung von Fahrzeugen, die durch eigenständige Organisationen, die Aufgaben der Fahrzeugbeschaffung, -bereitstellung,- verwaltung und -pflege sowie der zeitlichen Koordinierung übernehmen und Fahrzeuge an dezentralen, wohnungsnahen Standorten zur Verfügung stellen. Im Rahmen eines Vertrages können Nutzer mit telefonischer Buchung und tresorgestützter Schlüsselübergabe oder Chipkarte auf die Autos zugreifen (vgl. Pesch 1996, S. 16 f.). Fliegner (2002, S. 60) definiert Carsharing als „Idee einer gemeinsamen Nutzung von Autos als Gemeinschaftseigentum unter Gleichgesinnten, mit dem ökologischen Ziel der Senkung der Umweltbelastung und der ökonomischen Motivation einer besseren Auslastung teurer Pkws“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung (Kathrin Reiss): Die Einleitung beleuchtet den historischen Kontext der Automobilität, den aktuellen Mobilitätswandel durch die Sharing-Economy sowie die Zielsetzung der Arbeit zur Untersuchung von E-Carsharing.
2 E-Mobilität im Kontext zu Green Growth: Dieses Kapitel definiert Green Growth und Elektromobilität, analysiert das Carsharing-Modell und diskutiert Potenziale sowie Hemmnisse von E-Carsharing auf globaler Ebene.
3 Akteure und Einflussfaktoren im E-Carsharing: Das Kapitel untersucht die Rollen von Politik, Automobilherstellern, Unternehmen und Privatkonsumenten bei der Gestaltung und Nutzung von E-Carsharing-Systemen.
4 Kriterienkatalog zur Bewertung des Potentials von E-Carsharing: Hier wird ein systematischer Kriterienkatalog vorgestellt und anhand von drei Fallbeispielen (Stuttgart, Freiburg, Berlin) auf seine praktische Anwendbarkeit geprüft.
5 Handlungsempfehlung und Fazit (Christoph Stadler, Manuel Schmidt): Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und leitet Handlungsempfehlungen für eine nachhaltige Zukunft des E-Carsharings ab.
Schlüsselwörter
E-Carsharing, Elektromobilität, Green Growth, Nachhaltiges Wachstum, Sharing-Economy, Carsharing-Anbieter, Kriterienkatalog, Ladeinfrastruktur, Mobilitätswandel, CO2-Reduktion, Stadtentwicklung, Umweltpolitik, Verkehrspolitik, Fallstudien, Nutzerverhalten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit im Kern?
Die Studienarbeit untersucht, inwiefern die Kombination aus Elektromobilität und Carsharing (E-Carsharing) als Instrument für ein nachhaltiges Verkehrswachstum in deutschen Städten dienen kann.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit verknüpft die Konzepte von Green Growth, Elektromobilität und Sharing-Economy und analysiert deren gegenseitige Abhängigkeiten und Potenziale.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Entwicklung und Anwendung eines Kriterienkatalogs, mit dem sich das Potenzial von E-Carsharing-Projekten in städtischen Gebieten wissenschaftlich fundiert bewerten lässt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autoren nutzen eine Literaturanalyse zur theoretischen Fundierung sowie eine komparative Fallstudienanalyse, bei der drei Städte (Stuttgart, Freiburg, Berlin) anhand eines strukturierten Kriterienkatalogs untersucht werden.
Was sind die Hauptinhalte des dritten Kapitels?
Im dritten Kapitel werden die Akteure beleuchtet, insbesondere der Einfluss der Politik, die Rolle von Automobilherstellern als Anbieter sowie das Verhalten von Unternehmen und Privatkonsumenten.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind E-Carsharing, Elektromobilität, Nachhaltigkeit, Kriterienkatalog und die vergleichenden Analysen der genannten Modellstädte.
Warum wurde Stuttgart als erste Fallstudie ausgewählt?
Stuttgart gilt als eine der Vorzeideregionen in Deutschland für Elektromobilität, die aufgrund hoher Schadstoffbelastung und intensiver politischer Fördermaßnahmen ideale Rahmenbedingungen für die Analyse bietet.
Was zeichnet Freiburg im Vergleich zu den anderen Städten aus?
Freiburg wird als Pionierstadt des Carsharings identifiziert, die sich durch langjährige Erfahrungen, eine hohe Nutzerakzeptanz und innovative Ansätze wie die Nutzung von regionalem Ökostrom hervorhebt.
Warum ist Berlin als dritte Fallstudie relevant?
Berlin fungiert als „Laborstadt“ für E-Carsharing mit einer sehr hohen Angebotsdichte, weist jedoch trotz vieler Forschungsprojekte Defizite in der praktischen Umsetzung und Skalierbarkeit auf.
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- Bastian Ott (Author), Kathrin Reiss (Author), Christoph Stadler (Author), Manuel Schmidt (Author), 2017, E-Mobilität. Bewertung des Potentials von E-Carsharing in deutschen Städten als Grundlage für nachhaltiges Wachstum im Verkehr, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/367111