In dieser Arbeit soll sich kritisch mit dem Typus des Arbeitskraftunternehmers auseinandergesetzt und hierbei die Leitfrage beantwortet werden: „Ist der Arbeitskraftunternehmer der neue Leittypus in unserer Gesellschaft und welche Gefahren birgt er?“
In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das Gesamtgefüge der Erwerbsformen auf dem deutschen Arbeitsmarkt stark gewandelt. Das Normalarbeitsverhältnis, als zentrale Erwerbskategorie und definiert als abhängige, unbefristete Lohnarbeit, die in Vollzeit erbracht wird und die volle Integration in die sozialen Sicherungssysteme umfasst, hat in absoluten Zahlen stark abgenommen. Hingegen gibt es eine starke Zunahme an atypischer Beschäftigungsverhältnisse wie Teil-zeitbeschäftigte, geringfügig Beschäftigte, Soloselbstständige, Leiharbeit und befristete Beschäftigungen. Mückenberger spricht bereits im Jahre 1985 von der „Erosion der Normalarbeit“. Es lassen sich aber auch weitere Veränderung feststellen, wie die Zunahme von projektförmiger Arbeit und Netzwerkstrukturen, wie auch die verkürzte Dauer von Arbeitsbeziehungen und Flexibilisierung von Arbeitsinhalten. Die Entgrenzung von Freizeit und Arbeit, als auch die Qualifikation und persönlichen Eigenschaften stehen im Vordergrund. Auch das Transformationstheorem von Baverman , welche besagt, dass das Ziel jedes Unternehmens sei, die Transformation von Arbeitsvermögen in die effektivste Arbeitsleistung sicherzustellen und vollständig auszuschöpfen wird erklärt, dies und die o.g. Faktoren waren Grundlage einen neuen „Typus von Arbeitskraft“ zu definieren, der als Arbeitskraftunternehmer bezeichnet wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historische Entwicklung der „Typen“ von Arbeitskraft und „Arbeitskraft als Ware“
2.1 Der proletarisierte Lohnarbeiter
2.2 Der verberuflichte Arbeitnehmer
3. Der verbetrieblichte Arbeitskraftunternehmer
3.1 Selbst- vermarktung und Rationalisierung
3.2 Selbst-Kontrolle
3.3 weitere Anzeichen des Arbeitskraftunternehmeransatzes
4. Folgen des Arbeitskraftunternehmers als neuen Leittypus und Kritik
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit dem Typus des „Arbeitskraftunternehmers“ auseinander, um zu untersuchen, inwiefern dieser als neuer Leittypus der modernen Gesellschaft gelten kann und welche spezifischen Gefahren mit dieser Entwicklung verbunden sind.
- Historische Typologie von Arbeitskraftformen
- Transformation vom Lohnarbeiter zum Arbeitskraftunternehmer
- Selbstvermarktung und Selbstkontrolle im Arbeitsprozess
- Entgrenzung von Arbeit und Privatleben
- Psychosoziale Folgen und Gesundheitsrisiken
Auszug aus dem Buch
3.2 Selbst-Kontrolle
Das zu Beginn angerissene Transformationsproblem wird im Kontext der Selbstkontrolle soweit interessant, da nun die Verantwortung, dass die Arbeitskraft auch in Arbeitsleistung transformiert wird, fast vollständig auf den Arbeitnehmer übertragen wurde (vgl. Pongratz, Voß 2004: 24 f.).
Das bedeutet, die Arbeitnehmer steuern und überwachen nun den Prozess der Umformung der eigenen Arbeitskraft in konkrete Arbeitsleistung vorwiegend selbst. Während in den vorrangegangenen Typen erst eine persönlich und später eine teilweise strukturelle Kontrolle stattfand, liegt nun die komplette Überwachung seiner Tätigkeit beim Arbeitskraftunter selbst (vgl. ebd.: 25). Es finden nun weniger direkte Leistungskontrollen statt, sondern es werden eher z.B. „Deadlines“ gesetzt an denen das fertige Leistungsprodukt erstellt werden muss (vgl. Voß / Pongratz 1998:141).
Es kann nun vorwiegend selbst entschieden werden wie, wo, wann die Arbeit verrichtet wird, nach dem Motto „wer die Arbeit macht kann auch entscheiden wie sie gemacht wird.“ (Davidow und Malone 1994: 180 oder s. hierzu vgl. Voß / Pongratz 1998:134), ein Grund für die Zunahme von neuen Arbeitsstrukturen (vgl. Wieland 2000: 9). Der Markterfolg wird somit zur Bedingung für Sicherheit und Aufstieg und stehen im Vordergrund und nicht der „Weg“ dorthin.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit beschreibt den Wandel des Arbeitsmarktes weg vom Normalarbeitsverhältnis hin zu atypischen Beschäftigungsformen und führt den Begriff des Arbeitskraftunternehmers ein.
2. Historische Entwicklung der „Typen“ von Arbeitskraft und „Arbeitskraft als Ware“: Dieses Kapitel erläutert die Typbildung als analytisches Instrument und differenziert zwischen dem proletarisierten Lohnarbeiter, dem verberuflichten Arbeitnehmer und dem Arbeitskraftunternehmer.
3. Der verbetrieblichte Arbeitskraftunternehmer: Es werden die zentralen Merkmale wie Selbstvermarktung, Rationalisierung der Lebensführung und die Übernahme der Selbstkontrolle durch den Arbeitnehmer detailliert analysiert.
4. Folgen des Arbeitskraftunternehmers als neuen Leittypus und Kritik: Dieser Abschnitt beleuchtet die negativen Auswirkungen wie Burnout und Arbeitsentgrenzung sowie die wissenschaftliche Debatte um die Legitimität dieses neuen Sozialtypus.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass der Wandel hin zum Arbeitskraftunternehmer zwar reale Veränderungen widerspiegelt, jedoch auch kritisch hinsichtlich seiner Dominanz und gesundheitlichen Folgen zu hinterfragen ist.
Schlüsselwörter
Arbeitskraftunternehmer, Normalarbeitsverhältnis, Selbstvermarktung, Selbstkontrolle, Entgrenzung, Arbeitsmarkt, Transformation, Fordismus, Burnout, Arbeit, Lebensführung, Beschäftigungsformen, Subjektivierung, Flexibilisierung, Kapitalismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem soziologischen Wandel der Arbeitswelt und dem Aufstieg des neuen „Leittypus“ des Arbeitskraftunternehmers.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die historische Entwicklung von Erwerbsformen, die Entgrenzung von Arbeit und Freizeit sowie die steigende Eigenverantwortung und Selbstkontrolle der Arbeitnehmer.
Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?
Die zentrale Frage lautet: Ist der Arbeitskraftunternehmer der neue Leittypus unserer Gesellschaft und welche Gefahren bringt dieser Wandel mit sich?
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der idealtypischen Typbildung, um die historischen und aktuellen Formen der Arbeitskraftnutzung theoretisch abzugrenzen.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil analysiert?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die spezifischen Merkmale des Arbeitskraftunternehmers, insbesondere die Selbstvermarktung, die Technisierung der Arbeit sowie die Verlagerung der Kontrollinstanzen auf das Individuum.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Arbeitskraftunternehmer, Entgrenzung, Selbstkontrolle, Burnout und Transformation der Arbeit charakterisiert.
Inwiefern unterscheidet sich der Arbeitskraftunternehmer vom klassischen Lohnarbeiter?
Während der klassische Lohnarbeiter durch Fremdkontrolle und standardisierte Arbeitszeiten geprägt war, zeichnet sich der Arbeitskraftunternehmer durch Selbstmanagement, ständige Optimierung seiner Arbeitskraft und eine Verschmelzung von Berufs- und Privatleben aus.
Welche gesundheitlichen Gefahren werden mit dem neuen Leittypus in Verbindung gebracht?
Durch die permanente Selbststeuerung und den hohen Leistungsdruck steigen die Belastungen, was laut der Arbeit vermehrt zu Depressionen und Burnout-Erkrankungen führt.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2017, Ist der "Arbeitskraftunternehmer" der neue Leittypus unserer Gesellschaft und welche Gefahren birgt er?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/367335