Die Ende des 16. Jahrhunderts von Wittelsbacher Herzog Wilhelm V. für die Jesuiten geschaffene Kirche St. Michael befindet sich in der Münchner Innenstadt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg setzte sie völlig neue architektonische Maßstäbe und diente für viele Nachfolgebauten als Vorbild. Mit dieser Arbeit soll ein Versuch unternommen werden, die bedeutende Rolle dieser Kirche innerhalb der mitteleuropäischen Architekturentwicklung des Barock herauszustellen und dies zu begründen. Vor allem den Fragen nach Raumtypus und Epochenzuordnung wird hierbei nachgegangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Baugeschichte
3. Baubeschreibung
a) Grundriss
b) Raumtypus
4. Fassade
5. Conclusio
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht die architekturgeschichtliche Bedeutung der St. Michaels Kirche in München als Schlüsselbau der Gegenreformation und Wegbereiterin für den süddeutschen Barock. Die Forschungsfrage fokussiert sich dabei auf die komplexe Einordnung des Baus zwischen Renaissance und Barock sowie die Analyse des spezifischen Raumtypus und des politisch-dynastischen Fassadenprogramms.
- Architekturgeschichte der Jesuitenkirche St. Michael in München
- Analyse des Wandpfeiler-Raumtypus im Vergleich zu zeitgenössischen Beispielen
- Untersuchung der architektonischen Einflüsse und der Planungsgeschichte
- Das politische Bildprogramm der Fassade als Instrument fürstlicher Repräsentation
Auszug aus dem Buch
b) Raumtypus
Über den Raumtypus von St. Michael verrät uns der Grundriss nicht sehr viel, außer dass man es hier entweder mit dem Typus der Saal- oder der Wandpfeilerkirche zu tun hat und nicht mehr mit einer ein- oder mehrschiffigen Hallenkirche oder Basilika. Allgemein handelt es sich im Wandaufriss des Langhauses beidseitig um je drei Kapellen über denen sich Emporen befinden, die durch Pfeiler mit Figurennischen voneinander getrennt werden (Abb. 8).
Um der Frage, Saal- oder Wandpfeilerkirche, nachzugehen, erachte ich es für sinnvoll, die wichtigsten Charakteristika der beiden Typen aufzuzeigen, um die Unterschiede festzumachen. Die Saalkirche zeichnet sich hauptsächlich durch ein durchlaufendes Gebälk mit subordinierten Pfeilern aus sowie einem geschlossenen tonnengewölbten Hauptraum, der links und rechts mit durchgehenden Mauern umlaufen ist, die durch Seitenkapellen geöffnet sind. Vor allem der wesentlich stärker ausgeprägte Wandcharakter des Saalraums stellt einen bedeutenden Unterschied zur Wandpfeilerkirche dar23. Ein Beispiel hierfür wäre die Kirche S. Ignazio in Rom (ab 1626) (Abb. 9).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verortet St. Michael als gegenreformatorisches Hauptwerk in München und skizziert den aktuellen Forschungsstand sowie die Fragestellungen zur Epochenzuordnung und dem Raumtypus.
2. Baugeschichte: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung der Kirche unter Herzog Wilhelm V., den Einfluss der Jesuiten sowie die maßgeblichen Änderungen durch den Einsturz des Turms 1590.
3. Baubeschreibung: Hier wird der bauliche Grundriss sowie die komplexe Definition des Raumtypus im Vergleich mit anderen Jesuitenbauten eingehend analysiert.
4. Fassade: Das Kapitel widmet sich der architektonischen und programmatischen Gestaltung der Fassade, wobei insbesondere die Funktion als politisches Machtinstrument hervorgehoben wird.
5. Conclusio: Die Conclusio fasst die Rolle von St. Michael als Initialbau der süddeutschen Sakralarchitektur zusammen und bestätigt die Sonderstellung des Baus zwischen verschiedenen architektonischen Stilen.
Schlüsselwörter
St. Michael München, Jesuitenkirche, Gegenreformation, Wandpfeilerkirche, Saalkirche, Baugeschichte, Architektur, Fassade, Wilhelm V., Barock, Renaissance, Manierismus, Raumtypus, Baustatik, Sakralarchitektur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die kunsthistorische Bedeutung der St. Michaels Kirche in München und ihren Einfluss auf die Entwicklung der Architektur in Süddeutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Schwerpunkte bilden die Baugeschichte, die architektonische Typologie (Raumtypus) und das politische sowie religiöse Bildprogramm der Fassade.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die spezifische Position der Kirche zwischen den Epochen der Renaissance und des Barock zu bestimmen und ihre Bedeutung als Vorbildbau zu klären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse, bei der Grundrisse und Wandaufrisse von St. Michael mit Referenzbauten wie S. Ignazio in Rom oder der Jesuitenkirche in Dillingen verglichen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben den baulichen Phasen vor allem die strukturellen Merkmale des Wandpfeilersystems und die symbolische Bedeutung der Nischenfiguren an der Fassade analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben St. Michael, Gegenreformation und Wandpfeilerkirche sind Begriffe wie Machtlegitimation, Architekturtheorie und Jesuitische Sakralarchitektur maßgeblich.
Warum wird St. Michael nicht eindeutig als Barockbau eingeordnet?
Die Autorin argumentiert, dass der Bau Merkmale sowohl der Renaissance als auch spätgotischer Traditionen aufweist, weshalb eine einfache Zuordnung problematisch ist.
Welche Rolle spielt die Fassade in diesem Kontext?
Die Fassade dient weniger rein sakralen Zwecken, sondern agiert als politisches Propagandainstrument des Herzogs Wilhelm V. zur Machtlegitimation.
Was unterscheidet das Innere vom Äußeren der Kirche?
Während der Innenraum primär jesuitischen, religiösen Bedürfnissen folgt, repräsentiert das Äußere den politischen Machtanspruch des weltlichen Auftraggebers.
Welche Bedeutung hat der Begriff "Wandpfeilerhalle"?
Die Autorin diskutiert diesen Begriff kritisch und schlägt vor, St. Michael eher als Vorstufe der klassischen Wandpfeilerkirche zu begreifen, da der Bautypus zu dieser Zeit noch in der Entwicklung war.
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- Sevda Onur (Author), 2015, Die Bedeutung der St. Michaels Kirche in München in der mitteleuropäischen Architekturentwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/368283