Die Erarbeitung ordnet sich in das übergeordnete Thema "Sozialprofessionelles Handeln in weltanschaulich gebundenen Organisationen" ein. Sie geht von einem alttestamentlichen Prophetenwort aus und verbindet die religiös geprägte Lebens- und Gedankenwelt von damals mit sozialarbeiterischen und politischen Ansätzen heutiger Zeit. Der Thematik wird sich zunächst über das verwendetet Prophetenwort genähert. Ein zeitgeschichtlicher sowie ein inhaltlicher Aspekt zeigen etwas vom Leben im 7. Jahrhundert vor Christus auf. Einiges davon erscheint zeitlos und ist Menschen damals wie heute bekannt. Das ermöglicht im Verlauf der Erarbeitung Brücken zu den Wurzeln christlich religiöser Prägung zu schlagen und damit Motive aus der Entwicklungsgeschichte Sozialer Arbeit anklingen zu lassen.
Zentralen Worten aus dem Titel widmet sich ein ganzes Kapitel. Gnade, Recht und Gerechtigkeit werden nicht anhand ihrer Grenzen bestimmt; sie werden auf ihre Bedeutung hin entfaltet. Bei dem Wort Gnade kommt es zum Bruch im Sprachgebrauch des Propheten gegenüber dem Sprachgebrauch heutiger Sozialer Arbeit. Drei Facetten werden ausgeleuchtet und zueinander sowie zum Thema in Beziehung gesetzt. Ein weiteres Kapitel geht der Frage nach Sozialkritik nach. Die beschriebenen Worte treten dabei in den Hintergrund. Beleuchtet werden die Kritik des Propheten in seiner Zeit sowie die Kritik, die Soziale Arbeit heute übt. Gemeinsam ist dieser Kritik der politische Anspruch. Einzelne Aspekte dieses Handlungsfeldes leuchtet ein eigenes Unterkapitel aus.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Jeremia 9, 22+23
2.1 Einordnung in Region und Zeit
2.2 Aspekt des Rühmens
3 Betrachtung zentraler Begriffe
3.1 Gerechtigkeit
3.2 Recht
3.3 Gnade, Barmherzigkeit, Solidarität
3.3.1 Gnade
3.3.2 Barmherzigkeit
3.3.3 Solidarität
4 Entfaltung von Sozialkritik
4.1 … im Zusammenhang „der heutigen Vorstellung sozialprofessionellen Handelns“
4.2 … in der Vorstellung zu Zeiten des Propheten Jeremia
4.3 … als ein Handlungsfeld am Schnittpunkt von Politik, Religion und Sozialarbeit
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von alttestamentlicher Sozialkritik und modernen sozialprofessionellen Handlungsansätzen. Das Ziel ist es, die Kriterien Gnade, Recht und Gerechtigkeit in ihrer Bedeutung für das gesellschaftliche Zusammenleben zu entfalten und aufzuzeigen, wie diese Werte heute und damals zur Gestaltung sozialer Gerechtigkeit beitragen.
- Verbindung von religiös geprägter Ethik mit heutiger Sozialarbeit
- Analyse der biblischen Prophetenbotschaft als Grundlage für Sozialkritik
- Gegenüberstellung von Recht, Gerechtigkeit, Gnade, Barmherzigkeit und Solidarität
- Die Rolle der Partizipation und des Triple-Mandats in der professionellen Sozialen Arbeit
- Das Subsidiaritätsprinzip als ordnungspolitisches Instrument
Auszug aus dem Buch
3.3.3 Solidarität
Solidarität ist ein Wort aus der sozialpolitischen Sprache. Als einziger der drei Begriffe findet er sich im aktuellen Fachlexikon der sozialen Arbeit vom Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge. Dort steht:
„Solidarität (lateinisch solidus = fest, dicht) beschreibt einen gesellschaftlichen Zustand, in dem die Beziehungen zwischen den Einzelnen und einer Gesamtheit (letztlich einem Gemeinwesen) gleichermaßen durch Eigenständigkeit und Verantwortung der → Individuen und durch Anspruch und Verantwortung der Gesamtheit gekennzeichnet sind. In diesem Sinn ist das S.prinzip eine → Norm für das → Verhalten des Einzelnen und für die Gestaltung und das Verhalten der Gesamtheit“ (Zacher 2011, 767).
Für jedes Gesellschaftsmitglied bedeutet Solidarität erst einmal eine Last. Alle müssen daran teilnehmen und die zum überwiegenden Teil fremden Anderen unterstützen. Im Fall eigener Bedürftigkeit bedeutet Solidarität jedoch einen Anspruch. Im Gegensatz zum Angewiesensein auf die Barmherzigkeit freiwilliger Geber, kann der Bedürftige den Mangel anzeigen und auf die Unterstützung der Anderen setzen.
Solidarität wird als eine gesellschaftliche Pflicht beschrieben, die sich in heutigen Sozialstaaten herausgebildet hat und weiter entwickelt. Wie diese wahrgenommen wird, ist dem politischen Aushandlungsprozess unterworfen. Dabei gibt es reichlich Potential für Enttäuschungen oder Missverständnisse. „Die Verzerrung erfolgt v.a. in Gestalt der Übersteigerung des jeweils eigenen Anspruchs (der eigenen Gruppe usw.) und in der Übersteigerung der Pflichten der jeweils andern“ (ebenda, 768). Das große Verdienst der Solidarität ist, dass die Abhängigkeit des Einzelnen von willkürlicher Gnade oder Barmherzigkeit abgehoben wird. Allerdings hat sich die Form der institutionalisierten Solidarität auch daraus entwickelt, dass sich für jeden Einzelnen die Möglichkeiten vergrößert haben, zu den Verlierern großer Entwicklungen zu gehören. Solidarität wurde im Zuge der Entstehung der Profession „Soziale Arbeit“ politisch eingefordert. Die zugrunde liegende Erscheinung ist die Industrialisierung. Da deren Entwicklung weiter fortschreitet, ist auch die weitere Entwicklung von Solidaritätszusammenhängen geboten (vgl.: Castell 2011, Geuder 2016, Honneth 1994, und andere).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in das Thema sozialprofessionellen Handelns ein und spannt den Bogen von der biblischen Überlieferung zur modernen Sozialarbeitswissenschaft.
2 Jeremia 9, 22+23: Dieses Kapitel verortet das Prophetenwort zeitgeschichtlich und untersucht den moralischen Aspekt des Rühmens.
3 Betrachtung zentraler Begriffe: Hier werden die Kernbegriffe Gerechtigkeit, Recht, Gnade, Barmherzigkeit und Solidarität definiert und zueinander in Bezug gesetzt.
4 Entfaltung von Sozialkritik: Es wird analysiert, wie Sozialkritik heute verstanden wird und wie sie sich in der Tradition des Propheten und in modernen Handlungsfeldern der Sozialarbeit manifestiert.
5 Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass Sozialkritik ein notwendiges, politisches Instrument bleibt, um Ungerechtigkeiten entgegenzuwirken und auf die Verantwortung der Mächtigen zu verweisen.
Schlüsselwörter
Sozialkritik, Jeremia, Soziale Arbeit, Gerechtigkeit, Recht, Gnade, Barmherzigkeit, Solidarität, Anerkennungstheorie, Partizipation, Subsidiarität, Ethik, Gesellschaftskritik, Sozialprofessionelles Handeln, Religion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Grundlagen sozialprofessionellen Handelns und verknüpft dabei alttestamentliche Prophetenworte mit heutigen politischen und sozialarbeiterischen Ansätzen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Begriffe Gnade, Recht und Gerechtigkeit sowie deren Bedeutung für das gesellschaftliche Miteinander und die professionelle Praxis.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist eine Gegenüberstellung der Aussagen des Propheten Jeremia mit modernen Anforderungen an die Soziale Arbeit, um daraus Erkenntnisse für zeitgemäßes sozialethisches Handeln zu gewinnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse, bei der theologische Texte und aktuelle sozialwissenschaftliche Diskurse, inklusive Anerkennungstheorien und Partizipationsmodelle, zusammengeführt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine begriffliche Fundierung (Gerechtigkeit, Recht, Gnade) und eine praktische Anwendung von Sozialkritik im Kontext von Politik, Religion und professioneller Sozialarbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den zentralen Begriffen zählen Sozialkritik, Gerechtigkeit, Solidarität, Soziale Arbeit, das Prophetenwort des Jeremia und das Subsidiaritätsprinzip.
Inwiefern spielt der Prophet Jeremia eine Rolle für die moderne Soziale Arbeit?
Der Autor argumentiert, dass Jeremias Kritik an der Ausnutzung von Macht und die Forderung nach gerechtem Handeln als zeitlose Impulse für das professionelle Selbstverständnis heutiger Akteure dienen können.
Warum wird im Dokument das „Triple-Mandat“ erwähnt?
Das Triple-Mandat verdeutlicht die komplexe Verantwortung sozialer Arbeit, die sich zwischen dem institutionellen Auftrag, den Wünschen der Klienten und der professionellen Selbstverpflichtung bewegt.
Welche Bedeutung hat das Subsidiaritätsprinzip im Kontext der Arbeit?
Es dient als anschauliches Beispiel für ein Ordnungsprinzip, das politische Aushandlungsprozesse mit dem Ziel der Stärkung kleinerer Einheiten verbindet, um so Gerechtigkeit zu fördern.
- Citation du texte
- H. Christoph Geuder (Auteur), 2017, Sozialkritik und ihre Entfaltung in den Kriterien Gnade, Recht und Gerechtigkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/368016