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Der Begriff Schmerz aus der Perspektive des siamesischen Zwillings. Eine sprachphilosophische Einordnung anhand "Philosophische Untersuchungen" von Ludwig Wittgenstein

Titel: Der Begriff Schmerz aus der Perspektive des siamesischen Zwillings. Eine sprachphilosophische Einordnung anhand "Philosophische Untersuchungen" von Ludwig Wittgenstein

Hausarbeit , 2015 , 19 Seiten

Autor:in: Saskia Janina Neumann (Autor:in)

Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In der folgenden Hausarbeit soll anhand des Werks „Philosophische Untersuchungen“ von Ludwig Wittgenstein die Fragestellung behandelt werden, wie viel(e) Schmerz(en) ein siamesischer Zwilling hat.

Es soll folglich festgestellt werden, ob siamesische Zwillinge tatsächlich an der gleichen Stelle Schmerz empfinden können. Erläuternd dazu muss herausgearbeitet werden, inwieweit überhaupt etwas über ihren tatsächlichen Schmerz ausgesagt werden kann, wie es möglich ist, herauszufinden, ob sie Schmerzen haben oder nur ein Schmerzempfinden aufweisen. Zudem soll dargelegt werden, ob das Aufweisen eines Schmerzempfindens Rückschlüsse auf den tatsächlichen Schmerz der siamesischen Zwillinge zulässt. Des Weiteren soll festgestellt werden, inwiefern siamesische Zwillinge eine verlässliche Auskunft über ihren Schmerz geben können

Außerdem soll geklärt werden, ob es nach Wittgenstein eine allgemeine Definition des Begriffs Schmerz geben kann und ob es möglich ist, dass sich eine Definition dieses ändert. Um diese Fragestellungen bearbeiten zu können, soll zunächst auf den Begriff des Sprachspiels bei Wittgenstein eingegangen werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung

2.) Das Sprachspiel

2.1) Das Sprachspiel bei Wittgenstein

2.2) Das Sprachspiel im Bezug auf den siamesischen Zwilling

3.) Bezeichnung des Wortes „Schmerz“

4.) Das Wissen vom eigenen Schmerz

4.1) Das Wissen vom eigenen Schmerz bei Wittgenstein

4.2) Das Wissen vom eigenen Schmerz beim siamesischen Zwilling

5.) Das Erlernen eines Sprachspiels

6.) Das Abrichten auf ein Sprachspiel

7.) Die Relevanz des Schmerzes für das Spielen eines Sprachspiels

8.) Das Ändern des Sprachspiels

9.) Schlussfolgerung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht auf Basis der „Philosophischen Untersuchungen“ von Ludwig Wittgenstein die philosophische Fragestellung, wie Schmerzempfindungen bei siamesischen Zwillingen zu verstehen und quantitativ zu erfassen sind. Dabei wird analysiert, inwieweit das Konzept des Sprachspiels eine verlässliche Auskunft über den Schmerz anderer zulässt.

  • Wittgensteins Theorie des Sprachspiels und der Lebensform
  • Die Problematik der Bezeichnung und Definition des Begriffs „Schmerz“
  • Die erkenntnistheoretische Grenze des Wissens vom eigenen Schmerz
  • Unterschiedliche Szenarien siamesischer Zwillinge und deren medizinische vs. sprachspielerische Einordnung
  • Die Relevanz von Schmerzbenehmen für zwischenmenschliches Handeln

Auszug aus dem Buch

4.2) Das Wissen vom eigenen Schmerz beim siamesischen Zwilling

Geht man von den Betrachtungen Wittgensteins aus, dann wissen die siamesischen Zwillinge in der Tat, dass sie Schmerz empfinden und auch die genaue Anzahl des Schmerzes. Allerdings könnte eine Person, die die siamesischen Zwillinge fragt, immer noch nur glauben, dass und wie viele Schmerzen sie haben. Selbst, wenn Aurelie gefragt werden würde, wie viele Schmerzen sie habe, könnte sie nur über ihren eigenen Schmerz - ihre eigene private Empfindung - Auskunft geben. Um herauszufinden wie viel Schmerz Laurelie hat, müsste auch Aurelie Laurelie fragen und könnte ebenso nur glauben wie viele Schmerzen Laurelie besitzt. Es wäre also möglich, wenn auch nicht verifizierbar, dass Laurelie und Aurelie ein anderes Schmerzempfinden haben. Schmerz ist das, was ihnen beim Hören des Wortes Schmerz einfällt. Ob sie denselben empfinden, obwohl ein solcher an derselben Stelle zu lokalisieren wäre, bleibt immer noch fraglich.

Doch selbst wenn dieser Zweifel möglich wäre, wird tatsächlich selten gezweifelt. Falls Fridolin zum Beispiel ein Schmerzbenehmen vernehmen lässt und dabei auf seine rechte Bauchgegend verweist, ist es eher unwahrscheinlich, dass Friedrich daran zweifeln würde, dass Fridolin tatsächlich Schmerzen hat. Eher würde er den Krankenwagen mit Verdacht auf Blinddarmentzündung rufen und auch der angerufene Notdienst würde höchstwahrscheinlich nicht fragen, ob Friedrich nur glaube, dass Fridolin Schmerzen habe oder es tatsächlich wisse. Wittgenstein würde dieses Szenario schlichtweg mit der bereits erwähnten Behauptung, dass man eben so handle, zusammenfassen. Friedrich würde in diesem Fall wahrscheinlich sogar behaupten, zu wissen, dass Fridolin Schmerzen hat.

Zusammenfassung der Kapitel

1.) Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, wie viele Schmerzen siamesische Zwillinge empfinden und wie dies auf Basis Wittgensteins philosophisch diskutiert werden kann.

2.) Das Sprachspiel: Es wird definiert, was Wittgenstein unter Sprachspielen und Lebensformen versteht, und die Übertragbarkeit auf die Konstellation siamesischer Zwillinge angedeutet.

3.) Bezeichnung des Wortes „Schmerz“: Dieses Kapitel untersucht die Schwierigkeit, allgemeine Definitionen für Empfindungen zu finden, da Worte ihre Bedeutung primär im Gebrauch innerhalb eines Sprachspiels erlangen.

4.) Das Wissen vom eigenen Schmerz: Es wird erörtert, warum das Wissen um Schmerz exklusiv privat bleibt und warum Zweifel am Schmerz eines anderen innerhalb eines Sprachspiels oft ausbleiben.

5.) Das Erlernen eines Sprachspiels: Die Autorin legt dar, dass der Schmerzbegriff kein privates Konstrukt ist, sondern durch soziale Interaktion und gelernte Sprachspiele vermittelt wird.

6.) Das Abrichten auf ein Sprachspiel: Hier wird erklärt, wie durch Training und Gewöhnung bestimmte Handlungsweisen – etwa das Reagieren auf Schmerzausdruck – in einer Gesellschaft zur Normalität werden.

7.) Die Relevanz des Schmerzes für das Spielen eines Sprachspiels: Das Kapitel diskutiert, inwieweit das tatsächliche Schmerzempfinden für das Funktionieren eines Sprachspiels überhaupt notwendig ist.

8.) Das Ändern des Sprachspiels: Es wird analysiert, unter welchen Bedingungen Sprachspiele ihre Relevanz verlieren und durch andere ersetzt werden könnten.

9.) Schlussfolgerung: Die Arbeit resümiert, dass die Anzahl der Schmerzen bei siamesischen Zwillingen vom jeweiligen Sprachspiel abhängt und eine objektive Letztbegründung außerhalb dieses Kontexts nicht möglich ist.

Schlüsselwörter

Ludwig Wittgenstein, Philosophische Untersuchungen, Sprachspiel, Schmerz, siamesische Zwillinge, Empfindung, Schmerzbenehmen, Lebensform, Erkenntnistheorie, Definition, Identität, Handlungsweise, Privatsprache, Sprachphilosophie, Interpretationsspielraum.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der philosophischen Analyse der Schmerzempfindung siamesischer Zwillinge unter Rückgriff auf Ludwig Wittgensteins Sprachphilosophie.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Felder sind die Definition von „Sprachspiel“, die Natur des Schmerzempfindens, die erkenntnistheoretische Problematik des Wissens vom Anderen und die soziale Konstruktion von Handlungsweisen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, zu klären, wie viele Schmerzen siamesische Zwillinge nach Wittgenstein haben und ob man wissenschaftlich oder sprachlogisch verlässlich über deren Schmerz befinden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die hermeneutische Analyse und Exegese von Wittgensteins Werk „Philosophische Untersuchungen“, um existierende Begriffe auf das Fallbeispiel siamesischer Zwillinge anzuwenden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Konzepte des Sprachspiels, des Abrichtens auf Sprache, die Unmöglichkeit privater Schmerzdefinitionen und die Frage, warum wir im Alltag dennoch Handlungen auf Basis des Schmerzes anderer vollziehen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören Sprachspiel, Lebensform, Schmerz, siamesische Zwillinge und das „Abrichten“ auf sprachliche Konventionen.

Warum spielt die medizinische Diagnose bei der Beantwortung der Frage eine untergeordnete Rolle?

Die medizinische Diagnose beruht auf einem spezifischen Sprachspiel. Wittgenstein zeigt auf, dass dieses Sprachspiel zwar im Alltag dominiert, aber keine metaphysische oder letzte Gewissheit über das innere Erleben liefert.

Wie unterscheidet die Autorin zwischen den untersuchten Zwillingspaaren?

Die Unterscheidung basiert auf der anatomischen Gegebenheit (getrenntes vs. geteiltes Rückenmark), welche als Ausgangspunkt für die Frage dient, ob die Schmerzinformationen physiologisch und sprachlogisch als eins oder zwei gezählt werden können.

Was bedeutet es, wenn Wittgenstein sagt, eine Wortverbindung habe „keinen Sinn“?

Es bedeutet nicht, dass der Satz inhaltlich falsch ist, sondern dass er außerhalb der Grenzen des aktuellen Sprachspiels liegt und dort keine Funktion mehr erfüllt.

Können wir jemals wirklich wissen, ob ein anderer Schmerz hat?

Nach Wittgenstein ist dies prinzipiell nicht verifizierbar, da Schmerz privat bleibt. Wir handeln jedoch innerhalb von Sprachspielen so, als wüssten wir es, da Zweifel in der Praxis des Lebens meist sinnlos sind.

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Details

Titel
Der Begriff Schmerz aus der Perspektive des siamesischen Zwillings. Eine sprachphilosophische Einordnung anhand "Philosophische Untersuchungen" von Ludwig Wittgenstein
Autor
Saskia Janina Neumann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2015
Seiten
19
Katalognummer
V367869
ISBN (eBook)
9783668462205
ISBN (Buch)
9783668462212
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schmerz Begriff Sprache Theoretische Philosophie Siamesischer Zwilling Philosophische Untersuchungen Ludwig Wittgenstein
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Saskia Janina Neumann (Autor:in), 2015, Der Begriff Schmerz aus der Perspektive des siamesischen Zwillings. Eine sprachphilosophische Einordnung anhand "Philosophische Untersuchungen" von Ludwig Wittgenstein, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/367869
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Leseprobe aus  19  Seiten
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