In der folgenden Hausarbeit soll sich kritisch mit den Begriffen der Zivilität und der Civil Society aus Edward Shils Aufsätzen „Was ist eine Civil Society?“ und „The virtue of civil society“ auseinandergesetzt werden.
Dazu soll zunächst eine Erörterung beider Begriffe stattfinden. Im Anschluss soll eine Kritik dieser vorgenommen werden. Folgend werden die Begriffe der Zivilität und der Civil Society durch die Arbeit Charles Taylors „Multikulturalismus und die Politik der Nichtanerkennung“ erweitert werden.
Inhaltsverzeichnis
1.) Einführung
2.) Der Begriff der Civil Society
3.) Der Begriff der Zivilität
4.) Die zentralen Institutionen
5.) Kritik an Shils Ausführungen des Begriffs der Civil Society
5.1) Kritik an Shils Ausführungen der Idee von einem höheren Recht
5.2) Kritik an Shils Ausführung zu den zentralen Institutionen
5.3) Kritik an Shils Ausführungen zur Relativität der Zivilität
5.4) Kritik an Shils Ausführungen zur Existenzberechtigung von Zivilität
6.) Die Lebensnotwendigkeit von Zivilität
7.) Anerkennen der Zivilität aus Vernunftgründen
8.) Das Problem des ungleichen Machtverhältnisses
9) Die bürgerlichen Tugenden
10.) Erweiterung des Begriffs der Zivilität
10.1) Kurze Einführung zu Taylors „Multikulturalismus und die Politik der Nichtanerkennung“
10.2) Der Wert der Kulturen
10.3.) Taylors Kritik zu subjektivistischen Theorien
11.) Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die Konzepte der Zivilität und der Civil Society bei Edward Shils. Das primäre Ziel ist es, die theoretischen Annahmen von Shils zu hinterfragen, insbesondere hinsichtlich der Herleitung von Zivilität und der Neutralität der Civil Society, und diese durch Charles Taylors Überlegungen zur Politik der Anerkennung zu erweitern.
- Kritische Auseinandersetzung mit Edward Shils' Begriffsverständnis von Civil Society und Zivilität.
- Analyse des Spannungsfeldes zwischen Individualinteressen und dem Gemeinwohl.
- Untersuchung des Machtverhältnisses zwischen Staat und Zivilgesellschaft.
- Erweiterung der theoretischen Perspektive durch Charles Taylors Multikulturalismus-Ansatz.
- Reflexion über die Notwendigkeit und Begründbarkeit von Zivilität als gesellschaftliche Norm.
Auszug aus dem Buch
5.1) Kritik an Shils Ausführungen der Idee von einem höheren Recht
Die Civil Society besteht laut Shils aus der Gesellschaft, dem Staat und der Wirtschaft. Während Shils klar definiert, dass die Gesellschaft aus allen auf einem bestimmten territorialen Bezugsrahmen lebenden Menschen besteht, scheint er vergessen zu haben, dass auch Staat und Wirtschaft aus Menschen bestehen. Betrachtet man also den möglichen Raum an möglichen Ideen, besteht dieser einzig und allein aus dem Aggregat der verschiedenen Ideen einzelner Menschen. Es ist möglich, dass aus diesem eine übergeordnete Idee entsteht, aber diese wäre dann von den Ideen der Individualinteressen beeinflusst.
Das Entstehen einer übergeordneten Idee wäre also nur dadurch denkbar, dass sich einzelne Individualinteressen decken und so zu einem Aggregat werden. Durch die Häufung dieser einzelnen Ideen kann dann eine Idee von einem höheren Recht, ergo eine Norm oder ein Kriterium für das Gute und Richtige entstehen. Allerdings nicht, ohne dass Individuen und folglich einzelne Gruppen, Maßstäbe für diese gesetzt hätten. Sollte dieses nicht der Fall sein, dann müsste es ein von den Menschen unabhängiges Wesen geben, das diese Idee von einem höheren Recht gesetzt hätte, da Shils über so etwas in dem behandelten Aufsatz nicht schreibt, kann angenommen werden, dass ein Aggregat verschiedener Ideen die einzige Möglichkeit zum Entwickeln einer Idee von einem höheren Recht ist.
Nimmt man diese Theorie an, dann wäre auch das Entstehen der Zivilität erklärbar. Aus Gründen, auf die in Kapitel „10) Erweiterung des Begriffs der Zivilität“ noch genauer eingegangen werden soll, kommt es zu der Häufung der Idee, dass es lohnenswert wäre, als Individuum bei seinen Entscheidungen nicht nur sein eigenes, sondern auch das Gemeinwohl zu berücksichtigen.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Einführung: Vorstellung der Forschungsfrage und der methodischen Herangehensweise, bei der die Texte von Edward Shils durch die Arbeit von Charles Taylor ergänzt werden.
2.) Der Begriff der Civil Society: Darstellung der Definition von Civil Society als pluralistisches Geflecht, das durch ein kollektives Selbstbewusstsein und eine normative Regulierungsfunktion gekennzeichnet ist.
3.) Der Begriff der Zivilität: Erläuterung von Zivilität als freiwillige Anerkennung des Gemeinwohls durch das Individuum als notwendige Ergänzung zum Individualinteresse.
4.) Die zentralen Institutionen: Definition der für die Zivilgesellschaft essenziellen Institutionen, wie Staat, Bildungswesen und Kirchen, und deren Rolle im Beziehungsgeflecht zwischen Peripherie und Zentrum.
5.) Kritik an Shils Ausführungen des Begriffs der Civil Society: Detaillierte Prüfung der Shils'schen Annahmen zu höherem Recht, zentralen Institutionen sowie der Relativität und Existenzberechtigung von Zivilität.
6.) Die Lebensnotwendigkeit von Zivilität: Diskussion darüber, ob Zivilität eine notwendige Voraussetzung für das Bestehen pluralistischer Gesellschaften ist oder ob sie als bloßes Traditionsprodukt betrachtet werden kann.
7.) Anerkennen der Zivilität aus Vernunftgründen: Untersuchung von Vernunftargumenten, insbesondere im Hinblick auf staatliche Kontrollinstanzen, die das Anerkennen von Pflichten gegenüber anderen erleichtern.
8.) Das Problem des ungleichen Machtverhältnisses: Analyse der Spannung zwischen staatlicher Gewaltlegitimation und dem Schutz der Zivilgesellschaft sowie der Schwierigkeit einer klaren Trennung dieser Sphären.
9) Die bürgerlichen Tugenden: Erörterung der bürgerlichen Tugenden als notwendiges Korrelat zur Zivilgesellschaft, wobei auf deren Unvollständigkeit und die mangelnde Fundierung der Menschenwürde hingewiesen wird.
10.) Erweiterung des Begriffs der Zivilität: Anwendung von Charles Taylors "Multikulturalismus und die Politik der Nichtanerkennung" zur Weiterentwicklung des Zivilitätsbegriffs und zur Lösung spezifischer Problemstellungen.
11.) Schlussbemerkungen: Zusammenfassende Bewertung der theoretischen Ansätze, wobei festgestellt wird, dass die fundamentale Begründung für die Notwendigkeit von Zivilität weiterhin eine offene Herausforderung bleibt.
Schlüsselwörter
Zivilität, Civil Society, Edward Shils, Charles Taylor, Gemeinwohl, Individualinteresse, Pluralismus, Staat, Politische Theorie, Bürgerliche Tugenden, Multikulturalismus, Anerkennung, Moralität, Machtverhältnis, Vernunft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer kritischen Analyse der Begriffe Zivilität und Civil Society, wie sie Edward Shils definiert hat, und erweitert diese Perspektive um Charles Taylors Theorien zur Anerkennung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Spannung zwischen Individualwohl und Gemeinwohl, der Rolle staatlicher Institutionen, der Bedeutung von Zivilität als Norm sowie der Frage nach kultureller Vielfalt innerhalb liberaler Gesellschaften.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die theoretischen Lücken in Shils' Ausführungen aufzudecken und durch Taylors Thesen zu ergänzen, um eine fundiertere Argumentation zur Existenzberechtigung und Notwendigkeit von Zivilität zu liefern.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine diskursive, politikwissenschaftliche Analyse und kritische Erörterung von Primärtexten zweier bedeutender Theoretiker, die auf logischer Konsistenzprüfung basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die kritische Dekonstruktion von Shils' Begriffsverständnis (insbesondere zur Zivilität und den zentralen Institutionen) und die anschließende Anwendung von Taylors "Politik der Differenz" zur Lösung identifizierter Probleme.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Besonders prägend sind die Begriffe Zivilität, Civil Society, Kollektivbewusstsein, Gemeinwohl und politische Anerkennung.
Wie bewertet die Autorin Shils' Annahme einer neutralen Civil Society?
Die Autorin stellt diese Neutralität stark infrage, da sie argumentiert, dass eine Gesellschaft zwangsläufig durch die subjektiven Ideen ihrer Bürger und deren religiöse oder weltanschauliche Überzeugungen geprägt ist.
Warum hält die Autorin die Argumentationsgrundlage für Zivilität für unzureichend?
Sie kritisiert, dass Shils (und selbst Taylor unter Berufung auf Kant) keinen objektiv zwingenden rationalen Grund liefern können, warum sich ein Individuum über das eigene Nutzenkalkül hinaus für das Gemeinwohl entscheiden sollte.
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- Saskia Janina Neumann (Author), 2014, Zivilität und Civil Society bei Edward Shils. Eine begriffliche Kritik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/367870