In dieser Arbeit wird der Frage nachgegangen, ob Hilfslosigkeit am Modell gelernt werden kann. Es werden zwei dieses Thema behandelnde Studien präsentiert und kritisiert. In der ersten Studie werden Probanden in Modell und Beobachter unterteilt und einem Prozess aus zwei Verfahren unterzogen, wobei in Ersterem das Modell Hilflosigkeit modellieren soll und im Nächsten die Wirkung der Modellierung gemessen werden soll.
Leider resultieren keine signifikante Ergebnisse aus dieser Studie. Die zweite Studie setzt einen Konfidenten als Modell ein. Im ersten Verfahren soll den Probanden ihr sozialer Vergleich zum Modell beeinflusst werden. Dann soll im zweiten Verfahren das Modell Hilflosigkeit modellieren und dessen Wirkung bei den Beobachtern, den Probanden, gemessen werden. Wie anschließend erläutert wird, sind auch dessen Ergebnisse invalide. Orientiert an diesen zwei Studien wird ein Konzept einer Studie vorgestellt, die die Leitfrage beantworten soll. Der Diskussionsteil befasst sich mit dieser auf theoretischer Basis.
Inhaltsverzeichnis
Kurzfassung
Kann erlernte Hilfslosigkeit durch Modelllernen herbeigeführt werden?
1 Die erste Studie
1.1 Studienaufbau
1.2 Kritik
2 Die zweite Studie
2.1 Studienaufbau
2.2 Kritik
3 Konzept angemessenen Studienaufbaus
4 Diskussion
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die psychologische Fragestellung, ob das Phänomen der erlernten Hilfslosigkeit durch Modelllernen bei Beobachtern induziert werden kann. Hierfür werden bestehende Studien kritisch analysiert, um anschließend ein eigenes Konzept für ein Laborexperiment zur Beantwortung der Leitfrage zu entwickeln.
- Erlernte Hilfslosigkeit nach Seligman und Maier
- Modelllernen nach Bandura
- Kritische Analyse empirischer Studien zum stellvertretenden Lernen von Hilfslosigkeit
- Bedeutung von wahrgenommener Ähnlichkeit zwischen Modell und Beobachter
- Entwicklung eines methodischen Konzepts zur Untersuchung der Forschungsfrage
Auszug aus dem Buch
Die erste Studie
Im Folgenden soll die Erste der zwei Studien behandelt werden, die sich der Frage widmen, ob sich erlernte Hilfslosigkeit durch Modelllernen herbeiführen lässt. Sie wurde von Elson M. Bihm, Richard M. McWhirter und Patti L. Kidda an der Texas University und der University of Southwestern Louisiana verfasst und umgesetzt. Zuerst werden der Aufbau der Studie und ihre Ergebnisse beschrieben. Danach sollen beide Punkte kritisch analysiert werden.
Die Hypothese dieser Studie lautet, dass erlernte Hilfslosigkeit durch Modelllernen hervorgerufen werden kann. Das bedeutet, die eigene Wirksamkeitserwartung bezüglich einer Handlung werde reduziert, indem man beobachtet, dass ein Anderer bei gleicher Handlung scheitert (s. Bandura, 1976; s. Seligman & Maier, 1967).
An dieser Studie nahmen 58 Studenten, davon 22 männlich und 36 weiblich, im durchschnittlichen Alter von 19,8 Jahre, im Rahmen ihres Psychologiestudiums teil. Nach dem Zufallsprinzip werden diese entweder in die Rolle eines Beobachters (B) oder in die eines Modells (M) separiert. Die Versuchspersonen (Vpn), die als M ausgewählt werden, werden zwei Konditionen unterteilt. Die erste Modellgruppe ist die sogenannte "Solvable-Group", die Zweite die "Unsolvable-Group". In der Kontrollgruppe gibt es keinen M. Für beide Gruppen folgt in den nächsten Abschnitten eine Erläuterung ihrer Funktion.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Die erste Studie: Dieses Kapitel präsentiert eine Untersuchung von Bihm et al., in der die Auswirkung des Scheiterns eines Modells auf die Leistung von Beobachtern bei Anagramm-Aufgaben analysiert wurde.
2 Die zweite Studie: Hier wird eine weiterführende Studie von Brown und Inouye vorgestellt, welche die Rolle der wahrgenommenen Ähnlichkeit zwischen Modell und Beobachter als Mediator für den Effekt erlernter Hilfslosigkeit beleuchtet.
3 Konzept angemessenen Studienaufbaus: Aufgrund methodischer Schwächen der analysierten Studien wird ein neues, experimentelles Design entworfen, das eine kontrollierte Untersuchung der Forschungsfrage ermöglichen soll.
4 Diskussion: Auf theoretischer Basis wird erörtert, inwiefern Modelllernen und erlernte Hilfslosigkeit als Elemente des kognitiven Paradigmas interagieren und wie künftige Forschung die Leitfrage klären kann.
5 Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass das Phänomen zwar theoretisch plausibel erscheint, aber eine finale empirische Bestätigung durch zukünftige Studien noch aussteht.
Schlüsselwörter
Erlernte Hilfslosigkeit, Modelllernen, Kognitionspsychologie, Wirksamkeitserwartung, Anagramm-Aufgaben, Beobachtungslernen, Soziale Ähnlichkeit, Stresssignale, Laborexperiment, Performanz, Psychologie, Motivation, Kognition, Selbstwahrnehmung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht, ob Hilfslosigkeit durch die Beobachtung eines anderen Individuums (Modelllernen) erlernt werden kann, anstatt nur durch direkte eigene Erfahrung.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind das Konzept der erlernten Hilfslosigkeit nach Seligman, die Theorie des Modelllernens nach Bandura und die Untersuchung von sozialen Einflussfaktoren auf individuelle Leistungserwartungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Hypothese zu prüfen, dass Menschen Hilflosigkeit durch das Beobachten des Scheiterns eines Modells übernehmen, und ein methodisch sauberes Forschungsdesign für diese Fragestellung zu skizzieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor verwendet eine Literaturanalyse und kritische Evaluation zweier bereits existierender empirischer Studien, gefolgt von einer konzeptionellen Entwurfsplanung für ein eigenes Laborexperiment.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Aufbau, die Ergebnisse und die methodischen Mängel der Studien von Bihm et al. (1982) sowie Brown und Inouye (1978).
Welche Schlüsselbegriffe definieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die kognitive Unkontrollierbarkeit, die wahrgenommene Kompetenzähnlichkeit und die Persistenz bei der Aufgabenbearbeitung.
Warum wird das Konzept eines neuen Studienaufbaus in Kapitel 3 vorgestellt?
Da die analysierten Studien methodische Schwachstellen aufwiesen – etwa bei der Gruppeneinteilung oder der Kontrolle von Störvariablen –, ist ein neues Design nötig, um die Leitfrage valide zu beantworten.
Welche Rolle spielt die "Ähnlichkeit" zwischen Modell und Beobachter?
Die Arbeit diskutiert, dass eine wahrgenommene Ähnlichkeit (z.B. gleiches Geschlecht, Alter oder Status) die Identifikation mit dem Modell und damit die Übernahme von erlernter Hilfslosigkeit verstärken kann.
- Citation du texte
- Cihan Bulut (Auteur), 2015, Moderierte erlernte Hilfslosigkeit. Kann erlernte Hilfslosigkeit durch Modelllernen herbeigeführt werden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/368166