Der Einfluss von Migrationspolitik auf den Arbeitsmarkt. Ein ökonomischer Diskurs für Deutschland


Seminararbeit, 2016
18 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Einfluss von Migranten auf den deutschen Arbeitsmarkt - allgemeine wirtschaftspolitische Überlegungen
2.1 Theoretische ökonomische Ansätze
2.2 Auswirkungen der Migration auf die demografische Entwicklung

3 Migranten und der Arbeitsmarkt in Deutschland - historische Erfahrungen mit „Arbeitsmigranten“
3.1 Von „Gastarbeitern“ und der deutschen Wiedervereinigung
3.2 Deutschland und die Greencard
3.3 Zahlen und Fakten zu Migranten in Deutschland und auf dem deutschen Arbeitsmarkt
3.4 Negativeffekte für den Arbeitsmarkt durch bisherige Migration - Reale Erfahrungen
3.5 Implikationen einer zielgerichteten Migrationspolitik

4 Fazit: Thesen für eine neue Migrationspolitik des 21. Jahrhunderts

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Nicht erst seit der aktuellen Flüchtlingsdebatte beschäftigt Sozial- und Wirtschafts- wissenschaftler der Zusammenhang zwischen Migrationspolitik und dem Arbeits- markt. Das Thema war in den letzten Jahren vor allem vor dem Hintergrund von Diskussionen zur Globalisierung nebst einer Neubestimmung des Begriffes „Ein- wanderungsland“ für die Bundesrepublik Deutschland. Vielfach wurden dabei sozial- und wirtschaftspolitische Studien auf deutscher sowie europäischer Ebene durchge- führt.1 Wesentlich ist dabei vor allem eine Frage: Wie sollte eine sinnvolle Migrati- onspolitik aussehen, um den deutschen Arbeitsmarkt auf kommende Herausforde- rungen vorzubereiten? Eine dieser Herausforderungen ist dabei besonders relevant: Aufgrund einer Überalterung der Gesellschaft wird das Erwerbspotenzial drastisch schrumpfen. Es droht Fachkräftemangel in einem bisher kaum gekannten Ausmaß. Die Erkenntnis, wie wichtig der Kampf um Fachkräfte für die globalen Volkswirt- schaften der Zukunft sein wird, wächst auch in Deutschland.2

Es stellen sich folgende Fragen:

1. Kann eine gezielte Migrationspolitik für diese beiden Probleme überhaupt Abhilfe leisten, in positiver Weise auf den Arbeitsmarkt einwirken und dabei

- die demografische Kurve beeinflussen und den Fachkräftemangel zumindest redu- zieren?

- Anreize für Top-Kräfte aus aller Welt schaffen, in Deutschland zu leben und zu arbeiten?

2. Wenn ja, wie müsste eine derartige Politik aussehen?

Diese beiden Fragen werden schwerpunktmäßig in dieser Arbeit in den folgenden Kapiteln behandelt. Dabei geht es darum bisher verfolgte Ansätze zur Migrationspolitik in ihren Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt kritisch zu diskutieren. Aufgezeigt werden sollen dabei Verbesserungs- und Optimierungsmöglichkeiten vor dem Hintergrund der Anforderungen des Arbeitsmarktes in Zukunft.

2 Der Einfluss von Migranten auf den deutschen Arbeitsmarkt - allgemeine wirtschaftspolitische Überlegungen

2.1 Theoretische ökonomische Ansätze

In der Literatur wird in einigen theoretischen Ansätzen zu den Einflüssen von Mig- ranten und Migrationspolitik auf den Arbeitsmarkt thematisiert.3 In verschiedenen theoretischen Ansätzen wird dabei von ausbleibenden Effekten der Migration auf den Arbeitsmarkt ausgegangen, so zum Beispiel im Rahmen des Heckscher-Ohlin Mo- dells.4 Nach anderen Ansätzen werden negative Effekte durch Migration auf den Arbeitsmarkt befürchtet. Nach der Außenhandelstheorie etwa senkt der verstärkte Zuzug hochqualifizierter Migranten allgemein das Lohnniveau in dem Qualifikati- onssegment auch für die einheimischen Arbeitnehmer.5 Auf der anderen Seite soll die Einwanderung in den Niedriglohnsektor den Konkurrenz- und Existenzkampf in diesem Marktsegment anheizen und die Situation für die einheimischen Niedriglöh- ner verschlechtern können.6 Dabei spielen weitere Faktoren eine Rolle. Die verschie- denen Ansätze unterscheiden jeweils offene und geschlossene Volkswirtschaften, manche auch Zeiten wirtschaftlichen Aufschwungs im Vergleich mit Zeiten des Ab- schwungs. Vor allem sind die Effekte der Migration auf den Arbeitsmarkt nach den gängigen Ansätzen auch im Hinblick auf verschiedene Arbeitnehmergruppen und die Qualifikationen der Zuwanderer unterschieden, da die Einflüsse regelmäßig weniger homogen verteilt sind, als man annehmen würde. Insgesamt zeigt sich in den ver- schiedenen theoretischen Ansätzen, dass es zu positiven Auswirkungen durch Mig- ranten für die Breite der Arbeitnehmerschaft kommt oder es werden keine, bezie- hungsweise nur geringe Effekte auf den Arbeitsmarkt durch die Einwanderung von ausländischen Arbeitnehmern konstatiert.7

2.2 Auswirkungen der Migration auf die demografische Entwicklung

Eine besondere Thematik stellen dabei Fachkräfte dar und der immer wieder für den Arbeitsmarkt behauptete Fachkräftemangel. Dabei wird allgemein die These vertre- ten, dass Zuwanderung die demografische Struktur der Bevölkerung verändern kann, was unmittelbare Folgen auf den Arbeitsmarkt hat.8 Um die Bedeutung dieser zu- künftigen Entwicklung zu verstehen, sind folgende Zahlen interessant: Aufgrund der zu erwartenden demografischen Struktur ist mit einem Rückgang des Erwerbspoten- tials in Deutschland von 44,5 Mio. auf 26 Mio. bis zum Jahr 2050 zu rechnen.9

Zuwanderung im Sinne einer entsprechend gesteuerten Migrationspolitik wird als eine der möglichen Lösungen gegen das Überalterungsproblem der deutschen Gesellschaft gesehen, allerdings auch nicht als alleinige Lösung.10

Aus den theoretischen Ansätzen lassen sich folgende Schlussfolgerungen ziehen:

1. Da die meisten theoretischen Ansätze von marginalen, beziehungsweise keinen negativen Effekten auf die breite Bevölkerung ausgehen, sollte eine sinnvolle Migrationspolitik zumindest die nach Auffassung einiger Wissenschaftler gefährdeten „Niedriglöhner“ bei ihrer Politik im Auge behalten.

2. Es besteht eine gute Chance, das demografische Problem auf dem Arbeitsmarkt mit Migration zumindest zu lindern.

Wie eine gezielte Migrationspolitik aussehen müsste, lässt sich vor allem mit Blick auf den bisher in der Bundesrepublik erfolgten Umgang mit Einwanderern aufzeigen.

3 Migranten und der Arbeitsmarkt in Deutschland - historische Erfahrungen mit „Arbeitsmigranten“

3.1 Von „Gastarbeitern“ und der deutschen Wiedervereinigung

Mit dem Begriff „Migration“ war in der Bundesrepublik Deutschland jahrzehntelang vor allem eine spezielle Form der Arbeitsmigration gemeint. Man empfand sich in der alten Bundesrepublik der 1960er und 1970er Jahre nicht als Einwanderungsland im Vergleich mit sogenannten klassischen Einwanderungsländern wie den USA, Kanada und Australien.11 An diesem Verständnis vom sogenannten „Nichteinwande- rungsland Deutschland“ wurde bis in die jüngste Vergangenheit von der Politik mehrheitlich festgehalten wie Gathmann und andere zutreffend feststellen.12 Dabei wurde in Deutschland versucht, durch Anwerbung von jeweils bestimmten Auslän- dergruppen die notwendigen Arbeitskräfte für den wirtschaftlichen Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg bereitzustellen.13 Hillmann spricht in diesem Zusam- menhang von der „Konsolidierung des wirtschaftlichen Aufschwungs“. Sie sieht folgerichtig mit dem ersten Anwerbevertrag für italienische Arbeitskräfte 1955 ein neues Prinzip in Kraft gesetzt. Bei nationaler Verknappung von Arbeitskräften wird auf internationale Ressourcen zurückgegriffen.14 Folglich handelte es sich vor allem um eine aktive Arbeitsmarktpolitik, die eine besondere Art von Migration förderte. Der Schwerpunkt in den 1960er und 1970er Jahren lag dabei eindeutig im Bereich Arbeitsmarktpolitik, wobei Auswirkungen des weiteren Verbleibs der „Arbeitsmig- ranten“ nicht thematisiert wurden. In der Vorstellung der damaligen politischen Pla- ner war der Aufenthalt der ausländischen Arbeitskräfte zeitlich begrenzt, wofür ein Rotationsprinzip sorgen sollte - um Einwanderung ging es schließlich nicht. Es ging um die zeitweise Besetzung von Arbeitsplätzen, die nicht durch inländische Arbeit- nehmer besetzt werden konnten, in Zeiten wirtschaftlichen Aufschwungs. Der 2. Weltkrieg hatte für eine Ausdünnung der zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte gesorgt.15 Die Politik reagierte dabei kurzfristig und ohne eine weitere Planung und reduzierte die Migranten auf ihre Funktion für den Arbeitsmarkt.16

Treffend wurde dazu der Begriff „Gastarbeiter“ eingeführt. Die tatsächliche Ent- wicklung nahm allerdings einen anderen Verlauf. Viele der sogenannten „Gastarbei- ter“ blieben länger als geplant, weil sich das angesprochene Rotationsprinzip auch für die Unternehmen als kaum praktikabel erwies. Der Familiennachzug führte zu einer langfristigen Ansiedlung von ausländischen Arbeitnehmern in der Bundesre- publik, so dass Deutsche besonders in Ballungsräumen plötzlich mit einer Minderheit im eigenen Land konfrontiert waren. Vor dem Hintergrund einer sich abschwächen- den Konjunkturlage traten später befürchtete Negativaspekte von ausländischen Ar- beitnehmern in den Vordergrund der politischen Gestaltung von Migration.17

Darauf reagierte die Politik in Deutschland mit regelnden Maßnahmen im innenpoli- tischen und arbeitsmarktregelnden Bereich, die in der Folge die „Migrationspolitik“ prägten. Es ging fortan primär um Regelungen im Bereich Ausländerrecht und einer weitreichenden Abschottung des deutschen Arbeitsmarktes vor ausländischen Ar- beitnehmern. Außerdem existierten kaum auf die Gruppe der Ausländer und die erste Generation der in Deutschland geborenen Ausländer zugeschnittene, arbeitsmarktpo- litische Programme. Ausländische wie inländische Arbeitnehmer wurden vielmehr mit denselben arbeitsmarktpolitischen Instrumentarien gefördert oder eben nicht ge- fördert - ohne Rücksicht auf möglicherweise spezielle Bedürfnisse der unterschiedli- chen Gruppen.18

Gekennzeichnet sind die 1980er und 1990er Jahre vor allem durch eher passive Re- aktionen auf bestimmte Entwicklungen in der Migration - nicht durch ein aktives, vorausschauendes Gestalten seitens der Politik. 1989 wurde Deutschland durch die Wiedervereinigung mit einer Art Binnen-Migration konfrontiert. Manche Autoren sprechen in diesem Zusammenhang zu Recht von einem „Wanderungsschock“19 Da- bei handelte es sich nicht nur um eine Binnen-Migration, sondern die Integration einer kompletten Volkswirtschaft in die andere. Immerhin schien angesichts dieses Ereignisses die Erkenntnis zu wachsen, dass bestimmte Gruppen auch eine gezielte arbeitsmarktpolitische Förderung benötigen. Die vielgestaltigen Weiterbildungsmaß- nahmen für ehemalige DDR-Bürger waren ein Versuch, derartige spezifische För- dermaßnahmen umzusetzen.

Die in den folgenden Jahren umgesetzte Hartz IV Gesetzgebung kann als eine arbeitsmarktpolitische Maßnahme im sozialpolitischen Gewand begreifen. Der Staat kapitulierte dabei vor der Aufgabe, eine vor allem auch durch die erfolgte Migration innerhalb eines Landes verbliebene Gruppe von potentiellen Arbeitnehmern zu befrieden, die nicht mehr in den Arbeitsmarkt vermittelbar sind, und sichert gerade einmal deren Existenz als solches - nicht mehr.20

Teilweise überlappte sich der Zeitraum einer verstärkten, schrittweisen BinnenMigration mit den Freizügigkeitsregelungen für Arbeitnehmer innerhalb der Europäischen Union und der EU-Osterweiterung.21 Gleichermaßen kam es in dem entsprechenden Zeitraum zu einer verstärkten „Einwanderung“ der sogenannten Russlanddeutschen in die Bundesrepublik Deutschland. Letztere Gruppen wurde das „Einwandern“ aus ethisch-historischen Gründen erlaubt. Den Arbeitsmarkt hatte man folglich bei diesem Thema kaum im Blick.

3.2 Deutschland und die Greencard

Um eine strukturiertere, geplante und positiv besetzte Migrationspolitik der deut- schen Politik handelte es sich bei der Bereitstellung der sogenannten „Greencard“, die 2000 vor dem Hintergrund des Mangels an Fachkräften im IT-Bereich eingeführt wurde. Dabei wurden einige eiserne Prinzipien des bisherigen Ausländerrechts durchbrochen.22

Erstmalig wurde offensichtlich, dass Fachkräftemangel eines der brennenden Prob- leme der Gegenwart und näheren Zukunft werden könnte. Diese Erkenntnis war ver- bunden mit dem Verständnis, dass auch Deutschland beginnen muss, sich mit „Ein- wanderung“ im klassischen Sinne auseinanderzusetzen und dass diese Einwanderung gezielt nach Bedarf des Arbeitsmarktes unter Berücksichtigung einer tragfähigen Einwanderungs- und Integrationspolitik betrieben werden sollte. Ausdrücklich ging es hier nicht mehr um die „Gastarbeiter“ der 1960er Jahre. Die Greencard zielte vielmehr auf passende Arbeitnehmer, die in der ganzen Welt gesucht wurden. Insge-

[...]


1 Vgl. Zu den Studien und Untersuchungen vgl. etwa: Brücker 2009, sowie Brücker 2013; Gathmann u.a., 2014, Kohlmeier, Schimany, 2005.

2 Vgl. zur Thematik „Kampf um die besten Köpfe“ und die Motivation von Migranten Esters 2015.

3 Einen guten Überblick mit entsprechenden Schlussfolgerungen bietet unter anderem: Bolender 2015, S. 91.

4 Vgl. Bolender 2015, S. 91 und S.92.

5 Vgl. Bolender 2015, S.87 ff.

6 Vgl. Bolender 2015, S.92.

7 Vgl. Bolender 2015, S. 92.

8 Vgl. Möller/Walwei 2009, S. 273.

9 Vgl. zur demografischen Entwicklung und ihrer Auswirkung auf das Erwerbspotenzial Möller/Walwei 2009, S. 271 ff.

10 Vgl. Möller/Walwei 2009, S. 273.

11 Vgl. Hillmann 2013, S. 186.

12 Vgl. Gathmann, S. 159.

13 Vgl. Hillmann 2013, S. 186.

14 Vgl. Hillmann 2013, S. 186.

15 Vgl. Hillmann 2013, S.187.

16 Vgl. Hillmann 2013, S. 187.

17 Vgl. Hillmann 2013, S. 191 ff.

18 Vgl. Hillmann 2013, S. 191 ff.

19 Vgl. Brücker, Arbeitsmarktmigration, ebenda.

20 Vgl. zur Kritik an Hartz IV etwa Sydow 2006, Einleitung.

21 Vgl. zum Thema Osterweiterung Brahma 2011, Einleitung.

22 Vgl. zur Thematik „Kampf um die besten Köpfe“ und die Motivation von Migranten Ester, ebenda. 6

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss von Migrationspolitik auf den Arbeitsmarkt. Ein ökonomischer Diskurs für Deutschland
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
18
Katalognummer
V367774
ISBN (eBook)
9783668461925
ISBN (Buch)
9783668461932
Dateigröße
628 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Migration, Migrationspolitik, Arbeitsmarkt, Diskurs, Ökonomik, VWL, Deutschland
Arbeit zitieren
Rresart Krasniqi (Autor), 2016, Der Einfluss von Migrationspolitik auf den Arbeitsmarkt. Ein ökonomischer Diskurs für Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/367774

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