Durch diese Arbeit soll nicht nur dargelegt werden, welchen Mehrwert und welche Möglichkeiten das Bilderbuch aufweist, sondern konkrete Analysehilfe in Form von Kriterien gegeben werden, um im unüberschaubaren Angebot an Bilderbüchern eine Auswahl zu treffen.
Der Titel "Kriterien für interaktive analoge Bilderbücher" grenzt den Geltungsbereich der formulierten Kriterien ein. Für diese Arbeit heißt dies grundsätzlich, dass der Fokus auf (analogen) traditionellen Printbilderbüchern liegt, in Abgrenzung von z.B. Bilderbuch Verfilmungen oder Bilderbuch-Apps. Die Interaktivität der Bilderbücher steht hierbei für die erweiterte Einsatzmöglichkeit, wodurch der Gültigkeitsumfang der Kriterien wiederum spezifiziert wird. Darunter wird in dieser Arbeit die Spanne an didaktischen Einsatzmöglichkeiten verstanden, die z.B. durch ergänzendes Material vom Verlag oder Lehrerhandreichungen gewährleistet wird. Die Arbeit setzt sich, gemäß des Titels, aus zwei Teilen zusammen, den theoretischen Grundlagen (Teil A) und den praktischen Implikationen (Teil B).
Zu Beginn wird das Bilderbuch in definitorischer, historischer und kategorialer Perspektive betrachtet. Auf dieser Basis wird der Mehrwert des Bilderbuchs im Deutschunterricht der Primarstufe hinsichtlich der Leseförderung, des Literarischen Lernens und der Ästhetischen Bildung dargestellt. Die autonome Einzelschule ist an verbindliche Ziele gebunden, die Bildungsstandards sowie der saarländische Kernlehrplan bilden das Handwerkszeug einer jeden Lehrkraft. Es wird untersucht, inwiefern sich das Bilderbuch als Thema wiederfindet bzw. welche fachlichen Kompetenzen in der Arbeit mit diesem erreicht werden können. Das vierte Kapitel des Teils A bildet das Kernstück dieser Arbeit. Die Synthese von Kriterien für interaktive, analoge Bilderbücher erfolgt in fünf Kategorien, diese Kriterien werden in Teil B praktisch angewendet. Dies erfolgt anhand der Beurteilung und Analyse des Bilderbuches "Die Freunde im Traumwald" von Ulf Stark und Sara Nillson Bergman (2015). Auf Grundlage dieser Analyse wurde das Bilderbuch für den unterrichtlichen Einsatz weiterentwickelt. Ein Anwendungsbeispiel wird in Form einer Unterrichtsreihe ausgeführt und veranschaulicht so, den Mehrwert von kriteriengestützten Analysen im unterrichtlichen Kontext.
Inhaltsverzeichnis
1. Das Bilderbuch
1.1 Definitionen und Einordnung des Bilderbuches
1.2 Historischer Rückblick
1.3 Arten von Bilderbüchern
2. Das Bilderbuch als Mehrwert im Deutschunterricht der Primarstufe
2.1 Leseförderung
2.1.1 Fachwissenschaftliche Einordnung
2.1.2 Bilderbücher zur Leseförderung
2.2 Literarisches Lernen
2.2.1 Fachwissenschaftliche Einordnung
2.2.2 Bilderbücher zum Literarischen Lernen
2.3 Ästhetische Bildung
2.3.1 Fachwissenschaftliche Einordnung
2.3.2 Bilderbücher zur Ästhetischen Bildung
3. Bilderbücher, Bildungsstandards und der saarländische Kernlehrplan
4. Kriterien für Bilderbücher
4.1 Kriterien zum Inhalt
4.2 Kriterien zur Sprache
4.3 Kriterien zur Gestaltung
4.3.1 Materialität
4.3.2 Bild
4.3.3 Typographie
4.4 Kriterien zur Bild-und Textdarstellung
4.5 Kriterium zur didaktischen Einsatzmöglichkeit
5. Teil B: Praktische Implikationen
5.1 Das Bilderbuch: „Die Freunde im Traumwald“
5.2 Beurteilung des Bilderbuches „Die Freunde im Traumwald“
5.2.1 Beurteilung anhand des Kriteriums Inhalt
5.2.2 Beurteilung anhand des Kriteriums Sprache
5.2.3 Beurteilung anhand des Kriteriums Gestaltung
5.2.4 Beurteilung anhand des Kriteriums Bild- und Textdarstellung
5.2.5 Beurteilung anhand des Kriteriums zur didaktischen Einsatzmöglichkeit
5.3 Weiterentwicklung des Bilderbuches „Die Freunde im Traumwald“
5.3.1 Weiterentwicklung im Bereich des Kriteriums Inhalt
5.3.2 Weiterentwicklung im Bereich des Kriteriums Sprache
5.3.3 Weiterentwicklung im Bereich des Kriteriums Gestaltung
5.3.4 Weiterentwicklung im Bereich des Kriteriums Bild- und Textdarstellung
5.3.5 Weiterentwicklung im Bereich des Kriteriums zur didaktischen Einsatzmöglichkeit
5.4 Unterrichtsbeispiel zum Bilderbuch „Die Freunde im Traumwald“
5.4.1 Lernvoraussetzungen und Rahmenbedingungen zum Unterrichtsbeispiel
5.4.2 Unterrichtsreihe zum Bilderbuch „Die Freunde im Traumwald“
5.4.3 Exemplarische Langplanung der Unterrichtsstunde zum Thema
5.4.3.1 Einordnung und spezifische Lernvoraussetzungen
5.4.3.2 Sachanalyse
5.4.3.3 Didaktische Reduktion
5.4.3.4 Bezug zu Bildungsstandards und Kernlehrplan
5.4.3.5 Methodisch-didaktische Analyse
5.4.3.6 Kompetenzerwartung
5.4.3.7 Stundenverlauf
5.4.4 Freiarbeitsmaterial
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Mehrwert von Bilderbüchern im Deutschunterricht der Primarstufe und entwickelt auf Basis fachwissenschaftlicher Erkenntnisse ein Kriterienmodell für die Auswahl und Analyse von erzählenden Bilderbüchern. Ziel ist es, Lehrkräften eine strukturierte Analysehilfe an die Hand zu geben, um Bilderbücher zielgerichtet im Unterricht einzusetzen und deren didaktisches Potenzial voll auszuschöpfen.
- Theoretische Fundierung des Bilderbuchs (Definition, Geschichte, Kategorien)
- Analyse des didaktischen Mehrwerts hinsichtlich Leseförderung, literarischem Lernen und ästhetischer Bildung
- Entwicklung und Zusammenführung von Qualitätskriterien für den Unterrichtseinsatz
- Exemplarische Anwendung der Kriterien am Bilderbuch „Die Freunde im Traumwald“
- Konzeption einer Unterrichtsreihe und ergänzender Freiarbeitsmaterialien
Auszug aus dem Buch
1.2 Historischer Rückblick
Das Bilderbuch als solches ist bereits so alt wie der Buchdruck selbst, schon im Jahr 1445 wurden die ersten bebilderten Bücher gedruckt und verbreitet. Die angestrebte Zielgruppe stellten zu dieser Zeit jedoch nicht Kinder, sondern Erwachsene, die mehrheitlich nicht lesen konnten. Besonders die Bibel oder andere Bücher mit religiösen Inhalten sollten auf diese Weise auch für nicht-alphabetisierte Menschen zugänglich gemacht werden. Erst ca. 200 Jahre später, Mitte des 17. Jahrhunderts, gab es vermehrt illustrierte Sachbücher, die durch Bilder die Schrift ergänzen und Inhalte anschaulich darstellen sollten. Ende des 17. Jahrhunderts entstanden solche illustrierten Sachbücher auch für Kinder, um diesen ihre Lebenswelt näher zu bringen. Im 18. Jahrhundert versuchten in Europa einige Autoren, durch ihre Werke das Kind zu erziehen, wodurch die Gattung der Kinder- und Jugendliteratur entstand. In der Romantik verlagerte sich die Zielabsicht vom pädagogischen Erziehungsinstrument zur Entdeckung des Poetischen, Individuellen und Künstlerischen. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich diese interessenbezogene Herangehensweise zum Nutzen des Bilderbuches zur Unterhaltung. Diese Entwicklung zum Unterhaltungsmedium betrachtete der Autor Heinrich Hoffmann als unangemessen, da diese teilweise zu unrealistisch und grotesk wären. Aus dieser Motivation heraus schrieb er für seinen Sohn Bildergeschichten, die seiner Meinung nach angebrachter waren, aus dem Jahr 1844 begründete er die Gattung des erzählenden Bilderbuches, welches zu diesem Zeitpunkt die angebliche Lebenswelt der Kinder aus der Perspektive der Erwachsenen darstellte. In der Zeit der Reformpädagogik wurde versucht, das Kind mehr als Ausgangspunkt und zentrale Einheit in der Kinder- und Jugendliteratur zu betrachten. Sicherlich gilt es festzuhalten, dass sowohl die konservativen als auch andere neue Strömungen, wie der Jugendstil, noch existierten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das Bilderbuch: Dieses Kapitel definiert den Untersuchungsgegenstand, beleuchtet dessen historische Entwicklung von religiösen Anfängen bis zur modernen Kinder- und Jugendliteratur und ordnet das Bilderbuch in verschiedene Kategorien ein.
2. Das Bilderbuch als Mehrwert im Deutschunterricht der Primarstufe: Hier wird der theoretische Mehrwert des Mediums in den Bereichen Leseförderung, literarisches Lernen und ästhetische Bildung erörtert und wissenschaftlich fundiert.
3. Bilderbücher, Bildungsstandards und der saarländische Kernlehrplan: Dieses Kapitel setzt sich mit der Verankerung des Bilderbuchs in offiziellen Bildungsdokumenten auseinander und zeigt auf, wie der Einsatz durch übergeordnete Kompetenzbereiche legitimiert werden kann.
4. Kriterien für Bilderbücher: Der Kernteil entwickelt fünf konkrete Kriterienbereiche (Inhalt, Sprache, Gestaltung, Bild-Text-Darstellung, didaktische Einsatzmöglichkeit) zur systematischen Analyse von Bilderbüchern.
Teil B: Praktische Implikationen: Dieser Teil überträgt die theoretischen Kriterien auf das konkrete Beispiel „Die Freunde im Traumwald“, entwickelt eine überarbeitete Version des Werkes und stellt eine Unterrichtsreihe inklusive Freiarbeitsmaterialien vor.
Schlüsselwörter
Bilderbuch, Deutschunterricht, Primarstufe, Leseförderung, Literarisches Lernen, Ästhetische Bildung, Bildungsstandards, Kriterienkatalog, Unterrichtsplanung, Medienkompetenz, Erzählendes Bilderbuch, Didaktik, Bild-Text-Beziehung, Grundschule, Inklusion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen Fundierung und der praktischen Anwendung von Qualitätskriterien für den Einsatz von Bilderbüchern im Deutschunterricht der Primarstufe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Leseförderung, der Entwicklung literarischer Kompetenzen und der ästhetischen Bildung durch das Medium Bilderbuch.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist die Bereitstellung einer strukturierten Analysehilfe für Lehrkräfte, um die Qualität von Bilderbüchern wissenschaftlich fundiert zu prüfen und ihren Einsatz im Unterricht gezielt zu planen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoriegestützte Kriterienentwicklung, gefolgt von einer exemplarischen Fallanalyse eines spezifischen Bilderbuches sowie der Konzeption eines praktischen Unterrichtsbeispiels.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen des Bilderbuchs und sein Nutzen im Unterricht dargelegt, gefolgt von der Herleitung eines Kriterienkatalogs und der praktischen Anwendung auf das Fallbeispiel „Die Freunde im Traumwald“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Bilderbuch, Primarstufe, Leseförderung, Literarisches Lernen, Ästhetische Bildung, Didaktik und Unterrichtsplanung.
Warum wurde das Bilderbuch „Die Freunde im Traumwald“ als Fallbeispiel gewählt?
Dieses Buch dient als praktisches Beispiel, an dem die entwickelten Kriterien angewendet und auf Schwächen hin überprüft werden konnten, was schließlich zu einer didaktisch optimierten Weiterentwicklung des Werkes führte.
Wie wurde die Unterrichtsreihe konzipiert?
Die Unterrichtsreihe wurde für eine zweite Klasse entwickelt und integriert sowohl Deutschunterricht als auch fächerübergreifende Aspekte (z.B. Kunst), wobei der Fokus auf individualisiertem und differenziertem Lernen liegt.
- Citar trabajo
- Franziska Feß (Autor), 2016, Kriterien für interaktive analoge Bilderbücher, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/368064