Trennungsangst im Kindesalter

Entwicklungsbedingte und psychopathologische Aspekte mit pädagogikrelevanten Anknüpfungspunkten


Hausarbeit, 2015

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Merkmale und Einflussfaktoren entwicklungsbedingter und psychopathologischer Trennungsangst
2.1 Grenzen zwischen "normalem" Verhalten und Störung
2.2 Merkmale in der entwicklungsbedingten Phase
2.3. Merkmale der Störung mit Trennungsangst
2.4. Umwelt und Genetik als variable Einflussfaktoren

3. Die Bindungstheorie zur Erklärung und Entstehung von Trennungsangst
3.1 Die Bindungstheorie
3.2 Entstehung von Bindungsverhalten aus der Trennungsangst
3.3 Entstehung der psychopathologischen Trennungsangst

4. Relevanz der Trennungsangst für die pädagogische Praxis
4.1 Präventives Wissen und Handlungsmöglichkeiten für pädagogische Fachkräfte
4.2 Elternarbeit zum Umgang mit Trennungsangst

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Die folgende Arbeit setzt sich sowohl mit der entwicklungsbedingten Phase von Trennungsangst, als auch mit der klinisch relevanten Störung mit Trennungsangst und deren Ursachen, Merkmalen und Auswirkungen auseinander. Das Befassen mit beiden Arten der Trennungsangst scheint zunächst einmal zu weitläufig für den Umfang dieser Arbeit, trotzdem wurde aber das Thema nach sorgfältiger Überlegung ausgewählt, da beide Arten eng miteinander zusammenhängen und beide eine bedeutende Relevanz für die pädagogische Praxis besitzen. Dieser enge Zusammenhang besteht vor allem deshalb, weil bei einem falschen Umgang mit der Trennungsangst eines Kindes es zu einer spezifischen Störung kommen kann. Insofern ist es wichtig, die Merkmale beider genau zu kennen, um so den Blick und die Sensibilität pädagogischer Fachkräfte zu schulen. Diese Qualifikationen sind deshalb von großer Bedeutung, damit dann in der Praxis Symptome frühzeitig und richtig erkannt werden können und dementsprechend kompetent gehandelt und umgesetzt werden kann. Im Folgenden wird zunächst auf die Unterscheidung, deren Merkmale und Einflussfaktoren der Trennungsangst eingegangen um dann anschließend die Bindungstheorie als mögliches Erklärungsmodell für Ursachen und als Grundlage für das pädagogische Handeln zu nutzen.

2. Merkmale und Einflussfaktoren entwicklungsbedingter und psychopathologischer Trennungsangst

In diesem ersten Abschnitt soll herausgearbeitet werden, welche Arten von Trennungsangst zu unterscheiden sind und welche Ausprägungen, Merkmale und Ursachen sie haben.

2.1 Grenzen zwischen "normalem" Verhalten und Störung

Um mit der Bearbeitung des Themas beginnen zu können, muss zunächst einmal herausgestellt werden, wie sich eine entwicklungsbedingte „normale“ Phase der Trennungsangst von der klinisch relevanten, also einer spezifischen Ausprägung der Angststörung unterscheidet. Evolutionsgeschichtlich ist die Emotion „Angst“ wie folgt zu erklären: Angst erfüllt eine überlebenswichtige Funktion und dient als Schutzmechanismus, um in tatsächlichen oder vermeintlichen Gefahrensituationen ein angemessenes Verhalten zu ermöglichen. Sie äußert sich besonders in Situationen, die als lebensbedrohlich empfunden werden (In-Albon, 2011).

Deshalb ist die Trennungsangst des Kindes von der Bezugsperson[1] als normal und natürlich zu bezeichnen. Es wurde beobachtet, dass es im Säuglingsalter eine entwicklungsbedingte Phase zwischen dem siebten bis ca. zwölften Lebensmonat gibt, die als zeitlich begrenzte Erfahrung zum normalen Entwicklungsprozess dazu gehört. Eine milde, vorübergehend ausgeprägte Trennungsangst, welche mit Beginn einer neuen Entwicklungsphase vorübergeht, gilt als Kennzeichen für eine entwicklungsbedingte Phase (ebd.). Diese Form der Trennungsangst wird in vorliegender Literatur auch häufiger als „Trennungsprotest“ oder „Trennungsleid“ bezeichnet (Bischof-Köhler, 2011 sowie Grossmann & Grossmann, 2012). Dies vereinfacht die Unterscheidung zwischen klinisch relevanter Störung und entwicklungsbedingtem Verhalten. Zudem ist eine vermehrte Häufung von Verlust- und Trennungsängsten zu Beginn der Kindergartenzeit verstärkt zu beobachten (Ennulat, 2001 oder auch Bange, 1986).

Als krankhaft kann das Verhalten des Kindes dann bezeichnet werden, wenn es eine lang anhaltende, starke Beeinträchtigung für das Kind darstellt oder familiäre Probleme auslöst (InAlbon, 2011).

Trotzdem bestehen Schwierigkeiten, gerade bei Kleinkindern, Anzeichen in dem Verhalten für eine mögliche Störung zu erkennen, da sich die Ängste in jenem vorher genannten Säuglingsalter zwischen der Grenze von „normal für den Entwicklungsstand“ und Störung bewegen (ebd.).

2.2 Merkmale in der entwicklungsbedingten Phase

Wie bereits im vorhergegangenen Abschnitt erwähnt, tritt ab einem Alter von etwa sieben Monaten der erste Trennungsprotest auf. Eine typische Äußerung zeigt sich, wenn die Bezugsperson den Raum verlässt (Bischof-Köhler, 2011). Nach Posth (2012) werden früheste, reale, unvermeidliche Trennungsgefühle für den Säugling am Ende des ersten Lebensjahres erlebbar, wenn die Mutter außer Sichtweite gerät. Folgen hiervon äußern sich häufig als ängstliches Weinen. In dieser phasenbedingten Anhänglichkeit versichert sich das Kind immer wieder die Erreichbarkeit der Bezugsperson.

Dieser lautstarke Protest bei der Trennung von der Bindungsperson, welcher nach Kagan (1976) am höchsten zwischen 10 und 18 Monaten ist, äußert sich unabhängig davon, ob das Kind schon Erfahrung mit nichtelterlicher Betreuung gemacht hat oder nicht (zitiert nach Bischof-Köhler, 2011). Erst ab diesem Alter wird die Mutter erst als selbstständiges Objekt wahrgenommen und kann auch deshalb erst jetzt von anderen Personen unterschieden werden und als Bezugsperson erkannt werden (Bischof-Köhler, 2011). Auf die Entwicklung für das Kind zur Bezugsperson hin wird im späteren Verlauf der Arbeit nochmals eingegangen werden.

Nach Grossmann & Grossmann (2012) ist der physiologische Trennungsstress, den der Säugling beziehungsweise das Kleinkind während dieser Phase erlebt, deutlich nachweisbar. Er kann, zumindest in diesem Alter, nicht abgewöhnt, sondern nur durch eine vertraute Person gemildert werden.

Auf das Ausmaß des Trennungsstresses, den der Säugling empfindet, wirkt zudem seine Gesundheitsveranlagung mit ein. Besitzt er eine hohe psychosoziale Widerstandsfähigkeit (Resilienz), fällt es ihm leichter den Trennungsschmerz zu verarbeiten. Besitzt er hingegen eine hohe Vulnerabilität, ist ein besonders hohes Maß an Sensibilität auf Seiten der Bezugsperson erforderlich, um die entwicklungsbedingte Phase nicht zu einer Störung entwickeln zu lassen (Posth, 2012)

2.3 Merkmale der Störung mit Trennungsangst

Die klinisch relevante Trennungsangst, die im ICD-10-GM-2015 unter F 93.0 Emotionale Störung mit Trennungsangst des Kindesalters zu finden ist (Krollner, B. & Krollner, D., 2015), lässt sich von der entwicklungsbedingten Phase unterscheiden. Nach Klicpera & GasteigerKlicpera (2006) wird sie als „exzessive Angst vor der Trennung von den Eltern oder von anderen Personen, an die die Kinder emotional gebunden sind“ (S. 28) definiert.

Sie beginnt immer im frühen Kindesalter und hält mindestens zwei Wochen an. Zudem geht sie weit über das Maß hinaus, das beim jeweiligen Entwicklungsstand zu erwarten sein sollte (ebd. & Posth, 2012). Nach der Klassifikation des ICD-10 muss die Störung mit Trennungsangst ihren Beginn in der Kindheit haben und zwar vor dem 6. Lebensjahr, während der DSM-IV-TR eine Altersgrenze vor dem 18. Lebensjahr festsetzt (In-Albon, 2011).

[...]


[1] Im Verlauf der Arbeit werden immer wieder die Begriffe Bezugsperson, Bindungsperson und Mutter auftauchen. Alle drei Begriffe werden in diesem Zusammenhang gleichwertig zitiert und verwendet. Mutter deshalb, da sie am häufigsten die primäre Bezugsperson repräsentiert. Die Verwendung verschiedener Begriffe dient zum einen zur Erleichterung vom Verständnis der zitierten Literatur zum anderen aus sprachstilistischen Gründen.

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Details

Titel
Trennungsangst im Kindesalter
Untertitel
Entwicklungsbedingte und psychopathologische Aspekte mit pädagogikrelevanten Anknüpfungspunkten
Hochschule
Universität Augsburg  (Lehrstuhl für Psychologie)
Veranstaltung
Entwicklungspsychologische Perspektiven auf das Kindes- und Jugendalter
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
14
Katalognummer
V368267
ISBN (eBook)
9783668466418
ISBN (Buch)
9783668466425
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Psychopathologie, Entwicklungspsychologie, Entwicklung, Pädagogoik, Trennungsangst, Kind, Kindesalter
Arbeit zitieren
Melissa Myrenne (Autor), 2015, Trennungsangst im Kindesalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/368267

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