Die Einführung der Reformation in Nürnberg. Politisches Kalkül oder theologische Überzeugung?


Hausarbeit, 2010

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.Die Einführung der Reformation in Nürnberg-politisches Kalkül oder theologische Überzeugung
2.1 Die gesonderte Rolle des Nürnberger Rates
2.2 Die Bedingungen in der Stadt und Unterschiede zu anderen Reichsstädten
2.3 Wichtige Persönlichkeiten und deren Einfluss auf die Reformation in Nürnberg
2.3.1 Das Wirken des Andreas Osiander in Nürnberg
2.3.2 Osiander und seine Rolle im Religionsgespräch von 1525
2.3.3 Der Ratsschreiber Lazarus Spengler als Vertreter der Reformation

3. Schlussbetrachtungen

4. Literaturliste

1. Einleitung

Fallen die Worte Reformation und Stadt, so mag man aus Reflex zunächst Assoziationen mit Martin Luther, der Wartburg in Eisenach oder eventuell noch mit dem westfälischen Münster bekommen, welche allesamt auch ihre Berechtigung haben. Gerade in der breiten Öffentlichkeit geht der Name Luther mit der Reformation ähnlich eng einher, wie sein vermeintlicher öffentlicher Thesenanschlag, über den es wohl noch endlose D ebatten geben wird. Neben einem so starken Personenkult vermag es nicht sonderlich zu verwundern, dass die regionale Historiographie in Hinblick auf die Reformation etwas weniger Beachtung findet. Nichtsdestotrotz lässt sich besonders am Beispiel der Stadt Nürnberg aufzeigen, wie die Reformation Einfluss auf das städtische Leben des 16 Jahrhunderts genommen hat, wie sie eventuell sogar instrumentalisiert wurde, beziehungsweise wie sie es schaffte, gerade in den städtischen Zentren „Deutschlands“ schnell und erfolgreich Fuß zu fassen. Hierbei ist es besonders auffällig, dass die Stadt Nürnberg einen „besonderen“ Weg einschlägt, der im Folgenden aber noch expliziter erläutert werden soll.

Betrachtet man nun die Nürnberger Reformation, so stößt man auch hier unumgänglich auf zwei, wenigstens aber einen Namen, welcher mit der Geschichte der Nürnberger Reformation unzertrennlich erscheint. Auf der einen Seite ist dies der Ratsschreibe Lazarus Spengler, dessen Feder die Nachwelt einige eminent wichtige Dokumente zur Nürnberger Reformation zu verdanken hat und dazu gesellt sich die wohl bekannteste Persönlichkeit aus dem Kreis der reformatorischen Prediger, die in Nürnberg wirkten: Andreas Osiander. Im Besonderen der zuletzt genannte war laut Seebaß „der bedeutendste reformatorische Prediger Nürnbergs“[1] und maßgeblich an der Umsetzung reformatorischer Neuerungen beteiligt. Nicht außer Acht lassen darf man bei der Frage nach der Einführung und Durchsetzung dieser Neuerungen den Nürnberger Rat als entscheidendes Organ innerhalb der Stadt. Mit Lazarus Spengler hat der Rat einen überzeugten Reformator als Schreiber in seinen Reihen. Sicherlich stellte Spenglers konfessionelle innerhalb des Rates keinen Einzelfall dar, doch daraus zu folgern, die Reformation in Nürnberg wurde lediglich aus religiöser Überzeugung eingeführt, wäre zu kurz gedacht. Neben den vorherrschenden pro-reformatorischen Tendenzen innerhalb der Stadt gab es wohl auch noch weitere Beweggründe, die den Rat dazu brachten, sich von der alten Religion ab- und sich den Reformatoren zuzuwenden. Diese Gründe lassen sich insgesamt unter den Schlagwörtern „politisches Kalkül“ zusammenfassen und sollen explizit im Laufe dieser Arbeit dargestellt werden. Darüberhinaus soll geklärt werden, soweit dies möglich ist, welcher der beiden eben genannten Beweggründe für die Einführung der Reformation in Nürnberg ausschlaggebend war, bzw. inwieweit dies im Zusammenspiel jener geschehen ist. Dabei sollen auch die Rollen der beiden bereits erwähnten Nürnberger Persönlichkeiten Lazarus Spengler und Andreas Osiander betrachtet und in die Bewertung mit einbezogen werden.

2.Die Einführung der Reformation in Nürnberg-politisches Kalkül oder theologische Überzeugung

2.1 Die gesonderte Rolle des Nürnberger Rates

Bevor man die Frage erörtert, ob die Einführung der Reformation in Nürnberg aus theologischer Überzeugung oder aus politischem Kalkül zur Wahrung der eigenen Interessen geschah, muss die Rolle des Nürnberger Rates ein wenig genauer betrachtet werden. Die Reichsstadt Nürnberg hatte sich bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts als eine der größten - gemeinsam mit dem Nürnberger Land zählte man ungefähr 45.000 Einwohner Nürnbergs - und bedeutendsten, wenn nicht gar der bedeutendsten Reichsstädte etabliert.[2] Hierbei hatte die Stadt auch viel der Gunst des Kaisers zu verdanken, wodurch sie sukzessiv die eigene Macht steigern, ihr Territorium vergrößern und dabei auch ihre gehobene Stellung im europäischen Handel behaupten konnten.[3] Diese besondere Beziehung zum Kaiser bedeutete im Umkehrschluss, dass dieser für seine „Gaben“ als Gegenleistung besondere Kaisertreue erwartete und voraussetzte.[4] Wie sehr diese Konstellation noch zu potentiellen Spannungsfeldern wurde, wird im weiteren Verlauf noch genauer betrachtet. Für die Regierungsgeschicke war in Nürnberg der Rat verantwortlich, welcher sich aus dem inneren, bzw. kleinen Rat und dem äußeren oder großen Rat zusammensetzte. Allerdings lag die eigentliche Macht de facto beim inneren Rat, da der äußere Rat lediglich auf dessen Einberufung oder bei den jährlichen Ratswahlen zusammentrat.[5] Wenngleich der äußere Rat mit ca. 200 Mitgliedern, den sogenannten Honoratioren dem inneren Rat zahlenmäßig weit überlegen war, so leitete dieser doch mit seinen 34 Ratsherren und acht Handwerkern die Geschicke der Stadt.[6] Besonders selektiv war die politische Repräsentanz in Nürnberg darüberhinaus dadurch, dass in jenen inneren Rat lediglich Vertreter aus den sogenannten 42 ratsfähigen Familien gewählt werden durften. Diese stellten quasi eine Art städtisches Patriziat, so dass diese lediglich sechs Prozent der Bevölkerung repräsentierten[7], während in etwa 30% der Bevölkerung derart arm waren und von den Klöstern oder der Stadt direkt versorgt werden mussten.[8] Trotz dieses „Obrigkeit und Untertan“[9] Verhältnisses sah sich der Rat stets als Wahrer und Vertreter des Willen der Bevölkerung und wurde von dieser auch als solcher angenommen. Gepaart mit der Tatsache, dass der Nürnberger Rat zumindest gewissenhaft zu absoluter Kaisertreue verpflichtet war, ergab sich nun daraus eine brisante Spannung gerade in Hinblick auf diverse Beschlüsse, die der Rat zu fällen hatte. Die genauen Folgen, die diese Konstellation nach sich zog, werden dann im weiteren Verlauf der Arbeit anhand konkreter Beispiele noch genauer ermittelt. Generell lässt sich für Nürnberg jedoch festhalten, dass sie daran interessiert waren, die Kontrolle über die Einsetzung und Berufung der Pfarrer selber zu gestalten. Bereits im 15 Jahrhundert konnte der Rat erste Erfolge verbuchen und diverse Pfarrstellen mit echten Nürnbergern besetzen und 1477 die Nürnberger Pfarrer zu Pröbsten erheben, so dass man sich eine gewisse „Rechtsunabhängigkeit“ verschaffen konnte.[10] So gesehen wurden in Nürnberg bereits sehr früh gewisse Rahmenbedingungen geschaffen, die eine Einführung der Reformation z.B. durch die Einsetzung von Pröbsten, die ihr Studium in Wittenberg absolviert hatten, deutlich erleichterten.

2.2 Die Bedingungen in der Stadt und Unterschiede zu anderen Reichsstädten

Betrachtet man die Lage im Reich, fällt eine Besonderheit für Nürnberg besonders ins Auge. Anders als in Reichsstädten wie Münster wurde die Reformation vom Rat mitgetragen bzw. nicht alleine durch die Bevölkerung initiiert oder gar in Form eines gewaltsamen Umsturzes herbeigeführt oder erzwungen. Für Berndt Hamm gibt es eine Reihe von positiven Bedingungen, die förderlich für die rasche und konsequente Verbreitung der Reformation in den Städten war. Hierzu zählt dieser zum einen die „geistige Mobilität“ besonders die der größeren Städte, und bezieht sich hierbei vor allem auf die Möglichkeit der schnellen Publikation mittels Flugschriften, Flugblättern und dergleichen.[11] Diese Art der Vermittlung wäre ohne die Prediger, die die reformatorische Botschaft verkündeten, lange nicht so effektiv gewesen.

[...]


[1] Gottfried SEEBAß, Wie Worte eine Stadt verändern. Andreas Osiander in Nürnberg und die Wirkung der reformatorischen Predigt, in: Michael BAMMESSEL, Rainer OECHSLEN, Wie Worte eine Stadt verändern. Zum Osiander-Gedenkjahr, Folge 2 der Schriftenreihe „Zeit fürs Evangelium“ des Evang.-Luth. Dekanats Nürnberg, S. 45-59, Nürnberg 2002, S. 46.

[2] Wolfgang OSIANDER, Die Reformation in Franken. Andreas Osiander und die fränkischen Reformatoren, in Reihe Fränkische Geschichte Band 14, Gunzenhausen 2008, S. 22.

[3] Gottfried SEEBAß, Stadt und Kirche in Nürnberg im Zeitalter der Reformation, in: Bernd MOELLER (Hg.): Stadt und Kirche, S. 66-86, Gütersloh 1978, S. 68.

[4] Seebaß in Möller, Stadt,1978, S. 68.

[5] Osiander, Franken, 2008, S. 24.

[6] Seebaß in Möller, Stadt, 1978, S. 67.

[7] Seebaß in Möller, Stadt, 1978, S. 67-68.

[8] Osiander, Franken, 2008, S. 24.

[9] Seebaß in Möller, Stadt, 1978, S. 68.

[10] Seebaß in Möller, Stadt, 1978, S. 68.

[11] Berndt HAMM, Bürgertum und Glaube. Konturen der städtischen Reformation, Göttingen 1996, S. 79. 3

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Details

Titel
Die Einführung der Reformation in Nürnberg. Politisches Kalkül oder theologische Überzeugung?
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
13
Katalognummer
V368105
ISBN (eBook)
9783668465916
ISBN (Buch)
9783668465923
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einführung, reformation, nürnberg, politisches, kalkül, überzeugung
Arbeit zitieren
Fabian Zschiesche (Autor), 2010, Die Einführung der Reformation in Nürnberg. Politisches Kalkül oder theologische Überzeugung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/368105

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