In dieser Arbeit soll die Subventionsgewährung in der Agrarwirtschaft näher untersucht werden. Es soll die Frage beantwortet werden, ob die Subventionen in diesem Sektor weiter reduziert werden sollten oder die besonderen Eigenschaften des Agrarsektors die aktuelle Höhe der Subventionen rechtfertigen. Dazu wird eingangs eine Begriffserklärung vorgenommen, in der der Subventionsbegriff definiert und erläutert wird, warum es sich bei der Agrarwirtschaft um einen 'Spezialfall' handeln könnte. Anschließend wird die wohlfahrtsökonomische Wirkung von Subventionen dargestellt und es werden die Ziele der Subventionsvergabe und ihre Nebenwirkungen benannt. Im letzten Abschnitt wird ein Abriss über die Entwicklung der Agrarpolitik hinsichtlich der Subventionsgewährung gegeben und der aktuelle Stand erläutert. Abschließend folgt ein Fazit.
Die Subventionsgewährung in der Agrarwirtschaft ist ein kontrovers und viel diskutiertes Reizthema. Das Ausmaß der Mittel, die sowohl in Deutschland als auch EU-weit dafür aufgewendet werden, erscheint auf den ersten Blick sehr hoch. Im Fokus stehen oft normative Gerechtigkeitsdebatten, daneben wird auch die Effizienz der Maßnahmen in Frage gestellt. Zuletzt wurden jährlich rund 40% des gesamten EU-Haushaltes, der anteilig durch die Mitgliedsstaaten finanziert wird, für Agrarsubventionen ausgegeben. Das entspricht etwa 50 Mrd. Euro.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsbestimmungen
2.1 Subventionsbegriff
2.2 ‚Spezialfall‘ Agrarwirtschaft
3 Wirkkräfte von Subventionen
3.1 Wohlfahrtsökonomische Wirkung von Subventionen
3.2 Ziele der Subventionsvergabe
3.3 Nebenwirkungen von Subventionen
3.3.1 Allgemeine Nebenwirkungen
3.3.2 Agrarwirtschaft-spezifische Nebenwirkungen
4 Agrarsubventionen in Deutschland
4.1 Überblick: Entstehung, GAP, ELER/EGFL
4.2 Status quo
5 Schlussbetrachtung
6 Literatur
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Subventionsgewährung im deutschen Agrarsektor unter dem Aspekt, ob die besonderen Eigenschaften der Landwirtschaft eine derart hohe finanzielle Förderung rechtfertigen oder ob eine Reduzierung ökonomisch geboten wäre. Dabei steht die Untersuchung der wohlfahrtsökonomischen Auswirkungen im Kontrast zu den politisch motivierten Zielen der Agrarpolitik.
- Wohlfahrtsökonomische Analyse staatlicher Subventionsmechanismen.
- Untersuchung des ‚Spezialfalls‘ Agrarwirtschaft und dessen Begründungsmuster.
- Darstellung der historischen Entwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU.
- Kritische Bewertung der Zielkonflikte zwischen Versorgungssicherheit und Umweltschutz.
- Analyse des aktuellen Status quo der Agrarsubventionen in Deutschland.
Auszug aus dem Buch
3.1 Wohlfahrtsökonomische Wirkung von Subventionen
Die Wohlfahrtsökonomik analysiert die Wirkungen von Subventionen traditionell mit Hilfe der mikroökonomischen Partialanalyse (Blankart 2008: 191-195). Dabei werden Gleichgewichtszustände auf nur einem Markt einer Volkswirtschaft miteinander verglichen (komparativ-statische Analyse). Den folgenden Ausführungen liegt der erste Hauptsatz der Wohlfahrtsökonomik zu Grunde. Er besagt: Bei vollkommenem Wettbewerb und vollkommenen Informationen ist jedes Wettbewerbsgleichgewicht ein Pareto-Optimum, d.h. ein effizientes Marktergebnis, bei dem keiner besser gestellt werden kann, ohne jemand anderen schlechter stellen zu müssen (Kleinewefers 2008: 103ff.).
In Abbildung 1 stellt die Gerade N eine aggregierte Nachfragefunktion nach einem landwirtschaftlichen Gut dar, z.B. nach Weizen. P ist der Gleichgewichtspreis, der sich durch Angebot und Nachfrage auf dem Markt ergibt, X1 die Gleichgewichtsmenge. Der Preis (P) entspricht den Grenzkosten (GK). Durch die Subventionierung (S) sinkt der Preis auf (1-S)P. Die Menge steigt von X1 auf X2, weil die Angebotskurve sich in der Folge von A1 zu A2 verschiebt. Das neue Gleichgewicht zeigt also, dass durch die Subvention eine Produktionsausdehnung ausgelöst wird, der eine Steigerung des Verbrauchs gegenübersteht. Die Konsumentenrente steigt um den Betrag, der sich aus der Fläche abcf ergibt. Die Kosten der Subvention für den Staat entsprechen der Fläche abef. Das blau gefärbte Dreieck cef stellt die Differenz dieser beiden Flächen dar. Der Vorteil, den die Nachfrager durch den niedrigeren Preis (1-S)P erzielen, ist also geringer als die Kosten der Subvention. Für die Gesellschaft entsteht so die Überschussbelastung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert das Ausmaß und die Kontroverse um Agrarsubventionen und stellt die Forschungsfrage nach deren Rechtfertigung in einem besonderen Sektor auf.
2 Begriffsbestimmungen: Dieses Kapitel klärt den Subventionsbegriff durch verschiedene gesetzliche und ökonomische Definitionen und erläutert, warum die Landwirtschaft als ‚Spezialfall‘ betrachtet wird.
3 Wirkkräfte von Subventionen: Hier werden die ökonomischen Auswirkungen von Subventionen mittels der Wohlfahrtsökonomik analysiert sowie Ziele und Nebenwirkungen im Allgemeinen und Speziellen dargestellt.
4 Agrarsubventionen in Deutschland: Das Kapitel bietet einen historischen Überblick zur Entwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU und bewertet den aktuellen Status quo der Förderungen in Deutschland.
5 Schlussbetrachtung: Die Arbeit resümiert, dass das hohe Ausmaß der Subventionen im Agrarsektor kritisch zu bewerten ist und empfiehlt einen beschleunigten Abbau sowie eine Umschichtung der Mittel.
6 Literatur: Auflistung der verwendeten Quellen und Literatur.
Schlüsselwörter
Agrarsubventionen, Finanzwissenschaft, Wohlfahrtsökonomik, Gemeinsame Agrarpolitik, GAP, Marktversagen, Subventionsbericht, Landwirtschaft, Überschussbelastung, Strukturwandel, Direktzahlungen, EGFL, ELER, Nahrungsmittelversorgung, Wettbewerbsverzerrung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Ausmaß und die ökonomische Rechtfertigung von Subventionen im deutschen Agrarsektor unter Berücksichtigung der Besonderheiten der Landwirtschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die wohlfahrtsökonomische Wirkung von Subventionen, die historische Entwicklung der EU-Agrarpolitik (GAP) und die Analyse von Zielkonflikten wie Versorgungssicherheit gegenüber Umweltschutz.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu beantworten, ob die aktuelle Höhe der Subventionen in der Landwirtschaft durch ihre spezifischen Eigenschaften gerechtfertigt ist oder ob diese reduziert werden sollten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theoretische Analyse basierend auf der mikroökonomischen Partialanalyse und der Wohlfahrtsökonomik angewandt, ergänzt durch eine deskriptive Auswertung bestehender Subventionsberichte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Wirkkräfte von Subventionen, deren politische Ziele sowie die historische Entstehung und den aktuellen Status der deutschen Agrarförderung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Agrarsubventionen, Wohlfahrtsökonomik, GAP, Marktversagen und Überschussbelastung charakterisiert.
Warum wird der Agrarsektor als ‚Spezialfall‘ bezeichnet?
Der Agrarsektor wird als Spezialfall betrachtet, da er die grundlegende Nahrungsmittelversorgung sicherstellt und besonders wetterbedingten Volatilitäten ausgesetzt ist, die ihn von anderen Wirtschaftssektoren unterscheiden.
Was ist das zentrale Fazit zur Wirksamkeit der Subventionen?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die hohen Subventionen aus ökonomischer Sicht eine wohlfahrtsmindernde Überschussbelastung darstellen und daher ein beschleunigter Abbau sowie eine Umschichtung hin zur zweiten Säule der Agrarförderung sinnvoll wären.
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- Tim Reclam (Author), 2017, Analyse der Subventionsgewährung in Deutschland im 'Spezialfall' Agrarwirtschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/367556