In folgender Hausarbeit wird den Befunden der wissenschaftlichen Sozialisationsforschung der Individualfall einer Lesesozialisation gegenübergestellt. Der Individualfall bezieht sich dabei auf die Zeitspanne vom ersten bis zum 21. Lebensjahr der Autorin.
Lesesozialisation zeigt die Prozesse auf, die den Erwerb und die Praxis des Lesens bestimmen, sowie die möglichen Einflüsse auf die individuelle Motivation, Literatur zu rezipieren. Instanzen der Lesesozialisation stellen dabei Familie, Schule und der Freundeskreis einer Person dar, welche in den unterschiedlichen Lebensabschnitten unterschiedlich gewichtet auf die Praxis und Motivation des Lesens einwirken.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Hauptteil
1. Die primäre literarische Initiation
2. Die Alphabetisierung
3. Die Phase lustvoller Kinderlektüre
4. Die „Lesekrise“
5. Die sekundäre literarische Initiation
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen der Lesesozialisation und setzt diese in einer Leseautobiografie in Bezug zu einem konkreten Individualfall. Ziel ist es, die Prozesse des Leseerwerbs sowie die förderlichen und hemmenden Einflüsse von Familie, Schule und Umfeld auf die Lesemotivation kritisch zu reflektieren und daraus Erkenntnisse für die pädagogische Praxis als angehende Lehrkraft abzuleiten.
- Theoretische Verlaufsformen der Lesegenese in Kindheit und Jugend
- Einflussfaktoren wie Familie, Peer-Groups und schulische Leseumgebungen
- Phasen der Lesesozialisation (Initiation, Alphabetisierung, Krise, Neuausrichtung)
- Reflexion persönlicher Leseerfahrungen im Vergleich zu wissenschaftlichen Befunden
Auszug aus dem Buch
1. Die primäre literarische Initiation
Die erste Instanz im Leben eines Kindes stellt die Familie dar. Hier werden erste Eindrücke gewonnen und das Leben mit allen Facetten kennengelernt. Somit sind es auch Eltern und Geschwister als unmittelbares Umfeld, bei denen Eigenschaften, Verhaltensweisen und Moralvorstellungen als erstes beobachtet werden. Geht man davon aus, dass Kinder sich vieles, was durch die Mitmenschen vorgelebt wird, nachahmend aneignen, liegt nahe, dass auch der Umgang mit Literatur abgeguckt wird. Die Familie wird dabei zur „wirkungsvollste[n] aller Lesesozialisationsinstanzen. Sie hat nicht nur den frühesten und damit prägendsten Einfluss, sondern auch den langfristigsten“.
„Die literarische Entwicklung des Kindes beginnt lange vor dem Lesenlernen.“ Schon bevor das Kind lernt Buchstaben und Wörter zu entziffern erfährt es durch Bilderbücher und das Vorlesen von Geschichten durch die Eltern erste Eindrücke von Literatur. Das Kind besitzt eine „Neugier auf das, was die Eltern treiben“ und entwickelt durch die Verbindung von mündlichen Erzählungen und passenden Bildern eine frühe Motivation sich weiter mit Literatur zu beschäftigen. Eine gelingende Lesesozialisation ist also abhängig von einem bestimmten Leseklima innerhalb der Familie. Lesende Eltern werden zu Vorbildern und gestalten meist ein leseanregendes Umfeld für das Kind. Das gemeinsame Beschäftigen von Eltern und Kind mit literarischen Werken „fördert in besonderer Weise die Sprachentwicklung“, da dem Kind der direkte Zusammenhang von gesprochenem und geschriebenem Wort zugänglich und begreiflich wird.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der Lesesozialisation und Zielsetzung der persönlichen Auseinandersetzung mit der eigenen Leseautobiografie im Kontext angehender Lehrkräfte.
Hauptteil: Wissenschaftliche Herleitung und biografische Reflexion der Phasen der Leseentwicklung vom Kleinkindalter bis zum Erwachsenenalter.
1. Die primäre literarische Initiation: Analyse des Einflusses der Familie auf die frühe Leseentwicklung durch Vorlesen und erste Literaturerfahrungen.
2. Die Alphabetisierung: Untersuchung des Schriftspracherwerbs in der Grundschule und der Auswirkung des schulischen Kontextes auf die Lesemotivation.
3. Die Phase lustvoller Kinderlektüre: Beschreibung der Phase des selbstständigen Lesens und des Einflusses von Peers und Bibliotheken auf das Leseverhalten.
4. Die „Lesekrise“: Beleuchtung der kritischen Phase der Pubertät, in der sich Leseinteressen wandeln und potenzielle Motivationsprobleme auftreten können.
5. Die sekundäre literarische Initiation: Betrachtung der Abkehr von Trivialliteratur hin zu einem anspruchsvolleren Leseverhalten im Jugend- und jungen Erwachsenenalter.
Schlüsselwörter
Lesesozialisation, Lesegenese, Lesemotivation, Literaturdidaktik, Schriftspracherwerb, Leseautobiografie, Sozialisationsinstanzen, Kindheit, Jugend, Lesekrise, Leseverhalten, Literaturunterricht, Familie, Peers, Schule.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die wissenschaftlichen Grundlagen der Lesesozialisation und vergleicht diese mit einer persönlichen Leseautobiografie, um die Entwicklung zum lesenden Individuum zu verstehen.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zentral sind die verschiedenen Lebensphasen des Lesens, der Einfluss von Vorbildern in Familie und Schule sowie die Bedeutung von Literatur für die eigene Identitätsbildung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die theoretischen Phasen der Lesegenese auf einen Individualfall zu übertragen, um ein besseres Verständnis für lesefördernde Maßnahmen im späteren Lehrerberuf zu erlangen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit verfolgt ein deduktives Vorgehen, bei dem wissenschaftliche Erkenntnisse der Sozialisationsforschung als Basis dienen, um den individuellen Verlauf der Leseentwicklung zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch von der primären Initiation in der Kindheit über die Alphabetisierung und die Pubertätsphase bis zur sekundären Initiation.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Lesesozialisation, Lesemotivation, Identitätsentwicklung und Literaturdidaktik charakterisieren.
Warum ist das Thema der Lesesozialisation für Lehrkräfte wichtig?
Es hilft Lehrkräften, die unterschiedlichen Lesevoraussetzungen von Schülern einzuschätzen und den Unterricht so zu gestalten, dass Lesefreude gefördert statt gehemmt wird.
Was bedeutet der Begriff „Lesekrise“ im Kontext der Arbeit?
Damit ist die Phase in der Pubertät gemeint, in der bisherige Lesegewohnheiten infrage gestellt werden und das Kind/Jugendliche eine Neuorientierung in Bezug auf Lektürestoffe durchläuft.
Welche Rolle spielt die Familie in der frühen Leseentwicklung?
Die Familie ist die erste und wirkungsvollste Instanz, die durch das Vorlesen und ein leseorientiertes Umfeld den Grundstein für die literarische Neugier legt.
Wie unterscheidet sich die „sekundäre literarische Initiation“?
Sie bezeichnet den Übergang vom konsumorientierten Lesen trivialer Texte hin zu anspruchsvolleren Werken, die einen bewussteren Umgang mit Literatur widerspiegeln.
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- Luisa Wittenbrink (Autor), 2016, Die Lesesozialisation. Theorie und Leseautobiographie, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/368339