Seit längerer Zeit habe ich den Eindruck, dass wir Jugendlichen von Polizei – und teilweise auch von der Politik – in erster Linie als Problemfaktor im öffentlichen Raum wahrgenommen werden. Auch in den Medien ist in diesem Zusammenhang selten vom Bedürfnis Jugendlicher nach Freizeitgestaltung, aber häufig von öffentlicher Ruhestörung, Littering und anderen Konflikten mit den geltenden Gesetzen die Rede. Und diese Grundhaltung spiegelt sich in der Folge auch im Umgang mit uns Jugendlichen beispielweise bei spontanen Personenkontrollen.
Ich führte mit meinen Kollegen und meinen Eltern Diskussionen darüber, was die Polizei darf und was nicht. Wir merkten bald, dass es viele offene Fragen gibt. Im Wesentlichen sind dies:
Ich entscheid mich daher, die juristische und politische Sachlage im Rahmen meiner Maturaarbeit zu untersuchen. In den letzten Wochen kam ein beträchtlicher Stapel an Rechtsunterlagen, Zeitungsartikel und Schilderungen von anderen «Betroffenen» zusammen. Immer wieder tauchten neue Fragen auf und mein Interesse am Thema nahm täglich zu.
Ich wollte herausfinden, ob es regelmässig zu solchen Vorfällen kommt in Winterthur; aber auch wer davon betroffen ist und was die Polizei effektiv darf. Darüber hinaus interessiert mich aber auch, ob die Betroffenen sich ihrer Rechte in solchen Situatio-nen bewusst sind und welche Auswirkungen solche Vorfälle auf das Freizeitverhalten von Jugendlichen haben.
Meine Hypothese: In den Schweizer Städten bzw. konkret in Winterthur werden die Jugendlichen immer stärker aus dem öffentlichen Raum verdrängt.
Die Hypothese basiert auf eigenen Erfahrungen, weil der Grossteil meines Freundeskreises und ich mittlerweile mehrfach im öffentlichen Raum angehalten und kon-trolliert wurden. Dies in den meisten Fällen ohne, dass wir uns verdächtig verhalten oder gegen irgendwelche Gesetze verstossen hätten.
In meiner Maturitätsarbeit gehe ich auf folgende Punkte ein:
• Analyse der rechtlichen Situation bezüglich Polizeikontrollen
• Mögliche Motive für diese Politik (Gemäss einer Befragung der Stadtpolizei zum Sicherheitsempfinden der Bürger/innen gehören herumlungernde Jugendliche zu einem der meistgenannten Probleme...)
• Auswirkungen dieser Polizeipraxis auf das Freizeitverhalten von Jugendlichen in der Stadt Winterthur
Inhaltsverzeichnis
- Einführung
- Methodik
- Rechtliche Analyse des Vorfalles vom 21.02.2016
- Die polizeiliche Anhaltung und der Tatverdacht
- Durchführung einer Personenkontrolle
- Minderjährigkeit
- Schlussfazit
- Der Einfluss der Polizeipolitik auf die Freizeit der Jugendlichen in Winterthur
- Das Sicherheitsempfinden der Winterthurer Bürger
- Verdacht auf Cannabis
- Social Profiling
- Die Verhältnismässigkeit von Personenkontrollen
- Hotspots
- Der Einfluss von Personenkontrollen auf die Freizeitgestaltung der Winterthurer Jugendlichen
- Konklusion
- Quellenverzeichnis
- Anhang
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Maturitätsarbeit befasst sich mit der Frage, ob Jugendliche in Winterthur zunehmend aus dem öffentlichen Raum verdrängt werden. Ausgehend von einem persönlichen Erlebnis, bei dem der Autor und seine Freunde von der Polizei kontrolliert wurden, untersucht die Arbeit die rechtliche Situation bezüglich Polizeikontrollen, die Motive für diese Politik und die Auswirkungen auf das Freizeitverhalten von Jugendlichen.
- Rechtliche Analyse von Polizeikontrollen und deren Grenzen
- Analyse der Polizeipolitik in Winterthur und deren Auswirkungen auf das Sicherheitsempfinden der Bürger
- Untersuchung des Themas Social Profiling und dessen Einfluss auf die Polizeipraxis
- Analyse der Auswirkungen von Personenkontrollen auf das Freizeitverhalten von Jugendlichen
- Diskussion der Frage, ob Jugendliche in Winterthur aus dem öffentlichen Raum verdrängt werden
Zusammenfassung der Kapitel
Die Arbeit beginnt mit einer persönlichen Erfahrung des Autors, die die Problematik des Themas verdeutlicht. Kapitel 3 analysiert den Vorfall rechtlich und beleuchtet die relevanten Gesetze und Rechtsprechung. Kapitel 4 untersucht den Einfluss der Polizeipolitik auf die Freizeit der Jugendlichen in Winterthur. Es werden das Sicherheitsempfinden der Bürger, Verdacht auf Cannabis, Social Profiling, die Verhältnismässigkeit von Personenkontrollen und die Frage der Hotspots beleuchtet.
Schlüsselwörter
Polizeikontrollen, Jugend, öffentlicher Raum, Sicherheitsempfinden, Social Profiling, Freizeitverhalten, Winterthur, Rechtliche Analyse, Hypothese.
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- Robin Huber (Autor), 2016, Die Einengung des öffentlichen Raumes als gesellschaftliches Phänomen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/368164