Das Umfeld von Unternehmen ist durch immer höhere Komplexität bestimmt. So steigen mit zunehmender Globalisierung und Unternehmensgrößen die Kapitalverflechtungen und somit die Risiken von Unternehmen, womit das Risikomanagement zunehmen im Mittelpunkt unternehmerischen Handelns rückt. Unternehmen sind indes stets bemüht, Risiken zu vermindern. Dabei können risikobehaftete Posten mithilfe gegenläufiger Positionen (sog. Sicherungskontrakte oder auch Sicherungsgeschäfte) abgesichert werden.
Aufgrund dieser hohen Bedeutung und des Inkrafttretens des IFRS 9-Standards zum 01.01.2018, der unter anderem die Bilanzierung von sog. Sicherungsbeziehungen abdeckt, empfiehlt sich ein Vergleich, inwieweit solche Sicherungsbeziehungen in der nationalen (HGB) und internationalen (IAS 39 und IFRS 9) Rechnungslegung Anwendung finden.
Dabei geraten mit der Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen verschiedene Problemstellungen in den Fokus. Dem Bilanzierenden stellt sich insb. die Frage, welcher Umfang von risikobehafteten Positionen bzw. welche Sicherungsgeschäfte für eine solche bilanzielle Abbildung zulässig sind. Weiterhin hat der Bilanzierende die Effektivität zwischen den gegenläufigen Positionen nachzuweisen, womit weitere Problemstellungen behaftet sind.
Zur Ausarbeitung der Problemstellungen wird in dieser Arbeit anhand der in der Literatur diskutierten Lösungsansätze und den Gesetzesnormen ein kritischer Vergleich gezogen. Dabei wird in Kapitel zwei ein Überblick über grundlegende Begrifflichkeiten im Zusammenhang mit der Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen gegeben. Anschließend werden in Kapitel drei bis vier die bilanzielle Abbildung und deren Voraussetzungen (einschließlich der Dokumentation) vorgestellt. In Kapitel fünf erfolgt der kritische Vergleich. In Kapitel sechs wird zum Abschluss der Arbeit ein Fazit gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen
2.1 Risiko und Risikomanagementsysteme
2.2 Sicherungsbeziehungen
2.3 Notwendigkeit der gesonderten Regelungen für Sicherungsbeziehungen
2.4 Bestands und antizipative Sicherungsbeziehungen
2.5 Auslegung des Finanzinstrumentebegriffs
2.6 Effektivitätsanforderungen von Sicherungsbeziehungen
3 Sicherungsbeziehungen nach HGB
3.1 Anwendungsvoraussetzungen nach HGB
3.1.1 zulässige Grundgeschäfte nach HGB
3.1.2 zulässige Sicherungsgeschäfte nach HGB
3.1.3 Effektivitätsanforderungen nach HGB
3.1.4 Sicherungs- und Durchhalteabsicht nach HGB
3.2 Dokumentationsanforderungen nach HGB
3.3 Bilanzielle Abbildung nach HGB
4 Sicherungsbeziehungen nach IAS 39 und IFRS 9
4.1 Anwendungsvoraussetzungen
4.1.1 zulässige Grundgeschäfte
4.1.1.1 zulässige Grundgeschäfte nach IAS 39
4.1.1.2 zulässige Grundgeschäfte nach IFRS 9
4.1.2 zulässige Sicherungsgeschäfte
4.1.2.1 zulässige Sicherungsgeschäfte nach IAS 39
4.1.2.2 zulässige Sicherungsgeschäfte nach IFRS 9
4.1.3 Effektivitätsanforderungen
4.1.3.1 Effektivitätsanforderungen nach IAS 39
4.1.3.2 Effektivitätsanforderungen nach IFRS 9
4.1.4 Dokumentationsanforderungen
4.1.4.1 Dokumentationsanforderungen nach IAS 39
4.1.4.2 Dokumentationsanforderungen nach IFRS 9
4.2 Beendigung der Sicherungsbeziehung
4.2.1 Beendigung der Sicherungsbeziehung nach IAS 39
4.2.2 Beendigung der Sicherungsbeziehung nach IFRS 9
4.3 Bilanzielle Abbildung nach IAS 39 und IFRS 9
5 Kritischer Vergleich
5.1 der zulässigen Grundgeschäfte
5.2 der zulässigen Sicherungsgeschäfte
5.3 der Effektivitätsanforderungen
5.4 der Dokumentationsanforderungen
5.5 der Beendigung der Sicherungsbeziehung
5.6 der bilanziellen Abbildung
5.6.1 Vorbemerkung
5.6.2 Kritischer Vergleich der bilanziellen Abbildung
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit zielt darauf ab, die komplexen Regelungen zur Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen (Hedge-Accounting) nach nationalem (HGB) sowie internationalem Standard (IAS 39 und IFRS 9) systematisch gegenüberzustellen und kritisch zu vergleichen.
- Grundlagen von Risikomanagementsystemen und Sicherungsbeziehungen
- Bilanzielle Behandlung und Voraussetzungen nach HGB-Standard
- Analyse und Gegenüberstellung von IAS 39 und IFRS 9
- Kritische Würdigung der Effektivitätsanforderungen und Dokumentationspflichten
- Vergleich der bilanziellen Abbildungsmethoden und deren Auswirkungen auf den Jahresabschluss
Auszug aus dem Buch
2.1 Risiko und Risikomanagementsysteme
Der Begriff des Risikos ist in seiner Herkunft und Definition in der Literatur nicht einheitlich geklärt. Dieser variiert, je nachdem, in welchem Kontext man diesen betrachtet.6 Aus betriebswirtschaftlicher Sicht lässt sich der Begriff aus der Negativabgrenzung zur Sicherheit ableiten. In der unternehmerischen Tätigkeit ist der Entscheider einer Vielzahl möglicher Situationen ausgesetzt. Objektiv ist es ihm nicht möglich, vollkommene Informationen über Eintrittswahrscheinlichkeiten und Konsequenzen der Situation zu gewinnen, sodass er sich in der Unsicherheit befindet. Dieser unbestimmte Teil der Informationsunvollkommenheit wird als Risiko bezeichnet.7
Eine Konkretisierung des Risikobegriffs lässt sich durch eine Klassifizierung in verschiedene Dimensionen einteilen. Denkbar ist eine Klassifizierung in strategischen Risiken (bspw. veränderte Markbedingungen, veränderte Wettbewerbssituationen), operationelle Risiken (bspw. mögliche Gerichtsprozesse, möglicher Betrug im Zusammenhang mit der Unternehmung) und finanzwirtschaftliche Risiken (bspw. Zinsänderungsrisiken, Wechselkursrisiken, Güterpreisrisiken, Kreditrisiken bzw. Ausfallrisiken).8
Im Rahmen von Sicherungsbeziehungen in der Rechnungslegung sind bestimmte Anwendungsvoraussetzungen gegeben,9 die die Risiken der Klassifizierung in „systematisch“ und „operationell“ ausschließen, sodass folglich nur auf die finanzwirtschaftlichen Risiken, die einen Einfluss auf die Rechnungslegung von Sicherungsbeziehungen haben, Bezug genommen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung beschreibt die steigende Komplexität und die damit verbundenen finanziellen Risiken für Unternehmen sowie die Relevanz der Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen nach HGB, IAS 39 und IFRS 9.
2 Grundlagen: Das Kapitel definiert den Risikobegriff sowie die unterschiedlichen Risikokategorien und erläutert die Bedeutung von Sicherungsbeziehungen sowie die Notwendigkeit gesonderter Bilanzierungsregeln.
3 Sicherungsbeziehungen nach HGB: Es werden die Anwendungsvoraussetzungen, Dokumentationspflichten und die bilanzielle Abbildung (Bewertungseinheiten) unter dem Handelsgesetzbuch detailliert dargelegt.
4 Sicherungsbeziehungen nach IAS 39 und IFRS 9: Dieses Kapitel analysiert die internationalen Standards, insbesondere die Klassifizierung von Grund- und Sicherungsgeschäften sowie die Anforderungen an Effektivitätsnachweise und Dokumentation.
5 Kritischer Vergleich: Hier erfolgt eine direkte Gegenüberstellung der drei Standards in Bezug auf Zulässigkeit, Effektivitätsmessung, Dokumentation, Beendigung und die daraus resultierende bilanzielle Wirkung.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Regelwerke zusammen und stellt fest, dass sich die internationale Rechnungslegung nach IFRS 9 den grundsatzbasierten Anforderungen des HGB annähert.
Schlüsselwörter
Sicherungsbeziehungen, Hedge Accounting, HGB, IFRS 9, IAS 39, Risikomanagement, Bewertungseinheiten, Effektivitätsmessung, Finanzinstrumente, Bilanzielle Abbildung, Fair-Value-Hedge, Cash-Flow-Hedge, Rebalancing, Grundgeschäft, Sicherungsgeschäft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die komplexe bilanzielle Abbildung von Sicherungsbeziehungen, die Unternehmen einsetzen, um sich gegen finanzwirtschaftliche Risiken abzusichern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Felder sind das Risikomanagement, die rechtlichen Rahmenbedingungen nach deutschem (HGB) und internationalem Standard (IAS/IFRS) sowie der praktische Vergleich der verschiedenen Bilanzierungsmethoden.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist ein kritischer Vergleich, inwieweit Sicherungsbeziehungen nach nationalen und internationalen Rechnungslegungsvorschriften angewendet werden können und welche Unterschiede in der bilanziellen Darstellung bestehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und einer vergleichenden Gegenüberstellung der gesetzlichen Normen sowie der einschlägigen Verlautbarungen zur Bilanzierung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Grundlagen, die detaillierte Analyse der HGB-Regelungen (Bewertungseinheiten) sowie die umfassende Untersuchung von IAS 39 und IFRS 9, inklusive ihrer jeweiligen Dokumentations- und Effektivitätsanforderungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Hedge Accounting, Bewertungseinheiten, Effektivitätsmessung, Fair-Value-Hedge und Cash-Flow-Hedge.
Wie unterscheidet sich die Bewertung nach IFRS 9 von IAS 39?
IFRS 9 führt Neuerungen wie das „Rebalancing“ ein und ersetzt den retrospektiven Effektivitätsnachweis durch den Nachweis eines wirtschaftlichen Zusammenhangs, was den Standard praxisnäher gestaltet.
Welchen Spielraum bietet das HGB bei der Bilanzierung?
Das HGB bietet durch das Wahlrecht zwischen der Einfrierungs- und der Durchbuchungsmethode sowie die grundsatzbasierte Auslegung einen größeren bilanzpolitischen Ermessensspielraum für Unternehmen.
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- Anonym (Author), 2017, Sicherungsbeziehungen nach HGB, IAS 39 und IFRS 9. Ein kritischer Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/367951