In dieser Hausarbeit wird beschrieben, wie sich die Muslimbrüder im Laufe des Israel-Palästinakonfliktes zur gewaltbereiten Hamas entwickeln. Als besonderes Merkmal steht der Gegenstand der Gewalt im Vordergrund und wird auf das theoretische Gewaltkonzept von Frantz Fanon übertragen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Theorien von Gewalt
2.1 Franz Fanon und Gewalt
3. Der politische Islam in Palästina
3.1. Die Muslimbrüder
3.2. Entstehung und Entwicklung der Hamas
3.3. Die Hamas-Charta und ihre Ziele
4. Fazit - Gewalt als zentrales Merkmal der Hamas?
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Hausarbeit untersucht die Genese des radikalen politischen Islams in Palästina mit einem besonderen Fokus auf die Hamas. Das primäre Ziel besteht darin, den Transformationsprozess zu analysieren, durch den sich die Organisation von einer moderaten, erziehungsorientierten Bewegung zu einer gewaltbereiten Terrororganisation entwickelte, und dabei die Rolle von Unterdrückung und äußerer Gewalt nach theoretischen Ansätzen von Franz Fanon zu beleuchten.
- Theoretische Grundlagen von Gewalt und Gegengewalt nach Franz Fanon.
- Historische Entwicklung der Muslimbrüder in den palästinensischen Gebieten.
- Analyse der Entstehung und strategischen Ausrichtung der Hamas im Kontext der ersten Intifada.
- Untersuchung der Hamas-Charta und der ideologischen Ziele der Organisation.
- Reflektion über die Spirale der Gewalt im Israel-Palästina-Konflikt.
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Muslimbrüder
Nach der palästinensischen Niederlage bei Kriegsende im Jahr 1948 waren fast alle Palästinenser aus Israel vertrieben worden. „Ein palästinensischer Staat konnte nicht entstehen, da weder Großbritannien noch Jordanien noch Israel dies wünschten.“ (Baumgarten 2006:20) So ist neben der Gewalt, die die Palästinenser während dem Krieg und bei der Flucht aus Ihrem Land erleiden mussten, die Unterdrückung der Besatzungsmächte nach Kriegsende zu vermerken. Übrig waren nun zwei geteilte Gebiete. Der Gazastreifen fiel unter ägyptischer Militärherrschaft und das Westjordanland unterstand der transjordanischen Armee. In diesen Gebieten gab es in den Jahren bis 1967 eine unterschiedliche Entwicklung der Muslimbrüder.
Im Westjordanland vereinten sich die Muslimbrüder mit denen Jordaniens und legten einen klaren Schwerpunkt auf die islamische Erziehung. Sie stellen sich gegen den ägyptischen König Nasser, da dieser die Muslimbrüder in Ägypten und im Gazastreifen verfolgte. Dennoch distanzierten sie sich von gewalttätigem Widerstand gegen die Besatzung, was in der Bevölkerung keinen guten Eindruck machte. Für den jordanischen König Hussein waren die Muslimbrüder so ein willkommenes Gegengewicht zu dem arabischen Nationalismus Ägyptens. Hier lässt sich die besondere Rolle der Muslimbrüder früh erkennen. Um der Gewalt des ägyptischen Präsidenten Nassers zu entkommen, suchten sie sich einen starken Verbündeten. Der jordanische König gab ihnen zwar innenpolitische Freiheiten, unterdrückte jedoch jeglichen Versuch gegen die Besatzung Palästinas vorzugehen. Besonders gewalttätiger Widerstand wollte vermieden werden und die Muslimbrüder fügten sich den Umständen. Dies ist gut am Beispiel des islamischen Kongresses zu erkennen, bei dem schließlich unter Druck der jordanischen Regierung, das Thema des palästinensischen Widerstandes nicht mehr zur Debatte stand. In Ägypten und im Gazastreifen fanden sich die Muslimbrüder in einer völlig anderen Situation wieder. Die gemäßigte Politik Husseins gab der transjordanischen Muslimbrüder nämlich keinen Anlass sich der Gewalt hinzugeben. „Dagegen musste die extreme gewaltsame Unterdrückung und Verfolgung der Brüder in Ägypten durch Gamal Bad an-Nasser seit 1954 zu dem gewaltsamen Kurs der Muslimbrüder führen.“ (Baumgarten 2006:27)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Darstellung der Problemstellung und der zentralen Forschungsfrage bezüglich der Radikalisierung des politischen Islams in Palästina.
2. Theorien von Gewalt: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Gewaltbegriff und der soziologischen Perspektive auf Machtausübung.
2.1 Franz Fanon und Gewalt: Anwendung von Fanons Theorien über Dekolonialisierung und die Notwendigkeit von Gegengewalt auf den palästinensischen Kontext.
3. Der politische Islam in Palästina: Überblick über die historische Entwicklung politisch-islamischer Bewegungen von 1948 bis zum Beginn der 2000er Jahre.
3.1. Die Muslimbrüder: Analyse der unterschiedlichen Entwicklungswege der Bewegung im Westjordanland und im Gazastreifen unter verschiedenen Besatzungsregimen.
3.2. Entstehung und Entwicklung der Hamas: Untersuchung der Gründung der Hamas infolge der ersten Intifada und deren Rolle als radikaler Arm des Widerstands.
3.3. Die Hamas-Charta und ihre Ziele: Analyse der offiziellen Programmatik der Hamas und deren Auswirkungen auf das Verhältnis zu Israel und Friedensbemühungen.
4. Fazit - Gewalt als zentrales Merkmal der Hamas?: Zusammenführung der Ergebnisse und Beantwortung der Frage nach der Legitimität und Unausweichlichkeit der Gewaltspirale.
Schlüsselwörter
Hamas, Palästina, Israel-Palästina-Konflikt, Politischer Islam, Gewalt, Gegengewalt, Franz Fanon, Muslimbrüder, Intifada, Widerstand, Radikalisierung, Ideologie, Besatzung, Terrororganisation, Charta.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entstehung und Radikalisierung des politischen Islams in Palästina, insbesondere der Entwicklung der Hamas vor dem Hintergrund des Israel-Palästina-Konflikts.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind Gewalttheorien, die historische Entwicklung der Muslimbrüder, die Entstehung der Hamas sowie die Rolle von Widerstand und Unterdrückung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie es dazu kam, dass der politische Islam in Palästina von einer moderaten erziehungsorientierten Bewegung zu einer gewaltbereiten Organisation wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine politikwissenschaftliche und historische Analyse, unterlegt durch die Anwendung der Gewalt- und Dekolonisierungstheorien von Franz Fanon.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Etappen von 1948 bis in die 2000er Jahre, die ideologische Ausrichtung der Hamas-Charta und das Spannungsfeld zwischen politischen Zielen und Gewaltanwendung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Hamas, Politischer Islam, Intifada, Gegengewalt, Widerstand und Israel-Palästina-Konflikt.
Inwieweit spielt Franz Fanon eine Rolle für das Verständnis der Hamas?
Fanon dient als theoretischer Rahmen, um zu erklären, wie Unterdrückung zu einer zwingenden Reaktion in Form von Gegengewalt führen kann, was der Autor zur Einordnung der Hamas-Strategie nutzt.
Warum unterscheidet der Autor zwischen der Entwicklung im Westjordanland und dem Gazastreifen?
Weil die Muslimbrüder in diesen beiden Gebieten aufgrund unterschiedlicher Besatzungsmächte (Jordanien vs. Ägypten) und verschiedener sozioökonomischer Bedingungen unterschiedliche Strategien verfolgten.
Welche Rolle spielte die Hamas-Charta für die Wahrnehmung der Organisation?
Die Charta wird als ideologisches Dokument analysiert, das einerseits zur Selbstdefinition der Hamas dient und andererseits aufgrund antisemitischer Inhalte international stark kritisiert wurde.
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- David Schmucker (Autor), 2016, Die Hamas. Entstehung des radikalpolitischen Islams in Palästina, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/367634