Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Diskriminierungsverbot aus Gründen der ‚Rasse‘ und wegen der ethnischen Herkunft auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Es wird untersucht, ob und inwiefern das deutsche Antidiskriminierungsrecht die hierzulande lebenden Migrant_innen vor Diskriminierungen schützt. Wie wird das Verbot der Diskriminierung aus rassistischen Gründen bzw. wegen der ethnischen Herkunft in dem deutschen Gesetz umgesetzt und funktioniert dies in der Praxis? Machen die Geschädigten ihre Ansprüche nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz geltend? Und wenn nicht, was hindert sie daran, ihre Rechte wahrzunehmen?
Das Thema Diskriminierung gehört in unserer Gesellschaft zu den Themen, die eingeschränkt der öffentlichen Debatte unterliegen. Es lässt sich jedoch nicht bestreiten, dass immer wieder bestimmte Menschen und Menschengruppen diskriminierenden Praktiken ausgesetzt werden. Obwohl die daraus resultierenden Benachteiligungen von vielen Personen grundsätzlich als ungerecht betrachtet werden, wird die Ungleichbehandlung inmitten unserer Gesellschaft oftmals als ein Tabuthema angesehen und schweigend hingenommen.
Inhaltsverzeichnis
1 Diskriminierung als gesellschaftliches Phänomen
2 Rassistische Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt – Forschungsstand
3 Rechtliche Grundlagen des deutschen Diskriminierungsschutzes
3.1 Die Gleichbehandlungsrichtlinien der Europäischen Union
3.2 Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz
3.2.1 Diskriminierungsmerkmale im Sinne des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes
3.2.2 Formen der Diskriminierung
3.2.3 Anwendungsbereich Erwerbstätigkeit
4 Die Diskriminierung aus Gründen der ‚Rasse‘ oder wegen der ethnischen Herkunft – Fallbeispiele anhand von Klagen nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz
4.1 Diskriminierung beim Zugang zum Arbeitsmarkt am Beispiel der Diskriminierungen wegen der Sprache
4.2 Diskriminierung am Arbeitsplatz am Beispiel der Belästigung
4.3 Gründe für die fehlende Mobilisierung von Rechtsansprüchen
5 Hürden bei der Rechtsdurchsetzung und Defizite der deutschen Antidiskriminierungspolitik
6 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Diskriminierungsverbot aus Gründen der ‚Rasse‘ und der ethnischen Herkunft im Kontext des deutschen Arbeitsmarktes. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, warum Betroffene ihre Ansprüche nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) trotz vorliegender Benachteiligungen nur selten geltend machen und welche strukturellen Hürden dabei bestehen.
- Rassistische Diskriminierung und ethnische Herkunft auf dem Arbeitsmarkt
- Rechtliche Rahmenbedingungen und Schutzwirkung des AGG
- Empirische Analyse von Diskriminierungsfällen in der Arbeitswelt
- Analyse der Hürden bei der Rechtsdurchsetzung für Migrant_innen
- Defizite der deutschen Antidiskriminierungspolitik und Reformvorschläge
Auszug aus dem Buch
4.3 Gründe für die fehlende Mobilisierung von Rechtsansprüchen
Warum machen jedoch die Menschen, die aufgrund der rassistischen Zuschreibungen bzw. wegen ihrer ethnischen Herkunft benachteiligt wurden, ihre Ansprüche nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz nicht geltend?
Die Nichtinanspruchnahme des zustehenden Rechts von den Diskriminierungsopfern hat verschiedene Gründe. Eine große Rolle spielt dabei der Fakt, dass die Menschen in Deutschland und insbesondere die, die den ethnisch motivierten Diskriminierungspraktiken am stärksten ausgesetzt werden, über die Antidiskriminierungsgesetzgebung sowie die Existenz von Gleichbehandlungsstellen nicht im ausreichenden Maß informiert sind. So fand der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration im Rahmen des Integrationsparameters im Jahr 2010 heraus, dass das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz lediglich für 21 % der Menschen mit Migrationshintergrund „gut bekannt“ sei. Darüber hinaus gaben 42 % der Befragten an, von dem Gesetz schon gehört zu haben und für 37 % ist dieses Regelwerk nicht bekannt.
Darüber hinaus spielt für die Betroffenen die Frage, „ob sich die oft kosten- und energieaufwendige Rechtsdurchsetzung aus ihrer Perspektive lohnt und ob sie Unterstützung im ressourcenaufwendigen Prozess der Rechtsdurchsetzung erhalten“, bei der Erwägung eines Rechtswegs eine immense Rolle. In diesem Zusammenhang ist zu sagen, dass es in Deutschland nicht nur an den entsprechenden Beratungsstellen mangelt, sondern auch an kompetenten und sensibilisierten Rechtsanwält_innen, die die Diskriminierungsopfer adäquat begleiten könnten und ihnen auf diese Weise den Klageweg erleichtern würden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Diskriminierung als gesellschaftliches Phänomen: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein und verdeutlicht, dass Diskriminierung aufgrund rassistischer Zuschreibungen in Deutschland ein relevantes, jedoch oft tabuisiertes Problem darstellt.
2 Rassistische Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt – Forschungsstand: Hier werden aktuelle Studien zusammengefasst, die die Benachteiligung von Menschen mit Migrationshintergrund auf dem Arbeitsmarkt empirisch belegen.
3 Rechtliche Grundlagen des deutschen Diskriminierungsschutzes: Dieser Abschnitt erläutert die europäischen Richtlinien sowie das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) als zentrales Instrument des Diskriminierungsschutzes.
4 Die Diskriminierung aus Gründen der ‚Rasse‘ oder wegen der ethnischen Herkunft – Fallbeispiele anhand von Klagen nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz: Das Kapitel analysiert konkrete Rechtsprechung und untersucht die Barrieren, die Betroffene an einer rechtlichen Mobilisierung hindern.
5 Hürden bei der Rechtsdurchsetzung und Defizite der deutschen Antidiskriminierungspolitik: Hier werden die strukturellen Schwächen des deutschen Antidiskriminierungssystems aufgezeigt und konkrete Handlungsempfehlungen zur Verbesserung formuliert.
6 Zusammenfassung: Der abschließende Teil fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und resümiert die Notwendigkeit einer effektiveren Antidiskriminierungspolitik.
Schlüsselwörter
Diskriminierung, Rassismus, ethnische Herkunft, Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz, AGG, Arbeitsmarkt, Migrant_innen, Rechtsdurchsetzung, Antidiskriminierungspolitik, Benachteiligung, Integration, Rechtsberatung, Gerichtsurteile, Beweislast, Diskriminierungsschutz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Wirksamkeit des Diskriminierungsverbots aus Gründen der ‚Rasse‘ und der ethnischen Herkunft im deutschen Arbeitsrecht.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der rechtlichen Struktur des AGG, den Auswirkungen rassistischer Diskriminierung am Arbeitsplatz und den Hindernissen bei der Rechtsdurchsetzung.
Was ist die primäre Zielsetzung der Untersuchung?
Ziel ist es zu ergründen, weshalb Betroffene trotz rechtlicher Möglichkeiten nur selten gegen Diskriminierung klagen und wie das deutsche System verbessert werden könnte.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Es handelt sich um eine theoretische und rechtliche Analyse, die empirische Studien und ausgewählte arbeitsgerichtliche Entscheidungen einbezieht.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Im Hauptteil werden rechtliche Grundlagen, konkrete Fallbeispiele zur Rechtsprechung sowie die Gründe für die geringe Inanspruchnahme von Rechtsmitteln durch Betroffene analysiert.
Was sind die charakteristischen Schlüsselbegriffe der Arbeit?
Kernbegriffe sind Diskriminierung, Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG), ethnische Herkunft, Rechtsdurchsetzung und Arbeitsmarkt.
Warum spielt die Beweislast im AGG laut Autorin eine so große Rolle für das Scheitern von Klagen?
Die Autorin stellt dar, dass die hohen Anforderungen an den Indizienbeweis es Beklagten ermöglichen, Diskriminierung zu tarnen, was viele Opfer von einer Klage abhält.
Welche Rolle spielt die subjektive Wahrnehmung der Gerichte bei den Betroffenen?
Gerichte werden von Betroffenen oft nicht als unterstützende Instanzen wahrgenommen, da die Angst vor einer retraumatisierenden Atmosphäre oder einer Stigmatisierung im Prozess sehr groß ist.
- Arbeit zitieren
- Kamila Cyrulik (Autor:in), 2017, Was hindert Menschen mit Migrationshintergrund daran, Ansprüche aus dem AGG geltend zu machen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/368275