Der Palazzo Pitti ist eine der vielen beliebten Anlaufstellen für Touristen in Florenz. Die Decke der damals als Staatsappartement genutzten Galerie wurde Mitte des 16. Jahrhunderts von Baumeister und Maler Pietro da Cortona mit Stuck und Fresken ausgestattet und ist das Thema der vorliegenden Arbeit.
Die Frage, mit der ich mich im Folgenden auseinandersetzen möchte, bezieht sich auf die Entstehung und Herkunft der Darstellungsweise der Fresken in den Planetensälen und ihre damit verbundene Bedeutung für die Entwicklung barocker Deckenmalerei. Mithilfe einer Untersuchung der Geschichte des Palazzo Pitti, der Ausstattung der Räumlichkeiten in Bezug auf Ikonografie, Funktion, Ausführung und schließlich mit einem Vergleich zum Barberini Fresko in Rom werde ich den Versuch unternehmen, eine aussagekräftige Analyse zu gestalten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einführung zum Palazzo Pitti
3. Die Saalfresken von Pietro da Cortona im Palazzo Pitti
3.1. Sala della Stufa
3.2. Die Planetensäle
3.2.1. Ikonografie & Raumfunktion
3.2.2. Ausführung: Stuck & Malerei
3.2.3. Vergleich mit Cortonas Barberini Fresko
4. Conclusio
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehung, Herkunft und Bedeutung der Deckenfresken von Pietro da Cortona in den Planetensälen des Palazzo Pitti in Florenz. Ziel ist es, durch eine Analyse des ikonografischen Konzepts, der Raumfunktion und der künstlerischen Ausführung das spezifische System der barocken Deckendekoration Cortonas herauszuarbeiten und dessen Einfluss auf die europäische Prunksaalgestaltung aufzuzeigen.
- Historischer Kontext und Ausstattung des Palazzo Pitti
- Ikonografie und mythologische Allegorien der Planetensäle
- Die Symbiose von Stuck, Malerei und Architektur
- Vergleichende Analyse zum Barberini-Fresko in Rom
- Die Rolle Cortonas als Wegweiser für die barocke Raumgestaltung
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Ikonografie & Raumfunktion
Der Freskenzyklus beginnt, wie zuvor schon erwähnt, im Sala di Venere, dem ersten allgemeinen Vorzimmer der Großherzoglichen Gemächer und für Personen jeden Standes zugänglich, die vom Herzog empfangen wurden (Abb. 5). Dieser Saal ist ein rechteckiger Raum mit einem Spiegelgewölbe über Stichkappen, unter denen sich freskierte Lünetten befinden, die durch Bogenzwickel mit Stuckmedaillons voneinander getrennt und von einem Gesims getragen werden. So scheint der Raum in drei Ebenen unterteilt: Die Wandebene, darüber der Bereich mit Stichkappen und Lünetten und schließlich das Gewölbe. Diese relativ simple Wandunterteilung unterscheidet sich stark in ihren Ebenen durch ihre Oberflächendekoration. Diese Abgrenzung erreichte Cortona durch den Einsatz von Gesimsen, die die unterschiedlichen Ebenen der Wand voneinander trennen. Dadurch wird der stark dekorierte obere Teil des Raums von dem weniger oder kaum dekorierten unteren Wandbereich klar getrennt, wodurch der Betrachter den oberen Bereich mit Stichkappen, Lünetten und Gewölbe als Gesamtbild erfassen soll.
Die Decke zeigt eine bewegte Szene, in der der jugendliche Held von Minerva, der Göttin der Weisheit, Kunst und Wissenschaft, gewaltsam aus den Armen der Venus entrissen und Richtung Himmel entführt wird (Abb. 6). Dort erwarten ihn ein Genius mit Lorbeerkranz und der Tugendheld Herkules. Hieraus soll der Schluss gezogen werden, dass unsterblicher Ruhm nur den erwartet, der sich schon im Jugendalter entschließt, den Weg der Weisheit und Tugend zu gehen. Den Inhalt der Darstellungen verdeutlichen in allen Räumen auch die an der Rahmung angebrachten Inschriften, wie beispielsweise ADOLOSCENTIAM PALLAS A VENERE AVELLIT (Pallas entreißt die Jugend der Venus) oder RADIX AMARA VIRTVTIS FRVCTVS SVAVIS (Aus bitterer Wurzel – süße Frucht der Tugend). Die acht Lünetten, die das Mittelbild rahmen, beziehen sich ebenfalls auf diese Thematik und illustrieren berühmte antike Beispiele der Erfolgsgeschichte von Tugend und Enthaltsamkeit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Deckenfresken von Pietro da Cortona im Palazzo Pitti ein und gibt einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand und die wissenschaftliche Literatur.
2. Einführung zum Palazzo Pitti: Dieses Kapitel erläutert die Baugeschichte des Palazzo Pitti und dessen Wandel von einer Kaufmannsresidenz zum herrschaftlichen Wohnsitz der Medici sowie den kunstgeschichtlichen Kontext des Barockzeitalters.
3. Die Saalfresken von Pietro da Cortona im Palazzo Pitti: Dieser Hauptteil analysiert detailliert die Gestaltung des Sala della Stufa sowie die ikonografischen und technischen Aspekte des Freskenzyklus in den Planetensälen, inklusive eines Vergleichs mit dem Barberini-Fresko.
4. Conclusio: Die Conclusio fasst die Ergebnisse zusammen und würdigt die Bedeutung Cortonas als wegweisenden Dekorateur, dessen neues System der Deckengestaltung die europäische Innenarchitektur nachhaltig beeinflusste.
Schlüsselwörter
Pietro da Cortona, Palazzo Pitti, Planetensäle, barocke Deckenmalerei, Ikonografie, Stuckdekoration, Galleria Palatina, Medici, Raumillusion, Quadratura, Sala di Venere, Sala di Giove, Barberini-Fresko, Allegorie, Kunstgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem berühmten Freskenzyklus von Pietro da Cortona in den sogenannten Planetensälen des Palazzo Pitti in Florenz und dessen kunsthistorischer Bedeutung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Ikonografie des Freskenzyklus, die künstlerische Verbindung von Malerei und Stuck sowie die Rolle dieser Räume im Kontext der höfischen Repräsentation des 17. Jahrhunderts.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie Cortona durch ein neues System der Deckendekoration – die Fusion von Architektur, Skulptur und Malerei – eine Raumerweiterung erreichte, die zum Vorbild für die europäische Prunksaalgestaltung wurde.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit stützt sich auf eine kunsthistorische Analyse der Primärquelle (der Fresken selbst) sowie auf eine eingehende Untersuchung relevanter Fachliteratur und vergleichender Fallbeispiele.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Beschreibung und Interpretation der einzelnen Planetensäle sowie der Untersuchung der technischen Ausführung von Stuck und Malerei.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören Pietro da Cortona, Barockmalerei, Ikonografie, Illusionsraum und die spezifische Ausgestaltung der Medici-Repräsentationsräume.
Warum spielt das Barberini-Fresko eine Rolle für das Verständnis der Arbeit?
Das Barberini-Fresko in Rom dient als Vergleichsmodell, um die Weiterentwicklung von Cortonas Technik von der Scheinarchitektur hin zur realen, plastischen Dekoration im Palazzo Pitti aufzuzeigen.
Welche Rolle spielt die Stuckdekoration in den Planetensälen?
Die Stuckdekoration dient nicht nur als Rahmen, sondern ist integraler Bestandteil des Illusionsraums; sie leitet den Blick des Betrachters und schafft eine Verbindung zwischen dem physischen Raum und der gemalten Szenerie.
Inwiefern beeinflussten die Planetensäle die spätere europäische Kunst?
Die Art der Raumgestaltung durch Cortona beeinflusste maßgeblich spätere Werke, wie etwa die Dekoration der Spiegelgalerie in Versailles, und wurde bis ins 19. Jahrhundert hinein adaptiert.
Welche Bedeutung kommt dem Sala di Saturno als Abschluss der Raumfolge zu?
Der Sala di Saturno, der als letzter Raum nur der Herrscherfamilie zugänglich war, symbolisiert mit der Apotheose des Helden das Ende des irdischen Lebensweges und unterstreicht den exklusiven, dynastischen Anspruch des Programms.
- Citation du texte
- Sevda Onur (Auteur), 2015, Die Bedeutung der Deckenfresken von Pietro da Cortona in den Planetensälen des Palazzo Pitti in Florenz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/368287