Immer erreichbar sein – das ist heute die Devise. Beschleunigung, Technisierung sowie Digitalisierung sind maßgebliche Veränderungen des 21ten Jahrhunderts. Ebenso prägnant für die Postmoderne ist das Handy bzw. Smartphone.
Eine Gesellschaft ohne Handy ist heutzutage kaum noch vorstellbar. Für den Großteil der Bevölkerung ist das Mobiltelefon mittlerweile ein fester Bestandteil des Alltags geworden. Mit dem Aufkommen dieser Technologie kam es zu einer enormen Veränderung des alltäglichen Lebens und somit zu einer Neudefinition von Begrifflichkeiten wie beispielsweise Verfügbarkeit oder Kommunikation. Neben der Veränderung des Alltags von Handynutzern wird ebenso in das alltägliche Leben von Mitmenschen, welche die Technologien nicht nutzen, eingegriffen und dieses beeinflusst.
Beispielsweise das Ökodorf Sieben Linden versucht sich den Entwicklungen und Gefahren der Handynutzung zu entziehen. Am Eingang werden Bewohner sowie Besucher von Schildern empfangen, welche darauf hinweisen, die Mobiltelefone auszuschalten. Es herrscht in der Gemeinschaft das Gebot der Nichtnutzung von Mobiltelefonen.
Vorwiegend für die junge Generation stellt ein Leben ohne Handynutzung jedoch eine Besonderheit dar, da sie im Zeitalter der Technisierung aufwachsen und täglich durch andere Gleichaltrige außerhalb von Sieben Linden damit in Berührung kommen.
Es stellt sich die Frage, inwiefern sich Auswirkungen der Nichtnutzung von Mobiltelefonen, insbesondere für Kinder und Jugendliche des Ökodorfes Sieben Linden, ableiten lassen. Inwiefern zeigen sich Privilegien oder Benachteiligungen gegenüber anderen Gleichaltrigen?
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I Theorie
1 Problemaufriss
2 Kinder und Jugendliche und das Mobiltelefon
2.1 Die KIM-Studie
2.2 Die JIM-Studie
2.3 Funktionen des Handys für Heranwachsende
II Empirie
3 Auswertung qualitativer Fragebögen
3.1 Technologie in SL
3.2 Einfluss der Handynichtnutzung auf Jugendliche in SL
4 Thesen zur Zukunft der Handynichtnutzung
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Hausarbeit untersucht die Auswirkungen der Nichtnutzung von Mobiltelefonen im Ökodorf Sieben Linden auf die dort lebenden Kinder und Jugendlichen. Im Zentrum der Forschungsfrage steht die Analyse, inwiefern das bestehende Gebot der Handynichtnutzung zu Privilegien oder Benachteiligungen im Vergleich zu Gleichaltrigen außerhalb der Gemeinschaft führt.
- Analyse des Einflusses der Handynutzung auf Kinder und Jugendliche (KIM- und JIM-Studien)
- Untersuchung der Einstellung zur Technisierung innerhalb der Gemeinschaft Sieben Linden
- Evaluation der Vor- und Nachteile einer handylosen Lebensweise aus Sicht der Bewohner
- Ableitung von Zukunftsthesen für das Ökodorf im Kontext stetiger gesellschaftlicher Technisierung
Auszug aus dem Buch
3.2 Einfluss der Handynichtnutzung auf Jugendliche in SL
In Bezug auf den Einfluss der Handynichtnutzung in ihrer Kindheit gaben beide Jugendliche an, dass sie froh seien, ohne Handy und im Kontakt zu Menschen, Gleichaltrigen und zur Natur aufgewachsen zu sein und dieses auch nicht ändern würden, falls diese Chance bestehen würde. Ebenfalls stand diese Überlegung auch nie zur Debatte, da die Eltern ohnehin ein Handy nicht erlaubt hätten. In Bezug auf Vor- oder Nachteile in der Schule heißt es, dass „neben dem „öko-sein“ […] der Nicht-Besitz eines Handys schon auch eher ein Grund zur Abneigung und Verunsicherung von Mitschüler*innen [war].“
Außerdem gab eine befragte Person an, dass sie sich ebenfalls ein Smartphone gekauft hat, als die Kommunikation auf die Plattform WhatsApp umschlug, da nicht nur Tratsch, sondern auch Gruppenarbeiten etc. dort besprochen wurden, um einer möglichen Ausgrenzung durch MitschülerInnen zu entgehen. Eine Mutter hingegen sieht in dem Messenger eine Zeitverschwendung und sagte: „Jedoch die täglichen 100 sinnlosen WhatsUp Nachrichten zu verpassen, das ist ein Vorteil, weil man diese Zeit mit seinen Freunden im Dorf verbringen kann oder für die Schule lernen kann.“
Folglich kann die Nichtnutzung von Handys bzw. Smartphones in den Augen der Jugendlichen zu Ausgrenzungen in der Schule führen, da diese nicht nur dem Erlebniszweck, sondern ebenfalls zur Kommunikation und Organisation schulischer Aktivitäten und Aufgaben dienen. Bei den Eltern scheint diese Ansicht bisher jedoch weniger verbreitet zu sein, weshalb diese überdacht werden sollte, damit nicht Entscheidungen zu Ungunsten der eigenen Kinder gefällt werden. Jedoch können keine pauschalen Schlüsse diesbezüglich gezogen werden, da nur eine elterliche Meinung zu dieser Thematik vorliegt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Hinführung zum Thema des mobilen Zeitalters und der spezifischen Situation im Ökodorf Sieben Linden, in dem eine bewusste Nichtnutzung von Mobiltelefonen praktiziert wird.
I Theorie: Darlegung der allgemeinen Bedeutung des Mobiltelefons für Heranwachsende sowie theoretische Fundierung durch einschlägige Studien zur Mediennutzung.
1 Problemaufriss: Darstellung des technologischen Fortschritts und der daraus resultierenden Herausforderungen für die bewusste Lebensweise im Ökodorf Sieben Linden.
2 Kinder und Jugendliche und das Mobiltelefon: Analyse der Nutzungsdaten durch KIM- und JIM-Studien sowie Erläuterung der kommunikativen Relevanz von Smartphones.
2.1 Die KIM-Studie: Statistische Betrachtung der Handynutzung bei Kindern zwischen 6 und 13 Jahren und deren wachsende Bedeutung im Alltag.
2.2 Die JIM-Studie: Fokus auf das Nutzungsverhalten von Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren und die enorme Relevanz von Instant-Messenger-Diensten.
2.3 Funktionen des Handys für Heranwachsende: Untersuchung der verschiedenen Nutzungsbereiche, wobei Kommunikation als der bedeutendste Aspekt identifiziert wird.
II Empirie: Methodische Erläuterung der Datenerhebung durch qualitative Fragebögen bei Bewohnern von Sieben Linden.
3 Auswertung qualitativer Fragebögen: Präsentation der Ergebnisse aus der Befragung hinsichtlich der gelebten Alltagskultur und Haltung zur Technik.
3.1 Technologie in SL: Analyse, wie das Ökodorf mit Technisierung umgeht und welche ambivalente Haltung die Bewohner dazu einnehmen.
3.2 Einfluss der Handynichtnutzung auf Jugendliche in SL: Identifikation von Vor- und Nachteilen, insbesondere hinsichtlich schulischer Integration und sozialer Ausgrenzung.
4 Thesen zur Zukunft der Handynichtnutzung: Ableitung konkreter Zukunftsszenarien und Handlungsempfehlungen unter Berücksichtigung verschiedener Interessen innerhalb der Dorfgemeinschaft.
Schlüsselwörter
Handynichtnutzung, Ökodorf Sieben Linden, Jugendliche, Technisierung, Medienpädagogik, JIM-Studie, KIM-Studie, soziale Ausgrenzung, digitale Kommunikation, Alltagskultur, Smartphone, Identitätsbildung, qualitative Forschung, soziale Kompetenz, Wlan-Hotspot.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit den Auswirkungen des Handyverbots im Ökodorf Sieben Linden auf die dort aufwachsenden Kinder und Jugendlichen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen die medienpädagogische Bedeutung von Smartphones, das Spannungsfeld zwischen technischem Fortschritt und ökologischen Werten sowie soziale Integrationsprozesse von Jugendlichen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, auf Basis qualitativer Befragungen zu prüfen, ob die Nichtnutzung von Handys zu Privilegien (z.B. Naturverbundenheit) oder Nachteilen (z.B. Ausgrenzung in der Schule) führt.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Es wurde eine Kombination aus Literaturrecherche (KIM/JIM-Studien) und einer qualitativen Befragung mittels Fragebögen bei Bewohnern des Ökodorfes durchgeführt.
Was ist der Kern des Hauptteils?
Der Hauptteil analysiert die Einstellung der Bewohner zur Technisierung und wertet die subjektiven Erfahrungen der Jugendlichen und Eltern zum Thema Handyverbot aus.
Was sind die charakteristischen Schlüsselwörter?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Handynichtnutzung, Sieben Linden, JIM-Studie, soziale Ausgrenzung und digitale Identität.
Wie bewerten die Jugendlichen selbst die Nichtnutzung?
Die Jugendlichen sind größtenteils froh über eine Kindheit ohne permanente Erreichbarkeit, sehen aber durch soziale Plattformen wie WhatsApp ein Risiko für schulische Ausgrenzung.
Welcher konkrete Lösungsvorschlag wird für die Zukunft entwickelt?
Als Zukunftsperspektive wird die Einrichtung eines zeitlich eingeschränkten Wlan-Hotspots diskutiert, um soziale Teilhabe zu ermöglichen, ohne die gemeinschaftlichen Prinzipien aufzugeben.
- Citation du texte
- Stefanie Klein (Auteur), 2017, Auswirkungen der Nichtnutzung von Handys im Ökodorf auf Kinder und Jugendliche, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/367899