Konservative Rechnungslegung. Darstellung und kritische Würdigung


Hausarbeit, 2016
18 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einführung in die konservative Rechnungslegung
2.1 Definition
2.2 Gründe
2.3 Ausprägungen
2.4 Messungen

3. Würdigung
3.1 Einflüsse des Konservatismus in verschiedenen Rechnungslegungssystemen
3.2 Allgemeine Kritik an konservativer Rechnungslegung
3.3 Kritik an der Forschungsmodellen zur konservativer Rechnungslegung
3.4 Einfluss der Rahmenbedingungen

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die Rechnungslegung befindet sich seit den letzten Jahren in einer Umbruchphase, welche zum einen durch die Internationalisierung aller wirtschaftlichen Aktivitäten gekennzeichnet ist und zum anderen durch die Folgen der globalen Wirtschaftskrise, welche 2008 auch den deutschen Kapitalmarkt und die deutsche Wirtschaft erreichte, hervorgerufen wird.1 Die Globalisierung und Vernetzung internationaler Kapitalmärkte ruft einen erhöhten Informationsbedarf bei Investoren über nationale Grenzen hinaus hervor. Dies zeigt sich auch in der seit 2005 bestehenden Pflicht für kapitalmarktorientierte Unternehmen nach den Internation Finance Reporting Standards (IFRS) zu bilanzieren.2

Für den primären Einblick in die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens ist für den Investor der Jahresabschluss maßgeblich. Durch den hohen Bedarf an Informationen, müssen Jahresabschlüsse international vergleichbar sein und in gleicher Weise verstanden werden. Trotz alledem lassen sich weltweit große Differenzen innerhalb der Erstellung von Jahresabschlüssen feststellen.3

Dabei repräsentiert die Rechnungslegung einen Bestandteil der gesellschaftlichen Ordnung und spiegelt die charakteristischen Eigenschaften des jeweiligen sozial- kulturellen Umfelds wider. Die enge Verbindung zwischen Umweltfaktoren und dem Rechnungslegungssystem verdeutlicht, dass die Rechnungslegungsvorschriften genau auf die Interessen und Ziele eines Landes angepasst sind. Damit gewünschte Ziele definiert werden können, müssen zuerst die übergeordneten Unternehmensziele festgelegt und die damit verbundene Art der Bilanzpolitik verfolgt werden.

Institutionen unterscheiden hier zwischen einer progressiven und konservativen Bilanzpolitik. Die progressive Bilanzpolitik, welche nicht Bestandteil der vorliegenden Arbeit ist, zielt auf ein möglichst hohes Eigenkapital sowie Ergebnis ab. Die vorliegende Arbeit richtet ihren Augenmerk auf die konservative Bilanzpolitik, welche das Ziel verfolgt, ein möglichst geringes Eigenkapital sowie Ergebnis aufzuweisen. Zuerst wird innerhalb dieser Arbeit ein Einblick in die theoretischen Grundlagen der vorsichtigen Bilanzierung gegeben. Daraufbauend wird in Kapitel 3 die vorsichtige Bilanzierung kritisch gewürdigt. Ein Fazit zum Konservatismus innerhalb der Rechnungslegung schließt diese Arbeit ab.

2. Einführung in die konservative Rechnungslegung

Das folgende Kapitel widmet sich dem Konservatismus innerhalb der Rechnungs- legung. Um die Grundlage für die weiteren Ausführungen zu bilden, wird zuerst der Begriff „konservative Rechnungslegung“ in Kapitel 2.1 definiert. Anschließend werden in Kapitel 2.2 die Gründe für konservative Rechnungslegung erläutert. Vorsichtige Rechnungslegung kann in zwei Kategorien unterteilt werden. Diese werden in Kapitel 2.3 vorgestellt. Abschließend beschäftigt sich das Kapitel in Punkt 2.4 mit den Möglichkeiten zur Messung der konservativen Rechnungslegung.

2.1 Definition

Eine offizielle Definition der konservativen Rechnungslegung, auch als vorsichtige Rechnungslegung bezeichnet, gibt es nicht. Jedoch kann unter konservativer Rechnungslegung verstanden werden, dass eine tendenziell niedrigere Bewertung der Vermögensgegenstände eines Unternehmens in Kombination mit einer höheren Bewertung der Verbindlichkeiten vorgenommen wird. Gleichzeitig werden Erträge später erfolgswirksam, wohingegen Aufwendungen früher erfolgswirksam werden.4 Bliss (1924) liefert eine prägnante Definition von konservativer Rechnungslegung: „Anticipate no profit, but anticipate all losses.”5 Laut Watts (2003) und Basu (1997) erfordert Konservatismus höhere Nachweise, um gute Nachrichten als Erträge anzuerkennen im Vergleich zu schlechten Nachrichten, um sie als Verluste anzusehen.6 Gute Nachrichten können definiert werden als Nachrichten, welche das Einkommen erhöhen, wohingegen schlechte Nachrichten das Einkommen mindern.7

Deshalb ist es charakteristisch für die konservative Rechnungslegung, dass positive und negative Ereignisse asymmetrisch in der Ergebnisrechnung erfasst werden.8 Dabei setzt ein Unternehmen bei der konservativen Bilanzierung sein Gestaltungs- potenzial so ein, dass ein möglichst geringer Jahreserfolg ausgewiesen wird. Dies hat zur Folge, dass sich die Finanz-, Vermögens- und Ertragslage des Unternehmens in der Realität besser darstellt, als es die offizielle Bilanz erkennen lässt.

2.2 Gründe

Konservative Rechnungslegung ist nicht allein die Folge vorsichtiger Rechnungslegungsnormen. Vielmehr besteht eine Nachfrage der Wirtschaftssubjekte nach vorsichtiger Bilanzierung. So können folgende Gründe für konservative Rechnungslegung aufgeführt werden:

- Schutz von Gläubigern
-Effizientere Steuerung des Managements
-Steuerliche Konsequenzen9

Gläubiger sind asymmetrisch am Erfolg des Unternehmens beteiligt: bei negativen Entwicklungen, wie z.B. der Insolvenz des Unternehmens, sind die Gläubiger voll betroffen. Wohingegen diese bei positiven Entwicklungen nur gering beteiligt sind.10 Aus diesem Grund haben sie ein gesteigertes Interesse an einem möglichst geringen Netto-Vermögen, da dies die Haftungsbasis im Insolvenzfall darstellt.11

Ein weiterer Grund für konservative Rechnungslegung kann in der effizienteren Steuerung des Managements gesehen werden. In der Regel wird der Erfolg des Managements eines Unternehmens an Rechnungslegungsgrößen und Kennzahlen gemessen. Oftmals haben diese Größen Einfluss auf die Karrierechancen, die Entlohnung und Aufstiegschancen der Manager. Daher haben diese ein stärkeres Interesse daran die Erfolgsgrößen möglichst hoch auszuweisen. Unter anderem liefert die Bilanzpolitik dem Management ein geeignetes Instrument zur Überbewertung. Aufgrund von kurzen Amtszeiten können Manager dazu neigen Misserfolge zu verschweigen und kurzfristige Erfolge langfristigen Erfolgen vorzuziehen.12 Dieses Phänomen ist auch unter dem principal-agent-Konflikt13 bekannt. Durch die konservative Rechnungslegung können bilanzpolitische Spielräume begrenzt und Manager gezwungen werden, ökonomische Fehlentscheidungen zeitnah im Periodenergebnis abzubilden und damit gegebenenfalls auch Gegenmaßnahmen ergreifen zu können.14

Ein weiteres Motiv für konservative Rechnungslegung stellen steuerliche Konsequenzen dar. In Deutschland findet das Maßgeblichkeitsprinzip bei der Ermittlung der Ertragssteuern Anwendung. Somit hängt die Höhe der Ertragssteuern unmittelbar von dem Gewinn, welcher im Jahresabschluss ausgewiesen wird, ab. So kann eine vorsichtige Gewinnermittlung im Rahmen der konservativen Rechnungslegung zu einer Minderung des Barwerts der Ertragssteuern führen.15

2.3 Ausprägungen

Konservative Rechnungslegung kann in zwei Kategorien unterteilt werden: Zum einen in die unbedingte Vorsicht, auch ereignisunabhängige vorsichtige Rechnungs- legung genannt und zum anderen in die bedingte Vorsicht, auch als ereignisabhängige vorsichtige Rechnungslegung bezeichnet.16 Beide Ausprägungen der konservativen Rechnungslegung reduzieren die Vermögenswerte. Der Unterschied beider Ansätze besteht in dem Zeitpunkt, wann die Informationen verarbeitet werden.17

Unter der unbedingten Vorsicht (ex ante-Vorsicht) ist eine ereignisunabhängige Unterbewertung des Eigenkapitals zu verstehen. Hierbei findet eine Unterbewertung der Vermögenswerte durch Bilanzierungs- und Bewertungsregeln statt, die unabhängig vom Eintreffen werterelevanter Informationen vorgenommen werden.18

Beispiele für unbedingten Konservatismus sind unter anderem Nichtaktivierung von Forschungs- und Entwicklungskosten, Bewertung zu historischen Anschaffungs- kosten von Vermögenswerten mit höherem Zeitwert oder die planmäßigen Abschreibungen von Vermögenswerten über einen kürzeren Zeitraum als die Nutzungsdauer.19

Im Gegensatz zur unbedingten Vorsicht ist die bedingte Vorsicht (ex post-Vorsicht) abhängig von den Nachrichten in einer Periode. So werden gute Nachrichten langsamer erfolgswirksam als schlechte Nachrichten.20 Negative Informationen werden unmittelbar durch eine Abschreibung des Buchwertes des Nettovermögens erfasst, wohingegen positive Nachrichten nicht unmittelbar zu einer vergleichbaren Zuschreibung führen.21 Folglich werden negative Informationen in einem größeren Umfang innerhalb des Gewinns abgebildet im Vergleich zu positiven Informationen.22 Als Beispiele für bedingten Konservatismus lassen sich zum einen die außerplanmäßigen Abschreibungen von Anlage- und Umlaufvermögen, Bildung von Rückstellungen, sowie die Aktivierung latenter Steuern nur im Ausmaß, zu dem sie voraussichtlich genutzt werden können, nennen.23

Es lässt sich erkennen, dass beide Ausprägungen konservativer Rechnungslegung zu einer Unterbewertung der Vermögenswerte sowie zu einer Überbewertung der Schulden führen. Allerdings ist der Informationsgehalt der bedingten Vorsicht höher als bei der unbedingten Vorsicht. Während bei der unbedingten Vorsicht keine neuen Informationen verarbeitet werden, fließen bei der bedingten Vorsicht neue wert- relevante Informationen in die Bewertung ein, wenngleich nur negative Nachrichten.24

Des Weiteren ist zu beachten, dass unbedingte und bedingte Vorsicht in einer Wechselwirkung zueinander stehen. Wenn der Buchwert einer Vermögensposition bereits aufgrund ex ante konservativer Rechnungsmethoden gegenüber seinem Marktwert unterbewertet wurde, so ist die Abschreibungshöhe bei neuen negativen Informationen im Rahmen der bedingten Rechnungslegungsmethoden eingeschränkt.25 Dies wird anhand folgendem Beispiel verdeutlicht: Werden Entwicklungskosten erst gar nicht aktiviert (ex ante-Vorsicht) so können diese auch nicht außerplanmäßig beim Erhalt von negativen Informationen abgeschrieben werden (ex post-Vorsicht). Damit wird deutlich, dass unbedingte Vorsicht die bedingte Vorsicht verdrängen kann, oder deren Auswirkungen begrenzen kann.26

2.4 Messungen

Bisher gibt es noch kein geeignetes Modell und keinen zentralen Forschungsansatz zur Messung von konservativer Rechnungslegung. Verschiedene Faktoren im jeweiligen Untersuchungskontext erfordern unterschiedliche Bewertungsmodelle.27 Aufgrund der für die unbedingte vorsichtige Bilanzierung charakteristischen Unterbewertung des Nettovermögens bietet sich die Marktpreis-Buchwert-Relation (Market to Book Ration: MTB) des Eigenkapitals als Messgröße an.28 Bedingte Vorsicht wird in der empirischen Rechnungslegungsliteratur dagegen mit einer umgekehrten Regression gemessen.29

Um bedingte Vorsicht zu messen, wurde eine Reihe von Messverfahren entwickelt. Das Modell von Basu (1997) stellt das bekannteste Verfahren zur Messung der ex- post-Vorsicht dar. Basu geht davon aus, dass die Marktrendite ein exogener Indikator für günstige und ungünstige Ereignisse ist. Bei einer vorsichtigen Rechnungslegung werden negative Ereignisse (Verluste) zeitnäher im Ergebnis erfasst als positive Informationen (Gewinne).30 Weiterhin nimmt Basu an, dass sich negative Einkommensveränderungen in der Folgeperiode eher umkehren als positive Einkommensveränderungen. Daher nimmt Basu einen stärkeren Zusammenhang zwischen Verlusten und Aktienrenditen im Vergleich zu Gewinnen und Aktienrenditen an.31

[...]


1 Vgl. Khan, M./Watts, R. L. (2009), S. 132.

2 Vgl. Lüdenbach, N. (2013), S. 22.

3 Vgl. Perlitz, M. (2004), S. 522.

4 Vgl. Givoly, D./Hayn, C. (2000), S. 289.

5 Vgl. Bliss, J. H. (1924), S. 110

6 Vgl. Basu,S. (1997), S. 3-4.

7 Vgl. Otto, S. (2011), S. 154.

8 Vgl. Fülbier, U./Gassen, J./Sellhorn, T. (2008), S. 1325.

9 Vgl. Watts ,R.L. (2003),S. 2009 f. ; Wagenhofer, A. (2012), S. 157

10 Vgl. Fülbier, R. U./Gassen, J./Sellhorn, T. (2008), S. 1320f.

11 Vgl. Wagenhofer, A./Ewert, R. (2015), S. 157.

12 Vgl. Wagenhofer, A./Ewert, R. (2015), S. 157.

13 Defintion Principal Agent Konflikt: Aufeinandertreffen der unterschiedlichen Interessenlage von Anteilseignern/ Aktionären („Principals“) und Managern(„Agents“), vgl. Erlei, M./Schmidt-Mohr, U. (2016), S. 1.

14 Vgl. Wagenhofer, A./Ewert, R. (2015), S. 157; Fülbier, R. U./Gassen, J./Sellhorn, T. (2008), S. 1320.

15 Vgl. Wagenhofer, A./Ewert, R. (2015), S. 158.

16 Vgl. Wagenhofer, A./Ewert, R. (2015), S. 159.

17 Vgl. Basu, S. (1997), S. 313f.

18 Vgl. Wagenhofer, A./Ewert, R. (2015), S. 159.

19 Vgl. Wagenhofer, A./Ewert, R. (2015), S. 159f.

20 Vgl. Wagenhofer, A./Ewert, R. (2015), S. 160.

21 Vgl. Ryan, S. G. (2006), S. 512f.

22 Vgl. Basu, S. (1997), S. 4.

23 Vgl. Wagenhofer, A./Ewert, R. (2015), S. 160.

24 Vgl. Wagenhofer, A./Ewert, R. (2015), S. 160.

25 Vgl. Pope P. F./Walker, M, (2003), S. 12.

26 Vgl. Wagenhofer, A./Ewert, R. (2015), S. 160.

27 Vgl. Sunder, S. (2008), S. 121.

28 Vgl. Christensen, P. O./Feltham, G. A. (2003), S. 336.

29 Vgl. Wagenhofer, A./Ewert, R. (2015), S. 155ff.

30 Vgl. Wagenhofer, A. (2012), S. 1375.

31 Vgl. Basu, S. (1997), S. 5ff.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Konservative Rechnungslegung. Darstellung und kritische Würdigung
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
2,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
18
Katalognummer
V367567
ISBN (eBook)
9783668459816
ISBN (Buch)
9783668459823
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
konservative, rechnungslegung, darstellung, würdigung
Arbeit zitieren
Dimitri Libenson (Autor), 2016, Konservative Rechnungslegung. Darstellung und kritische Würdigung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/367567

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