Einfluss des Selbstwertgefühls auf die eigene Person und die damit verbundenen psychologischen Aspekte


Hausarbeit, 2016
14 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung/Relevanz

2. Definitionen und Bedeutung

3. Rosenberg’s Self-Esteem-Scale

4. Einflüsse auf das Selbstwertgefühl

5. Auswirkungen des Selbstwertgefühls

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Tabellen und Abbildungen

1 Einleitung/Relevanz

Ein Gefühl lässt sich nur schwer im Rahmen einer empirischen Wissenschaft untersuchen, da es sich um eine individuelle und oftmals subjektive Empfindung handelt. In etlichen Forschungsarbeiten, wird das Selbstwertgefühl lediglich als eine Variable betrachtet, auf die im Kontext einer gewissen Fragestellung nur kurz eingegangen wird (Sader & Weber 1996, S.169). Allerdings existieren zahlreiche Studien darüber, dass ein niedriges Selbstwertgefühl wichtige Lebensbereiche negativ beeinflussen kann und in Verbindung mit Angstzuständen und Depressionen steht, während sich ein hohes Selbstwertgefühl positiv auf die eigene Gesundheit und die soziale Interaktion auswirken kann. Es gibt allerdings auch Studien, welche den Einfluss des Selbstwertgefühles auf diese Lebensbereiche als insignifikant darstellen. In den USA wurde das Thema zum Anlass genommen die ‚California Task Force to Promote Self-Esteem and Personal and Social Responicibility‘ zu gründen, ein Zusammenschluss aus Experten auf diesem Gebiet, da Eltern, Lehrer und Politiker einen direkten Zusammenhang zwischen Misserfolgen in der Schule, den Hang zur Kriminalität, Drogenmissbrauch und einem niedrigen Selbstwertgefühl bei Kindern sahen (California Task Force to Promote Self- Esteem und Personal and Social Responsibility, 1990).

Grund genug die verschiedenen Ansichten in dieser Arbeit näher zu beleuchten und im Bezug darauf herauszufinden was genau das Selbstwertgefühl ist, wie es sich im Kontext einer empirischen Wissenschaft messen lässt, wie es sich im Laufe des Lebens entwickelt und vor allen Dingen versuchen die Frage zu klären, ob ein direkter Einfluss auf schulische Leistung, die soziale Interaktion, wie auch die psychische Gesundheit existiert.

2 Definitionen und Bedeutung

Da man eine derartige Fülle an möglichen Definitionen für den Begriff findet, ist es wichtig von vornherein die Bedeutung des Selbstwertgefühls deutlich zu machen. William James (1890) war einer der ersten, welcher versuchte eine allgemeingültige Formulierung zu finden und bezeichnete das Selbstwertgefühl als ein Verhältnis zwischen dem eigenen Erfolg und den Ansprüchen an die eigene Person. Andere verstehen darunter, die Summe aller selbstbezogenen Einschätzungen (Stahlberg et al., 1985, S. 1- 3). Carl Rogers (1961) ging so weit und behauptete, dass der Kern einer Person das Selbstwertgefühl sei und die Kompetenz eines Jeden, das eigene Selbst zu empfinden und es zu bewerten. Aktuellere Definitionen gehen von einem Zweidimensionalen Ansatz aus, bei dem die Beziehung zwischen der Kompetenz zur Selbsteinschätzung und dem eigenen Wert ausschlaggebend ist, sodass man diese beiden Komponenten nicht getrennt voneinander betrachten kann (Mruk 2013, S. 19). Hierbei entsteht der Vorteil, dass die Selbstwertschätzung nicht mehr eindimensional betrachtet wird, sondern die Verbindung zwischen innerpsychischen Prozessen und der externen Verhaltensebene mit einbezogen wird. Mummendey (2006, S.69) formulierte die Frage ÄWie gut oder wie positiv finde ich mich, wie günstig schätze ich mich ein“, an der sich das Selbstwertgefühl fassen lässt.

Es lässt sich also schlussfolgern, dass das Selbstwertgefühl durch jegliche Sinneswahrnehmung beeinflusst wird, welche man auf sich selbst bezieht, sei es die Meinung eines Freundes oder die Einschätzung eines Lehrers. Zusätzlich wird das Selbstwertgefühl durch eigene Ansprüche an sich selbst beeinflusst, gemessen an dem Erfolg, den man erwartet. Eine allgemeingültige Definition lässt sich somit allerdings nicht festhalten, wichtig hierbei ist lediglich die Erkenntnis, dass eine Art Selbstevaluation stattfindet, worin alle Einflüsse, ob nun von außen oder von sich selbst aus, mit einfließen und das Selbstwertgefühl beeinflussen.

3 Rosenberg’s Self-Esteem-Scale (RSES)

Um herauszufinden inwiefern das Selbstwertgefühl für die Forschung relevant sein kann, bedarf es einem Messinstrument, um es für Studien greifbar zu machen. Es existieren einige Möglichkeiten zur Messung und verschiedene Ansatzpunkte von unterschiedlichen Wissenschaftlern, allerdings war hierbei oft problematisch auf welche sogenannten ‚Items‘1 man sich einigt, die man auf verschiedenartige Bereiche anwenden kann, also gewissermaßen eine eindimensionale Sicht gewährleistet wird (Wylie 1974, S.181/182). Rosenberg (1965) ist vermutlich der einzige, der es geschafft hat eine eindimensionale Messung, mit Hilfe der Guttman-Skala2 zu konstruieren, da diese in dieser Hinsicht am vorteilhaftesten ist, da unterschiedliche Items benutzt werden, um verschiedene Grade der Stärke des Selbstwertgefühls zu erfassen (Wylie 1974, S.181/182). Es wird ein Fragebogen entworfen, welcher aus 10 Items besteht und mit Hilfe einer 4 Punkte-Skala bewertet wird. Die RSES wird seit jeher am Häufigsten verwendet um das Selbstwertgefühl zu messen, da sie relativ einfach zu verstehen ist und keinen besonderen Zeitaufwand benötigt.

Allerdings wird auch die Methode der Rosenberg-Skala kritisch bewertet, da die ausgewählten Items u.a. für Kinder nicht richtig verstanden werden könnten, sodass ein relevantes Ergebnis eventuell gar nicht erst zustande kommt (Hosagi et. al. 2012).

4 Einflüsse auf das Selbstwertgefühl

Die meisten Studien beschäftigen sich mit der Entwicklung von Kindesalter an, was darauf zurückzuführen ist, dass gewisse vermittelte oder angeeignete Denkweisen in Bezug auf den Wert der eigenen Person, ihren Ursprung meist in der Erziehung haben und somit das engere soziale Umfeld zu dieser Zeit, zu den stärksten Einflussfaktoren auf das Selbstwertgefühl gehört. Ein positives Selbstwertgefühl basiert demzufolge auf verschiedenen Faktoren, allen voran allerdings die Beziehung zwischen dem Kind und seinen Eltern (u.a. Harter 1983, S.275-350). Coopersmith gilt als einer der Wegbereiter für diese Annahme und verwies in einer seiner Studien3 darauf, dass die Fähigkeit eine positive Einstellung zu sich selbst zu haben stark damit korreliert, wie die Eltern mit ihrem Kind umgehen (Coopersmith 1967). Die ersten sozialen Interaktionen finden nun mal im eigenen zu Hause statt und steuern in hohem Maße dazu bei, wie die Bewertung der eigenen Person ausfällt. Selbstwertdienliche Verhaltensweisen der Eltern sind nach Coopersmiths Ansicht die Akzeptanz des Kindes, das Vorgeben von klar definierten Regeln und Grenzen, sowie die freie Entfaltung des Kindes, indem man auf die Individualität des Kindes innerhalb der vordefinierten Regeln eingeht. Auch die ‚California Task Force to Promote Self-Esteem and Personal and Social Responicibility‘, betont in ihrem Abschlussbericht den Einfluss des familiären Verhältnisses:

(…)‘The Task Force came to the unanimous conviction that the family is the most crucial ingredient in nurturing the sense of self-esteem persons carry with them into life‘ (…)

Im zunehmenden Alter und den damit einhergehenden Veränderungen der sozialen Rollen, kommen andere Einflussfaktoren ins Spiel, wie die soziale Interaktion mit Gleichaltrigen bzw. Lehrern in der Schule. Hier findet sich oftmals ein Konflikt zwischen dem, von wichtigen Personen vermittelten Idealselbst, und dem Realselbst, was häufig zu extremen Selbstwertgefühlsschwankungen führt, da ein Kind in diesem Alter noch nicht in der Lage ist, andere Ansichten korrekt und selbstwertdienlich zu bewerten (Harter 1983).

Erol und Orth (2011, S.610) haben sich im Rahmen einer Langzeitstudie mit über 7000 Teilnehmern, mit der Entwicklung des Selbstwertgefühls im Alter zwischen 14 und 30 Jahren hinsichtlich der großen fünf Persönlichkeitsmerkmale (‚personality traits‘)4 beschäftigt und haben diese in einer Kurve dargestellt.5 Man erkennt dabei, dass sich das Selbstwertgefühl bis zum Alter von ca. 20 Jahren stärker entwickelt als in den Jahren danach, was dazu führt, dass man die Annahmen, dass das soziale Umfeld bis zum frühen Erwachsenenalter ausschlaggebend für die Selbstwertentwicklung sei, durchaus bestätigen kann, was allerdings nicht heißt, dass die Entwicklung danach stagniert. Durch den Reifungsprozess und der stetigen Ausbildung der kognitiven Fähigkeiten ist man in der Lage, sich im Kontext seiner Umwelt immer differenzierter zu betrachten, was selbstverständlich auch Einfluss auf die Beurteilung des eigenen Selbstwertes hat.

5 Auswirkungen des Selbstwertgefühls

In den letzten Jahrzehnten haben immer mehr bekannte Psychologen einen Zusammenhang zwischen dem Selbstwertgefühl und akademischen Leistungen, emotionaler Stabilität, Gesundheit, sowie sozialen Beziehungen feststellen können:

‚Over the past few decades, the need for high self-esteem has risen from an individual to a societal concern. North American society in particular has come to embrace the idea that high self-esteem is not only desirable in its own right, but also the central psychological source from which all manner of positive behaviors and outcomes spring‘. (Baumeister et. al. 2013, S. 3)

Um Korrelationen zwischen dem Selbstwertgefühl und gewissen Lebensumständen ausfindig machen zu können, bedarf es breit angelegten Langzeitstudien, welche über

[...]


1 Bei einem Item handelt es sich um eine einzelne Textaufgabe in einer Untersuchung (z.B. eine Frage in einem Test)

2 Bei der Guttman-Skala werden den Befragten einige Aussagen vorgelegt, die sie bejahen oder verneinen sollen, wobei die ‚normalste‘ am Anfang steht und die ‚extremste‘ am Schluss

3 In der Studie befand sich ein Kind, bei dem ein niedriges Selbstwertgefühl gemessen worden war in der Obhut von Eltern, die in ärmlichen Verhältnissen lebten, einen niedrigen Bildungsstand aufwiesen und ihrem Kind so gut wie keine Aufmerksamkeit schenkten bzw. ihm gegenüber stark überreagierten.

4 Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für Erfahrungen, Gewissenhaftigkeit, Erfahrungen

5 Der Verlauf des Graphen wird als kurvenförmig (‚curvilinear‘) bezeichnet, wobei die Kurve allerdings mit zunehmendem Alter immer weiter abflacht

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Einfluss des Selbstwertgefühls auf die eigene Person und die damit verbundenen psychologischen Aspekte
Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
14
Katalognummer
V367234
ISBN (eBook)
9783668460492
ISBN (Buch)
9783668460508
Dateigröße
818 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Selbstwertgefül, Psychologie, Self Esteem Scale, Rosenberg
Arbeit zitieren
Michael Schkred (Autor), 2016, Einfluss des Selbstwertgefühls auf die eigene Person und die damit verbundenen psychologischen Aspekte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/367234

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