Um das Problem der derzeit hohen Arbeitslosigkeit in Spanien zu begründen, reicht es nicht aus, nur die letzte Wirtschaftskrise zu betrachten. Die anhaltend überdurchschnittliche Arbeitslosigkeit und ihr vergleichsweise hoher Anstieg durch die Krise lassen erahnen, dass das Problem im Kern des spanischen Arbeitsmarktes selbst steckt.
Das Ziel dieser Seminararbeit ist es, die Ursachen für die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit in Spanien zu beleuchten und zu erklären. Dazu werden zu Beginn einige ausgewählte ökonomische Kennzahlen der spanischen Volkswirtschaft und ihre Entwicklung im Zeitverlauf betrachtet. Im darauf folgenden Kapitel werden die wichtigsten Gründe für die hohe Arbeitslosigkeit analysiert, wobei zuerst der duale Arbeitsmarkt und im nächsten Abschnitt die Finanz- und Immobilienkrise 2007 thematisiert werden. Der Fokus liegt hierbei auf dem Immobilienmarkt, um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu überschreiten. Anschließend werden die letzten Arbeitsmarktreformen und ihre bisherigen Ergebnisse betrachtet. Zum Abschluss gibt es ein kurzes Fazit, das die wichtigsten Punkte zusammenfasst und schlussendlich die Frage der Ursachen der anhaltenden Arbeitslosigkeit versucht zu klären."
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entwicklung ausgewählter ökonomischer Kennzahlen der spanischen Volkswirtschaft
3. Gründe für die hohe Arbeitslosigkeit in Spanien
3.1. Dualer Arbeitsmarkt
3.1.1. Entstehung des dualen Arbeitsmarktes in Spanien
3.1.2. Struktur des dualen Arbeitsmarktes in Spanien
3.2. Immobilienkrise 2007
3.2.1. Ursachen der Krise in Spanien
3.2.2. Auswirkungen der Krise auf den spanischen Arbeitsmarkt
4. Arbeitsmarktreformen 2010 und 2012 in Spanien
4.1. Änderungen
4.2. Bisherige Ergebnisse
5. Fazit
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit analysiert die Ursachen der anhaltend überdurchschnittlich hohen Arbeitslosigkeit in Spanien, wobei sie insbesondere die strukturellen Defizite des dualen Arbeitsmarktes sowie die Auswirkungen der Finanz- und Immobilienkrise ab 2007 untersucht und die Wirksamkeit der darauffolgenden Arbeitsmarktreformen bewertet.
- Strukturelle Problematik des dualen Arbeitsmarktes in Spanien
- Die Auswirkungen der globalen Finanz- und Immobilienkrise ab 2007 auf die spanische Volkswirtschaft
- Die Entwicklung ökonomischer Kennzahlen wie BIP, Arbeitslosenquote und Jugendarbeitslosigkeit
- Analyse der spanischen Arbeitsmarktreformen von 2010 und 2012 sowie deren bisherige Ergebnisse
Auszug aus dem Buch
3.1.2. Struktur des dualen Arbeitsmarktes in Spanien
Der spanische Arbeitsmarkt stellt ein Extrembeispiel für einen dualen Arbeitsmarkt dar. Die zwei wichtigsten Gründe dafür sind der starke Kündigungsschutz der unbefristeten Arbeiter und die zentralisierten Tarifverhandlungen, da diese für alle Firmen der jeweiligen Branche gelten, unabhängig ihrer wirtschaftlichen und finanziellen Lage.
Spanien hat eines der höchsten Niveaus im Bereich Kündigungsschutz in der EU-28. Dadurch ist es für Firmen sehr kostenintensiv Mitarbeiter zu entlassen, um auf sich ändernde Marktanforderungen zu reagieren. Um dennoch eine gewisse Flexibilität zu haben, greifen sie vermehrt auf befristete Verträge zurück. So können sie während eines wirtschaftlichen Abschwungs relativ kostengünstig Arbeitskräfte abbauen. Dies führte seit ihrer Einführung zu einem drastischen Anstieg an befristeten Arbeitskräften. Allein zwischen 1998 und 2007 waren fast 90% der neu abgeschlossenen Verträge unbefristet. Der Gesamtanteil an unbefristeten Verträgen lag in diesem Zeitraum bei etwa 33%. Damit betrug der Wert in Spanien zwischen 2002 und 2006 fast das Dreifache des EU-28-Durchschnitts.
Dies bewirkte einen enormen Unterschied in der Anzahl der Kündigungen von Insidern und Outsidern. Während nur wenige Insider innerhalb des Zeitverlaufs ihren Job verloren haben, müssen die Outsider immer wieder nach Ablauf der befristeten Anstellung nach neuen Jobs suchen. Diese werden in Phasen des Aufschwungs eingestellt und können innerhalb eines Abschwungs relativ einfach entlassen werden. Die Flexibilität herrscht nur innerhalb der Outsider. Gleichzeitig macht die hohe Flexibilität im Outsider-Segment eine Senkung der Löhne im Insider-Segment nicht notwendig. Bevor die Löhne sinken, reagiert der Arbeitsmarkt über eine Verringerung der Arbeitsnachfrage. Und dadurch über Entlassungen von Outsidern. Der hohe Anteil an Outsidern verstärkt somit die Rigidität der Löhne der Insider selbst in schlechten konjunkturellen Phasen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der hohen Arbeitslosigkeit in Spanien ein und definiert das Ziel der Arbeit, die Ursachen hierfür unter Berücksichtigung ökonomischer Kennzahlen und institutioneller Gegebenheiten zu untersuchen.
2. Entwicklung ausgewählter ökonomischer Kennzahlen der spanischen Volkswirtschaft: Dieses Kapitel analysiert den langfristigen Wirtschaftsaufschwung Spaniens seit den 90er Jahren und dessen Unterbrechung durch die Finanz- und Immobilienkrise 2007, wobei die Entwicklung von BIP, Arbeitslosenquote und Beschäftigung beleuchtet wird.
3. Gründe für die hohe Arbeitslosigkeit in Spanien: Das Hauptkapitel erörtert die beiden wesentlichen Einflussfaktoren: den strukturellen Dualismus des Arbeitsmarktes sowie die spezifischen Auswirkungen der Finanz- und Immobilienkrise auf die spanische Wirtschaft.
4. Arbeitsmarktreformen 2010 und 2012 in Spanien: Hier werden die gesetzlichen Änderungen im Bereich der Tarifverhandlungen und des Kündigungsschutzes sowie die Einführung neuer Vertragsarten vorgestellt und deren erste ökonomische Auswirkungen diskutiert.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und bewertet die Reformen als notwendigen Schritt zur Reduzierung makroökonomischer Ungleichgewichte, weist jedoch auf die schwierige Einschätzbarkeit ihrer langfristigen Effekte hin.
Schlüsselwörter
Spanien, Arbeitslosigkeit, Arbeitsmarkt, Dualer Arbeitsmarkt, Finanzkrise, Immobilienkrise, Arbeitsmarktreformen, Tarifverhandlungen, Kündigungsschutz, BIP, Jugendarbeitslosigkeit, Langzeitarbeitslosigkeit, Insider, Outsider, Flexibilisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Ursachen der historisch hohen und anhaltenden Arbeitslosigkeit in Spanien und bewertet, inwieweit strukturelle Probleme sowie externe Wirtschaftskrisen für diese Situation verantwortlich sind.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind der duale Arbeitsmarkt, die Auswirkungen der Finanz- und Immobilienkrise ab 2007 sowie die Wirksamkeit der von der spanischen Regierung umgesetzten Arbeitsmarktreformen der Jahre 2010 und 2012.
Was ist das primäre Ziel der wissenschaftlichen Arbeit?
Das Ziel ist es, die spezifischen Ursachen für die hohe Arbeitslosenquote in Spanien zu identifizieren und zu erklären, warum Spanien überdurchschnittlich stark von der Krise betroffen war.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten ökonomischen Analyse, die sich auf die Auswertung ökonomischer Kennzahlen, Statistiken und wissenschaftlicher Literatur zu Arbeitsmarkttheorien und Strukturreformen stützt.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des dualen Arbeitsmarktes, die Analyse der Immobilienkrise 2007 und deren Folgen sowie die detaillierte Darstellung und Evaluierung der Arbeitsmarktreformen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere der duale Arbeitsmarkt, Strukturreformen, Arbeitslosenquote, Immobilienkrise und Lohnrigidität.
Warum ist der spanische Arbeitsmarkt als "dual" charakterisiert?
Er ist dual, weil er in "Insider" mit starkem Kündigungsschutz und unbefristeten Verträgen sowie "Outsider" mit befristeten, unsicheren Verträgen gespalten ist, zwischen denen eine sehr geringe Mobilität besteht.
Welche Rolle spielte der Immobiliensektor bei der Verschärfung der Krise?
Der Immobiliensektor war ein zentraler Treiber des Aufschwungs, der aufgrund niedriger Zinsen überhitzt wurde; nach dem Platzen der Immobilienblase führte der Einbruch in diesem Sektor zu massiven Entlassungen und einem überproportionalen Anstieg der Arbeitslosigkeit.
- Citation du texte
- Michael Beniers (Auteur), 2015, Der Arbeitsmarkt in Spanien. Ursachen der anhaltend überdurchschnittlich hohen Arbeitslosigkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/367124