Die Stellung der Kirchenmusik in Korea. Praxis, Publikationen und Perspektiven


Diplomarbeit, 2010

48 Seiten, Note: 2,7

Koron (Autor)


Leseprobe

Inhalt

Einführung

Die ursprünglichen Religionen Koreas
Der Schamanismus
Der Buddhismus in Korea
Der Konfuzianismus

Die Geschichte des Christentums in Südkorea

Die Min- Chung- Theologie

Überblick über die verschiedenen christlichen Konfessionen und Verbände

Die Situation der Christen in Nordkorea

Der lange Weg zum koreanischen protestantischen Gesangbuch

Querschnitt durch die in Korea erhältlichen Zeitschriften für Musik und Kirchenmusik

Koreanische Komponisten

Die Orgellandschaft

Einige Beispiele für bedeutende deutsche Orgelbauten in Korea:

Sung- Hoon Hong, ein koreanischer Orgelbaumeister

Handglockenchöre in Korea

Die Stellung der Kirchenmusik in Südkorea

Die kirchenmusikalische Ausbildung

Perspektiven

Entwicklung der kirchlichen Musikkultur

Probleme und Erfordernisse

Ausblick auf künftige Entwicklungen

Schlusswort

Literaturverzeichnis

Einführung

Korea ist ein Land, das seit jeher ein Hort der Religion ist. Durch die geographische Nähe zu China hat es schon immer einen starken kulturellen Austausch zwischen den beiden Ländern gegeben. Auch über China kam Korea erstmalig mit dem Christentum in Kontakt.

Einen leichten Stand hatte die Lehre des menschgewordenen Gottes Israels anfangs nicht neben den im Volk tief verankerten Lehren des Buddhismus und Konfuzianismus, und so blühte das Christentum erst richtig nach Einzug der Schutzmacht gegen den Kommunismus, den Vereinigten Staaten von Amerika, in Südkorea auf.

Das 20. Jahrhundert brachte viel Leid über die Bewohner der koreanischen Halbinsel: Japanische Besatzung und Plünderung in den Jahren von 1910 bis 1945, ein sowjetisch- chinesisch- amerikanischer Krieg auf der koreanischen Halbinsel, eine Staatsteilung und damit weitere außenpolitische Schwächung gegenüber den großen Nachbarstaaten Koreas, Zertrennung von Familien auf die zwei koreanischen Teilstaaten, eine Militärdiktatur bis1987 in Südkorea und in Nordkorea bis heute und eine andauernde Gefahr eines Krieges, ausgetragen mit den mörderischsten aller Waffen, bis heute.

Um die Bedeutung der Kirchenmusik in Korea nachvollziehen zu können, muss geschaut werden, wie das Christentum mit seiner Musik sich in Korea etabliert hat. Erst nach dieser Betrachtung kann ein Ausblick auf die Herausforderungen der nahen Zukunft gewagt werden. Das soll diese Arbeit leisten.

Die Gegenwart des eigenen Leides öffnete den Koreanern die Augen für das Leid Christi und dessen Botschaft an die Menschen. Auch vor dem Koreakrieg (1950- 53) gab es schon vereinzelte christliche Gemeinschaften in Korea, aber erst die rege Missionstätigkeit danach ließ das Christentum aufblühen. Viele Missionare gründeten Krankenhäuser, Waisenhäuser, oder organisierten Armenküchen und Sammlungen für die notleidende Bevölkerung. Sie brachten wieder Ordnung und Hoffnung in den trostlosen Alltag nach dem Krieg. Ihre Lehre von Jesus Christus gab der Existenz einen Sinn, und so entstand schon bald eine Vielzahl an christlichen Gemeinschaften.

Hauptsächlich US- amerikanische Missionare kamen in das Land, und so ist Korea heute religiös vor allem durch die protestantischen Glaubensrichtungen aus den Vereinigten Staaten von Amerika beeinflusst. Die großen Kirchen Europas, die Katholische, Orthodoxe, Anglikanische und Lutherische, spielen in Korea eher eine untergeordnete Rolle. Besonders stark sind methodistische und presbyterianische Gemeinschaften in Korea.

Aus der schier unübersichtlich großen Zahl an Gemeinden, die sich um die ersten Missionare scharten, entwickelten sich erst nach Jahren Kräfte, die um einer Vereinheitlichung bemüht waren. Ziel dieser Bemühungen waren eine einheitliche Bibelübersetzung und die Schaffung von Gesangbüchern für die christlichen Kirchen in Korea.

Aus der Vielfältigkeit der evangelischen Glaubensrichtungen die einheitliche Essenz zu filtern, bleibt nach wie vor Ziel bei den Bemühungen um die Schaffung bzw. Neuauflage des einheitlichen evangelischen koreanischen Gesangbuches, mit welchem sich die kleinen wie die großen Glaubensgruppen gleich identifizieren können.

Die ursprünglichen Religionen Koreas

Der Schamanismus

Vor dem Siegeszug des Christentums in Korea und vor der Verbreitung des Buddhismus’ und Konfuzianismus’ waren schamanische Bräuche verbreitet, die zum Teil bis zum heutigen Tage überlebt haben. Der Schamanismus mit seiner engen Naturverbundenheit prägte das Leben der koreanischen Agrargesellschaft. Er sollte über die Verbindung mit Geistern die Probleme der Menschen lösen. Man glaubte, daß die Seele im Gegensatz zum Körper unvergänglich ist und durch die Sphären von Himmel, Erde und dämonischer Unterwelt wandeln kann. Die Schamanen waren als Vermittler zu diesen Seelen und Existenzebenen tätig. Der Schamanismus ist keine Religion im üblichen Sinne, sondern eher der Glaube, daß alle Dinge in der Natur beseelt sind.

Die Leitung der schamanischen Riten hatten meistens Frauen. Man nannte sie „Mudang“. Sie waren auch als Heiler und Psychologen tätig. Das Wissen der „Mudang“ wurde an die Blutsverwandten weitervererbt. Die „Mudang“ begaben sich für ihre Rituale durch Musik und Tänze in Trance.

Auch in der Kunst und der Musik hat der Schamanismus seine Spuren hinterlassen. Vor Koreas Dörfer standen totempfahlähnliche Figuren, die böse Geister abwehren sollten. Durch Zimbel- und Trommelmusik nahmen die Lebenden Kontakt mit den Geistern der Toten auf. Bevor ein Gebäude seiner Bestimmung übergeben wird, wird noch heute eine rituelle Geisterbeschwörung vorgenommen, bei der die Geister durch Opfergaben milde gestimmt werden sollen.

Ein wichtiges Ritual, das sog. „Ssitgimgut“ sollte den Geist einer verstorbenen Person reinwaschen, damit er in die Unterwelt eingehen kann.

Der Buddhismus und der Konfuzianismus arrangierten und vermischten sich mit den alten schamanischen Bräuchen. In den alten koreanischen Königreichen waren die Schamanen Verachtete und durften keine Städte betreten. Allerdings waren sie während großer Nöte, z. B. im 19. Jahrhundert, gerne gesehen und sind es in einigen großen Konzernen auch noch bis zum heutigen Tage.

In Korea, hauptsächlich in der Umgebung von Seoul, gibt es heute etwa 70.000 „Manshin“, Schamaninnen, was übersetzt „die Wunder vorführt“ heißt. Dabei ist es durchaus üblich, daß auch ein Christ diesen Zeremonien beiwohnt. Durch den jahrhundertealten Konflikt zwischen den vielen Glaubensrichtungen haben viele Koreaner ein sehr tolerantes und pragmatisches Verhältnis zu anderen Traditionen ihres Landes entwickelt.

Der Buddhismus in Korea

Auf der koreanischen Halbinsel existierten fast 700 Jahre lang drei Königreiche nebeneinander: Koguryŏ im Norden (aus „Koguryŏ“ wurde später der Name „Korea“), Baekje im Südwesten und Shilla im Südosten (alle zwischen 57 v. Chr. bis 668 n. Chr.). Koguryŏ, das an China grenzte, hatte zuerst Kontakt zum Buddhismus.

Im Jahre 372, als das alte koreanische Königreich Koguryŏ die Mandschurei und große Teile der koreanischen Halbinsel vereint hatte, wurde der Buddhismus zur Staatsreligion erklärt. Als im Jahre 374 der einflußreiche chinesische Mönch Ado nach Koguryŏ kam, bewog er König Sosurim zum Übertritt in den Buddhismus, wodurch er sich schnell zur Nationalreligion entwickelte. Später übernahm das Königreich Balhae teilweise die Tempel Koguryŏs. Aufgrund der isolierten geographischen Lage Koreas entwickelte sich eine sehr eigenständige buddhistische Tradition.

Der Buddhismus gelangte 552 von Paekche (Reich im Südwesten der koreanischen Halbinsel, etwa 1. Jh. v. Chr.- 688 n. Chr.) weiter nach Japan, zu dem es enge diplomatische Beziehungen unterhielt.

Als sich 624 die Philosophie des Taoismus von China nach Korea ausbreitete, wurde der Buddhismus von staatlicher Seite unterdrückt. Nachdem aber das koreanische Südreich Shilla im Jahre 668 die anderen beiden koreanischen Königreiche Paekche und Koguryŏ unter seiner Herrschaft vereint hatte, war der Buddhismus bis 1392 Staatsreligion. Diese Vereinigung ermöglichte außerdem die Entstehung einer einheitlichen koreanischen Sprache, Kultur und Kunst.

Man kann sagen, daß der Buddhismus bis ins 20. Jh. hinein die kulturelle Entwicklung Koreas vorrangig prägte und die Werte, die er repräsentiert, bis zum heutigen Tage in der koreanischen Gesellschaft gepflegt werden.

Der Konfuzianismus

In der Zeit der Choson- Dynastie (1392- 1910) übte der Konfuzianismus einen unübersehbaren Einfluß auf Korea aus.

Zur Staatsphilosophie erhoben wurde er zusammen mit dem Buddhismus 1392, nachdem General Yi Song- Gye sich gegen den eigenen König gewandt hatte und die Choson- Dynastie begründete. „Choson“ bedeutet „Land der Morgenfrische“ und wird auch heute noch häufig Korea als Beiname zugefügt. Die leitende kulturelle und politische Position im konfuzianischen Staatwesen hatte die Beamtenschaft inne. Die Herrschaft des Königs wurde, so wie in China, von den von ihm eingesetzten Beamten im Reich umgesetzt.

Der Ahnenkult erhielt eine ganz besondere Bedeutung, die sich in den Hauptzügen bis zum heutigen Tage erhalten hat. Korea erlebte eine Blütezeit in Malerei, Kalligraphie, Musik und Literatur. Die Gelehrten der Choson- Dynastie entwickelten zwischen 1443 und 1446 das koreanische Alphabet.

Konfuzianismus und Buddhismus verschmolzen in Korea zu einer philosophisch- religiösen Synthese. Die wichtigsten konfuzianischen Zeremonien sind die Feiern der Volljährigkeit, Hochzeit, Todesfeier und Jahrestagsfeiern des Todes von Ahnen. Obwohl der Konfuzianismus in Korea nicht als Religion angesehen wird, hat er sich in der Kultur des Landes bis heute einen wichtigen Stellenwert erhalten. Typisch konfuzianische Tugenden sind so beispielsweise der ausgeprägte Lerneifer an Schulen und Universitäten sowie die Achtung der Kinder gegenüber den Eltern und Großeltern. Selbst in der koreanischen Sprache hat diese Philosophie unübersehbare Spuren hinterlassen. So gibt es eine Vielzahl an ins Deutsche nur schwer übertragbaren Höflichkeitsstufen, die die Beziehung zweier Gesprächspartner im Dialog zueinander verdeutlicht.

Die Geschichte des Christentums in Südkorea

Das Christentum ist in Korea seit dem 17. Jahrhundert bekannt, als Schriften des in China missionierenden Jesuiten Matteo Ricci (1552- 1610) über China koreanischen konfuzianischen Gelehrten bekannt wurden. Diese Schriften enthielten christliches Gedankengut, aber auch wissenschaftliche Artikel, beispielsweise über das westliche Kalendersystem. Der erste christliche Priester, Jesuitenpater Peter Grammont, kam im Jahre 1785 nach Korea. Er taufte Konvertiten und weihte Priester im Verborgenen, denn das Huldigen fremder Religionen war im Korea dieser Zeit verboten. Vereinzelt kam es auch zu Christenverfolgungen. 1863 leiteten zwölf katholische Priester etwa 23.000 koreanische Christen. In der Folgezeit bis 1876 wurden zahlreiche Christen verfolgt und viele zum Tode verurteilt. Nach der erzwungenen Öffnung der koreanischen Häfen für Ausländer kamen viele protestantische Missionare ins Land, die ihren Anhängern Studien im Ausland ermöglichten.

Nach der Unterwerfung Koreas durch die Japanische Armee machten sich viele Missionare für die Unabhängigkeitsbewegung stark und wurden verfolgt. Diesen mutigen und selbstlosen Einsatz der vorwiegend protestantischen Missionare haben die Koreaner nicht vergessen. Noch heute ist der Protestantismus in seinen verschiedenen Ausrichtungen (1992 gab es immerhin 92 verschiedene protestantische Glaubensrichtungen) die stärkste religiöse Gemeinschaft in Korea. Während der japanischen Fremdherrschaft spielte die Kirche eine Vorreiterrolle während des Volksaufstandes von 1919. Viele koreanische Kulturgüter wurden zerstört oder nach Japan verschleppt. Die Koreaner wurden gezwungen, an japanischen Schreinen zu beten. Wer sich weigerte, wurde eingesperrt oder getötet. Durch die Stütze, die die koreanischen Kirchen in diesen schweren Zeiten gaben, erhielten sie später sehr großen Zuwachs und zählen heute zu den größten der Welt.

Die Kirchen wuchsen nach dem Koreakrieg (1950- 1953) besonders stark. Viele koreanische Kirchen haben ihrerseits tausende Missionare in alle Welt entsandt. In den 1960er und 70er Jahren, einer Zeit schwerer Unruhen und Regierungsputsche, kämpften vor allem die protestantischen Christen Südkoreas für Demokratie und Menschenrechte in ihrem Land.

Die christlichen Kirchen Südkoreas begannen in den 1980er Jahren in einer Friedensbewegung Kontakte zu christlichen Gemeinschaften in Nordkorea zu etablieren.

Das Christentum in Korea versteht sich ungleich stärker als in Deutschland auch als politische Kraft. Es nimmt seine demokratische Stärke war und nutzt sie. So werden häufig aktuelle politische Probleme von den Kirchen aufgegriffen, Appelle an die politischen Entscheidungsträger verfasst und Demonstrationen organisiert, bei denen nicht nur Geistliche, sondern auch das „normale“ Kirchenvolk auf die Straßen geht., z.B. für uneingeschränkte Pressefreiheit, die Befreiung des Schulsystems von der Privatwirtschaft und deren Interessen, Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Automobilfabriken. Gewerkschaften und Kirchen agieren häufig gemeinsam.

Die Min- Chung- Theologie

Sie entwickelten die sog. „Min- chung- Theologie“ („Min- chung“ heißt „Volk“) als Kirche des Volkes und der Armen, die nicht das subjektive Gotteserlebnis zum Ziel hatte, sondern die Erfahrung der Gleichheit und Gemeinschaft im Leid. Die Bibel wurde dabei zum Leitfaden für rechtes Handeln. Die Predigten waren weniger abstrakt ausgerichtet als vielmehr auf persönliche Erlebnisse des Leidens. Der Alltag der Gläubigen wurde zum Thema der Gottesdienste. Auch die Gebete wurden dadurch viel persönlicher. Die „Min- chung- Theologie“ wird auch als die „Theologie des Erzählens“ bezeichnet, weil sie die im Christentum lange vernachlässigte Form des Erzählens wieder in den Gottesdienst eingliedert und der Schriftlesung mindestens gleichstellt. Die armen, unterdrückten und entmachteten Menschen, die Figuren des Evangeliums also, werden zu den Trägern des Gottesdienstes. Die Min- Chung- Theologie macht darauf aufmerksam, das gerade die Bibel hauptsächlich aus Erzählungen besteht.

Besonders wegen der vielen leidvollen Erfahrungen des koreanischen Volkes in der jüngeren Vergangenheit konnten sich die Koreaner mit dem Christentum leicht identifizieren. So schrieb der Min- Chung- Dichter Kim Ch'unsu[1] im Nachwort zu seinem Gedichtband:„Unsere schmale Halbinsel ist erfüllt vom Heulen der Geister jener, die schuldlos starben. Vom Heulen der Ungezählten, die bei fremder Invasion, im Bruderkrieg, unter der Diktatur, in der Revolte, durch Hunger und Krankheit starben.“

Die zahlreichen Einmischungen der großen und mächtigen Nachbarn Koreas (China, Japan, Russland, Vereinigte Staaten von Amerika) prägten das Volk. Jesus Christus ist nach dem Min- Chung der Priester, der das zugefügte Leid auflöst.

Überblick über die verschiedenen christlichen Konfessionen und Verbände

In Korea gibt es eine nahezu unübersichtliche Vielfalt an christlichen Strömungen. Die wichtigsten sollen in den folgenden Abschnitten genannt werden.

Derzeit sind in Südkorea etwa:

41% christlich

20% buddhistisch

11% konfuzianisch

28 % Angehörige anderer Religionen oder religionslos.

Die Mitglieder der christlichen Kirchen teilen sich ein in:

- 8.841 570 Protestanten
- 4.400 000 Katholiken
- 80.000 Anglikaner
- 5.700 Orthodoxe
- 8.149 460 Unabhängige

Im Jahre 1887 erhielten die Koreaner die erste Bibelübersetzung in Auszügen in ihrer Muttersprache. 1901 wurde das Neue Testament komplett übersetzt und 1904 gedruckt. Im April 1910 wurde auch das Alte Testament in Koreanischer Sprache veröffentlicht. 1919 wurde von den Methodisten und den Presbyterianern das erste Gesangbuch mit dem Titel „Tsan Song Ka“ (übersetzt: „Lobgesang“) herausgegeben, das bereits 1928 neu aufgelegt werden mußte.

Die anglikanische Kirche von Korea

Die anglikanische Kirche existiert seit dem Ende des 19. Jh. in Korea. Während der japanischen Besatzungszeit (1910- 1945) kam die Entwicklung dieser Kirche in Korea zum Erliegen. Die anglikanische Kirche hat heute in Südkorea etwa 65.000 Mitglieder in drei Diözesen. Seit 1993 hat sie in Seoul einen eigenen Primas. 180 Priester betreuen 120 Gemeinden. Sozial- und Lehreinrichtungen haben bei der Entwicklung der Anglikanischen Kirche in Korea eine wesentliche Rolle gespielt.

Die koreanische methodistische Kirche

Die koreanische methodistische Kirche hat 1,5 Millionen Mitglieder, die von 8.300 Priestern betreut werden. Die Kirche begann ihre Missionsarbeit 1884 durch den amerikanischen Missionar McClay, der vom koreanischen König die Erlaubnis, Krankenhäuser zu errichten und zu Lehren erhielt. 1892 gaben die methodistischen Missionare George Herber Jones (1867- 1919) und Louisa Rotweiler (1853- 1921) das erste koreanische Gesangbuch mit dem Titel „Tsan- mi- ka“ („Psalmen und Lieder“) heraus.

Heute predigen koreanische methodistische Missionare in der ganzen Welt und arbeiten aktiv an der weiteren Missionierung Koreas. Die koreanische methodistische Kirche engagiert sich vor allem für kranke, behinderte und alte Menschen und ist auch politisch aktiv.

Die koreanische orthodoxe Kirche

Am 17. Februar wurde der erste russisch- orthodoxe Gottesdienst auf der Koreanischen Halbinsel abgehalten. Die erste orthodoxe Kirche wurde 1903 in Seoul geweiht. Trotz japanischer Verfolgung während der Besatzungszeit konnte der erste koreanische Priester 1912 ordiniert werden. Als das Land im Koreakrieg in eine östliche und eine westliche Einflußsphäre gespalten wurde, kam auch die orthodoxe Kirche im Süden zum erliegen. Durch griechischen Einfluß gelang es, die christlich- orthodoxe Arbeit im Süden wieder aufzunehmen.

Heute gibt es in Südkorea zehn orthodoxe Gemeinden mit etwa 5.700 Mitgliedern und ein Kloster. 2006 erlaubte die Regierung Nordkoreas offiziell die Gründung einer Gemeinde in der Hauptstadt Pyöngyang.

Die Koreanische Baptistische Kirche

Die koreanische baptistische Kirche ist ein Ableger der US- amerikanischen baptistischen Kirchen und wird größtenteils von den in Südkorea stationierten Soldaten und ihren Familien frequentiert. Die Predigten und Gemeindeveranstaltungen werden aber auch zweisprachig gehalten. Das erste baptistische Gesangbuch wurde vermutlich 1899 herausgebracht und hieß „Bo gim tsan mi“ („Mission Singen“).

Die koreanische lutherische Kirche

Die Arbeit der koreanischen lutherischen Kirche begann erst 1958. Die koreanische lutherische Kirche unterhält heute eine theologische Universität, einen Radiosender, ein Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit und einen eigenen Verlag.

Die Kirche hat 5.857 getaufte und 5.210 nicht getaufte Mitglieder in 37 Gemeinden mit 42 Pfarrern.

Die Presbyterianische Kirche von Korea

Von 1884 an kamen viele Missionare, vor allem aus Amerika, nach Korea. Sie gründeten viele Schulen, Waisenhäuser, Krankenhäuser und andere soziale Einrichtungen. 1901 wurde das presbyterianische theologische Seminar gegründet. Der Enthusiasmus der koreanischen Absolventen führte zu zahlreichen Kirchweihen. Heute ist das Ziel der Presbyterianischen Kirche, an Einigkeit und Frieden, sozialen Diensten, Menschenrechten, landwirtschaftlichen und medizinischen Belangen fruchtbar mitzuwirken.

Die Presbyterianische Kirche von Korea hat derzeit 2.395.323 Mitglieder und 10.950 Pastoren in 6.978 Gemeinden. Heute arbeiten 799 Missionare in 77 Ländern und ist somit die größte protestantische Gemeinschaft in Korea.

Die Presbyterianische Kirche in der Republik Korea

Die Presbyterianische Kirche in der Republik Korea hat etwa 334.500 Mitglieder und 830 Pfarrer in 998 Gemeinden. 1884 bauten die Presbyterianer die erste protestantische Kirche im heutigen Nordkorea. Der erste Missionar war der amerikanische Arzt Horace N. Allen. Der erste presbyterianische Pfarrer war Horace G. Underwood. Er gab im Jahre 1894 das Gesangbuch „Chang- yang- ka“ (Loblieder“) heraus.

Im Februar 1887 wurde von den Presbyterianern die erste koreanischsprachige Bibel gedruckt. 1901 wurde in Pyöngyang die erste von vielen presbyterianischen Lehranstalten gegründet. 1907 wurden die ersten Koreaner zu presbyterianischen Priestern geweiht. Zur 50- Jahr- Feier im Jahre 1934 wurde ein rein presbyterianisches Gesangbuch herausgebracht.

Weiterhin gibt es in Korea die„Korean Evangelical Fellowship“und die koreanische mennonitische Gemeinde, die„Jesus Village Church“.

DieHeilsarmeeist in Korea besonders in den sozial schlechter gestellten Kreisen aktiv. Ihr erstes Gesangbuch veröffentlichte sie 1912 unter dem Titel „Ku- sä- gun- ka“ („Heilsgesang“).

Die Katholische Kirche in Korea

In den 1779er Jahren lernten koreanische Gelehrte christliche Schriften kennen, die Jesuiten im 17. Jh. nach China gebracht hatten. Sie befaßten sich mit diesen Schriften, und 1783 wurde der erste Koreaner in China getauft. 1784 kehrte er nach Korea zurück. 1784 gilt daher als Gründungsjahr der katholischen Kirche in Korea.

Die Katholiken sind in Südkorea mit einem Bevölkerungsanteil von etwa 10%, d.h. 4,4 Mio. Gläubigen nur eine relativ kleine religiöse Gruppe. Die insgesamt 2.200 koreanischen und 200 ausländischen Priester werden zu einem großen Teil in Europa ausgebildet. Es gibt einen Erzbischof (der gleichzeitig für Nordkorea zuständig ist), einen Weihbischof und 10 Bischöfe. Die katholische Kirche Koreas engagiert sich sehr in vielen sozialen Bereichen. Vor allem über die Erwachsenenbildung rekrutiert sie neue Mitglieder.

Die Situation der Christen in Nordkorea

Über das christliche Leben in Nordkorea gibt es so gut wie keine Informationen. Es ist anzunehmen, daß diejenigen, die sich nicht ganz „systemkonform“ verhalten, und dazu werden die Christen mit Sicherheit gezählt, einen sehr schweren Stand in Nordkorea haben. Nordkoreas Gesetz gewährt seit 1992 Religionsfreiheit, allerdings darf „…die Ausübung der Religion nicht die öffentliche Ordnung gefährden.“ Religionsfreiheit existiert in Nordkorea somit nur auf dem Papier. Wer den christlichen Glauben hat, wird in der Regel verdächtigt, mit den USA zu sympathisieren. Der Besitz von Bibeln steht unter Strafe und kann laut nordkoreanischen Flüchtlingen zur Verhaftung und Einlieferung in ein „Umerziehungslager“ führen, wo viele den Tod finden.

Die Angaben in diesem Abschnitt sind keine gesicherten Informationen (z. T. Berichte von Reisenden), da aus Nordkorea nur staatlich überprüfte und gefilterte Nachrichten das Land verlassen dürfen.

Genauere Informationen gibt es auch für Südkoreaner nicht. Es ist bekannt, daß es in Pyöngyang eine russisch- orthodoxe Gemeinde mit einer geweihten Kirche seit dem 14. April 2006 gibt. Die Anzahl ihrer Mitglieder schätzt man auf unter einhundert. Da es für Südkoreanische Staatsbürger bis vor kurzem verboten war, Nordkorea zu bereisen, und dies auch jetzt nur unter strengsten Auflagen möglich ist, müssen die Reiseberichte von Ausländern[1] oder Flüchtlingen herangezogen werden.

So können deutsche christliche Reisegruppen berichten, daß es in Pyöngyang Hausgottesdienste und einen sonntäglichen Gottesdienst in der 1988 geweihten protestantischen Bongsu- Kirche gibt. In dieser Kirche hängen keine Bilder von Kim- Jong Il. Sie soll gut besucht, aber nicht überfüllt sein. Gespräche mit den Gemeindegliedern durften während des Besuches allerdings nicht geführt werden, sodaß nicht klar ist, wer tatsächlich in den Bänken saß. Der Pfarrer schien keine geistliche Ausbildung gehabt zu haben; religiöse und politische Aussagen wurden im Sinne der Staatsideologie vermischt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 48 Seiten

Details

Titel
Die Stellung der Kirchenmusik in Korea. Praxis, Publikationen und Perspektiven
Hochschule
Hochschule für Kirchenmusik der Evangelischen Kirche von Westfalen in Herford
Note
2,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
48
Katalognummer
V367738
ISBN (eBook)
9783668461215
ISBN (Buch)
9783668461222
Dateigröße
614 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Korea, Nordkorea, Südkorea, Kirchenmusik, Kirche
Arbeit zitieren
Koron (Autor), 2010, Die Stellung der Kirchenmusik in Korea. Praxis, Publikationen und Perspektiven, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/367738

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