Die Rolle der hellenistischen Königinnen. Arsinoë II., Kleopatra Thea, Laodike


Seminararbeit, 2017
17 Seiten, Note: 2,3
Verena Binder (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Darstellung und Handlungsspielräume hellenistischer Königinnen
2.1 Beispiel Arsinoë II.
2.2 Beispiel Kleopatra Thea
2.3 Beispiel Laodike

3 Fazit

II Quellen- und Literaturverzeichnis

III Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

In dieser Arbeit soll die tatsächlich ausgeübte Macht von Königinnen in hellenistischer Zeit anhand von konkreten Beispielen analysiert werden. Den ersten Teil der Untersuchung nimmt die Ptolemäerin Arsinoë II. ein, die neben Alexanders Mutter Olympias und Kleopatra VII. zu den bedeutendsten Herrscherinnen im Hellenismus zählt.[1] Diese Arbeit beschränkt sich auf Arsinoës II. Handlungsspielraum während ihrer Ehe mit Ptolemaios II., da Arsinoë II. in der Forschung bereits breit rezipiert wurde und deshalb viele Details ihrer Lebensumstände bekannt sind.

Ein wichtiger Literaturtitel für das Kapitel zu Arsinoë II. ist die Publikation Das hellenistische Königspaar in der medialen Repräsentation. Ptolemaios II. und Arsinoë II. von Sabine Müller.[2] Neben einer Analyse der Darstellung von Arsinoë II. auf Münzen, gibt Müller die unterschiedlichen Auffassungen in der Forschung über die tatsächliche Macht der Königin wieder. Außerdem ist der Literaturtitel Frauen in der Antike. Weibliche Lebenswelten von Sappho bis Theodora von Elke Hartmann für diese Arbeit besonders relevant.[3] Hartmann analysiert die Repräsentation der Arsinoë II. und geht dabei kritisch auf die Aussagekraft der literarischen Quellen ein. Die Übertragbarkeit der in den Quellen getätigten Aussagen auf den tatsächlichen Alltag der hellenistischen Frau bezweifelt auch Linda-Marie Günther, die sich dabei allerdings auf das Leben bürgerlicher Frauen bezieht.[4]

Trotz der Zweifel an der Aussagekraft literarischer Quellen spielen diese, neben Münzbildern, auch für die Betrachtung der Arsinoë II. in dieser Arbeit eine wichtige Rolle. Dabei wird das Fragment Nummer 181[5] aus dem Werk des Hofdichters Kallimachos Verwendung finden, das die Vergöttlichung der Arsinoë II. beschreibt. Zitiert wird nach der zweisprachigen Ausgabe von Markus Asper.[6] Außerdem stützt sich diese Arbeit auf Theokrits XVII. Idyll, das Lobgedicht auf Ptolemaios II., wobei die zweisprachige Ausgabe von Bernd Effe herangezogen wird.[7] Zudem wird Pompeius Trogus‘ Schilderung von Arsinoës II. Hochzeit wiedergegeben, die bruchstückhaft durch den römischen Autor Marcus Iunianus Iustinus überliefert ist. Hierbei wird nach der Übersetzung von Otto Seel zitiert.[8]

Um die beiden wichtigsten hellenistischen Reiche abzudecken, wird nach der Analyse der Machtstellung der Ptolemäerin Arsinoë II. auf die der Seleukidinnen Kleopatra Thea und Laodike eingegangen. Dabei wird vor allem die Darstellung der beiden Königinnen auf Münzen betrachtet. Der wichtigste Literaturtitel für diesen Teil der Arbeit ist der Aufsatz „Mutter, Ehefrau und Herrscherin. Darstellungen der Königin auf seleukidischen Münzen“ von Marion Meyer.[9]

2 Darstellung und Handlungsspielräume hellenistischer Königinnen

2.1 Beispiel Arsinoë II.

Die wichtigsten Quellen für das Leben der Arsinoë II. während ihrer Ehe mit Ptolemaios II. sind die panegyrischen Verse der Dichter Theokrit, Kallimachos und Poseidippos, die am königlichen Hof geschrieben haben.[10] Im XVII. Idyll, mit dem er Ptolemaios II. pries, erwähnte Theokrit Arsinoë II. am Rande:

Viele gemästete Schenkelstücke von Rindern verbrennt er im Umlauf der Monate auf blutgeröteten Altären, er selbst und seine mächtige Gemahlin; keine bessere Frau als sie gibt es, die den Gatten in den Gemächern mit dem Arm umfängt, von Herzen liebend ihren Bruder und Ehemann.[11]

Hier stellte Theokrit Arsinoë II. vor allem als liebende Ehefrau dar, die ihren Gatten bei seinen Wohltaten, in diesem Fall Opfergaben, unterstützt. Allerdings brachte er sie auch mit Macht in Verbindung. Welche Machtbefugnisse Arsinoë II. tatsächlich hatte, wird an weiteren Quellen und Forschungsmeinungen zu untersuchen sein. Da Theokrit ein Dichter war, der direkt am königlichen Hof tätig war, entsprechen seine Schilderungen vermutlich der vom König gewünschten Darstellung. Zu diesem Schluss kommt auch Hatto H. Schmitt.[12] Wolfgang Schuller hingegen interpretiert das Lobgedicht als Anzeichen für „wirkliche Verehrung und persönliche Anhänglichkeit“.[13]

Pompeius Trogus schilderte Arsinoë II. in seinen Historiae Philippicae, die nur noch auszugsweise bei Iustinus erhalten sind,[14] in erster Linie als Mutter, die sich um ihre Söhne sorgt. So berichtete er über ihre Zweifel vor der Eheschließung mit Ptolemaios II.:

Arsinoë war unsicher, was sie tun solle: schickte sie den Zeugen, dann fürchtete sie, getäuscht zu werden; schickte sie ihn nicht, die Wut und Grausamkeit ihres Bruders herauszufordern. Deshalb, mehr um ihre Kinder als um sich selbst bangend und in der Meinung, sie könne sie durch ihre Ehe allenfalls schützen, schickte sie aus dem Kreis ihrer Freunde den Dion;[15]

Im weiteren Verlauf der Quelle berichtete Pompeius Trogus, wie Ptolemaios II. schwor „nie andere als ihre (Arsinoës II., Anm. d. Verf.) Söhne als seine Kinder anzuerkennen. Nachdem Arsinoë dadurch hoffnungsvoll gemacht und ihrer Befürchtungen ledig war,“[16] heiratete sie ihn. Kurz darauf befahl Ptolemaios II. jedoch die Ermordung der Söhne. In dieser Passage stellte Pompeius Trogus Arsinoë II. als liebende Mutter dar, die ihre Knaben zu schützen versuchte, dazu jedoch nicht in der Lage war. Nach dem Tod ihrer Söhne beschrieb er Arsinoë II. als trauernde Mutter, die lieber mit ihren Kindern gestorben wäre:

Sobald man jedoch beim Stadttor angelangt war, gibt er Befehl, die Zitadelle zu besetzen und die Knaben zu töten. Als diese sich zu ihrer Mutter flüchten, werden sie in ihren Armen und mitten unter ihren Küssen ermordet, indes Arsinoë laut aufjammert, womit sie denn, sei’s durch ihre Hochzeit oder nach ihrer Hochzeit, einen solchen Greuel auf sich herabbeschworen habe. Statt der Söhne bot sie sich selbst immer wieder den Mördern dar, häufig umfaßte sie die Leiber der Knaben, suchte sie zu decken und wollte die Dolchstöße, die nach den Kindern zielten, selbst auffangen. Zuletzt wurde sie sogar noch um die Bestattung ihrer Söhne gebracht: mit zerrissenem Gewand und aufgelöstem Haar wurde sie, begleitet nur von zwei armseligen Knechtlein, aus der Stadt geschleppt und mußte nach Samothrake in die Verbannung abfahren, nur um so unglücklicher dadurch, daß es ihr nicht vergönnt war, mit den Söhnen zu sterben.[17]

Hartmann sieht in Pompeius Trogus‘ Schilderung von Arsinoë II. als Mutter, die sich vorrangig um das Leben ihrer Kinder sorgt, die Wiedergabe eines gängigen Frauenbildes.[18]

Andererseits beschrieb Pompeius Trogus Arsinoës II. Glück über den bei ihrer Hochzeit mit Ptolemaios II. wiedergewonnenen Königinnentitel:

Auch beruft er (Ptolemaios II., Anm. d. Verf.) das Heer zu einer Versammlung ein, setzt in dieser seiner Schwester das Diadem aufs Haupt und nennt sie Königin. Über diesen Titel war nun Arsinoë überglücklich, denn nun habe sie das, was sie durch des Lysimachos, ihres früheren Gatten, Tod verloren habe, wiedergewonnen;[19]

Hartmann stellt fest, dass antike Autoren Königinnen häufig Machtgier unterstellten, weil Frauen, die eine aktive Rolle besetzten, in der Antike generell kritisch betrachtet wurden. Dementsprechend warnt sie davor, diese Darstellung kritiklos zu übernehmen, wie es jedoch auch in der jüngeren Forschung noch geschieht.[20] Die Übergabe des Diadems an Arsinoë II. wird besonders in der älteren Forschungsliteratur als sehr bedeutsam angesehen. Beispielsweise sieht Friedrich Garnier darin ein Anzeichen für eine Regierungsbeteiligung. Hans-Werner Ritter hält dem jedoch entgegen, die Quelle lasse erkennen, dass Arsinoë II. das Diadem bereits während ihrer Ehe mit Lysimachos getragen hatte. Für diese Periode ist keine Mitregentschaft nachzuweisen. Ritter interpretiert das Diadem und den Titel basilissa deshalb als Symbole, die alle hellenistischen Königinnen besaßen, ohne automatisch aktiv an der Regierung beteiligt gewesen zu sein.[21]

Allgemein wird das Ausmaß von Arsinoës II. Macht in der Forschung unterschiedlich gesehen. Kritisch beurteilt Stanley Burstein die These von der mächtigen Herrscherin und betont, dass die Ehrungen für Arsinoë II. allesamt nur der Repräsentation dienten. Mit ihm stimmen Heinz Heinen und Richard Hazzard überein.[22] Müller stellt fest, dass eine aktive Beteiligung Arsinoës II. an den Regierungsgeschäften nicht belegbar ist.[23] Auch an Kriegszügen nahm sie nicht teil. Ihre Reise zur Grenzsicherung im Harpunengau, auf der sie von Ptolemaios II. begleitet wurde, hatte eher symbolischen Charakter.[24]

Auf der anderen Seite gibt es zahlreiche Stimmen, die für eine aktive Machtausübung Arsinoës II. plädieren. So sieht Harold Mattingly sie als die Verantwortliche für die diplomatischen Beziehungen zu Rom an. Hans Hauben stimmt darin mit ihm überein.[25] Günther Hölbl schreibt Arsinoë II. eine aktive Rolle bei der Verteidigung des Landes zu.[26] Schmitt betont die Bedeutung ihrer Persönlichkeit für die Erlangung ihrer Machtstellung.[27] Tatsächlich hatte auch die „individuelle Qualität“ einer Frau Einfluss auf ihr symbolisches Kapital.[28] Jürgen Malitz unterstützt Schmitts These und sieht des Weiteren ihre Abbildung auf Münzen als Beleg für Arsinoës II. Geltung an. Auch Sarah Pomeroy hebt in ihrer Analyse die Unabhängigkeit und Stärke Arsinoës II. hervor und stellt sie als selbstbestimmte Königin dar.[29] Schuller argumentiert mit den zahlreichen Ehrungen für Arsinoë II. und legt diese als Anzeichen dafür aus, dass sie mehr als nur die Ehefrau von Ptolemaios II. war. Er sieht Arsinoë II. in einer Machtposition, die der ihres Mannes ebenbürtig war. Diese These untermauert er mit dem Verweis auf die Kinderlosigkeit der Ehe mit Ptolemaios II., die ausschließt, dass Arsinoës II. Aufgabe das Gebären eines Thronfolgers war.[30] Stattdessen stellt Schuller die Mutmaßung an, die Ehe könne rein dem Zweck gedient haben, Arsinoë II. an den Regierungsgeschäften zu beteiligen.[31] Asper, der die Werke des Kallimachos übersetzt hat und somit über umfassende Kenntnisse über das Gesamtwerk des Dichters verfügt, kommt anhand der panegyrischen Gedichte zu dem Schluss, dass Arsinoë II. das Geschehen am Hof maßgeblich mitbestimmte.[32]

[...]


[1] Hartmann, E.: Frauen in der Antike. Weibliche Lebenswelten von Sappho bis Theodora (Beck‘sche Reihe), München 2007, S.104.

[2] Müller, S.: Das hellenistische Königspaar in der medialen Repräsentation. Ptolemaios II. und Arsinoë II. (Beiträge zur Altertumskunde; Bd. 263), Berlin 2009.

[3] Hartmann, E.: Frauen in der Antike. Weibliche Lebenswelten von Sappho bis Theodora (Beck‘sche Reihe), München 2007.

[4] Günther, L.-M.: Familien und Geschlechterverhältnisse, in: G. Weber (Hg.), Kulturgeschichte des Hellenismus. Von Alexander dem Großen bis Kleopatra, Stuttgart 2007, S.118-138, hier S.125.

[5] Bei Pfeiffer Nr. 228.

[6] Kallimachos, Kallimachos Werke. Griechisch und deutsch, hg. u. übers. v. M. Asper, Darmstadt 2004.

[7] Theokrit, Gedichte. Griechisch – deutsch, hg. u. übers. v. B. Effe (Tusc.), Berlin 2013.

[8] Pompeius Trogus, Weltgeschichte von den Anfängen bis Augustus im Auszug des Justin, hg., eing., übers. u. erl. v. O. Seel (BAW), Zürich/ München 1972.

[9] Meyer, M.: Mutter, Ehefrau und Herrscherin. Darstellungen der Königin auf seleukidischen Münzen, in: Hephaistos 11 (1993), S.107-132.

[10] Hartmann: Frauen Antike, S.105f.

[11] Theokr. Gedichte XVII 125-129.

[12] Schmitt, H.: Zur Inszenierung des Privatlebens des hellenistischen Herrschers, in: J. Seibert (Hg.), Hellenistische Studien. Gedenkschrift für Hermann Bengtson, München 1991, S.75-86, hier S.79.

[13] Schuller, W.: Frauen in der griechischen und römischen Geschichte (Konstanzer Bibliothek; Bd. 25), Konstanz 1995, S.89.

[14] Hartmann: Frauen Antike, S.224 Anm. 7.

[15] Pomp. Trog. Weltgeschichte 24,2.

[16] Ebd.

[17] Ebd. 24,3.

[18] Hartmann: Frauen Antike, S.105.

[19] Pomp. Trog. Weltgeschichte 24,3.

[20] Hartmann: Frauen Antike, S.113.

[21] Müller: Königspaar, S.76.

[22] Ebd. S.11.

[23] Ebd. S.77.

[24] Ebd. S.223.

[25] Ebd. S.11.

[26] Ebd. S.12.

[27] Ebd. S.12f.

[28] Müller, S.: Das symbolische Kapital von Argeadinnen und Frauen der Diadochen, in: C. Kunst (Hg.), Matronage. Handlungsstrategien und soziale Netzwerke antiker Herrscherfrauen, Rahden/ Westfalen 2013, S.31-42, hier S.32.

[29] Müller: Königspaar, S.13.

[30] Schuller: Frauen Geschichte, S.88.

[31] Ebd. S.96.

[32] Asper, M.: Kallimachos Werke. Griechisch – deutsch, Darmstadt 2004, S.8.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Rolle der hellenistischen Königinnen. Arsinoë II., Kleopatra Thea, Laodike
Hochschule
Universität Augsburg
Note
2,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
17
Katalognummer
V367462
ISBN (eBook)
9783668459458
ISBN (Buch)
9783668459465
Dateigröße
792 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rolle, königinnen, arsinoë, kleopatra, thea, laodike
Arbeit zitieren
Verena Binder (Autor), 2017, Die Rolle der hellenistischen Königinnen. Arsinoë II., Kleopatra Thea, Laodike, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/367462

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Rolle der hellenistischen Königinnen.  Arsinoë II., Kleopatra Thea, Laodike


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden