Multimodale Texte heute. Analyse der Multimodalität am Beispiel von Fitnessmagazinen

HeldIn der Waage


Seminararbeit, 2017
25 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitang

2. Text und Textlinguistik

3. Multimodalität im 21. Jahrhundert

4. Korpusanalyse
4.1. Beispiel 1 - „Held der Waage“
4.2. Beispiel 2 - „Heldin der Waage“

5. Schlussbetrachtung und Ausblick

6. Bibliographie

Anhang

1. Einleitung

Im 21. Jahrhundert zu leben heißt, jeden Tag aufs Neue mit innovativen Entwicklungen und Technologien überrascht zu werden, mit diesen aber auch leben zu müssen. Dass sich diese Neuerungen nicht nur auf die Bereiche der Technik beschränken, sondern auch in alltägliche Bereiche, wie beispielsweise die Kommunikation, vorgedrungen sind, stellt Forscherinnen verschiedener Disziplinen vor vielen neuen Herausforderungen. Aufgrund dieser Tastsache soll im Zuge dieser schriftlichen Proseminararbeit das Phänomen „multimodale Texte“ einer näheren Untersuchung vollzogen werden, um aufzeigen zu können, inwiefern sich die traditionellen Ansichten, wie ein Text auszusehen habe, um als solcher betitelt zu werden, gewandelt haben. Die Arbeit selbst setzt sich diesbezüglich aus zwei Teilen zusammen. So erfolgt im ersten theoretischen Teil ein Einblick in die Bereiche „Text und Textlinguistik“. Es soll einerseits der Gegenstand an sich, andererseits aber auch die Schwierigkeit einer Definitionsfindung näher beleuchtet werden, ehe in einem nächsten Schritt die Themen „multimodale Texte“ beziehungsweise „Text-Bild-Konglomerate“ einer näheren Erläuterung unterzogen werden.

Im zweiten praktischen Teil der Arbeit steht die Korpusanalyse zweier Artikel der Gesundheits- und Fitnessmagazine „Men’s Health“ und „Womens Health“ im Vordergrund. Anhand dieser beiden Korpora wird aufgezeigt, ob und inwiefern diese Text-Bild­Konglomerate den traditionellen Textualitätsmerkmalen und -kriterien gerecht werden, sprich, sie noch als „Texte“ bezeichnet werden können. Ebenso wird der Textaufbau, die Textsorte und die Textfunktion der beiden Korpora erläutert.

Eine abschließende Schlussbetrachtung fasst die wesentlichen Erkenntnisse der Korpusanalyse zusammen und klärt die Frage, ob sich Leserinnen des 21. Jahrhunderts von ihren altbewährten Auffassungen, wie ein Text auszusehen habe, verabschieden müssen.

2. Text und Textlinguistik

Bei dem Gegenstand der Textlinguistik handelt es sich um ein relativ neues Gebiet der linguistischen Forschung, welches sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts behaupten konnte (vgl. Brinker 2014, 9). Sie befasst sich einerseits mit der Abgrenzung und Klassifizierung von Texten und untersucht andererseits den Bau sowie die Struktur dieser (vgl. Linke/Nussbaumer/Portmann 2004, 242).

Historisch betrachtet lassen sich innerhalb der Textlinguistik zwei Hauptrichtungen verorten, die unterschiedliche Zielsetzungen entwickelt haben und demzufolge auch den Untersuchungsgegenstand dieser Disziplin, nämlich Texte, gegensätzlich definieren. Den Anfang im Bereich der Textlinguistik machte in den 1960er Jahren die sprachsystematisch ausgerichtete Disziplin, welche den Aspekt der langue vertritt und gegenüber der generativen Transformationsgrammatik behauptet, dass nicht der Satz als oberste linguistische Bezugseinheit diene, sondern der Text und es demzufolge wichtig wäre, dass sich die linguistische Analyse stärker auf ihn richte. In den 1970er Jahren entstand eine zweite Richtung der Textlinguistik, ein „kommunikationsorientierter“ Ansatz. Dieser warf der ersten Richtung vor, Texte zu sehr als isolierte statische Objekte zu handhaben und nicht ausreichend zu berücksichtigen, dass Texte immer in Kommunikationssituationen eingebunden seien. Dieser Ansatz liegt der linguistischen Pragmatik zugrunde und vertritt den Aspekt der parole. (Vgl. Brinker 2014, 13-16)

Es stellt sich ทนท die Frage, wie der Untersuchungsgegenstand dieser Disziplin, Texte, richtig definiert werden kann. Welche Eigenschaften oder Merkmale zeichnen einen Text als solchen aus und was unterscheidet ihn von einem „Nicht-Text“?

Generell sei gesagt, dass die Zahl der heute gängigen Textdefinitionen und Begriffsumschreibungen vielfältig ist. Wandert man durch die verschiedenen Zeitalter der Geschichte, so zeigt sich, dass in allen historischen Epochen, als auch in sprachwissenschaftlichen Teildisziplinen, der Gegenstand „Text“ aus jeweils unterschiedlichen Perspektiven betrachtet wurde und auch heute noch wird. Auffallend ist, dass ausgehend von der Antike das Wort „Text“ als Bezeichnung für die Materialität einer Schrift galt und für komplexere sprachlichere Einheiten stattdessen Begriffe wie logos, sermo und oratio verwendet wurden. Erst im 20. Jahrhundert, basierend auf der pragmatischen Wende, rückte der Textbegriff in den Mittelpunkt der Sprachwissenschaft und wurde durch die Entstehung der Textlinguistik zum zentralen Gegenstand derselben erhoben. Und dennoch, angesichts der rasanten Veränderungen in allen Lebensbereichen, vor allem im medialen Bereich, ist die Zahl der heute gängigen Textdefinitionen und Begriffsumschreibungen vielfältig. Bedingt durch die Verwendung neuer Technologien, die zur Erzeugung neuer und noch ungewohnter Arten von Texten dienen, stellt sich die Frage, ob es überhaupt „die“ Textdefinition gibt und es notwendig ist, einen Textbegriff als solchen zu verwenden. (Vgl. Klemm 2002a, lf.)

Klaus Brinker verwendet im Zuge dieser Fragestellung in seinem Werk „Linguistische Textanalyse“ den Begriff des „integrativen Textbegriffs“, der den sprachsystematisch als auch kommunikationsorientierten Begriff umfasst und sich wie folgt definieren lässt: „Der Terminus „Text“ bezeichnet eine von einem Emittenten hervorgebrachte begrenzte Folge von sprachlichen Zeichen, die in sich kohärent ist und die als Ganzes eine erkennbare kommunikativ Funktion signalisiert“. (Vgl. Brinker 2014, 17)

Eine weitere Definition liefert das „Studienbuch Linguistik“. Den Autorinnen zufolge handelt es sich bei Texten um „[...] sprachliche Einheiten, die mehr als einen Satz umfassen (können) - und deshalb im Rahmen einer Syntax nicht mehr beschreibbar sind -, die wir aber dennoch als zusammenhängende Einheit empfinden“. (Vgl. Linke/Nussbaumer/Portmann 2004, 242)

Es kann, gemäß den beiden vorgestellten Definitionen, also festgehalten werden, dass sich Text aus einer beliebigen Anzahl von Sätzen ergibt, die miteinander zu einem Produkt verbunden werden. Mit dem Begriff des „Verbindens“ sei auf eine dritte Textdefinition verwiesen, die bei Hausendorf/Kesselheim näher erörtert wird. Auch diese Autoren haben sich intensiv mit der Begriffsfindung befasst und sind dabei zu jener Erkenntnis gekommen, dass die Existenz von Textualitätshinweisen darüber Auskunft gibt, ob und wann etwas als Text bezeichnet wird. Den beiden Autoren zufolge entstehe der Begriff „Text“ erst bei der Lektüre, da „Lesen [...] nichts anderes als das Aufnehmen und Verarbeiten, das Auswerten und Verstehen von Textualitätshinweisen [sei]“ (vgl. Hausendorf/Kesselheim 2008, 21). Zwar ist die Bestimmung dieser Hinweise nicht unumstritten akzeptiert worden, doch berufe man sich auf den gemeinsamen Konsens, dass es insgesamt sechs Merkmalen gäbe, die als kontinuierlicher Bestandteil von etwas Lesbarem bezeichnet werden können, um daraus einen Text zu machen: Begrenzbarkeit, intratextuelle Verknüpft) arkeit, thematische

Zusammengehörigkeit, pragmatische Nützlichkeit, Musterhaftigkeit und intertextuelle Beziehung (vgl. Hausendorf/Kesselheim 2008, 23).

Wie eingangs bereits erwähnt wurde, ist es besonders in den letzten Jahren zu einem Überdenken des Textbegriffs gekommen. Viele Eigenschaften, die Texte als solche erscheinen lassen, sind dabei sich aufzulösen. Als Beispiel sei auf das von Hausendorf/Kesselheim erwähnte Merkmal der „Begrenzbarkeit“ verwiesen. Zeichneten sich traditionelle Texte einstweilen unter anderem durch das Kriterium aus, durch eine begrenzte Folge von Sätzen gekennzeichnet zu sein, so geht dieses Kennzeichen angesichts der kontinuierlich zunehmenden Hypertexte im Internet obsolet (vgl. Brinker 2014, 21). Es bedürfe daher in unserer heutigen Zeit einer Überarbeitung und Aktualisierung dieser Merkmale.

De Beaugrande und Dressier beschäftigen sich in ihrem Werk „Einführung in die Textlinguistik“ ebenfalls mit der Frage, ob Texte durch die kontinuierliche Präsenz bestimmter Kriterien entstehen und kommen zu folgender Definitionsfmdung:

Wir definieren einen TEXT als eine KOMMUNIKATIVE OKKURRENZ [...], die sieben Kriterien der TEXTUALITÄT erfüllt. Wenn irgendeines dieser Kriterien als nicht erfüllt betrachtet wird, so gilt der Text nicht als kommunikativ. Daher werden nicht­kommunikative Texte als Nicht-Texte behandelt (Beaugrande/Dressler 1981, 3).

Als Kriterien, um eine Satzfolge als „Text“ zu bezeichnen, führen die Autoren Kohäsion, Kohärenz, Intentionalität, Akzeptabilität, Informativität, Situationalität und Intertextualität an (vgl. de Beaugrande/Dressler 1981, 3-13). Gegenwärtige Fachkolleginnen Stehen diesem Textbegriff allerdings sehr kritisch gegenüber und kommentieren ihn dahingehend als zu eng definiert, da de Beaugrande und Dressier zufolge alle sieben Kriterien erfüllt sein müssen, um die Anerkennung als Text zu erlangen. Ebenso erweise sich die Grenzziehung zwischen Text und Nicht-Text als problematisch (vgl. Vater 2001, 28f.). Die Autoren, sich dieser Problematik durchaus bewusst, erwähnen in diesem Zusammenhang die Existenz von so genannten „Ersatzfunktionen“. So kann beispielsweise für den Mangel an Kohäsion die Kohärenz oder Situationalität dienen, um die Satzfolge als Text zu verstehen (vgl. Janich 2008, 20). Einer kritischen Betrachtung müssten auch die Kriterin der Akzeptabilität und der Intentionalität unterzogen werden. Beide Kriterien hätten weniger etwas mit Textualität zu tun, sondern würden eher allgemeine Voraussetzungen für jede Art sprachlicher und nichtsprachlicher Kommunikation darstellen (vgl. Vater 2001, 42).

Ein relativ neues Problem stelle das letzte Kriterium, die Intertextualität, dar. Janich (vgl. 2008, 33) zufolge würden Texte heutzutage durch das vermehrte Auftreten von Hypertexten mit einer bis dato ungewohnten Vielfalt unterschiedlicher Kodes konfrontiert werden. Ungewohnte Klassifizierungsfragen stellen Rezipientlnnen vor neuen Herausforderungen und verlangen auch in diesem Bereich ein Umdenken.

Angesichts dieser Argumente sei es notwendig zu erkennen, dass sich die Produktions- und Rezeptionsbedingungen von „Texten“ durchaus geändert haben, ebenso auch die Beschaffenheit dieser. Phänomene wie Digitalisierung und Entmaterialisierung von Texten sei erst der Beginn, die Entstehung neuer Zeicheninventare wie beispielsweise Emoticons in E­Mails weisen darauf hin, dass sich fundamentale Veränderungen vollziehen und eine Auflösung des traditionellen Textbegriffs in Erscheinung getreten ist. (Vgl. Klemm 2002b, 7) Auch Beobachtungen in Printmedien haben beispielsweise ergeben, dass der klassische Fließtext, wie er bis dato in Romanen verwendet wurde, zunehmend abgelöst wird durch die Verwendung von Cluster und (Teil-)Texten, welche durch ein „Textdesign“ als zusammengehörend markiert werden (vgl. Brinker 2014, 21). Dies impliziere jedoch nicht, dass man einen „neuen“ Textbegriff brauche, sondern vielmehr unterschiedliche Perspektiven und holistischere Herangehensweisen erwünscht seien (vgl. Klemm 2002b, 7).

Multimodalität im 21. Jahrhundert

Unsere gegenwärtige Alltagskommunikation stellt die Textlinguistik vor vielen neuen Herausforderungen (vgl. Opilowski 2013, 217). Wie zuvor bereits erwähnt, sind mit der Erfindung von Emoticons neue Zeichenarten herangewachsen, welche sich grundlegend von sprachlich bestimmten Zeichen unterscheiden. Auch neue Kommunikationsformen wie beispielsweise E-Mails, SMS oder Chats treten zunehmend in Erscheinung und zwingen förmlich dazu, etablierte Vorstellungen und Konzeptionen hinsichtlich der Textdefinition zu überdenken (vgl. Linke/Nussbaumer/Portmann 2004, 287). Der stetig wachsende Anteil dieser visuellen Zeichen in der Kommunikation führt in weiterer Folge dazu, dass diese visuellen Phänomene den Status von Randerscheinungen verlieren und sich zu zentralen Elementen eines Textes wandeln. Begriffe wie „Multikodalität“ und „Multimodalität“ kennzeichnen diese Texte des 21. Jahrhunderts und stellen Wissenschaftlerlnnen vor die Frage, ob Textkonstruktionen, die aus dem sprachlichen Medium in ein anderes verlagert werden, noch als Texte gelten sowie derselben Textsorte zugeordnet werden können (vgl. Janich 2008, 32).

Kommunikation im Zeitalter neuer Medien führt dazu, dass diese nicht nur über verschiedene Modi erfolgen kann, sondern darüber hinaus Rezipientlnnen eine bisher völlig unbekannte neue Freiheit eröffnet (vgl. Bucher 2011, 125). Werfen wir einen Blick zurück in die Geschichte. Bis zum Entstehen der Boulevard-Zeitungen waren Leserinnen gewöhnt, Tages- und Wochenzeitungen zu lesen, deren Texte sich durch eine Homogenität auszeichneten und inhaltlich als „geschlossen“ angesehen werden konnten. Man las sie von vorne nach hinten, von oben nach unten (vgl. Schmitz 2001, 4). Massenmediale Texte von heute weisen hingegen zumeist keinen linearen Verlauf mehr auf, sie können also in beliebiger Reihenfolge von Leserinnen gelesen werden und haben, aufgrund der vielfach modularen Aufbereitung, oftmals keinen Anfang und kein Ende (vgl. Schirnhofer 2009, 125). Es kommt demzufolge zum Bruch mit einem der sechs Textualitätskriterien, die Hausendorf/Kesselheim zufolge einen Text kennzeichnen: die Begrenztheit.

Als positives Merkmal wird multimodalen Texten zugesprochen, mittels emotionaler Ansprache andere Funktionen erfüllen zu können, als dies bislang mit einer reinen Textdarstellung der Fall war. Damit diese Funktion aber tatsächlich erfolgreich ist, müsste seitens der Rezipientlnnen einem solchen Textdesign eine kommunikative, internationale Absicht zugeschrieben werden. (Vgl. Schirnhofer 2009, 126)

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Multimodale Texte heute. Analyse der Multimodalität am Beispiel von Fitnessmagazinen
Untertitel
HeldIn der Waage
Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz
Note
1
Autor
Jahr
2017
Seiten
25
Katalognummer
V367882
ISBN (eBook)
9783668467996
ISBN (Buch)
9783668468009
Dateigröße
2339 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Textlinguistik, Kohäsionsmittel, Koheränz, Gender, Fitness, Multimodale Texte, Literaturtheorie, Men's Health, Women's Health
Arbeit zitieren
Mag. Stefan Loidl (Autor), 2017, Multimodale Texte heute. Analyse der Multimodalität am Beispiel von Fitnessmagazinen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/367882

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